Review: Fear The Walking Dead S05E13 – Leave What You Don’t - PewPewPew


AMC

Fear The Walking Dead überrascht mit einer neuen Folge kurz vor Staffelende, die einiges auf den Kopf stellt und wegweisend für die sechste Staffel ist. Wieso nur hat das so lange gedauert?

Im Englischen gibt es die schöne Redewendung „running on fumes“, was sich am besten mit „aus dem letzten Loch pfeifen“ übersetzen lässt. Eine direkte Übersetzung wäre wohl, dass die Ressourcen so niedrig sind, dass man mit den letzten Reserven auskommen muss: Das Auto fährt quasi nur noch mit den Benzindämpfen.

Eine bessere Beschreibung für das einstmals großartige Walking Dead Spin-off, in dem es zuletzt nur noch um Benzin und Hilfspakete statt um Angst vor Zombies ging, lässt sich kaum finden. Um es mit den Worten der Show zu sagen: Der Tank war leer. Fear the Walking Dead erzählt seit zwei Staffeln eine völlig bizarre Geschichte ohne roten Faden um Menschen, die helfen wollen, und Morgan. Immer wieder Morgan.

Die drei wichtigsten Erkenntnisse der neuen Fear the Walking Dead-Folge:

  • Morgan und Al fehlen erneut. Es ist weiterhin ein Segen für die Serie.
  • Alicia, Strand und Daniel werden jedoch schmerzlich vermisst. Der Kampf um das Ölfeld machte wenig Spaß und hatte eklatante Schnittfehler. Von der guten Regie aus der letzten Woche blieb nichts übrig.
  • Der Rabbi, Wes und die gerettete Frau – die Serie kann sich vor neuen Figuren nicht retten. Es braucht einen Radikalschlag am Ende der Staffel!

Das scheint vorerst vorbei zu sein. Die dreizehnte Folge der fünften Staffel „Leave What You Don’t“ ist kein Meisterwerk und bewegt sich zugleich auf hauchdünnem Eis, kann jedoch mit einem förmlichen Ausbruch aus der überschwänglichen Langeweile überraschen und einen Schritt in die richtige Richtung machen. Das ist nicht viel. Aber es ist etwas.

Fear The Walking Dead verschenkt Logan, aber es spielt keine Rolle

Die größten Probleme dieser Staffelhälfte waren die ziellose Geschichte um das Helfen irgendwelcher Leute entlang der texanischen Landstraßen und der langweilige Bösewicht Logan (Matt Frewer). Die Folge „Hilfspakete“ löst gleich beide, wenn auch recht unelegant.

Die Autoren geben Logan endlich eine Hintergrundgeschichte und erklären seine Motivation, lassen dies sogar in einem durchaus packenden Höhepunkt an der begehrten Ölquelle gipfeln, nur um ihn in einem krassen Twist von einer neuen Gruppe namens „Die Pioniere“ töten zu lassen.

Das ist recht schade, denn zunächst einmal gab Matt Frewer der hauchdünnen Figur sehr viel Gewicht. Gleichzeitig verschenkt die Serie ein spannendes Bindeglied zwischen Morgans Gruppe und den neuen Gegenspielern, welches das Gefüge sicherlich komplexer gestaltet hätte.

Noch tragischer wird sein Abscheiden dadurch, dass man ihm endlich eine Hintergrundgeschichte und Motivation gab. Logan trat in der Staffel enorm zahm auf. Der Konflikt zwischen den Gruppen war abstrus gewaltlos und Logan betonte immer wieder, dass er auch helfen wolle und sich nur die Methoden unterscheiden würden. Dies entpuppte sich nun als Wahrheit.

Die neue Wendung ist nur einer von vielen Fehlern der Staffel

Auch er wollte einer von Zombies verfolgten Frau helfen, kam jedoch zu spät – und, wie sich später herausstellt, lag dies daran, dass Wendell und Sarah (Mo Collins) den Truck damals stibitzen. Dass Sarah als eindimensionale Sprücheklopferin nun im emotionalen Finale der Folge auf dem heißen Stuhl saß, war unerwartet und funktionierte nicht wirklich, aber aktuell ist alles besser als eine erneute Ansprache von Morgan (Lennie James).

Anschließend fand die neue Gruppe Logan, deren größeren Pläne von ihm bereits mehrfach im Verlauf der Staffel angedeutet wurden. Rückblickend wird somit einiges klarer, gleichzeitig offenbaren sich aber auch die immensen Planungsfehler dieser Staffel.

Wieso verschwenden wir eine halbe Staffel mit dem Atomkraftwerk? Wieso wird Logans Motivation nicht früher offenbart, um seine Handlungen nachvollziehbar zu zeichnen? Wieso kommt eine solch überraschende Wendung drei Folgen vor Staffelende, wenn sich diese Events doch für ein Midseason-Finale geradezu anbieten?

Die Antwort ist natürlich, dass die neuen Showrunner Ian Goldberg & Andrew Chambliss keine gute Arbeit geleistet haben und die Serie unter ihrer Führung weiterhin leidet. Die erratische Änderung wirkt wie ein verzweifelter Ausbruchsversuch aus der Ecke, in die sich die Autoren mit ihren befremdlichen Geschichten geschrieben haben. Und doch ist man als Zuschauer so verzweifelt, dass man das alles abnickt. Was soll’s? Es kann schließlich nur besser werden.

Fear The Walking Dead: Die neuen Bösewichte retten die Show

Nun soll es also kurz vor zwölf eine neue Gruppe richten. Angeführt von einer Frau namens Virginia (Colby Minifie) und auf Pferden reitend stehen sie auf der Klippe wie die vier Reiter der Apokalypse. Doch schnell wird klar: Die Gruppe ist viel größer, fähig und gut ausgestattet.

Ihre gesamte Aufmachung ist quasi eine Kritik an der Lebensführung unserer Helden. Statt unpraktischen Autos nutzt man Pferde, statt einem nomadischen Lebensstill baut man Siedlungen, statt unendlicher Güte wird auch mal hart durchgegriffen, wenn es dem Gemeinwohl oder den eigenen Plänen nützt.

Kurioserweise ergibt das alles Sinn, weshalb die Abweisung unserer Helden nicht nachvollziehbar ist. Klar, die Pioniere töten Logan und bedrohen die Gruppe, doch augenscheinlich kann man mit ihnen verhandeln. Und auch wenn ihre Abmachung sicherlich ganz im Stile Darth Vaders noch verschärft wird („Pray I don’t alter [this deal] any further!“) und es zum Konflikt kommen wird (nein, muss!), erscheinen sie durch ihre langfristige Planung und Zurückweisung naiver Ansichten gerade als die Erwachsenen in dieser Geschichte.

Es sagt viel über die Sicht der Showrunner aus, dass sie erwarten, dass die Zuschauer diese neue Gruppe als Bösewichte akzeptieren sollen, gegen die es dann zu kämpfen gilt.

Grundsätzlich ist das aber alles zu begrüßen. Immerhin kommt es zu einem Konflikt, was nicht nur der Serie neues Leben einhauchen wird, sondern auch hoffentlich zu mehr Drama in der Gruppe führt. Fear The Walking Dead ist noch nicht zurück.

Aber endlich wieder sterben Charaktere, es gibt Überraschungen und alles scheint sich wie bei The Walking Dead zum „Endgame“ hin zu bewegen, nämlich der Rückführung der Zivilisation, was auch ein großes Thema in der zehnten Staffel der Mutterserie werden wird.

Der Streit darüber, in welcher Welt die Kinder von Morgen (Morgan?) leben sollen, kann spannend werden. Fear The Walking Dead hat endlich wieder Potenzial. Das ist nicht viel. Aber es ist etwas.