Review: Fear The Walking Dead S05E12 – Ner Tamid - PewPewPew


AMC

Bei sechszehn Episoden in einer Staffel muss es irgendwann einmal passieren: Fear The Walking gelingt mit der 12. Folge der 5. Staffel, Das Ewige Licht, eine ganz mittelmäßige Geschichte. Masel tov!

Es lässt sich nicht anders sagen: Die 5. Staffel von Fear the Walking Dead ist wirklich frustrierend. Eintönige Geschichten mit langweiligen Figuren ohne einen größeren Handlungsrahmen, der wenigstens auf bessere Zeiten hoffen lässt: So in etwa lässt sich auch die vorherige Runde beschreiben, die durch die neuen Showrunner, diverse Figurentode und anderen Umwälzungen die Serie neu definierte.

Doch selbst in ihren dunkelsten Stunden hielt die 4. Staffel von Fear the Walking Dead einige Überraschungen bereit. Sei es die Folge, in der die Serie mit June (Jenna Elfman) und John (Garret Dillahunt) die Liebe für sich entdeckte, oder auch die durchaus mitreißende Folge, in der Alicia (Alycia Debnam-Carey) Charlie (Alexa Nisenson) endlich den Mord an ihrem Bruder Nick (Frank Dillane) vergab.

Nun sind zwölf Episoden vergangen und die 5. Staffel kann bisher keinen solchen Lichtblick hervorweisen. Die neue Folge, namentlich Das Ewige Licht (im Original Ner Tamid aus dem Hebräischen), hätte durchaus das Potenzial dazu gehabt. Doch erneut bleibt Fear The Walking Dead hinter den zu Beginn geschürten Erwartungen zurück, da die Serie sich der interessanten Prämisse nicht komplett widmet, sondern zwischendurch wieder seinen hohlen Widersacher Logan (Matt Frewer) auspacken muss.

Ein Mädchen, ein Rabbi und ein Zombie kommen in eine Synagoge …

Morgan (Lennie James) und Al (Maggie Grace) sind weiterhin verschollen und von Alicia und Strand (Colman Domingo) fehlt diese Woche auch jede Spur. Das hebt die Show direkt. Stattdessen folgen wir zunächst dem Rabbi Jacob Kessner (Peter Jacobson), der ein einsames Dasein in seiner Synagoge pflegt. Seine Glaubensgemeinschaft fehlt, doch er hält weiter stoisch fest an den Ritualen und Traditionen seiner Religion. Was bleibt ihm auch anderes übrig? Der Rest scheint schon lange verloren.

Dieses Cold Open verleiht der Serie sofort ungewohnte Gravitas. Hier sehen wir einen Menschen, der mit der Situation hadert, doch einen tiefergehenden Konflikt mit Gott und sich selbst austrägt, der nicht aus der Luft gegriffen ist. Fear The Walking Dead setzt ihm Charlie an seine Seite. Das hadernde Mädchen fiel in dieser Staffel noch nicht wirklich auf und auch die geretteten Kinder, für die so viel Zeit und Mühe in der ersten Staffelhälfte aufgewendet wurde, scheint die Serie vergessen zu haben.

Die beiden retten sich gegenseitig das Leben und haben sofort eine spannende Beziehung. Sie stellt dem Rabbi Sinnfragen, er antwortet in Rätseln oder weiteren Fragen. Wenn die Toten auferstehen, kann auch der Gläubige keine einfachen Antworten mehr auf die schwierigen Fragen des Lebens finden.

Leider erstickt die Serie diese mögliche Bottle-Episode bereits im Keim. Das Ewige Licht, Ner Tamid, welches in der Synagoge brennt und metaphorisch kurz von der Serie angerissen, aber schnell wieder vergessen wird, braucht eine neue Autobatterie. Charlie, die sich von der Gruppe weggeschlichen hat, bestellt einfach schnell eine über das Walkie-Talkie bei John und June.

Wie so oft sind Knappheit und Fahrten kein Problem in Fear The Walking Dead. Echte Gefahren einer typischen Zombieapokalypse fehlen schon lange. Die Serie scheint auch selten interessiert, die Realitäten ihrer Welt zu hinterfragen. Aufregend war sie schon lange nicht mehr. Fehlt für Zombieherden das Budget? Wieso weigert sich Fear The Walking Dead so bewusst gegen gewisse Genrekonventionen? Die Weiterentwicklung zur Soap ist fast abgeschlossen.

Fear The Walking Dead: Sag doch mal was Positives!

Immerhin sieht Fear The Walking Dead in letzter Zeit etwas besser aus. Mit der zweiten Staffelhälfte und den episodischen Geschichten um neue Figuren und ihre Hintergründe ergeben sich neue Orte und Möglichkeiten für Regisseure wie Michael E. Satrazemis, den Stammregisseur der Serie. Somit sieht Ner Tamid immerhin ganz hübsch aus und kann visuell sogar durch einige Zombiekills überzeugen. Diese machen den Figuren leider immer noch genauso wenig Spaß wie den Autoren, aber Satrazemis versucht in der Folge wirklich sein Möglichstes.

Weiterhin gelingt zum ersten Mal eine wirkliche Übersicht über die Überlebenden (tatsächlich braucht es eine Vogelperspektive, um die Situation genauer zu klären) sowie eine Kritik an der Strategie. Charlie entfernte sich nämlich nicht ohne Grund. Sie glaubt nicht an die Karawane aus immer mehr Fahrzeugen und inzwischen 36 Überlebenden, sondern wirkt immer noch stark von Madison (Kim Dickens) und dem Stadion aus der letzten Staffel inspiriert.

Darüber spricht sie auch mit June, die plötzlich und ohne Grund die Anführerin der Überlebenden zu sein scheint und eine Spiegelung der Vultures aus Staffel 4 gelingt. Besonders sinnvoll oder mitreißend ist das nicht, aber es kommt immerhin ein wenig Leben in die Serie und es werden Fragen zumindest angerissen, die sich beim Zuschauer seit Monaten stellen.

Fear The Walking Dead scheitert am langweiligen Bösewicht Logan

Unterm Strich bleibt eine Folge zurück, die nicht wirklich heraussticht oder besser ist als die vorangegangen, aber dennoch ein weniger positiver in Erinnerung bleibt, weil die sonst nervigen Elemente auf ein Minimum reduziert wurden.

Grundlegend scheitert diese zweite Hälfte an dem neuen Bösewicht Logan und dem ganzen Streit um die ominösen Ölfelder, der wahrscheinlich bescheuerteste MacGuffin der Serienwelt. Die erste Staffelhälfte bot eine reizvolle Ausgangssituation mit dem Atomkraftwerk und scheiterte an mangelndem Interesse und der Darstellung des Konflikts.

Aber immerhin existierte ein Konflikt! Es ist mir weiterhin ein Rätsel, ob diese Staffel überhaupt eine übergeordnete Geschichte hat. Wenn Logan wenigstens aggressiv auftreten würde oder in sonst einer anderen Weise die Überlebenden aufwühlen könnte, wäre schon viel getan.

Aber irgendwie bewegt sich nichts. Ständig sind alle Figuren unterwegs, zu jeder Zeit sind sie in Kontakt über ihre Walkie-Talkies und mit ihren Trucks fahren sie durch ganz Texas. Trotzdem steht alles still. Nichts bewegt sich. Es ist so traurig.