Die Oscars 2019: Keine Show, schlechte Gewinner - PewPewPew

Das war kein gutes Jahr für die Oscars. Populäre Filmkategorie ausgedacht, schnell wieder in die Schublade geschoben. Verleihungen in den Werbepause geplant, unter Protest von Nominierten und Filmschaffenden schnell wieder zurückgezogen. Und zwischendrin zuerst keinen Gastgeber gefunden, dann verloren und ohne durchgezogen. Am Ende sollte das Chaos aber irgendwie in einer sehr befriedigen Zeremonie enden, die zwar keine wirklichen Highlights hatte, dafür aber auch nicht mit anstrengenden Show-Einlagen nervte. Nach all den Ärgernissen der letzten Monate bleibt tatsächlich dann doch dieser Gedanke: Es geht auch ohne.

Natürlich fehlte der Monolog schon. Die lahmen Witzchen verleihen der altehrwürdigen Veranstaltung dann doch einen gewissen Charme, der die Oscars vom Rest der Awards-Season abhebt. Das kollektive Twitter-Seufzen über Pizza fürs Publikum und andere fehlgeleitete Ansätze machen schon Spaß. Ganz zu schweigen von den Memes, die, sobald formuliert, bereits vergessen sind. Ein You-had-to-be-there-Event für alle, die von Zuhause aus zuschauen. Und trotzdem lief alles glatt über die Bühne. Die Witzchen der Präsenter reichten auch und die Lichter gingen schon über eine Stunde früher als gewohnt aus.

Die Revolution blieb aber aus. Green Book gewann den Oscar für den Besten Film, ein wahres Ärgernis. Das liegt nicht unbedingt an dem Film, ein crowd pleaser if there ever was one, sondern eher an dem Erfolg trotz der so viel besseren, diverseren Konkurrenz und albtraumhaften PR-Skandale. Da wäre eher Bohemian Rhapsody der angenehmere, weil auch schnell vergessliche Gewinner à la The Artist gewesen. Erfolg gibt normalerweise Recht, aber die Streamingdienste werden auch weiterhin angesichts der Qualität ihrer Filme nicht massenhaft Preise einheimsen. Roma und vor allem sein Regisseur Alfonso Cuaron sind eine Anomolie. Trotzdem sollte man es Netflix anrechnen, immerhin wollte sonst kein Studio in den Film investieren. Grund zur Freude gab es trotzdem nicht. Neben Roma, Spike Lee, Regina King, Olivia Colman und Free Solo waren viele meiner Favoriten erst gar nicht nominiert oder gingen leer aus.

Into The Spider-Verse war eine erfrischende Spritze ins Herz des verfetteten Superheldengenres und vor allem dank seines Animationsstils aufregend. Ein verdienter Sieg im Unterschied zu Bao, dem drölften Eltern-Kind-Film von Pixar über das Erwachsenwerden, Loslassen und beständige Liebe sowie in seiner Darstellung befremdlich. Dahingegen gewinnt Spike Lee endlich mal einen Oscar für seine beachtliche Karriere. Gleichzeitig bekommt Black Panther drei Oscars, darunter völlig unverständlich den für die Beste Musik, und Bohemian Rhapsody gewinnt in beiden Soundkategorien dafür, dass sie Musik von Queen abspielten. Uff. So ging es den ganzen Abend. Ein erfreulicher Sieg gefolgt von zwei teils unerklärlichen Gewinnern, wie zum Beispiel Rami Malek als Bester Hauptdarsteller. First Reformed geht mit leeren Händen nach Hause, ignoriert von der Academy wie die Ursachen des katastrophalen und lähmenden Klimawandels. Er wird seine volle Wirkung erst in den kommenden Jahrzehnten entfalten. Passt.

In der Kategorie Bester Dokumentarfilm setzt sich mit Free Solo auch endlich mal der beste Film durch. Lange wurde die Kategorie für Filme missbraucht, die sich am Zeitgeist orientieren und ihre Wichtigkeit behaupten. Die Dokumentation von Alex Honnolds atemberaubender wie verrückkter Leistung, eine Herausforderung in sich, erforderte nicht weniger geschickliche Fähigkeiten wie die der Hauptfigur selbst.

A Star Is Born ging wie zu befürchten war mit weitaus weniger Statuen nach Hause als der Film das verdient. Dafür wird Lady Gagas Auftritt mit Bradley Crooper lange im Gedächtnis bleiben. Ihre Live-Darbietung von “Shallow” war das Highlight der Show und berührte durch seine überrachend zur Schau getragene Intimität der beiden Hauptdarsteller.

Nächstes Jahr dann aber bitte wieder billige Witzchen von Billy Crystal. Nach dem Klick noch ein paar schöne Momente und Eindrücke.

 

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BOOMSHACKSLACKA

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So proud of you @emilia_clarke I love u with all my heart Aloha Drogo

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OSCARS. Cheeehuuuuuu aloha j. Helen love u

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