Meine Top 10 Videospiele 2016

20 Feb, 2017 · Sascha · Games,Personal

Im letzten Jahr hatte ich ganz erschrocken festgestellt, dass ich sehr viele Videospieltitel verpasst hatte und gar keine richtig gute Liste an Spielen vorweisen konnte. Die Games-Sektion des Blogs hatte ich ebenfalls ignoriert. Daher kommt meine Liste der besten Videospiele des Jahres 2016 etwas verspätet, da ich einfach noch ein paar Sachen nachholen musste, bevor ich die Top 10 aufsetze. Darüber hinaus habe ich einige Reviews verfasst, u.a. auch bei Superlevel, auf die ich sehr stolz bin. Insgesamt war das echt ein verdammt tolles Gamingjahr und ich hoffe, dass es 2017 so weitergeht.

10. Battlefield 1

Ich hatte meine Bedenken, was den neuen FPS-Shooter von DICE angeht. Als Spieler der ersten Stunde und vielen Jahren im eSport konnte ich nicht drum herum zu erkennen, dass Battlefield 1 mit der Rückkehr zu den Weltkriegen und der realistischen Grafik eventuell auf ein moralisches Problem zusteuert. Und dann hat DICE diese tolle Kampagne gemacht, die die Bedenken in Luft auflöste. Das Spiel beginnt mit einer der beeindruckendsten Szenen in einer Singleplayer-Kampagne überhaupt: Ich sterbe, immer und immer wieder. Doch das Spiel geht weiter. Eindrucksvoll wird die brutale Gleichgültigkeit des Kriegs dargestellt. Trotzdem gibt es natürlich den Online-Modus, der von den meisten Spielern genutzt wird. Es ist aber unwahrscheinlich, dass die Spieler unverändert aus dem Singleplayer in den Multiplayer wechseln. Insofern hat DICE genau den Mittelweg gefunden, den ich mir gewünscht habe.

Spielerisch hat man ebenfalls mit den Operations einen neuen Modus gefunden, der das sonst chaotische Gameplay zu mehr teamorientierten Ansätzen zwingt und somit jahrzehntelange Problem vom Tisch fegt. Die alten Modi sind immer noch da, die Flugzeuge sind jetzt nicht berauschend und es fehlen die schönen Levolutions aus Battlefield 4. Insgesamt aber bleibt unter dem Strich der beste Shooter des Jahres zurück. Aspekte wie das Sounddesign oder die Grafik werden inzwischen einfach akzeptiert, oft kommentarlos einfach zurückgelassen in Reviews, weil DICE Jahr für Jahr abliefert.

9. Clustertruck

Das Spielprinzip ist ganz einfach: The floor is lava und die einzige Möglichkeit, das Ziel zu erreichen, ist über die Anhänger von fahrenden LKWs zu springen. Problem: Es gibt viele Hindernisse und noch mehr LKWs, es kommt zum titelgegebenden clusterfuck. Das Ganze spielt sich dann so ein bisschen wie die Szene auf dem Highway in Matrix Reloaded, in der Morpheus den Schlüsselmacher retten will – mit der Besonderheit, dass Morpheus stirbt. Oft. Clustertruck hat das vielleicht spaßigste Gameplay, das ich in dem vergangenen Jahr erleben durfte. Gleichermaßen ist das Spiel enorm herausfordernd und der Map-Creator bietet endlosen Spaß für ganz wenig Geld.

8. Superhot

Viel zu kurz, eine fürchterlich dumme Story und dennoch vielleicht das innovativste Spiel des Jahres, von dem ich mir unbedingt mehr wünsche. Superhot ist nichts Geringeres als eine Revolution des Shootergenres. Das Gameplay, das strategische, wohl überlegte Entscheidungen verlangt, ist die Antithese zum sonst so schnellen FPS-Genre, das häufig einfach nur in Geballer ausufert. Selten habe ich mich so wohlig gefühlt, nachdem ich nach mehrfachem Scheitern ein Level durchgespielt habe. Superhot geniale Idee, die Zeit nur verstreichen zu lassen, wenn der Spieler sich bewegt, führt nicht nur zu herausfordernden Spielesituationen, sondern führt auch zu großer Freude durch der Schönheit der Bewegung.

7. Abzû

Als weitaus mehr als nur Journey-im-Wasser erzählt Abzû die schmerzliche Geschichte über eine unmögliche Rückkehr zur Vergangenheit. Es bleibt lediglich der Neustart. Wasserlevel sind ja ansonsten der absolute Horror in vielen Videospielen, jüngst hat The Last Guardian dieses uralte Klischee für mich wieder bestätigt, aber in Abzû ist Bewegung der größte Spaß. Alles verläuft schwungvoll, elegant und wird in kunterbunten Farben spaßig gestaltet. Abzû wirkt meditativ, hat den vielleicht besten Score des Jahres und überzeugt auf ganzer Linie. Es verweilt lediglich nicht so lange im Gedächtnis wie Journey. Woran das liegt, weiß ich auch nicht wirklich.

6. Adr1ft [Review]

Zunächst einmal war ich gehörig enttäuscht, für Adr1ft hatte ich nämlich große Hoffnungen gehegt. Womöglich liegt es daran, dass ich das Spiel schlicht nicht in VR gespielt habe. Aber auch eine VR-Brille hätte nichts an den Problemen geändert, die mich beim Spielen plagten. Und dennoch kam Adr1ft mir gegen Jahresende immer wieder als positive und auch einzigartige Spieleerfahrung in den Sinn. Es gibt schlicht keine vergleichbare Möglichkeit, das Weltall so zu genießen. Gerade die Verunsicherung des Spielers, die die Orientierungslosigkeit und die Schwere der Bewegung in der Schwerelosigkeit wirken stark im Kontrast zu irgendwelchen Shootern, die mal kurz den Abweg ins Weltall suchen.

5. Oxenfree [Review]

Oxenfrees grafischer Stil, seine Figuren sowie die wirklich creepige Geschichte, die vor allem durch ihr Sounddesign rund gemacht wird, kreieren ein echt spannendes Spiel. Ich kann es nicht anders sagen, gegen Ende hat mich Oxenfree einfach gepackt. Das liegt vor allem an den fantastisch entwickelten Figuren und ihren Beziehungen, die in ihrem Kaskadien-Setting durch tatsächlich authentische Jugendsprache florieren. Ich war überrascht, verblüfft und würde mich über ein Sequel freuen. Vielleicht aber sollte das Ende auch einfach so stehen bleiben, immerhin gibt es angeblich ein noch unentdecktes, geheimes Ende laut den Entwicklern.

4. The Last Guardian [Review]

Was lange währt, wird endlich gut. Oder sollte ich das besser einleitend als Frage formulieren? Nein, ich lasse es so stehen. The Last Guardian hat mir eine großartige Beziehungen und herrlich schöne Momente beschwert und mit Trico bewiesen, dass AI zumindest Eigenwilligkeit inzwischen simulieren, wenn auch nicht eigenständig leben kann. Trotzdem bleiben da einige Punkte stehen am Ende. Da wäre die zu kritisierende Kamera, die zu vielen Puzzle, das Pacing, Tricos It’s-a-feature-not-a-bug-Wille, mir zu helfen, etc. Einiges kratzt am Image des Meisterwerks, aber auch die anderen Spiele von Team Ico hatten mit Kamera- und Steuerungsproblemen zu kämpfen und wurden trotzdem zum Klassikern. The Last Guardian wird sich dort einreihen. Zu Recht.

3. Uncharted 4

Der beste Blockbuster des Jahres. Wenn das Kino enttäuscht, kann Naughty Dog immerhin noch mit einem Videospiel das explosionsreiche Action-Abenteuer des Sommers retten. Und dabei kann Uncharted 4, bevor es dann endlich losgeht mit der Schießerei und den obligatorischen Inselklettereien (und auch danach!), ganz neue Akzente setzen, die sich am Ende thematisch wunderbar zusammensetzen und der Reihe ein sehr befriedigendes Ende bescheren. Grafisch und technisch einfach top, vom Pacing her gegen Ende vielleicht ein wenig zu lang, aber man wollte nach 3 1/2 Spielen wirklich jeder Figur die gebührende Zeit schenken und das ist völlig verständlich und okay. Am Ende blieb kein Auge trocken.

2. Inside [Review]

Viel von dem was Inside in den ersten 90% des Spiels leistet, war absolut genial. Die Animationen der Figuren, die abwechslungsreichen Puzzle, das Level-Design, die Kreaturen, die mir Unbehagen bereitet, die Belichtung. All das wird aber in der letzten halben Stunde von einem fantastischen sowie grotesken, aber auch völlig stimmigen Twist überschattet, der mir mein Leben lang in Erinnerung bleiben wird. Inside hat mir noch lange in den Knochen gesteckt, und hat mich selten so lange und intensiv über eine Spieleerfahrung und die Kontrolle, die ich über sie und ihren Inhalt habe, nachdenken lassen.

1. Firewatch

Firewatch ist ein Videospiel über Videospiele. Was suchen wir, wenn wir uns in ferne Welten zurückziehen, Monster töten oder über Abgründe springen, auf Drachen schießen oder Puzzle lösen? Ablenkung, Unterhaltung, womöglich sogar Kunst. All das findet sich in Campo Santos erstem Spiel. Es bietet einen atemberaubenden Grafikstil, den das eingebaute Kamerafeature wirklich gänzen lässt. Das Voice-Acting ist grandios und die Dialoge sind so authentisch und real, wie sie nur sein können. Auch das eigenständige Intro bewegt, es packt einen sofort und man taucht problemlos in die Geschichte ab. Selbst das relativ simple Gameplay, völlig zu Unrecht als Walking Simulator verschrieben, passt thematisch perfekt zu dem Thema des Spiels. Das wahre Highlight von Firewatch ist jedoch seine einnehmende Geschichte, die mit ihrem mutigen Ende den ersten Platz verdient. Firewatch ist eines der erwachstensten Spiele aller Zeiten, sowohl hinsichtlich seiner Narrative als auch mit Blick zum Zielpublikum. Es bedarf einiger Reife, den beabsichtigten Frust des Spielendes zu verkraften und zu realisieren, was das Spiel aussagen will. Genau darüber habe ich bei Doomian mit Fabu gesprochen.

Ehrenwerte Nennungen:

Virginia — Wer von Firewatchs Anti-Verschwörungsnarrative enttäuscht war, wird hier belohnt. Insgesamt bleibt mir Virginia wegen den coolen Traumsequenzen, dem Ende und vor allem wegen der Szene in der Bar im Gedächtnis.

Titanfall 2 — Endlich mal wieder eine schöne Singleplayer-Kampagne. Total linear, einfach, spaßig und unterhaltend hinsichtlich des Gameplays. Die Story könnte nicht einfacher sein, but it’s a feature, not a bug.

No Man’s Sky
— Kurz angespielt, nicht wirklich realistisch und tiefgründig genug. Dann lieber auf Star Citizen warten. Und trotzdem: Die Momente, in denen man in den Hyperraum springt oder auf einem Planeten zum ersten Mal landet, sind magisch.

Unravel — Leider ein bisschen zu öde nach den ersten zwei Stunden und insgesamt eben “nur” putzig, aber trotzdem ein sehr schönes Spiel für Jung und Alt.

One Night Stand Ein ganz großartiges Textabenteuer! Als spielbare “visual novel” bietet One Night Stand ein vertrautes Setting, aber im Spiel will ich natürlich gewinnen und kann mich nicht abfinden. Ich kollidiere mit Realität, Moral und Träumen.

Pokémon Go Das Spiel hat einen tödlichen Designfehler, aber es ließ mich auch im Sommer um 2 Uhr in der Nacht in der Nachbarschaft herumsparzieren und mit meinem besten Freund nachts im Park auf andere Spieler treffen. Der Traum meines elfjährigen Ichs wurde wahr, wenn auch nur für ein Sommermärchen.

Windlands Das erste Spiel, das ich spielen werde, sobald ich eine VR-Set habe. Windlands macht aber jetzt schon genug Spaß und ist das beste Spider-Man Spiel, das es aktuell auf dem Markt gibt.

10 Spiele-Highlights des kommenden Jahres:
Tacoma, Below, Battlefront 2, Rime, Detroit: Become Human, Red Dead Redemption 2, Legend of Zelda: Breath of the Wild, Dreams, Spider-Man, Vane

  • Firewatch sehe ich persönlich auch sehr weit oben. Hatte kürzlich erst das Vergnügen des ersten Spielens und werde sicherlich zu gegebener Zeit zurückkehren. Die Atmosphäre war top und die inhaltliche Auflösung sogar eher zufriedenstellend.

    Das “Ende” von Oxenfree ist gut – hast du es tatsächlich nur einmal durchgespielt? Würde dir dann definitiv einen zweiten Durchlauf mit gleichem Spielstand empfehlen. Lohnt sich definitiv. ;-)

  • Spoiler mich, was passiert dann? Bleib man doch nicht gefangen? Verändert sich viel? Gab es einen Patch?

  • Jupp, es gab einen Patch – und ich meine, es ändert sich genug, um die Insel noch mal mit anderen Augen erleben zu können. Allein wenn ich an die zusätzlichen Dialoge und teilweise abgewandelten Loops denke.
    Durch gezielte Interaktionen an einer handvoll Hotspots kann man Botschaften in den Äther senden. Dreimal darfste raten an wen…

  • Jupp, es gab einen Patch – und ich meine, es ändert sich genug, um die Insel noch mal mit anderen Augen erleben zu können. Allein wenn ich an die zusätzlichen Dialoge und teilweise abgewandelten Loops denke.
    Durch gezielte Interaktionen an einer handvoll Hotspots kann man Botschaften in den Äther senden. Dreimal darfste raten an wen..

  • Ich hab das Spiel im Februar oder so gespielt, ich müsste wirklich raten. Glaube, ich hab den Spielstand gelöscht.