The Leftovers season 4 is wild

14 Sep, 2017 · Sascha · Fernsehen · 0 comments

Netter Clip, inklusive VHS-Handyfilter, in dem David Lynch gefragt wird, wie man am besten Twin Peaks – The Return schaut. Eine Frage, die sich mir nach seiner Antwort aufwirft: Ist es noch Bingewatching, wenn es sich um einen achtzehnstündigen Film und nicht eine achtzehnstündige Staffel handelt, den man am Stück schauen soll? Wie auch immer, den Rest mit der Nase vor dem großen Bildschirm und den Kopfhörern unterschreibe ich.


AMC

Fear The Walking Dead meldet sich nach der Sommerpause mit altbekannten Figuren und redundanten Effekten zurück. Trotzdem überzeugt die Geschichte – noch. Der Auftakt der zweiten Staffelhälfte beginnt einen realen Konflikt um Wasser, der Gefahr läuft, unterzugehen.

Verglichen mit der vorangegangen Staffel hat Fear the Walking Dead gerade die beste Staffelhälfte seiner Geschichte hingelegt. Der Verlust von Cliff Curtis an das Avatar-Franchise war nicht groß und Daniel (Rubén Blades) und Victor mussten sich ebenfalls mit kurzen Auftritten begnügen. Somit konnte fast der gesamte Fokus auf der verkleinerten Familie Clark liegen, und das hat sich ausgezahlt. Die Otto-Familie war ein lohnenswerter Neuzugang für die Serie, der sich noch lange auszahlen wird. Und insbesondere der Volksstamm der Natives um den stoischen Anführer Walker hat der Serie nicht nur einen brodelnden Konflikt beschert, sondern auch so etwas wie eine Botschaft gegeben. Bis dato ein relativ selten gesehener Kniff der Autoren bei Fear The Walking Dead.

Der Tod von Jeremiah Otto hat auch direkte Auswirkungen auf die ersten beiden Folgen dieser Staffelhälfte. Es wird in Minotaur und Diviner bereits so viel an Handlung abgeschlossen, dass sich der Tod des Ranch-Patriarchen wie eine weit zurückliegende Legende anfühlt. Dies ist auch in gewisser Weise das Problem des Fortsetzungs-Auftakts. Ein merkliches Ziel und Thema wurde für diese Hälfte konzipiert, und um es zu erreichen, geben die Fear the Walking Dead-Autoren mächtig Gas. Ortswechsel, Schießereien, Morde, ein riesiger Marktplatz inmitten einer ehemaligen Stierkampfarena – bei all dem Trubel vergisst die Serie ihre wichtigsten Aufgaben jedoch völlig.

Eine Zombieserie sollte die Freiheit genießen, eine (post-)apokalyptische Geschichte ohne große Vorgaben oder Einschränkungen erzählen zu können. Schließlich sind mit dem Wiederkehren der Toten nahezu sämtliche Normen und Werte verfallen, wieso sollten langweilige Grenzen dann die Serie in ihrer Umsetzung aufhalten? Gerade die Grenzüberschreitung oder die Umkehrung der Erwartungen sind in dem Genre die Höhepunkte für viele Fans. Dennoch kann eine Serie, die ihr Szenario so offenherzig, aber seriös annimmt, nicht auf gewisse Eckpfeiler verzichten.

Fear The Walking Dead nimmt Zombies ernst und gestaltet sie glaubhaft, schreibt jedoch bereits im Auftakt der ersten neuen Folge die Glaubwürdigkeit der Entscheidungen durch die Hauptfiguren klein. Madison und Walker haben Frieden geschlossen, und während Troys rassistisch motivierte Aktionen sicherlich ein zukünftiges Problem darstellen würden, könnte Frieden zwischen den Faktionen herrschen. Doch dass die beiden Gruppen direkt auf dem kleinen Gelände zusammenziehen, sprengt selbst die optimistischen Hoffnungen. Natürlich führt dies zu Konflikten und Soap-Plotlines, die die Serie doch eigentlich so erfolgreich hinter sich lassen konnte in der vergangenen Staffelhälfte. (weiterlesen…)

Die im Juni aufgenommene Live-Show von The National in Paris, bei der einige Songs aus “Sleep Well Beasts” zum ersten Mal vor Publikum gespielt wurden, ist wieder online. Pitchwork nahm den Auftritt damals zum großen Unmut vieler Fans nach ein paar Tagen wieder offline, wahrscheinlich aus irgendwelchen rechtlichen Gründen. Nun ist das Teil wieder online, grandioser Auftritt. Ich habe mir inzwischen übrigens jetzt doch Karten besorgen können und blicke überglücklich dem Oktober entgegen.

Setlist:

0:32 – Nobody Else Will Be There
4:53 – Day I Die
9:35 – Matt discusses his coffeepot of wine
10:02 – Walk It Back
16:25 – The System Only Dreams in Total Darkness
20:48 – Guilty Party
26:48 – Carin At the Liquor Store
30:36 – Apartment Story
34:29 – Daughters of the Soho Riots
39:20 – Sleep Well Beast
46:48 – Fake Empire
51:35 – Terrible Love
56:21 – Turtleneck

Aaron Dessner von The National hat für sich und seine Band ein perfektes Aufnahmestudio aufs Grundstück gebaut, welches man auch auf dem Cover des neuen Albums “Sleep Well Beast” in Szene gesetzt bestaunen darf. Die fünf Bandmitglieder sowie einige bekannte Gesichter haben sich dort zusammen vor einiger Zeit mit dem Oscar-nominierten Filmemacher Marshall Curry getroffen, um die Aufnahme der neuen Platte in 360°/VR zu dokumentieren. Herausgekommen ist ein annehmlich Bandportrait, das nie an das Meisterwerk Mistaken for Strangers von Berningers eigenem Bruder herankommen kann. Trotzdem ist es auf jeden Fall auf Grund der Soundbites und Einblicke in die Entstehung von “Sleep Well Beast” wert gesehen zu werden.

Der Live-Auftritt auf der runden Bühne im Video war Teil einer CBS This Morning Performance, die auch den Weg online gefunden hat. (weiterlesen…)

Dieser Artikel erschien zuerst in der 11. Ausgabe des WASD-Magazins.

divbar
Videospiele sehen schwarz und zeigen extreme Konsequenzen und Reaktionen auf den Klimawandel

Spoiler-Warnung: Dieser Text verrät das Ende einiger Spielewelten. Und noch eine Spoiler-Warnung: Wenn das mit der Umweltzerstörung so weitergeht, dann verabschiedet sich irgendwann auch die echte Welt. Für diese deprimierende Tatsache, haben einige Videospiele ein paar faszinierende Antworten parat.

Die Ozeane erwärmen sich schneller als befürchtet, das Arktiseis schmilzt, jedes Jahr erleben wir neue Hitzerekorde, in Afrika kommt es zu immer schlimmeren Dürren und die Waldbrände in den USA mutieren zu einem ganzjährigen Phänomen. Es stimmt schon: Der Planet hat schlimmere Phasen in seiner Geschichte durchlebt – der Mensch allerdings nicht.

Meteoriteneinschläge, Ausbrüche von Supervulkanen, Eiszeiten – insgesamt hat das Leben auf der Erde bisher fünf Phasen des Massenaussterbens überlebt. Biologen warnen, dass aktuell die sechste Phase ansteht: Das Anthropozän, das durch den Menschen geprägte Zeitalter, könnte bis zu 75 Prozent der Spezies ausrotten. Aber es will uns einfach nicht gelingen, das Ruder herumzureißen, um das Absterben der Flora und Fauna aufzuhalten.

Extremfall als Normalität

In Videospielen sind lebensfeindliche Umgebungen ja nicht gerade eine Rarität. Die “Fallout”-Serie handelt von der Welt nach einem verheerenden Atomkrieg, in “Half-Life” muss Gordon Freeman die Menschen vor Außerirdischen retten und in zahllosen Spielen wollen uns Zombies an den Hals. Einige Konzepte jonglieren mit den Genrekonventionen, wie jüngst “Everybody’s Gone To The Rapture”, aber im Kern geht es meist ums nackte Überleben. Und so bedrohend diese Momente auch sein können, meist beschränkt sich die Gefahr auf das Individuum, den Spieler, nicht den Planeten.

Hier und da allerdings, lassen Videospiele den Helden in der Postapokalypse nicht mehr nur kosmetische Großtaten vollbringen, sondern gleich ein neues Zeitalter einläuten. Vorbei sind die Zeiten, in denen der Spieler in der tristen Klima-Apokalypse verweilen oder zaghaft versuchen musste, die Zivilisation wiederaufzubauen. Im Gegenteil: In manchen Spielen, kann er den ganzen Quatsch gleich ganz beenden – und der Welt so etwas Erholung gönnen. Dass diese Geschichten dann eben oft mit einem herben Dämpfer für die Menschheit enden, ist dann ein Teil der Botschaft, ganz so als wolle man uns sanft anstupsen und darauf hinweisen, es bitteschön erst gar nicht erst so weit kommen zu lassen. Und vielleicht ist die Hoffnung dahinter, dass sich Spieler und Spielerinnen vom Couchpotato zu AktivistInnen entwickeln, wenn sie sehen, welche radikalen Schritte irgendwann nötig wären, um die Flora und Fauna zu retten.

Under The Sea

Während das Great Barrier Reef letztes Jahr von Wissenschaftlern für quasi tot erklärt wurde, konnten sich Indiegamer immerhin noch “Abzûs” Korallenriffe bewundern. Entgegen der religiösen Wanderung durch düstere Täler und Wüsten des spirituellen Vorgängers *Journey bietet “Abzû” flinkes Gameplay in einem lebhaften Ozean. Trotz der zahlreichen Bewohner und farbenfrohen Pflanzenwelt ist diese Unterwasserwelt aber nicht so paradiesisch, wie es auf den ersten Blick scheint. In Wahrheit bedroht nämlich eine von Menschenhand kreierte Technologie die Natur.

In “Abzû” verleiht eine natürliche Machtquelle der Zivilisation ihre Kraft, doch ihre Gier nach mehr führt zu ihrer technologischen Apokalypse, die selbst nach dem Verschwinden der Menschen die Bewohner des Meeres nachhaltig bedroht. Der Twist: Der spielbare Sporttaucher entpuppt sich als menschenähnlicher Roboter, der realisiert, dass nicht der stereotypische weiße Hai sein Feind ist, sondern er selbst ausgerechnet die Macht zerstören muss, die ihm Leben einhaucht. Denn nur so hat die Natur eine Chance und symbolisch wächst am Ende Gras in Zeitraffer über die technologischen Wunden vergangener Zeiten.

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Mondo

Ich hatte Anfang des Jahres Wind River auf meine Liste der Filmhighlights 2017 geschrieben. Jeremy Renner und Elizabeth Olsen im Schnee, in Szene gesetzt von Taylor Sheridan, der sich nach seinem Megadurchbruch als Drehbuchautor mit Sicario und Hell or High Water jetzt auch als Regisseur probieren will – das klingt spannend.

Bisher weiß ich noch nicht recht, worum es in dem Film geht und einen Trailer habe ich ebenfalls nicht gesehen. Nun haben sich die Genies von Mondo haben sich gedacht, dass sie den Film schon jetzt mit einem Poster von Matt Tobin ehren wollen. Das Ergebnis ist extrem genial, es funktioniert ohne Vorwissen zum Film und schafft gleichzeitig Vorfreude. Tolles Ding, das leider ohne vorherige Ankündigung und auf Grund der geringen Stückzahl recht schnell ausverkauft war.

Chaostheorie als Videospiel: Jurassic World Evolution wurde als große Überraschung in einem Teaser zur Gamescom angekündigt. Das Game ist ein spiritueller Nachfolger von JP: Operation Genesis, in dem der Spieler seinen eigenen Park bauen konnte. Fans hielten das Spiel lange durch Mods am Leben, doch schlussendlich musste einfach ein neues Spiel folgen, schließlich ist das Spielkonzept schlicht so reizvoll.

Als ein riesiger Fan der Filmreihe und Rollercoaster Tycoon, das ich als Kind so lange spielte wie kein anderes Spiel, kann ich den Release dieses Titels kaum abwarten. Dass ehemalige Entwickler von RCT bei dem Spiel nun beteiligt sind, lässt meinen Hype auch nicht schrumpfen.

Build your own Jurassic World, bioengineer new dinosaur breeds, and construct attractions, containment and research facilities. Every choice leads to a different path and spectacular challenges arise when ‘life finds a way.’

Jurassic Park Videospiele haben eine lange Tradition und eine noch längere Liste an Kritikpunkten. So richtig konnte kein Spiel überzeugen oder langfristig das Interesse packen. Das LEGO-Spiel war definitiv spaßig, aber auch weit von einem aufregenden Kanon-Titel entfernt; zuletzt enttäuschte Telltales Quick-Time-Event-Orgie im großen Stil.

Bis zur Verkündigung von Jurassic World Evolution lag meine Hoffnung eher auf einigen Indie-Titeln, die Isla Nublar Ehre erwiesen könnten. Bis vor wenigen Wochen schien die größte Leistung der JP-Spiele die Karriere von Michael Giacchino zu sein, doch das ändern sich hoffentlich. Nun scheint die Insel gerettet. Bis das Chaos ausbricht natürlich. Aber das ist alles Teil des Plans.