Oh Mann. Da fasse ich unten die Emmy Verleihung zusammen und weise auf meine Highlights hin, wenn ich das wahre Highlight des Abends dank eines laggenden Streams verpasst habe. In diesem läuft Billy Eichner mit Seth Meyers nämlich wie immer auf der Straße rum und schreit Leute an. Ich bin ein riesiger Fan von Billy On the Street (mein Favorit), besonders wenn Passanten nicht mitmachen. Das hektische Format passt perfekt zu den Emmys oder eigentlich jeglicher Preisverleihung, weil ja irgendwas immer nicht stimmt. X wurde nicht nominiert, Z hätte den Sieg mehr verdient gehabt als Y. Ich bekenne mich schuldig. Billy überträgt das kollektive Bitchen von Twitter ins wahre Leben und zeigt uns, wie absurd das alles ist. Herrlich.

Nach dem enormen Erfolg von HBOs Adaption der Das Lied von Eis und Feuer Reihe von Autor George R.R. Martin wurden nicht nur viele Fans von Game of Thrones auf die Buchvorlage aufmerksam, sondern auf die weiteren Werke des Mannes aus dem Haus der Schildkröte. Ich bekenne mich schuldig: Trotz meines Fandoms habe ich mich weder mit den Büchern, noch Martins sehr weitreichender Themen und Werke näher beschäftigt. Ich wusste von seiner Arbeit an Twilight Zone und den Abenteuern von Dunk und Egg in Westeros, aber nichts von Wild Cards – und ich habe was verpasst. Martin wirkt bereits seit 1987 als Herausgeber dieser Kurzgeschichtensammlung, die bereits 21 Veröffentlichungen in den USA auf dem Buckel hat. Nun kommt das erste Buch nach Deutschland; er und viele andere Autoren von Menschen erzählen, die schon eine ganze Weile in einer Welt voller Superhelden leben.

Martin Wild CardsIn der Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg wird die Bevölkerung New Yorks vom verbrecherischen Dr. Tod mit einem vom Weltall importierten Virus bedroht. Sogar ein wagemutiger Pilot kann ihn in einer denkwürdigen Luftschlacht nicht aufhalten und so infizieren sich nach und nach immer mehr Menschen mit dem außerirdischen Virus. Viele haben – wie beim Poker – das Pech, schlechte Karten zu ziehen und sterben an der Genmutation, die das Virus verursacht. Einige ziehen den Joker, überleben zwar, werden aber auf groteske Weise durch die Mutationen entstellt. Nur einem Bruchteil der Bevölkerung wird ein Ass zugeteilt. Zwar verwandeln sie sich auch, aber tragen keine sichtbaren Merkmale davon, sondern übernatürliche Fähigkeiten. Während einige als Schurken unterwegs sind, vollbringen andere Heldentaten. Doch wer ist Amerikas größter Held? Eine Antwort soll American Hero bringen, eine Casting Show, in der es um Ruhm und eine Menge Geld geht. So viel Geld, dass die Kandidaten fast vergessen was wirklicher Heldenmut ist.

Das klingt ziemlich fantastisch, wenn man mich fragt und hat eine Spur von Heroes, was ich ja konzeptionell sehr mochte. SyFy hat sich bereits die Rechte für eine Adaption gesichert. Ugh.

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The Leftovers 109 HBO
© HBO

Kurz vor dem vermutlich schockierenden Finale wagt The Leftovers einen Blick in die Vergangenheit und die Welt vor dem Departure. The Garveys at Their Best ist dabei jedoch ein bissiger Kommentar auf die bereits vorherrschenden Probleme der dysfunktionalen Familie. Hier ein Auszug, die gesamte Recap wie immer auf Moviepilot.

Andere Kritiker oder auch der bekannte Drehbuchautor und Podcastguru John August haben erwähnt, dass sie sich diese Folge auch früher gewünscht hätten, doch ich bin höchst zufrieden mit der Platzierung der Folge innerhalb der Staffel. Theoretisch hätte man die Folge bereits in abgewandelter Form vorher ausstrahlen können, doch die Folge so kurz vor Schluss zu bringen, verdeutlicht nicht nur, dass das Leben, dem viele Figuren in den vorherigen acht Folgen nachtrauern, gar nicht so toll war. (Mit der Ausnahme von Jill vielleicht.) Der bisherige Aufbau gibt dem Leiden auch Bedeutung. Die Inszenierung des Departures von Daniel Sackheim mit der musikalischen Untermalung von Max Richter ist atemberaubend. Es handelt sich um eine Sequenz, die in ihrer Tragik, Schönheit und Nuance kaum hätte besser gedreht werden können und sie funktioniert vor allem, weil wir wissen, was genau in diesem Moment in vielen Figuren zu Bruch geht und wieso sich andere bestärkt fühlen.

Steven Zeitchik schrieb vor Kurzem in der LA Times über den Aufstieg des Post-Plot Cinemaam Beispiel von Guardians of the Galaxy. Vielleicht ist es an der Reihe The Leftovers als das aktuelle Serienäquivalent zu definieren. Die erste Staffel übertrifft sich von Woche zu Woche, ein Panaroma der Bedeutungslosigkeit aufzuzeichnen. Die Gesellschaft wirkt leer, verwirrt und ziellos. Im Kontrast dazu gibt es einzelne Folgen, die uns das Schicksal einiger Individuen zeigen und als Beispiel für gute Charakterzeichnung dienen. Ein naheliegender Kritikpunkt jedoch wäre, dass dies trotzdem auf nicht viel hinausläuft – was wiederum genau der Punkt der Serie ist. Stanley Kubrick hat einmal im Interview mit dem Playboy bei einer Diskussion von 2001 gesagt: “The most terrifying fact about the universe is not that it is hostile but that it is indifferent; but if we can come to terms with this indifference and accept the challenges of life within the boundaries of death — however mutable man may be able to make them — our existence as a species can have genuine meaning and fulfillment. However vast the darkness, we must supply our own light.”

Der Departure ist damit nur ein nicht zu leugnender Beleg. Die Menschen mögen es unterschiedlich interpretieren, aber die Tatsache bleibt bestehen, dass es keinen tieferen Sinn gibt. Schlussendlich zeigt uns The Garveys At Their Best, dass das Beste eigentlich gar nicht so gut ist. Aber es ist genug. Die Verrückten („Are you ready?“) gibt es bereits vorher, nach dem Departure erhalten sich nur neuen Zulauf. Kevin hat bereits vor dem Departure Visionen, doch am Ende gibt es für alles eine plausible Erklärung. Die christliche Erscheinung des Hirsches ist am Ende nur reflektierende Plastikfolie im Geweih. Zufall und Chaos beherrschen diese Welt. This is it. God is dead. Don’t freak out.

Moviepilot: Wir schauen The Leftovers – Staffel 1, Folge 9

Google Fiber Freakout

26 Aug, 2014 · Sascha · Internetgold · 0 comments

THANK YOU BASED GOD GOOGLE! (via reddit)

Hier dann das Highlight der diesjährigen Emmys: Weird Al Yankovic performt die Theme Songs nominierten Serien wie Mad Men, Scandal, Homeland und natürlich Game of Thrones. Seine Lyrics sind ganz nett, bei Game of Thrones jedoch am Besten. Das kann aber auch an Andy Samberg als Joffrey liegen, der George R.R. Martin eine Schreibmaschine in die Hand drückt, während Weird Al ihn verbal auspeitscht: “Type, George, type!” – der arme Mann.

Gewinner der 66. Emmy Awards

26 Aug, 2014 · Sascha · Fernsehen · 4 comments

Emmys2014

So, das war dann die diesjährige Emmy-Verleihung. Die Veranstaltung selbst war ganz okay, Seth Meyers ist eben nur ganz nett und er macht artig ein paar Witze,  blieb ansonsten brav. Das Highlight der Show war definitiv Weird Al, der sich Lyrics für die Theme Songs eingier Shows ausdachte und George R.R. Martin eine Schreibmaschine in die Hand drückte. Wobei ihm Bryan Cranstons Kussattacke auf JLD Konkurrenz machte – dieser Schnurrbart ist von dieser Welt! Billy Crystals emotionaler Abschied von Robin Williams war auch sehr schön, dezent und persönlich.

In Sachen Comedy ist das eine einzige Blamage für die Academy. Modern Family so oft auszuzeichnen, dazu z.B. in der Regie-Kategorie, ist für mich eine absolute Blamage.

Mit der Ausnahme von Julianne Margulies und Cary Joji Fukunaga, die beide höchst verdient gewinnen, schnappt sich Breaking Bads Abschied alle Awards im Drama – ebenfalls höchst verdient, auch wenn Aaron Paul trotz natürlich überzeugender Arbeit seinen dritten Emmy mit Dean Norris hätte teilen müssen. Die letzte Staffel hing in großen Teilen von Hank ab und Dean Norris hat für seine Arbeit in all den Jahren nicht einmal eine Nominierung erhalten. Eine Schande.

Fargo gewinnt den Preis für die beste/r Miniserie/Film, kann jedoch kaum punkten. Denn Sherlock wurde anscheinend inzwischen von der Academy gesehen und bekommt nun seine Awards, u.a. einen für Steven bloody Moffat, was ich gar nicht abkann und Cumberbatch war in Staffel 3 nicht besser als die schauspielerische Gewalt eines Billy Bob Thornton.

Große Verlierer des Abends sind HBO und Netflix. Orange is the New Black und House of Cards gehen bis auf einen Preis für Uzo Aduba und fürs Casting leer aus. HBO wird sich wohl in den Hintern beißen, dass man True Detective nicht in die Miniseries-Kategorie gesteckt hat – wo die Serie auch hingehört. Da hatte man wohl zu großes Selbstvertrauen.

Persönlich freut mich natürlich die Auszeichnung für Louis C.K.s “So Did The Fat Lady”, die Episode des Jahres. Ärgern tut mich besonders der Emmy für Jim Parsons. Es liegt nicht an Parsons, der einen okayen Job macht und sich scheinbar sogar für den Gewinn entschuldigte, sondern an der Serie selbst.  (weiterlesen…)

Wolfang M. Schmitt setzt sich der aktuellen Ausgabe von Die Filanalyse mit den hiesigen Programmkinos und der Filmkultur Deutschlands auseinander. Er beschreibt darin sehr gut meine Suche nach guter Filmkultur hier am Rande Deutschlands, die mich in den letzten Woche erneut häufiger über die Grenze des Landes hinweg nach Luxemburg führte. Dort laufen nämlich Gia Coppolas Palo Alto oder Jonathan Glazers Under The Skin im Kino. Ein sehr treffender und wichtiger Beitrag:

Das Politische wie das Ästhetische wird als Bedrohung wahrgenommen. Das Wellness-Kino setzt die Politik der ‚Neuen Mitte‘ auf der Leinwand um. Lieber frönt man einer kulinarischen Kultur der Unterforderung, als sich noch Kritik oder gar Kunst auszusetzen. Die Kinobetreiber, die eher Therapeuten gleichkommen, die ihren Patienten/Zuschauern ein Sedativum nach dem anderen verschreiben, machen fröhlich bei dieser Verflachung mit, sie verdienen gut daran und schreiben sich weiterhin ‚Arthaus‘ auf die Fahnen, wenn auch nur die Kuschel-Version gemeint ist. Das ist ein großes Unglück, da es keineswegs weniger großartige Filme gibt. Das Problem ist, daß man diese Filme fast nur noch auf Festivals zu sehen bekommt oder auf die DVD-Veröffentlichung hoffen kann.

Dazu passend zwei äußerst passende Artikel von Rajko Burchardt:
Ziemlich beste Freunde, ziemlich großer Mist
In der Gewalt des Wohlfühlkinos

the leftovers hbo 108
© HBO

Mit Cairo gelingt The Leftovers der Ausbruch aus dem bisherigen Schema. Showrunner Damon Lindelof produziert eine grandiose Folge, dank der inszenatorischen Gewalt von Michelle MacLaren, abseits der feinfühligen Charakterbeobachtungen in vorangegangen Folgen. Hier ein Auszug, die gesamte Recap wie immer auf Moviepilot.

Es ist ironisch. Mit Cairo strahlte HBO vorgestern die erste Folge von The Leftovers aus, die nicht von Showrunner Damon Lindelof geschrieben wurde. Doch seine Fingerabdrücke am Skript sind unverkennbar. Wieso genau The Walking Dead Produzent Curtis Gwinn und der relativ unbekannte Fernsehfilmautor Carlito Rodriguez dafür engagiert wurden, bleibt wohl ein Produktionsmysterium. Denn gerade in Cairo offenbart Lindelof bisher nicht genutzte Spannung und Emotionalität, Innenleben und Gesamtgefüge. Es ist vielleicht die zentrale Folge der Staffel. Figuren werden vollendet, andere zeigen neue Seiten an sich, Beziehungen gehen zu Ende und der interessante Handlungsort, eine Hütte im Wald mit Personen, die zwar vor einem stehen, deren Existenz man jedoch zumindest anzweifeln kann, erinnert an sein umstrittenes Magnum Opus Lost.

Die Gastautoren meistern ihre Aufgabe jedoch auf beeindruckende Art und Weise. Sie balancieren ihre Handlungsstränge besonnen und schreiben authentische Dialoge für spannende Szenen. Die Figuren mögen leiden, der Zuschauer darf jedoch genießen. Dazu ist die Folge von Michelle Maxwell MacLaren inszeniert, dieser faszinierenden TV-Regisseurin, die sich in den letzten Jahren mit grandiosen Folgen in Breaking Bad sowie einigen markanten Folgen in The Walking Dead sowie Game of Thrones einen Namen in der Branche machte. Ihre Regiearbeit verleiht der Serie eine ganz neue Qualität. Ihre Übergänge sind flüssiger, ihre Bilder des Suburbanen mythisch und das Finale wirkt nahezu biblisch. Im buchstäblichen Kammerspiel im Wald gegen Ende der Folge fängt sie Kevins klaustrophobische Paranoia mit einer unruhigen Kamera und vielen Rahmen im Bild stimmig ein. Aber das sind nur einige von vielen Bildern, die aus dieser Folge deutlich länger hängen bleiben.

Moviepilot: Wir schauen The Leftovers – Staffel 1, Folge 8