RIP Will McAvoy

17 Sep, 2017 · Sascha · Fernsehen,Tech · 3 comments

Will McAvoy ist tot. Will McAvoy war die Hauptfigur, gespielt von Jeff Daniels, in HBOs The Newsroom, einer Serie von Aaron Sorkin über die fiktive Nachrichtenzentrale des Fernsehsenders Atlantis Cable News. Daniels wurde für die Rolle mit dem Emmy ausgezeichnet. Obwohl die Serie wegen ihres revisionistischen Ansatzes, alte Nachrichten mit einer hinterher-ist-man-immer-klüger-Methode neu und in einer besseren Weise zu verpacken, als es live geschah, heftig kritisiert wurde, blieb etwas von der Figur doch auch nach Serienende haften. Im Wowcast zum Beispiel lobten wir den lebhaften Spirit der Figuren, der trotz den teilweise problematischen Plots doch bitte nachhallen möge. Und dazu blieb uns McAvoy in Form eines Parodie-Twitteracounts erhalten. Sogar bis in die Trump-Ära.

Ich bin nicht unbedingt der größte Fan dieser Fanaccounts. Die Qualität ihrer Tweets ist oft miserabel. Selten passt das Medium zu Figur und sowieso ist das Theater oft eher von kurzer Dauer. Der Autor des McAvoy-Accounts jedoch hatte einen Nerv getroffen. McAvoy würde natürlich twittern, selbstverständlich über neue Nachrichten berichten sowie aktuelle Ereignisse kommentieren. Es passte einfach, genauso wie der perfekt geklonte Schreibstil von Aaron Sorkin.

Nun hat der Schreiberling jedoch festgestellt, dass er die Kunstfigur nicht mehr weiterführen möchte. Er hört auf. Zur großen Freude vieler Hater aus der coolen Weird-Twitter-Ecke, deren ironischer Ansatz Dinge zu kommentieren ohnehin konträr zu Sorkins moralisch aufrichtigem Ton stand. Ich mochte den Account und finde das Ende schade. Ich denke aber auch, dass die Aktion, die länger lief als die Serie ausgestrahlt wurde, ihren Reiz inzwischen verloren hatte.

Ich war ein ausgesprochener Fan von The Newsroom, trotz oder oft wegen der vorgeworfenen Mängel der Show, und bin gerade etwas traurig.

Be good.

The Web in 2050

17 Sep, 2017 · Sascha · Tech · 4 comments

“Is anybody still reading this?” So endet eine schön schaurige Horrorgeschichte von Jacques Mattheij über eine mögliche Zukunft des Webs. (via Eay) Wenn man sich die aktuelle Entwicklung anschaut, ist seine Idee von einer bipolaren Aufteilung des Internets in Google und Facebook gar nicht so unrealistisch.

Johnny Häuslers Weckruf, das Netz zurückzuerobern, scheiterte bisher. Braucht ein Podcast heute noch eine Webseite oder doch lieber gleich nur einen Twitteraccount registrieren? Diese Frage stellte sich uns gerade beim Kulturindustrie-Podcast und wir entschieden uns für Letzteres.

Mir macht das alles ziemlich Angst. Nicht nur, weil ich nicht mit dieser Version des Netzes aufgewachsen bin und für mich eine Präsenz im Web ohne zentrale Anlaufstelle in Form einer eigenen Webseite fremd wirkt, sondern auch weil die große Freiheit des Netzes wieder eingeschränkt wird. Sollte ich 2050 noch am Leben sein, wird PewPewPew natürlich weiterhin online sein. Und sei es im Darknet.

If you’re reading this page it means that you are accessing a ‘darknet’ web page. Darknets used to refer to places where illicit drugs and pornography were traded, these days it refers to lonely servers without any inbound links languishing away in dusty server rooms that people have all but forgotten about. Refusing to submit to either one of two remaining overlords these servers sit traffic less and mostly idle (load average: 0.00) except for when the daily automated back-up time rolls around. Waiting for a renaissance heralded by the arrival of a packet on port 80 or 443 of the WWW as it once was known, a place where websites freely linked to each other. Following a link felt a bit like biting into a chocolate bon-bon, you never quite knew whether you were going to like it or be disgusted by it but it would never cease to surprise you.

Read on, dear.

Kulturindustrie ist der neue Podcast von Alexander Matzkeit, Mihaela Sartori, Lucas Barwenczik und meiner Wenigkeit. Zu viert werden wir in Zukunft Themen, Kunst und Produkte aus Popkultur und Feuilleton besprechen. Angelehnt ist das Konzept an bekannte Podcasts wie die Pop Culture Happy Hour und das Slate’s Culture Gabfest.

Die Idee dazu wurde intern seit einiger Zeit diskutiert und bereits vor vier Jahren schrieb Alex in weiser Vorausahnung die ungefähren Grundregeln in seinem Blogbeitrag über das ideale Podcastrezept auf. In gewisser Weise wollen wir ein Gegenentwurf in der Laberpodcastlandschaft sein, indem moderieren, schneiden und teilweise auch einsprechen.

Die Themen unserer Nullnummer: “The Circle”, die frisch angelaufene Romanverfilmung mit Emma Watson und Tom Hanks. Snotgirl, die jüngste Comicreihe von Scott-Pilgrim-Schöpfer Brian Lee O’Mallexy. Und BoJack Horseman, die Netflix-Cartoonserie, deren vierte Staffel jetzt verfügbar ist.

Das hat bei unserer Pilotfolge bereits so gut geklappt, dass wir sie raushauen. Ich bin jetzt schon stolz auf den Podcast und ohnehin froh darüber, Teil dieser Truppe sein zu dürfen. Wer bereits den Werewolves on Wheels Podcast hört, weiß um mein Gerangel mit René, für den der Kampf gegen Strukturen alles ist. Der Wowcast geht auch nirgendwohin. Daher ist Kulturindustrie nun für mich der dritte Anlauf im Podcastgeschäft, vielleicht komme ich ja jetzt endlich ins Fernsehen.

Für Feedback und konstruktive Kritik sind gerne zu haben. Folgt uns auf Twitter und abonniert unseren Feed. Wir haben einiges vor.

Links zu Soundcloud und Podcast-Feeds:

Soundcloud: 000 – The Circle, Snotgirl, Bojack Horseman
iTunes: Kulturindustrie
Podcast-Feed: http://feeds.soundcloud.com/users/soundcloud:users:331600180/sounds.rss

Ich bin spät dran und das Video hat bereits die Runde durchs Netz gemacht, doch ich möchte es mir auch in den Blog kleben: Die deutschen Viralmasters vom Bohemian Browser Ballett haben einen Werbespot für die Actionfiguren von Echsen-Merkel und den Gottkanzler Schulz im 90s-Style ebastelt. Der Erfolg des Videos zeigt auch, wie großartig und haargenau die Ästhetik dieser Werbespots eingefangen wurde. Das ist gar nicht so einfach. Diese Art von Parodie gibt es häufiger und selten so schön umgesetzt. Die Figuren sind dazu äußerst liebevoll und detailgenau gestaltet, sodass ich mir tatsächlich so ein Set kaufen würde.

Musikvideo: Kettcar – Wagenburg

16 Sep, 2017 · Sascha · Musik · 0 comments

Nach dem tollen “Er schnitt Löcher in den Zaun” war ich ja erst noch so “Woah, Kettcar sind zurück?” und nach “Wagenburg” bin ich jetzt voll “ALTER KETTCAR SIND ZURÜCK!”

Wo Egoschweine erst alleine
und dann zusammen, nur an sich denkend,
sich zu einem Wir verlieren

Was eine wunderschöne, nuanciert verzweifelte Bilanz unserer Zeit. Zwei Hammersongs am Stück, Album in knapp einem Monat, Tour startet in meiner Stadt. Besser geht’s nicht.

The Leftovers season 4 is wild

14 Sep, 2017 · Sascha · Fernsehen · 0 comments

Netter Clip, inklusive VHS-Handyfilter, in dem David Lynch gefragt wird, wie man am besten Twin Peaks – The Return schaut. Eine Frage, die sich mir nach seiner Antwort aufwirft: Ist es noch Bingewatching, wenn es sich um einen achtzehnstündigen Film und nicht eine achtzehnstündige Staffel handelt, den man am Stück schauen soll? Wie auch immer, den Rest mit der Nase vor dem großen Bildschirm und den Kopfhörern unterschreibe ich.


AMC

Fear The Walking Dead meldet sich nach der Sommerpause mit altbekannten Figuren und redundanten Effekten zurück. Trotzdem überzeugt die Geschichte – noch. Der Auftakt der zweiten Staffelhälfte beginnt einen realen Konflikt um Wasser, der Gefahr läuft, unterzugehen.

Verglichen mit der vorangegangen Staffel hat Fear the Walking Dead gerade die beste Staffelhälfte seiner Geschichte hingelegt. Der Verlust von Cliff Curtis an das Avatar-Franchise war nicht groß und Daniel (Rubén Blades) und Victor mussten sich ebenfalls mit kurzen Auftritten begnügen. Somit konnte fast der gesamte Fokus auf der verkleinerten Familie Clark liegen, und das hat sich ausgezahlt. Die Otto-Familie war ein lohnenswerter Neuzugang für die Serie, der sich noch lange auszahlen wird. Und insbesondere der Volksstamm der Natives um den stoischen Anführer Walker hat der Serie nicht nur einen brodelnden Konflikt beschert, sondern auch so etwas wie eine Botschaft gegeben. Bis dato ein relativ selten gesehener Kniff der Autoren bei Fear The Walking Dead.

Der Tod von Jeremiah Otto hat auch direkte Auswirkungen auf die ersten beiden Folgen dieser Staffelhälfte. Es wird in Minotaur und Diviner bereits so viel an Handlung abgeschlossen, dass sich der Tod des Ranch-Patriarchen wie eine weit zurückliegende Legende anfühlt. Dies ist auch in gewisser Weise das Problem des Fortsetzungs-Auftakts. Ein merkliches Ziel und Thema wurde für diese Hälfte konzipiert, und um es zu erreichen, geben die Fear the Walking Dead-Autoren mächtig Gas. Ortswechsel, Schießereien, Morde, ein riesiger Marktplatz inmitten einer ehemaligen Stierkampfarena – bei all dem Trubel vergisst die Serie ihre wichtigsten Aufgaben jedoch völlig.

Eine Zombieserie sollte die Freiheit genießen, eine (post-)apokalyptische Geschichte ohne große Vorgaben oder Einschränkungen erzählen zu können. Schließlich sind mit dem Wiederkehren der Toten nahezu sämtliche Normen und Werte verfallen, wieso sollten langweilige Grenzen dann die Serie in ihrer Umsetzung aufhalten? Gerade die Grenzüberschreitung oder die Umkehrung der Erwartungen sind in dem Genre die Höhepunkte für viele Fans. Dennoch kann eine Serie, die ihr Szenario so offenherzig, aber seriös annimmt, nicht auf gewisse Eckpfeiler verzichten.

Fear The Walking Dead nimmt Zombies ernst und gestaltet sie glaubhaft, schreibt jedoch bereits im Auftakt der ersten neuen Folge die Glaubwürdigkeit der Entscheidungen durch die Hauptfiguren klein. Madison und Walker haben Frieden geschlossen, und während Troys rassistisch motivierte Aktionen sicherlich ein zukünftiges Problem darstellen würden, könnte Frieden zwischen den Faktionen herrschen. Doch dass die beiden Gruppen direkt auf dem kleinen Gelände zusammenziehen, sprengt selbst die optimistischen Hoffnungen. Natürlich führt dies zu Konflikten und Soap-Plotlines, die die Serie doch eigentlich so erfolgreich hinter sich lassen konnte in der vergangenen Staffelhälfte. (weiterlesen…)