Review: Fear The Walking Dead S05E11 – You’re Still Here - PewPewPew


AMC

Eine weitere Folge von Fear The Walking Dead zeigt unsere Helden bei dem Versuch, anderen Überlebenden zu helfen. Dinge passieren, aber interessieren muss uns das nicht.

Fear the Walking Dead startet und endet in dieser Woche mit zwei Figuren, die buchstäblich Farbe beim Trocknen zuschauen. Das ist inzwischen auch eine ziemlich gute Beschreibung des aktuellen Zustands dieser einstmals großartigen Serie. Die 11. Folge der 5. Staffel heißt You’re Still Here und ich kann nicht drumherum, mich selbst angesprochen zu fühlen. Als würde die Serie sich wundern, wieso noch einer zuschaut. Relevantes passieren tut nämlich nichts.

“Wenn du dies liest, bist du noch da.”

Diese und ähnliche Schriften standen zuletzt auf diversen Bäumen in Fear the Walking Dead. Das ergibt praktisch wenig Sinn, doch die Nachrichten waren trotzdem Anlass zur Hoffnung. Und auch Alicias (Alycia Debnam-Carey) Interesse ließ Fan-Herzen höherschlagen, weil eine Rückkehr ihrer Mutter Madison Clark (und gleichzeitig eine Rückkehr zur alten Version dieser Serie) möglich schien.

Aber Pustekuchen. Denn in dieser neuen Folge lernen wir, dass nur ein Typ namens Wes dahintersteckt, der in seiner Freizeit Bäume anmalt. Alicia lernt zwar, ihre Zombiephobie zu verarbeiten, und Wes könnte ein cooles Mitglied der Truppe werden, doch am Ende trennen sich ihre Wege wieder. Logan (Matt Frewer) schaut ebenfalls in die Folge herein, um die Figuren kurz bei ihrem Alltag zu stören, aber am Ende landen wir wieder beim Status Quo. Schade.

Logan ist der langweiligste Bösewicht in Fear The Walking Dead

Diese ganze Geschichte um Logan ergibt sowieso keinen Sinn. In der ersten Staffelhälfte war er so gut wie nicht präsent. Das war nicht weiter schlimm. Die Autoren waren ohnehin mehr an dem Atomkraftwerk interessiert, und der recht friedliche Logan hatte schließlich ein Anrecht auf das besetzte Lager. Der Konflikt wirkte recht kleinlich. Im Midseason-Finale taucht er erst wieder auf und bot Morgans Gruppe einen Deal an, doch die Serie verneint uns erneut die Abwicklung eines Konflikts. Nachdem Fear The Walking Dead zurückkehrte, war Logan plötzlich von unseren Helden aufs Kreuz gelegt worden. Dies hatte keine Konsequenz, Rache scheint ihm nicht wichtig zu sein. Und obwohl er von einer “enorm großen Sache” spricht, für die diese anscheinend einzigen Ölquellen in ganz Texas so wichtig sind, setzt er weder Gewalt ein noch ist er wirklich verbissen. In dieser Folge (mit dem legendären Titel deutschen Straßenblockade) hat er nämlich Morgan (Lennie James) und Al (Maggie Grace) vor sich und könnte sie zur Herausgabe der Information zwingen, doch nachdem er seinen Standpunkt zum x-ten Mal klargestellt hat, lässt er sie einfach ziehen.

Nun könnte man sagen, dass Logan einfach niemanden töten will, weil er so ein guter Kerl ist, der einfach wirklich diese Ölquellen braucht. Aber dann hätte er nicht Wes in der letzten Folge das Bike zerschossen und ihn zum Sterben zurückgelassen. Überhaupt ist nicht klar, wer seine Gruppe ist, wie er wieder die Macht erlangte oder was sie mit dem Öl anstellen wollen. Es herrscht leider große Unklarheit und die bisherigen Entwicklungen lassen mich nicht hoffen, dass eine große Wendung plötzlich Licht ins Dunkel bringen wird.

Ohnehin ist es kurios, wie Logan aktuell in der Serie auftaucht. Seine Leute verfolgen den Funkverkehr der Morganianer und fangen sie auf den ewig langen Landstraßen Texas punktgenau ab. Die größten Probleme der Figuren sind aktuell Kommunikation über Walkie-Talkies und Planungsschwierigkeiten bei Umgehungsstraßen.

Fear The Walking Dead: Alicia ist wieder zurück

Immerhin gelingt Fear in dieser Woche ein guter Kniff mit Alicia. Vorweg: Natürlich war Alicias scheinbar schicksalhafter Zombie-Kill ein großer Schock für die junge Frau, doch dank der rettenden Dusche scheint sie nur psychische Schäden davonzutragen. Durch ihre posttraumatische Störung ist sie nun nicht mehr in der Lage, Walker zu erledigen, und ist auf die ständige Hilfe von Strand (Colman Domingo) angewiesen, dessen Figur in dieser Staffel leider zum langweiligen Laufburschen reduziert wurde.

Alicias Sinneswandel, wenn auch nachvollziehbar, ist nicht spannend oder zielführend. Ihr einziger Silberstreif am Horizont (und somit auch unserer) sind die Zitate an den Bäumen. Sie hofft aber nicht, dass sich ihre Mutter hinter den Malereien verbirgt, sondern findet schlicht die Sicht der Dinge gut und will daher die Person dahinter auffinden, um von deren Perspektive zu lernen. Und das klappt natürlich auch. Direkt die erste Person, die Strand und Alicia begegnet, ist Wes, der Shakespeare der Zombieapokalypse.

Wes (Colby Hollman) macht sich gleich beliebt bei mir, denn er kommt sofort zum Punkt. Auf Moralpredigten hat er keine Lust und Morgans Philosophie, allen – also wirklich jeder Person – zu helfen, findet er auch nicht prickelnd. Doch da er gerade in einer misslichen Lage steckt, nimmt er die Hilfe dankend an. Zusammen führt es sie zu seinem Lager, wo ein Räuber gerade diverse Gegenstände entwendet. Es gibt einen Schusswechsel, der Gauner kann verletzt fliehen.

Nach dem leider notwendigen Zombiemassaker einer jeden Folge von Fear the Walking Dead können sie den Kerl auffinden. Es gibt ein Gerangel, bei dem Wes den Mann tötet. Es stellt sich heraus, dass Wes nicht wie Alicia und Strand dem Typen helfen wollte, sondern nur sein Eigentum zurückhaben wollte – ein Manuskript, das er seinem toten Bruder widmete – und es aber dort an Ort und Stelle liegen lässt.

Wofür ist der Mann nun gestorben? Was haben Alicia und Strand durch ihre Hilfe bewirkt? Als Zuschauer bleibt man genauso ratlos zurück wie die Figuren. Natürlich kann man diese Geschichte erzählen, aber wie ordnet sich all dies in einen größeren Handlungsrahmen ein? Bisher noch gar nicht, es sind vereinzelte Geschichten ohne Variation und Leidenschaft, selbst die Zombiekills machen der Serie keine Lust mehr. Vielleicht sollten die Zombies einfach gänzlich verschwinden. Dann wäre der Schritt zur Soap perfekt.

Immerhin Alicia lernt durch diese Geschichte wieder, Zombies zu töten. Es ergibt alles nicht so viel Sinn, wie auch schon Alicias plötzlicher Wechsel, aber die schnelle Rückkehr muss begrüßt werden. Wie so oft scheinen die Autoren von ihren eigenen Ideen wenig begeistert und lassen sie schnell zurück.

Fear The Walking Dead ist zu harmlos

Ultimativ verdeutlicht diese Episode auch wieder die größten Probleme von Fear The Walking Dead. Es sind elf Episoden vergangen, die Staffel nähert sich ihrem Ende und immer ist noch keine einzige Hauptfigur gestorben. Konflikte innerhalb der inzwischen riesigen Gruppe an Überlebenden sind inexistent. Auch Zombiekämpfe sind langweilig geworden. Klar, bei den Charakteren schleicht sich nach all der Zeit Routine ein, doch das ist keine Entschuldigung für die Serie, diese Momente so planmäßig und furchtlos zu inszenieren.

Dazu ist es unklar, wohin die Reise eigentlich geht. Logan ist eher eine nervige Fliege als ein beängstigender Gegenspieler. Das ist durchaus mal eine nette Abwechslung, aber wenn der Serie sonst ein roter Faden fehlt, sollte wenigstens der Bösewicht Spaß machen. Die Serie kann dieses öde Spiel nicht länger spielen und muss endlich wieder ihrem Namen alle Ehre machen. Es braucht eine Ansage, irgendeiner Art.