Noch steht es nicht Schwarz auf Weiß, aber nach Jahren der Gerüchte ist sich TheWrap nun sicher, dass der zweite Standalone Star Wars Film, der gerade seinen Regisseur verloren hat, die Origin Story von Boba Fett erzählen wird.

Wie langweilig.

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Dark Horse

Cool Rocket, Man.

Man verstehe mich bitte nicht falsch. Boba Fett ist eine der ikonischsten Filmfiguren aller Zeiten. Er ist weltweit ein Favorit der Star Wars Fans und auch ich habe mehr als nur einen Merchandiseartikel des Mandalorianers hier stehen.

Problematisch ist nur, dass dies nicht die Folge einer großen Tat oder einer interessanten Figur ist. Es ist schlicht ergreifend das Resultat von Joe Johnstons großartigem Design. Boba Fett ist nicht mehr als eine Rüstung.

Aber auch was für eine. Sie sagt so viel über die Figur aus ohne konkret zu werden oder konkret werden zu müssen. Fett ist kampferprobt und erfahren. Sein Waffenarsenal, das er nie in den Filmen einsetzte, ist beeindruckend, seine Rüstung hat viele Kratzer und Dellen. Am prominentesten ist die Beule an seinem Helm; ein Zeichen dafür, dass er auch die schmutzigen Jobs erledigt und im Nahkampf agiert. Dazu besitzt er ein Jetpack, das ultimative Fortbewegungsvehikel der Science-Fiction. Ein ausgefranster Umhang verleiht ihm den letzten Schliff für die Wild West Ästhetik. He’s the man with no name from a galaxy far, far away.

Und dann ist da natürlich er Helm, der vielleicht coolste im gesamten Franchise. Gefährlich scharf sind die Wannenformationen der Front, Fett ist ein Raubtier auf der Jagd.

All dies ließ Fanherzen höher schlagen. Boba Fett wurde zur Ikone ohne je auch nur einen Finger krumm machen zu müssen. Man begegnet ihm auf jeder anständigen Con dutzende Male. All das spielt aber keine Rolle.

Die Prequel-Problematik

boba fett slave oneIm Expanded Universe gibt es über ihn endlose Geschichten. Über seine Rolle in der Shadows of the Empire Reihe, den legendären Kampf gegen Vader und den Kampf gegen die Yuuzhan Vong, nachdem er dem Sarlacc in der Grube von Cartoon auf Tatooine entkommen ist.

Doch diese Aspekte der Figur sind seit dem Ende des Expanded Universes Geschichte. Die Mystik der Figur bleibt zwar weiterhin durch die alte Trilogie erhalten, doch die wesentlich prägenderen Elemente aus den letzten 15 Jahren bleiben ebenfalls zurück.

Disney versucht zwar gerade alles, um sich so weit wie möglich von den Prequels zu distanzieren, doch bei Boba Fett hilft das wenig. So ist er nämlich auch im neuen, reduzierten Kanon weiterhin ein identischer Klon von Jango Fett, der seinen Vater früh verlor und fortan mit einer Bande Kopfgeldjäger durch die Galaxie zog. Die coole Figur der alten Trilogie bleibt entmystifiziert.

Wie soll es also gelingen, die Figur in Zukunft wieder interessant zu gestalten? Sicherlich doch nicht mit einer traditionellen Origin Story, die alle zu erwartenden Plot Points abhakt und Fett auf der Jagd nach seiner Rüstung und womöglich seinem legendären Schiff, der Slave I, zeigt. Und wer außer Temuera Morrison soll bzw. kann diese Rolle überhaupt übernehmen?

Bobafett_detailEs halten sich zwar Gerüchte, dass man dieser Problematik entgegenwirken will, in dem Boba Fett in den ersten Minuten von einem Wannabe/Fanboy getötet wird, der fortan die Rolle übernimmt, aber wer will das schon bitte sehen? Das würde die Coolness der Figur letztlich völlig zerstören und die Geschichte noch weiter verkomplizieren.

Drive in Space

Vergisst man für einen kurzen Momente die Probleme einer möglichen Origin Story, kann ich einer alternativen Geschichte jedoch ebensowenig abgewinnen. Boba Fett war schon in der originalen Trilogie relativ nutzlos. Seine einzige erfolgreiche Aktion ist den Millennium Falcon nach Bespien City zu verfolgen und das Imperium zu benachrichtigen. Ansonsten sieht der Kopfgeldjäger der Fanboyherzen eher alt aus. Er muss Befehle befolgen, wird überlistet, verliert kläglich sein einziges Gefecht und fällt schreiend in eine riesige Sandvagina.

Ein Boba Fett Film wäre sicherlich am besten als Genrefilm aufgehoben und mit einem harten R-Rating versehen, doch dies wird Disney selbstverständlich nicht machen und wirklich spannend wäre das doch auch nicht. Schauspielerisch kann das ebenfalls nur höchstens Drive in Space werden. Boba Fett starrt mürrisch in die Gegend, fliegt cool herum und macht einen Job, der daneben geht. Dann wird geballert.

Das kann durchaus unterhaltend und kompetent umgesetzt werden, als Star Wars Fan und viel belesener Expanded Universe Experte, fände ich es jedoch enorm schade, wenn man 25000 Jahre alternative Geschichten einem Fanfavoriten vorzieht – nur weil es geht und einfach ist.

Fans, die jetzt lustvoll dem lang ersehnten Film ihres Favoriten entgegen sehen, müssen sich darüber klar werden, dass Boba Fett nur eine Projektionsfläche all ihrer Fantasien ist. Jeder hat seinen Lieblingsmoment oder eine Idee für den coolsten Kampf aller Zeiten bereits im Kopfkino hunderte Male gesehen, doch wenn der Film schlussendlich abgedreht wurde, gibt es nur noch einen eindeutigen Boba Fett – in einer gewissen Weise ist Fett die ultimative Verkörperung der abrams’schen Mystery Box.

Dass dieses Unternehmen durchaus gelingen kann, will ich gar nicht abstreiten. Aus einer finanziell-strategischen Sicht ist ein Standalonefilm mit Boba Fett und seinen Kopfgeldjägern die eindeutig richtige Entscheidung. Aber als Star Wars Fan kann ich nur gähnen.