Zyniker könnten behaupten, dass Rogue One eine Fanfiction-Adaptation ist, deren Existenz lediglich durch das Stopfen eines Plot Holes gerechtfertigt werden kann. Die Legitimität dieses Plot Hole ist diskutabel, genau wie seine Entstehung durch Kevin Smith’sche Debatten, aber dieser Vorwurf wäre nicht grundlegend falsch. Rogue One ist für mich mehr als das und ich liebe den Film. Ich möchte das Argument aber gar nicht widerlegen, sondern noch einen Schritt weitergehen. Doubling down! Ja, Rogue One ist Fanfiction im Expanded Universe und es ist ein glorreicher Eintrag in die Annalen der Star Wars Geschichte, der die gesamte Trilogie verbessert. Rogue One retcont nicht nur die Lunte im Design des Todessterns, sondern viele weitere Probleme, die seit Jahrzehnten im Fandom diskutiert werden.

Episode IV

Rogue One erklärt, wieso der Todesstern einen Lüftungsschacht hat und wieso ein gezielter Treffer die gesamte Station mit einem Schlag vernichten konnte. Das alleine reicht natürlich schon, dieser Punkt war allen klar. Aber ich finde auch, dass die Darstellung der Rebellenallianz in Rogue One als verstrittene Fraktionen sehr viel zum Mythos der Allianz und dem Pathos von Episode IV hinzufügte. So ziehen Minuten vor der Schlacht über Scarif große Teile der Flotte ab, während später so gut wie nahezu alle großen Flagschiffe zerstört oder gekapert werden. Die blaue Staffel wird anscheinend ganz ausgelöscht. Lediglich zwei Staffeln bleiben für den Angriff auf den Todesstern, der am nächsten Tag überstürzt erfolgen muss, übrig. 22 X-Wings und 8 Y-Wings machen sich auf den Weg, ein letztes Aufgebot. Auch ohne Rogue One ist dies ein dramatischer Moment, aber mit dem neuen Wissen erhalten diese Szenen eine zusätzliche Intensität. Wenn zukünftigte Generationen die Filme in einer anderen Reihenfolge gucken, werden sie umso mehr hoffen, dass Luke Skywalkers Ionentorpedo sein Ziel trifft, um Jyn, Cassian und Co. zu rächen.

Episode V
Die heroischen Taten von Rogue One und Teilen der Flotte der Rebellen Allianz über Scarif müssen die Mitglieder und Anhänger der Rebellion inspiriert und ermutigt haben. Trotzdem haben die Rebellen in der entscheidenden Schlacht um Yavin nahezu ihre gesamte Flotte verloren. Von den Rot- und Gold-Staffeln überlebten nur Luke Skywalker, Wedge Antilles und Keyan Farlander (EU-Legends) sowie die Crew des Millenium Falcon. Alle bekannten Flugstaffeln wurden zu diesem Zeitpunkt ausgelöscht.

Im EU-Legends-Kanon gründen Wedge und Luke fortan die Rogue Squadron, deren Abenteuer in vielen Videospielen, Büchern und Comics festgehalten wurden. Auch in Episode V ist sie zu sehen im Kampf auf Hoth. Dies ist nicht wirklich ein Retcon, aber seit dem großen EU-Wipe könnte man nun annehmen, dass durch die Einwirkung des ehemaligen Videospielredakteurs und Drehbuchautoren Gary Whitta die Rogue Squadron sich als Totenehrung nach den Helden von Scarif benannte.

Episode VI

Als die Star Wars Prequels Ziel großen Fanhasses wurden, blickte man auch mit veränderten Augen auf Episode VI. Eigentlich, so hieß es oft in Diskussionen, seit ja bereits schon in Return of the Jedi sehr viel schief gelaufen. Da hat es angefangen! Kleine Bärchen besiegen das Imperium? Echt jetzt? Und schon wieder ein Todesstern! Wie unkreativ!

Aus der Perspektive des Filmemachens darf man das wohl unterstellen. Innerhalb des Star Wars Universums ergibt sich jedoch eine sehr logische und nachvollziehbare Erklärung aus Rogue One, die ich bisher nicht in anderen Diskussionen vernommen habe. Der Laserstrahl des Todessterns tötet eben nicht nur Jyn, Krennic und Co., sondern auf Befehl von Tarkin werden alle Topprojekte des Imperiums mit einem Schlag vernichtet. Gleichzeitig wurden zuvor alle brillanten Ingenieure sowie Wunderkind Galen Erso auf Eadu getötet.

Das Imperium hat schlicht keine andere Wahl als einen zweiten Todesstern zu bauen. Die Rebellenallianz wächst und muss schnellstens vernichtet werden. Die Entwicklungszeit einer neuen Superwaffen würde zu viel Zeit verschlingen und kurz nach der Schlacht um Yavin fehlen darüber hinaus die Genies. Außerdem hat der Todesstern schließlich funktioniert und sofern man den bewussten Designfehler von Erso ausmerzt, haben die Rebellen keine Chance mehr. Da nun auch die etlichen Probleme, Verzögerungen und Saboteuraktionen beim Bau der Superwaffe nicht mehr zu erwarten sind, kann der zweite Todesstern erheblich schneller realisiert werden. Es ist auch zu bemerken, dass nun den Laser bereits vor Vollendung des Rest einsatzbereit ist, während wir in Rogue One die Installation der Schüssel präsentiert bekommen. All dies muss die Rebellenallianz nervös machen, schließlich besitzen sie trotz neuen Schiffen und weiteren Freiwilligen nicht die Fähigkeiten einen fertiggestellten Todesstern zu zerstören. Daher erklärt sich auch die überstürzte Mission auf Endor.

Man kann also leicht erkennen, wieso Rogue One EU-Herzen höher schlagen lässt. Und wen das kalt lässt, kann immer noch einen großartigen Film bewundern.

  • DerBesserwisser

    Ist das eigentlich ein generelles, systemimmanentes Problem, oder ist das ein spezielles Problem im Star Wars – Bereich?
    Wenn einem ein Film/Buch/Wasauchimmer in einem bestimmten Erzählkomplex gefällt – SUPER! Aber warum denn immer dieser Drang zur Rechtfertigung des eigenen Empfindens ?

  • fdg

    Was R1 zu einem schlechten Film macht ist die Tatsache dass die ohnehin einfach Story auf Fanfiction Niveau erzählt wird. Ohne erzählerisches Talent.

    Und alle Figuren sind blass und grauenvoll oberflächlich gezeichnet.

    Die Geschichte darf einfach sein, eine Lücke füllen. Damit habe ich kein Problem.

    Kamera, Licht, Effekte, Kostüme, alles toll.

    Aber das Bisschen Story das der Film hat ist lieblos hingeklatscht und einfach schelcht erzählt.

  • Aussagen leben von Argumenten und Beispielen.

  • CarFreiTag

    Bis auf die Effekte hat mich R1 leider nicht wirklich beeindruckt. Mir blieben die Figuren leider immer egal und auch die Spannung wollte sich nicht wirklich bei mir einstellen. Naja.

  • Stop it, Jenny.

  • Kartoffelsith

    Stop it, Sascha.