Letzten Freitag kam der erste Trailer zu Duncan Jones’ Warcraft online und die Reaktion konnte ich zwar in einigen Fällen nachvollziehen, aber sie schoss dann doch für meinen Geschmack über das Ziel hinaus. Filme mit viel CGI wie Warcraft haben es nicht leicht, besonders nicht bei der Vermarktung. Es ist heutzutage fast gang und gäbe, dass Blockbuster einen ersten Teaser Trailer bereits ein volles Jahr vor ihrem Kinostart raushauen.

Für Filme wie Warcraft ist das ein Problem. Das Studio möchte Buzz generieren, außerhalb der Fanboyszene, und “Awareness” für den Film schaffen. Doch bei Filmen mit so viel computergenerierten Bildern und Effekten will man ausreichend lange warten, bis diese gut genug für die Trailer aussehen – was sie nie tun werden.

Es ist inzwischen völlig normal, dass sich zwischen der ersten Trailerveröffentlichung und dem finalen Bild im Kino unglaublich viel ändert (siehe Jurassic World oder The Hobbit). Am Color Grading, am Hintergrund oder ganzen Sequenzen. Alles sieht normalerweise immer viel besser aus als befürchtet. Und wenn nicht, hat das oft andere Gründe.

Hört man hin, was die meisten am Trailer stört, dann kommt oft schlicht einfach nur “schlechtes CGI” als Antwort, ohne wirklich tiefgehendere Ansichten zu erhalten. Das ist nicht unbedingt falsch, aber sehr undifferenziert. Das größte Problem, das ich momentan bei den Bildern im Trailer sehe, liegt beim CGI compositing. Ganz besonders hier bei der Hochzeitsszene erkennt das Gehirn ganz schnell, dass diese Figuren reinkopiert wurden.

Warcraft CGI Hochzeit

Nun sieht dies tatsächlich nicht gut aus. Die gute Nachricht ist aber, dass sich diese Probleme leicht lösen lassen und das Produktionsteam noch ein ganzes halbes Jahr Zeit hat, um den Film besser aussehen zu lassen.

Die bessere Nachricht ist, dass die Landschaften und Kreaturen mit dem verhältnismäßig kleinen Budget von angeblich nur 100 Millionen US-Dollar aber bereits phänomenal aussehen. ILM sind und bleiben die Besten im Business.

Warcraft CGI Ork

Ich mag aber generell, was ich hier sehe. Ich habe in meiner Jugend Warcraft und später kurz World of Warcraft gespielt, bin aber kein Lore-Geek (IGN hat aber ein sehr informatives Video für Insider gemacht). Mir gefällt viel mehr mit welcher Inbrunst und Vision diese Welt nahtlos und kompromisslos umgesetzt wurde. Mit welchem Stolz Duncan Jones den Zuschauern einen Blick auf Stormwind gewährte, das Fans bereits seit über einem Jahrzehnt täglich besuchen können, das aber noch nie in dieser Schönhheit erstrahlte.

Das gilt auch im Hinblick auf die Geschichte um die Orks und die Menschen. Die Figuren im Trailer erscheinen wenig nuanciert und der Plot bekannt, doch ich habe immer noch das Gefühl, dass diese Geschichte es wert ist, im Kino erzählt zu werden. Alleine schon der interessanten und vielschichtigen Welt sowie Figuren wegen, die Azeroth und die Gebiete darüberhinaus bieten. Man darf auch nicht vergessen, dass es sich um eine Videospielverfilmung handelt – und das im großen Stil, die nicht stiefmütterlich ohne das Entwicklerstudio oder von Uwe Boll umgesetzt wird. Assassin’s Creed mag vielleicht mit seiner Geschichte und Star-Power etwas prestigeträchtiger erscheinen, aber Warcraft könnte uns den ersten wirklich guten, kompetenten Videospielfilm bringen, den Fans ins Herzen schließen. Um es mit den Worten von Devin Faraci auszudrücken: “I can’t believe this movie exists.”

Warcraft erscheint am 26. Mai 2016 in den deutschen Kinos unter dem Titel Warcraft: The Beginning. Dieser Zusatztitel unterstreicht die offensichtlichen Hoffnungen bei Blizzard und Legendary Pictures auf ein Franchise, das diese Welt problemlos hergeben würde. Aus der Notwendigkeit, dass der erste Teil zumindest kommerziellen Erfolg hat, wird man bis zum Kinostart noch reichlich am Look des Films schrauben. Da bin ich mir sicher.

Sollten Legendary/Universal Kalte Füße bekommen, wird Blizzard mit den monatlichen WoW-Einnahmen in Millionenhöhe das Kind schon schaukeln. Die Kalifornier setzen nämlich auf den einzigartigen Ruf des Unternehmens. Erst kürzlich stampfte man ein geplantes MMO nach sieben Jahren Entwicklungszeit einfach ein. Der Wille ist bei Blizzard sicherlich da. Sollte Warcraft ein Erfolg werden, warten nämlich Starcraft und Diablo schon in den Startlöchern.