Lasst Joss Whedon nicht in die Nähe von Star Wars! - PewPewPew

Joss Whedon gab Complex ein Interview, das durchaus interessant und lesenswert ist – leider wurde er auch zu Star Wars gefragt, weshalb sich natürlich die gesamte Blogosphäre, jede Headline, jeder Tweet nur um diesen Kommentar dreht. Star Wars generiert Klicks. So ist das eben, auch bei Pew³. Hier ist Whedons Antwort auf die Frage, ob er noch einmal einen Franchise-Film nach den zwei Avengers-Teilen übernehmen würde.

I mean, it’s a fun thing to do, to put yourself in the service of something if you think you can add an interpretation. It’s no different than any other storytelling. There are some times when you get micro-managed to death but with Marvel, they let me make two movies that were very much mine. So do I want to make James Bond movie? Yeah. Anne Hathaway does Catwoman again? Sure, I’m in. Do I want to make a Star Wars movie? Yeah. I was like, “I don’t want to make a Star Wars movie. Like, god dammit, why?” But I saw the trailer for Rogue awhile ago and I was like, “I want to do that.” To make a Star Wars movie and not be wed to the bigger picture. (Anmerkung von mir: Das ist natürlich großer Quatsch. Rogue One endet wahrscheinlich Minuten vor dem Beginn von Episode IV und ist ein direktes Prequel.)

Das ist alles. Die Hervorhebung ist von mir. Mehr ist es nicht, lediglich ein ehrlicher Gedanke, der kurz Einblick in die Psyche des tief gefallenen Kultregisseurs gibt. Und dennoch findet man jetzt überall hitzige Diskussionen darüber, ob – und wenn ja was – Whedon im Star Wars Universum drehen soll. Am besten, so einige Stimmen, soll er noch heute Colin Trevorrow an Episode IX ersetzen.
Ich kann diese Rufe nicht verstehen. Hier sind die Hauptgründe:

1. Es darf nach The Force Awakens und dem MCU nicht schon wieder einen Film geben, in dem zweistündiges Geplänkel als Charakterentwicklung verkauft wird.

2. Joss Whedon ist ein passabler Regisseur, er kann offensichtlich gut mit Schauspielern. Aber hier musste ich schmunzeln: “But I saw the trailer for Rogue awhile ago and I was like, ‘I want to do that.'” But you can’t! The Avengers und auch Firefly haben sicherlich einige nette Bilder, aber doch nie eine solche Kraft und Kunst erreicht wie Godzilla oder Rogue One – das sieht man ja bereits an den Trailern. Dies gehört zu Star Wars dazu, zur DNA des gesamten Universums.

3. Der dritte und vielleicht wichtigste Punkt: Wir haben Whedons Star Wars schon gesehen! Firefly/Serenity ist seine Vision von Star Wars, aber ohne Aliens und chinesische Kraftausdrücke. Ich könnte jetzt schon kotzen.

Ich war noch nie ein großer Fan von Whedon und konnte den Kult um ihn noch nie nachvollziehen. Dieser schien sich für mich eher immer durch seine Aussagen in Interviews oder auf Panels zu generieren, nie aber durch seine Kunst selbst. Diese hatte zwar auch Fans, aber die Schnittmenge mit dem, was diese Serien und Filme ausmachen und was an Star Wars ikonisch ist, erscheint erschreckend gering. Whedon brüstete sich stets eher mit seinem God-Geek-Status als seinen Erfolgen – bis er letztes Jahr auf die Fresse fiel und verschwand. (Sammlung der Vorfälle auf Your Favs Are Problemtic)

Nun hat er sich wieder ins Gespräch gebracht. Whedon und die Avengers? Das klang 2011 wie eine Hochzeit im Himmel. Bei Star Wars sieht das anders aus. Disney wäre gut beraten, seine Rufe zu ignorieren. Die viel umworbene Diversität vor der Kamera könnte auch hinter der Kamera Einzug halten. Wie wäre es denn zum Beispiel mal mit einer weiblichen Autorenstimme im Star Wars Universum? Das dürfte doch auch Joss selbst gefallen. Whedon sollte weiter seine Dinge für die Leute machen, die sie lieben und die Finger von Star Wars lassen. Das kann er nicht. Auch schon weil er glaubt, The Empire Strikes Back hätte kein Ende.

Ein Whedon-Film im Star Wars Universum wäre Fanservice. Das hatten wir schon mit Episode 7. Das Star Wars Franchise kriegt auch inzwischen selbst gute Frauenrollen hin, die Ärsche kicken. Visuell kann er den anderen Anwärtern nicht das Wasser reichen. Jeder Filmemacher ist ein Geek/Nerd. Die große Mehrheit der Leute liebt Star Wars, kennt die Filme und würde alles geben, um einen Film in einer weit, weit entfernten Galaxie drehen zu dürfen. Was also genau spricht noch einmal für Whedon?