18 Feb, 2012 · reeft · Fernsehen,Review · 6 comments

“I mean it. Off my land!”
BLAM. Wir beginnen genau da, wo wir aufgehört haben: Ricks Gnadenschuss für Sophia. Hershel ist kaputt. Als zerstörter Mann schlürft er mit Maggies Hilfe zurück zum Haus. Doch Shane lässt ihm das nicht durchgehen. Wie konnte es sein, dass Sophia all die Zeit in der Scheune war? Angeblich hatte niemand etwas davon gewusst, denn um die Walker kümmerte sich immer Otis – und der starb nun mal, bevor das Thema Sophia überhaupt auf den Tisch kam.
Es war ja klar, dass nach der intensiven letzten Folge diese Episode alles etwas ruhiger angehen lässt und den Charakteren Zeit gegeben wird zu reagieren. Fand ich auch alles recht gut gelöst. Es gibt eine Beerdigung, es gibt eine Konfrontation zwischen Dale und Shane, Daryl löst sich immer mehr von der Gruppe und Carols Wutausbruch fand ich rührend und sehr gut gespielt. Doch dann bekommt Hershels Tochter einen Schock und fällt um. Die Anderen suchen Hershel, doch der ist wohl schon lange weg, denn sie finden nur seinen Flachmann. Maggie erklärt, dass Hershel früher gerne einen zu viel trank und kurz vor ihrer Geburt damit aufhörte. Er muss wohl in die nahegelegene Stadt abgehauen sein und sich in der dortigen Bar betrinken.
Ist dann auch so, wie Glenn und Rick schnell herausfinden. Und das war dann auch schon die gesamte Episode. Nichts ist wirklich passiert. Bis auf die letzten 10 Minuten in denen plötzlich ein Daryl-Verschnitt und ein richtig dicker Typ in die Bar marschieren und mit unseren Helden einen trinken wollen. Natürlich merken die schnell, dass Rick, Glenn und Hershel gut gekleidet, sauber und nicht ausgerüstet sind und schließen daraus, dass sie ein Camp hier in der Nähe haben, ja vielleicht leben sie sogar auf einer Farm. Es werden kurze Geschichten ausgetauscht. Die Zwei gehören zu einer größeren Gruppe, nicht weit von hier, und sie könnten jede Hilfe und Unterkunft gebrauchen. Das geht aber nicht, meint Rick. Es kommt zum Showdown und bevor unsere zwei Kumpel überhaupt reagieren können, hat Rick sie umgepustet. Cooler Moment – ich hätte das Gleiche getan. Die Typen waren gefährlich.
Zwischenzeitlich ist Lori alleine mit einem der Autos weggefahren um Rick und Hershel zu holen. Von der Karte abgelenkt, sieht sie nicht den Walker vor sich, fährt ihn um und verunglückt mit dem Auto. Ich sag’s euch. DIESE FRAU!!!! So wie ich das immer verstanden habe, kann die Stadt keine 15 Minuten von der Farm entfernt sein und Rick und Glenn müssen vielleicht gerade mal so eine halbe Stunde weg sein. Ich meine, ja, Hershels Tochter hat einen Schock, aber alleine losfahren, weil die Drei innerhalb von einer Stunde noch nicht zurück sind? AHHHH! Diese Frau macht mich so wütend – bzw sind es die Autoren, die hier einen ultra blöden Plotpoint erzwingen.
Und während ich das ziemlich blöd finde, mag ich das Vorziehen des möglichen Governor / Woodbury Plots. Ich bin mir sicher, dass wir den Governor noch nicht zu sehen bekommen und ohnehin auch erst, wenn wir beim Gefängnis sind – was in Staffel 3 passieren wird, wenn man mich fragt -, aber eine Gruppe als Antagonisten neben den Zombies könnte unseren Helden einen Grund geben von der Farm zu flüchten und es würde mehr Action geben gegen Ende der Staffel. Als Vertriebene würden sie dann das Gefängnis finden. Würde ich gut finden, wenn das passiert.
Vorher auf PEWPEWPEW:
The Walking Dead S02E01 – “What Lies Ahead”
The Walking Dead S02E02 – “Bloodletting”
The Walking Dead S02E03 – “Save the Last One”
The Walking Dead S02E04 – “Cherokee Rose”
The Walking Dead S02E05 – “Chupacabra”
The Walking Dead S02E06 – “Secrets”
The Walking Dead S02E07 – “Pretty Much Dead Already”
12 Jan, 2012 · reeft · Film,Review · 2 comments

Deutschland 2011
Regie: Robert Wilde
Drehbuch: Christian Ulmen, Johannes Boss
Darsteller: Christian Ulmen
Länge: 106 Minuten
FSK: Meine Empfehlung: 18+
Start: 5. Januar 2012
Stell dir vor es ist Schule und du musst wied er
hin. Nicht umsonst habe ich bei der FSK meine Empfehlung auf 18+ gesetzt, denn: Spaß haben, wird an diesem Ulmen-Klamauk nur derjenige, der nicht mehr in der Schule ist. Die Tagline spricht keinen Schüler an, sondern Absolventen und Menschen, die Schule lange hinter sich haben und mit einem nostalgischen oder ängstlichen Blick zurückblicken.
Jonas ist 18 und schon mehrmals sitzen geblieben, aber der Realschulabschluss muss sein. Deshalb geht er wieder an die Gesamtschule, um eine 4-wöchige Gnadensphase zu absolvieren, an deren Ende über sein weiteres Schicksal entschieden wird. Doch niemand weiß, dass Jonas in Wahrheit Christan Ulmen ist, der in dieser Rolle erneut sein Wandlungs-, Schauspiel- und Improvisationstalent beweisen darf, das man neben ganz wenigen Größen in Deutschland wie Kalkofe oder Helge Schneider, der auch einen 1A Song zum Film beisteuert, in Deutschland schmerzlich vermisst.
Der erste Eindruck raubt einem nahezu den Atem, wenn man bedenkt, wie Ulmen sonst aussieht und vor allem wie alt er in Wahrheit ist. Die Crew von ‘Jonas’ hat es geschafft, das Aussehen eines 36-jährigen Mannes glaubhaft zu halbieren. Christian Ulmens Semantik und Aussehen ist die eines aufrichtigen und herzerwärmenden Slackers. Das alleine rückt Jonas schon in eine realistische Position. Dass alle Situationen im Schulalltag gefilmt wurden und durch und durch echt sind, tun ihr Übrigens zur Atmosphäre.
Genau wie Jonas verfängt man sich als Zuschauer wieder in den Ängsten und der Unsicherheit des Schulalltags, der in seiner martialischen Realität dargestellt wird. Da sinniert der Chemielehrer über die Zukunft der Gesellschaft basierend auf einem schlechten Resultat eines Tests und hier diskutieren sich schlecht behandelt fühlende Schüler lautstark mit der Lehrerin. Über größere Teile des Films nimmt sich Ulmen ganz zurück und der Film durchdringt seinen semi-dokumentaren Stil um ein volles, ehrliches Dokumentarbild der Schule zu geben.
Ulmen darf hingegen in einzelnen Momenten und Interaktionen brillieren, während der Plot um die Schulband dem Haufen von Momentaufnahmen einen roten Faden verleiht. Ob Ulmen als Jonas seine Liebe der Musiklehrerin im Klassenzimmer bei Kerzenschein gesteht, er mit dem Schulleiter über seinen Abschluss feilschen und ihn später bestechen will oder vom Mathelehrer an der Tafel blamiert wird, Ulmens Jonas ist stets sympathisch, lustig und vor allem ehrlich.
Und das hebt ‘Jonas’ über die Summe seiner Teile hinaus. Ja, Schule kann angsteinflößend und schwer sein, verunsichern und orientierungslos machen. Aber am Ende bietet die Schule auch die einmalige Möglichkeit um schöne Erfahrungen zu sammeln, die man sein Leben lang behält und an die man gerne zurückdenkt. Es ist genau dieses Bild der Schule, das einen mit einem positiven Gefühl aus dem Kino gehen lässt.
8/10
09 Jan, 2012 · reeft · Film,Review · 3 comments

USA, Kanada 2011
Originaltitel: Immortals
Regie: Tarsem Singh
Drehbuch: Vlas Parlapanides, Charley Parlapanides
Darsteller: Henry Cavill, Stephen Dorff, John Hurt, Frieda Pinto und Mickey Rourke
Länge: 110 Minuten
FSK: ab 16
Start: 11. November 2011
Die Götter und die Titanen führen Krieg, die Götter gewinnen und da spielt noch ein epischer Bogen eine wichtige Rolle und Mickey Rourke ist sehr böse und will alles vernichten. Das ist alles, was man wissen muss. Die nächsten 110 Minuten bestehen teilweise aus Fremdscham auslösenden Dialogen, unglaublich lächerlichen Plot Points und überaus hübscher, obgleich auch umso brutaleren Kampfszenen. Fans wird der Film im Gegensatz zu seinem großen Vorbild ’300′ nicht finden, obwohl doch damit geworben wird, dass hinter beiden Filmen die gleichen Produzenten stecken. Merke: Wenn mit Produzenten geworben wird, ist das immer ein ganz schlechtes Zeichen.
Henry Cavill, Zack Synders neuer Superman, macht seine Sache als Publikumssympathisant gut, Stephen Dorff ist ganz ansehnlich, wieso Frieda Pinto solche Rollenangebote bekommt, weiß ich nicht und John Hurt war einen Tag auf dem Set um ein bisschen Kohle abzustauben. Hey, a man’s gotta eat! Der Einzige, der wohl verstanden hat, wo er ist und was er tut, ist Mickey Rourke, der sichtbar Gefallen an seinem ultrafiesen Bösewicht hat, auch wenn dessen Motivation für den Krieg, außer, dass er ziemlich fies ist, im Dunkeln bleibt.
Das postkonvertierte 3D ist ebenso unnötig wie lächerlich. In Dialogszenen nehme ich immer gerne mal die Brille ab um zu checken, wie das ohne aussieht und siehe da: ohne Probleme und Kopfschmerzen so anschaubar, kaum ein Unterschied zu 2D – wobei: mit Brille gibt es natürlich ein dunkleres Bild. Das einzige wirklich Interessante am Film sind die Kampfszenen an denen die Götter beteiligt sind, die in wunderschönen Medium Shots den Titanen mit martialischer Gewalt in Slow Motion die Köpfe zerhauen.
Schließlich muss man jedoch feststellen, dass ‘Krieg der Götter’ zwar teilweise wunderschön, aber insgesamt völlig belanglos ist. Es ist kein wirklich dummer Film, aber man wird als Zuschauer zu keiner Sekunde auch nur annähernd gefordert. Die Charaktere sind eindimensional und langweilig geschrieben, das Drehbuch haut nach allen Regeln der Kunst Klischees auf die Leinwand und der Ausgang der Geschichte ist einem letztendlich egal, da man nie ein Gefühl für das bekommt, was hier eigentlich auf dem Spiel steht – außer dem Leben der Figuren, das einem ohnehin verdammt egal ist. Wenn Theseus und die Helenen am Ende die Mauer verteidigen müssen, dann ist das nichts im Vergleich zu Aragorn und ein paar tapferen Männern, die Frauen und Kinder vor Urukai in Helms Klamm schützen, weil man eben jene, die Schutz bedürfen, auch mal zu sehen bekommt – es gibt echt Opfer, kein hyperstilisierter Firlefanz.
Wem ein paar wirklich gut chorepraphierte und wunderschön geschossene, aber schlecht geschnittene Kampfszenen 11€ wert sind, der wird von ‘Krieg der Götter’ nicht enttäuscht werden. Für alle Anderen: Krieg der Götter darf gerne übersprungen werden. Dies ist nicht 300.
4/10
07 Dec, 2011 · reeft · Fernsehen,Review · 3 comments

“It’s been a long time since the cameras stop rolling.”
Normalerweise war ich ja mit diesen Recaps ziemlich pünktlich und schnell, doch bei diesem Mid-Season-Finale habe ich eine ganze Woche gebraucht und ich habe immer noch nicht wirklich völlig meine Gedanken sortieren können. Ich habe eigentlich keine endgültige Meinung – bis heute. Ich habe Reviews gelesen, mich mit Freunden unterhalten und sogar Podcasts (The Talking Dead, ich will auch sowas machen >.<) gehört, aber ich kann mir keine klare Meinung bilden. War die Folge gut? Ja, super sogar. Was ist also dein Problem, Sascha? Nun, ich weiß nicht, ob mir das Ganze gefällt. Aber es war doch gut! Ja, aber das sind zwei verschiedene Sachen, oder?
Ich bin kein wilder Verfechter von Quellenmaterial. So liebe ich zum Beispiel sowohl Richard Mathesons Roman als auch die Verfilmung von ‘I Am Legend’. Und besonders wenn der Schöpfer selbst bei der Adaption beteiligt ist, dann ist das immer ein gutes Zeichen – für Fans und Qualität. Und richtig beschweren kann und möchte ich mich auch nicht, das wäre völlig fehl am Platz. Die Qualität ist gut, das drastisch gesunkene Budget merkt man der Serie (wohl dank der Farmlocation) nicht an und visuell und thematisch ist das alles äußerst ansprechend.
Was mich minimalst diese Woche auch störte, war das Pacing. Nach dem intensiven Pre-Credits Streit schneidet man einfach zu Shane, wie er die Scheune bewacht. Rick will zunächst mit Hershel reden, okay. Es ist alles irgendwie verkehrt herum wie im Comic vom Pacing her (Dort kamen Diskussionen vom Verlassen der Farm sobald sich Carl erholt hat erst nach dem Ausbruch(!) der Zombies aus der Scheune und nach dem Tod lebender(!) Familienmitglieder der Greene Familie), aber es funktioniert. Der Stand-Off von Dale und Shane im Wald war genial und vollendet die Wandlung Shanes in dieser ersten Hälfte der Staffel zum ultimativen Bösewicht der Serie – und zugleich ist er der interessante Charakter. Bin froh, dass er noch dabei ist, kann man nicht oft genug sagen.
Natürlich gipfelt alles, als sich Rick an Hershels Lebensform anpassen will und mit den eingefangenen Zombies zurückkehrt. Shane dreht durch und öffnet die Scheune. Ab hier zahlt sich die Exposition aus, das Pay-Off hier funktioniert ohne Worte, wir haben unsere Charaktere langsam aufgebaut bekommen und wissen, welche innere Konflikte sie austragen. Und nun müssen sie sich entscheiden. Und das alles funktioniert wunderbar auf visueller Ebene ohne Worte. Der Wide-Shot zeigt die Dynamik innerhalb der Gruppe – und Rick in der Mitte. Er muss sich als Anführer sowohl um Shane am ganz rechten Rand als auch um Carol sorgen, doch die Situation gleitet ihm aus der Hand. Shane wird zum Anführer und Hershell bricht zusammen, als seine Freunde und Familie erneut sterben müssen.
Und dann natürlich der große Knall: Sophia kommt als letzte aus der Scheune raus – als Zombie. Diejenigen, die vorher noch problemlos Hershels Angehörige umnieteten, zögern. Das sind die harten Entscheidungen, die nur Rick machen kann. Er tritt vor, seinen Status wieder ergriffen. Ein Schuss – und wir sind in der Pause. Meine direkte Reaktion war euphorisch und ich fand die Folge insgesamt wunderbar.
Doch mein Problem ist, dass Sophia eigentlich noch lebt. Und sie ist ein Charakter, der mir sehr am Herzen liegt. In den Comics sind Carl und Sophia sozusagen zusammen und ich finde das süß und alles und ja… Die Autoren schätzen die Schicksale der Charaktere wohl interessanter ein als die Handlungsorte (berechtigterweise), weshalb man wohl eher letzteren treu bleibt und hier den Comics folgt und eher im Bezug auf Charaktere etwas Neues wagt. Genau das finde ich momentan super interessant, aber auch sehr gewöhnungsbedürftig.
Ich möchte nicht immer der Typ sein, der sich lauthals beklagt, dass sich die Serie vom Comic löst oder, dass etwas nicht so ist wie im Comic. Es inzwischen einfach Fakt, dass The Walking Dead schlicht in ein anderes, eigenes Serienuniversum umgezogen ist und das kapiere ich nur sehr langsam. Ich komme nach und finde es dann genau so toll wie ihr alle, gebt mir noch ein wenig Zeit, ja?
Vorher auf PEWPEWPEW:
The Walking Dead S02E01 – “What Lies Ahead”
The Walking Dead S02E02 – “Bloodletting”
The Walking Dead S02E03 – “Save the Last One”
The Walking Dead S02E04 – “Cherokee Rose”
The Walking Dead S02E05 – “Chupacabra”
The Walking Dead S02E06 – “Secrets”
28 Nov, 2011 · reeft · Fernsehen,Review · 0 comments

“Everything’s food for something else.”
Ich sage das ja fast nahezu jede Woche seit ein paar Folgen, aber damn, das ist bisher meine Lieblingsfolge. Der Titel der Episode, “Secrets”, hat nicht zu viel versprochen und trotz des vielen Setups für den großen Bang im Mid-Season-Finale in der nächsten Folge passiert einiges. Zunächst einmal erfährt Dale von Glenn über Loris Schwangerschaft und die Walker in der Scheune. Glenn wurde hier für meinen Geschmack in seiner Unbeholfenheit zu stark überzeichnet, er wirkte fast comichaft, aber naja: das Geheimnis ist raus. Und Dale konfrontiert auch Hershel direkt und wir lernen erneut, dass Hershels Bild der Realität durch sein abseitiges Leben auf der Farm verzerrt wurde und die Zombies in der Scheune, seine Frau, Stiefsohn, Nachbarn, etc. seiner Ansicht noch geheilt werden können.
Seine Tochter Maggie teilt diese Ansicht – bis Glenn und sie erneut zu der Apotheke im Nachbarort reiten und sie dort von einem Lurker angegriffen wird. Irgendwie komische Szene, denn eigentlich ist die Apotheke ja abgeschlossen und der Lurker stand direkt auf der anderen Seite des Regals und man hätte ihn sehen müssen und und und – aber das ist egal, denn es ist ein wichtiger Moment, in dem Maggie umgestimmt wird. Sie teilt nun die Meinung von Glenn und den Anderen, dass Zombies keine Menschen mehr sind – wow, way to go, girl.
Auf einen vollkommen realistischen Ansatz wurde auch bei der Weiterentwicklung von Andreas Charakter verzichtet. Klar, Andrea ist die Scharfschützin/Waffenbadass der Gruppe im Comic und ihre Entwicklung ist bis auf die Geschichte mit Dale ziemlich nahe am Comic umgesetzt, aber niemand lernt so schnell – in den wenigen Tagen, in denen sie auf der Farm sind – so gut zu schießen. Aber damit kann ich leben, es ist immerhin noch Fernsehen und Fiktion.
Außerdem war es einfach ein genialer Moment voller Awesomeness und es gab Zombies. Daher will ich hier nicht meckern. Jedoch muss ich meckern im Bezug auf die Haussiedlung allgemein: Waren das jetzt die Wiltshire Estates? Kommt da noch was? Denn wenn sie jetzt wieder eine anfänglich leer stehende Häusersiedlung antreffen und dann wieder Walkers plötzlich von überall auftauchen, wäre das irgendwie redundant.
Zwischendurch poppt Shane noch mit Andrea, Dale kriegt davon Wind, wie von allem, weil er Dale FUCKING Horvath ist und konfrontiert ihn. Dale erinnert Shane daran, dass er weiß, was für ein Typ: Einer, der auf seinen besten Freund mit einer Waffe zielt und bereit wäre abzudrücken. Shane belächelt Dale und meint, dass, wenn er wirklich so ein Typ wäre, er wohl mit Leuten, die ihm am Arsch vorbeigehen wie Dale, noch kürzeren Prozess machen würde. Ich bin ganz ehrlich, das war cool. Shane entwickelte sich am meisten in dieser Staffel, wir haben Gründe ihn zu hassen, aber wir sind auch froh, wenn er bei der Gruppe ist, um sie zu beschützen, und allgemein ist er einfach ein unglaublich interessanter Charakter, der irgendwie noch lange nicht ausgespielt scheint. Inzwischen bin ich wirklich froh, dass die Serie hier dem Comic nicht folgt – auch wenn der Grundstein natürlich gelegt wurde: Shane bringt Carl das Schießen bei; also tötet später der Schüler den Meister/Lehrer… fände ich thematisch sehr toll.
Natürlich läuft aber gegen Ende alles darauf hinaus, dass Lori und Rick endlich mal Tabula Rasa machen. Lori würgte die Pillen wieder hoch und wird jetzt doch das Baby bekommen. Rick kommt damit ganz gut zurecht und auch, dass da etwas mit Shane war, kann er verkraften, denn Lori dachte, er wäre tot. Starke Szene, wunderschön gespielt und sie hat natürlich Implikationen für weitere Episoden aber auch das Geheimnis von Dr. Jenner aus dem CDC, das er Rick im Finale der letzten Season anvertraute. Es war also weder die Schwangerschaft noch Shanes versuchte Vergewaltigung / ehemalige Beziehung / romantische Tendenzen zu Lori (außer Rick weiß es, aber behält einen kühlen Kopf und schweigt, weil er Shane noch braucht, was ich aber nicht glaube. Rick hätte Shane längst konfrontiert und ihm “verziehen” bis er ihn nicht mehr braucht). Nein, ich glaube inzwischen, dass es wirklich so ist, wie ich es bereits sagte: Dr. Jenners Geheimnis (“Nothing we didn’t know already”) wird sein, dass der Virus bereits in ihnen allen ist – genau wie im Comic – und dass jeder, der stirbt, zum Zombie wird – no matter what. Das passt auch mit dem Titel der nächsten Woche zusammen, der da lautet: “Pretty much dead already”, which, quite frankly, they are.
Vorher auf PEWPEWPEW:
The Walking Dead S02E01 – “What Lies Ahead”
The Walking Dead S02E02 – “Bloodletting”
The Walking Dead S02E03 – “Save the Last One”
The Walking Dead S02E04 – “Cherokee Rose”
The Walking Dead S02E05 – “Chupacabra”
16 Nov, 2011 · reeft · Film,Review · 5 comments

USA, Neuseeland 2011
Originaltitel: The Adventures of Tintin
Regie: Steven Spielberg
Drehbuch: Stephen Moffat, Edgar Wright & Joe Cornish
Darsteller: Jamie Bell, Andy Serkis, Daniel Craig, Simon Pegg und Nick Frost
Länge: 107 Minuten
FSK: ab 6 Jahre
Start: 27. Oktober 2011
Jahrelang haben Steven Spielberg und Peter Jackson an einer Verfilmung der “Tim und Struppi” Comic-Bücher von Hergé gearbeitet, sich Talente wie Edgar Wright und Joe Cornish zusätzlich zu Stephen Moffat an Bord geholt, die Charaktere fantastisch besetzt, Studiowechsel durchmachen und Tim umbesetzen müssen. Es ist dabei fast schon bemerkenswert, wie leichtfüßig und unbeschwert Tim und Struppi als Projekt dann doch daherkommt. Nichts ist zu spüren von all dem Stress der Produktion, der Film ist rasant, witzig, atemberaubend und eine Umsetzung, die man sich als Fan des Originals nur wünschen kann.
Das beginnt natürlich mit der Besetzung und Auswahl der Comics. Auch wenn es keine direkte Adaption ist, sondern eine Vermischung von drei Comics aus den 40ern, sind zumindest die Charaktere bis in die Poren genauestens umgesetzt. Die Animation ist nahezu perfekt und die Sorge um den “Uncanny Valley”-Effekt verflüchtigt sich nach wenigen Minuten. Dazu schaffen es die Schauspieler, insbesondere Andy Serkis als Kapitän Haddock, die Charaktere so zu beleben, wie man das aus Kindertagen noch in Erinnerung hat.
Das ist ein glücklicher Umstand, denn viel Zeit bleibt den Schauspieler nicht, ihren Charakteren prägnante Fassaden zu verleihen, denn das Drehbuch peitscht die Geschichte von einem Setpiece zum Anderen. Da befinden wir uns einmal im einer schönen belgischen Villa, dann auf Haddocks Schiff, dann im Mittelmeer, nur um dann mit einem Flugzeug in der Sahara abzustürzen. Von einem kurzen Flashback und genialst choregraphierten Kampf zweier Schiffe im offenen Ozean springt das Drehbuch zu einer der besten Szenen in CGI-Filmen überhaupt hin ins nasse Frankreich. Und all das in gerade einmal 107 Minuten.
Da schaffen es wenige Figuren, darunter auch leider Tim, nicht eindimensional zu wirken. Aber das kennen wir ja schon aus den Comics. Tim ist eher der Erzähler und Träger / Medium für die Geschichte, während Haddock der Charakter ist, mit dem und dessen Fehlern wir sympathisieren. Struppi ist ebenfalls toll und stiehlt jede Szene, in der er agieren darf. Darunter fällt auch jene Verfolgungsszene durch ein Dorf am Hang in Marokko, die atemberaubend inszeniert ist. Spielberg zeigt ganz ähnlich wie Brad Bird in der Verfolgungsszene von “The Incredibles”, dass es in Animationsfilmen keinerlei Beschränkungen für die Kamera gibt. Teilweise wirklich lange, fast schon im “Children of Men”-Stil von Alfonso verfolgt die Kamera Tim, Struppi, Haddock und den Roten Rackham durch das Dorf, das durch eine Wasserflut und einen Panzer langsam in sich zusammenfällt. Alleine für diese Szene lohnt sich das Kinoticket, besonders in 3D.
Spielbergs “Tim und Struppi” ist ein Animationsfilm, der an eine Achterbahnfahrt erinnert. Er baut langsam auf um dann ohne Rücksicht auf Verluste durchzubrettern bis zum Schluss. Das mag so manchen vielleicht zu schnell sein, aber am Ende muss man feststellen, dass man eine Menge Spaß hatte und am liebsten gleich sitzen bleiben würde für Runde zwei, die Peter Jackson dank erfolgreichen Einspielergebnissen nach ‘The Hobbit’ für 2014 inszenieren wird.
9/10
16 Nov, 2011 · reeft · Fernsehen,Review · 0 comments
Diese Recap enthält relativ große Spoiler fü r den Comic.
Von Spoilern bzgl. der TV-Serie, also zu kommenden Folgen, bitte ich in den Kommentaren Abstand zu nehmen.

“You weren’t supposed to see this.”
Ich hatte es ja bereits letzte Woche vorausgesagt und wurde bereits diese Woche bestätigt: Die Scheune voller Zombies wird endlich enthüllt. Ich hatte zwar Episode 6 gesagt (spätestens), aber so wurde es eben diese Woche eingeführt und nächste Woche geht es los. Los ging es auch bereits schon zu Beginn der dies wöchigen Folge im ganz großen Stil mit einem Flashback auf einem Highway, wo Carol, Ed, Sophia, Carl, Lori und Shane im Stau stehen. Über ihnen sind plötzlich Kampfhubschrauber zu sehen (Hubschrauber werden langsam ein festes Motiv der Serie, oder?). Lori und Shane folgen ihnen um von einer Anhöhe aus zu sehen, dass das Militär Atlanta mit Napalm und Teppichbomben platt macht. Es gab zwar keine Anzeichen dafür im Piloten der Serie, aber Atlanta ist ja ganz groß. Trotz dieses eventuellen Faux-pas finde ich diese Szene unglaublich stark, da sie erstmals – sowohl für den Comic als auch die TV-Serie – zeigt, wie das Militär, stellvertretend für die Menschheit, im großen Stil zurückkämpft – und mit welch verzweifelten Maßnahmen. Sehr starke Szene.
Und stark geht es auch weiter mit der Episode. Erneut gehen verschiedene Teams wieder in den Wald nach Sophia suchen. Shane und Rick bilden ein Team und faseln über Shanes rasantes Liebesleben an der Highschool. Das Gespräch driftet jedoch zum gefühlt 100. Mal ab und Shane spielt sich erneut als Führer auf, der die harten Entscheidungen durchziehen kann, die Rick, wie z.B. die Suchaktionen nach Sophia abzubrechen, nicht treffen kann. Überhaupt Sophia: Die ganze Storyline zieht sich viel zu viel heraus als dass sie jetzt demnächst einfach so gefunden wird. Nein, Sophias Storyline war die erste, die in der zweiten Staffel aufkam und ihre Rückkehr wird wie ein Buchende für die zweite Staffel (oder jetzt die kommende Winterpause) wirken und eine neue Geschichte bzw. Charakter einführen (Daumen gedrückt halten für Michonne; inbesondere, da man Michonne bereits früher in der Serie eingeplant war).
Doch der große Fokus lag in dieser Folge auf Daryl, das war seine Episode. Daryl war schon mehrmals alleine im Wald unterwegs und diese Woche nahm er ein Pferd mit – ein schreckhaftes, sodass es sich von einer Schlange erschrecken lässt und Daryl abwirft, der daraufhin einen Hang hinunterfällt. Unten stürzt Daryl in eine Quelle und sein letzter Armbrustpfeil hat sich durch seine linke Hälfte gebohrt. Seine Versuche den Hang zu ersteigern scheitern und er fällt erneut hinunter und wird ohnmächtig. Plötzlich steht sein Bruder Merle vor ihm, doch wir erkennen nach einem kurzen Dialog (in dem Merle Daryl als Schwächling beschimpft), dass Merle nur Daryls Einbildung und Unterbewusstsein ist. In Wahrheit steht nämlich nicht sein Bruder vor ihm, sondern der dümmste Zombie der Welt, der – statt an Daryl – an dessen Stahlkappenschuhen herumknabbert. Meryl kann ihn mit einem Stock überwältigen, doch es kommt bereits ein Weiterer. Er zieht sich den Pfeil aus seinem Bauch heraus und erschießt den Walker. Fantastische Szene. Dennoch finde ich, dass man hier Michael Rookers Rückkehr als Merle, also, seiner wirklichen Rückkehr als wahrhafter Charakter, durch diese Quasi-Rückkehr als Einbildung einiges an “Wow” verloren hat. Finde ich schade irgendwie.
Daryl erklimmt daraufhin den Hang und auf den letzten Metern erscheint ihm wieder Merle, der ihn beschimpft und gleichzeitig zu höheren Leistungen anspornt. Merle sagt, dass Daryl doch gar nicht zu diesen Leute gehört und er sein eigenes Ding durchziehen sollte. Interessant hierbei ist natürlich, dass dies Daryl eigene Gedanken sind, die seinen inneren Identifikations- und Beziehungskonflikt widerspiegeln. Dann reicht ihm Merle die Hand und sagt: “Take your friend Rick’s hand.” Woah. Gänsehaut, denn ich erwartete Rick oben, doch er ist nicht da. Daryl ist immer noch alleine. Aber dieser Satz könnte natürlich auch zwielichtig sein: Wie wir wissen, verliert Rick seine Hand durch den Govenor – wird Daryl diese Rolle in der Serie übernehmen, nachdem er sich von der Gruppe getrennt hat? Die Beziehung zur Gruppe wurde sicherlich auch nicht durch Andreas Schuss auf ihn verbessert…Das wäre eine kontroverse Entscheidung, gerade bei dem Fanfavorite Daryl.
Apropos Andrea: Liebe Schreiber, nicht jeder Charakter braucht eine große Szene in jeder Folge. Besonders bereits charismatisch angeschlagene Charaktere brauchen mal etwas Ruhe. Andrea und Dale sind Fanlieblinge im Comic und brauchen nicht noch mehr Szenen, die sie noch nerviger machen. Dale soll Glenn seinen Spaß haben lassen und Andrea wird sich nach einer ruhigen Phase im Gefängnisplot ohnehin genug beweisen dürfen.
Alles in allem aber eine verdammt starke Episode. Erneut viele kleine Momente, deren Folgen alle in der nächsten Episode kulminieren werden, die “Secrets” heißt und laut der Beschreibung auf AMCs Homepage werden einige davon herauskommen: Wohl oder übel die Schwangerschaft Loris, die Zombies in der Scheune und was der General Rick im Finale der letzten Staffel gesagt hat – und nein, das ist nicht doppelt gemoppelt. Ich bin nämlich der Meinung, dass das nichts mit Shanes Vergewaltigungsversuch noch Loris Schwangerschaft auf sich hat. Wer sich an die Blutproben und deren Ergebnis (“Nothing we didn’t already know”), Ricks Monolog an Morgan in S02E01 erinnert (“He told me… ahh… not important”) und Ricks “Das-kann-ich-nicht-hinnehmen”-Einstellung, der wird mit mir übereinstimmen, dass das Geheimnis wohl oder übel die Namensgebung der Serie sein wird: Nämlich, dass sie bereits alle infiziert, es keine Hoffnung gibt und in Wahrheit sie selbst die “Walking Dead” sind.
Vorher auf PEWPEWPEW:
The Walking Dead S02E01 – “What Lies Ahead”
The Walking Dead S02E02 – “Bloodletting”
The Walking Dead S02E03 – “Save the Last One”
The Walking Dead S02E04 – “Cherokee Rose”

USA, Indien 2011
Regie: Shawn Levy
Drehbuch: John Gatins
Darsteller: Hugh Jackman, Evangeline Lilly, Dakota Goyo, Kevin Durand & Anthony Mackie
Länge: 127 Minuten
FSK: ab 12 Jahre
Start: 3. November 2011
Obwohl ‘Real Steel’ nach allen Regeln der Kunst ‘Rocky’ und ähnlichen Vorgängern folgt, ohne dabei selbst originell zu sein, kann ich trotz coolen Momente und einer Menge Spaß im letzten Drittel, dem Film nicht viel abgewinnen. Das beginnt schon kurz nach dem eher stimmungsvollen und passenden Opening, als Hugh Jackmans Roboter gegen einen Stier kämpft. Was erst letztes Jahr, nach Jahrhunderten der Tierquälerei, in Katalonien endlich verboten wurde, ist wohl im Bible Belt in 10 Jahren Alltag.
Aber man sollte der Geschichte Zeit geben, denn in der Mitte des zweiten Aktes haben weitere Impulse ein realitätsnahes und abschreckendes Amerika 2020 gezeichnet. In bankrott gegangen Zoos haben sich Gangs eingenistet, die illegale Kämpfe mit Robotern veranstalten, ganz dem großen Vorbild, der Robot Boxing League, nachempfunden. Laut Jackmans Charlie, einem ehemaligen Profiboxer, wollte die Gesellschaft immer mehr Blut und rohere Kämpfe sehen, bis man irgendwann ganz auf Roboter umstieg – ein perfektes Metallgemetzel bis zum Versagen des letzten Stromkreises.
Diese unterschwellige Thematik wird aber nur dieses eine Mal angesprochen und ansonsten nur sporadisch visuell aufgegriffen und vom Zuschauer gefunden, wenn er denn danach sucht. Was er natürlich nicht tut, denn das Zielpublikum ist jung und will Roboter kämpfen sehen. Davon gibt es natürlich eine Menge und das ist stets gut choreographiert und toll inszeniert, da ist der Film dem visuellen Jumpcut-Müllberg namens Transformers um Längen voraus. Aber das war’s dann auch schon an guten Impulsen.
Dafür gibt es einiges an negativen Aspekten. Der Fokus auf das Geld und der gesamte Plot um Kevin Durands Charakter hätten – insbesondere da dies ein Film ist, der auf Kinder abzielt – dramatisch heruntergespielt bzw.
weggelassen werden müssen. Weiterhin erzählt der Film die falsche Geschichte. Der Junge findet den Roboter und hat einige nette Momente mit ihm, die andeuten, dass unter der Hülle mehr abgeht als ein paar Prozesse. All dies wird komplett liegen gelassen, damit Jackmans Charakter gegen Ende seinem Sohn mit Schattenboxen helfen kann zu gewinnen.
Stattdessen hätte der Film aber bereits damit beginnen müssen, Jackmans Charlie nicht als kompletten Arsch zu charakterisieren. Charlie kämpft gegen Bullen, interessiert sich NULL(!) für sein Kind, verkauft es auch noch und ist nur auf Geld aus. Das ändert sich erst – und dann auch nur minimalst – als Atom, der Roboter des Jungen, Erfolg hat und Geld einspielt. Durch Jackmans Hilfe wird der Roboter besser. Nie wird die Beziehung zwischen Charlie und seinem Sohn vertieft, alles bleibt beim alten – bis auf den Erfolg der Roboter.
Hier hätte eine archetypische Mythenkreation mit einem klassischen Helden wesentlich besser funktioniert. Charlie ist am Boden und hat kein Glück. Trotz seiner finanziell schlechten Situation nimmt er seinen Jungen auf, der dann den Roboter findet. Zusammen arbeiten sie, um den Roboter zu verfeinern und zu trainieren und wachsen dadurch stärker zusammen. Am Ende darf ruhig das klischeebehaftete “Dad” statt “Charlie” fallen, das man im Film irgendwie vermisste. Als Atoms Steuerung zum Schluss defekt ist, übernimmt er selbst und das Produkt ihrer Vater-Sohn-Beziehung überkommt den Bösen. Das ist zwar jetzt nicht all zu weit vom eigentlichen Film entfernt; dennoch hätten diese wenigen Nuancen und Impulse einen wesentlich besseren Film abgegeben.
Alles in allen ist Shawn Levys ‘Real Steel’ einer dieser Filme nach denen man nach Hause geht und Roboter bauen will – wenn man 8 Jahre alt ist. Die Problematik erschließt sich aber eben nicht nur dadurch, dass ich inzwischen dreimal so alt bin, sondern dass der Film auch kein wirklich guter Kinderfilm ist und eben die falsche Geschichte erzählt.
6/10
12 Nov, 2011 · reeft · Featured,Film,Review · 2 comments

USA, Kanada 2011
Regie: Gonzalo López-Gallego
Drehbuch: Brian Miller
Darsteller: Warren Christie, Lloyd Owen, Ryan Robbins
Länge: 86 Minuten
FSK: ab 16
Start: 13. Oktober 2011
Found Footage Filme brauchen einen Leap of Faith des Zuschauers um zu funktionieren. Ob es nun Dämonen in ‘Paranormal Activity’ sind, die Menschen heimsuchen, ein Seemonster, das in ‘Cloverfield’ Man hatt
an klein stampft, oder ob eine Gruppe von jungen Menschen sich in einem Wald verwirrt und unter mysteriösen Umständen in ‘Blair Witch Project’ sterben, das Found Footage Genre braucht einen Zuschauer mit dem richtigen Mindset um überhaupt seriös wahrgenommen zu werden. Daher wird der Zuschauer, der sich schon vorher im Klaren ist, was ihn erwartet, seinen Spaß finden, während uninformierte Kinobesucher, also der normale deutsche Kinogänger, womöglich seine Probleme haben wird, den Film in seiner Gänze zu genießen. Da ist Apollo 18 natürlich keine Ausnahme – mit einer geheimen Mondmission der NASA, Russen auf dem Mond und, oh, ja… Aliens.
Apollo 18 eröffnet daher auch mit einem für das Genre typischen Schriftzug, der uns weis machen will, dass dies wirklich total authentitsches, gefundenes Material der NASA ist. In seine Geschichte steigt der Film mit einem unnötigen Prolog auf der Erde. Wir lernen die Astronauten kennen und erfahren welche Missionsziele Apollo 18 verfolgt. Die Irrelevanz des Versuchs der ansätzlichen Charakterisierung der Figuren wird erst im späteren Teil des Films richtig schmerzhaft, wenn die Astronauten versuchen nach Hause zu kommen. Zu diesem Zeitpunkt bedürfen die Charaktere aber keinerlei innerer Motive mehr den Mond verlassen zu wollen, da um sie offenbar nicht mehr die einzigen Lebewesen auf dem Mond sind und somit externe, existenzielle Gründe größere Plottreiber den Film pushen.
Aber das ist alles halb so schlimm. Der Film vergeudet keine weitere seiner passenden 86 Minuten, ist strikt und rasend erzählt, und sein Low-Budget merkt man ihm keine Sekunde an. Wodurch Apollo 18 jedoch wirklich überzeugt, ist seine atmosphärische Dichte und Ausstattung. Die Bilder der über den Mond hüpfenden Astronauten sind so ins Kollektive Gedächtnis impregniert, dass man sehr schnell dank der so authentischen Cinematophie und Ausstattung im Film versinkt und die Geschehnisse im Film nicht mehr hinterfragt – das Hauptziel des Genres. Die Cinematographie ist allgemein äußerst überzeugend, insbesondere in den “Kratzer-Szenen” wird so interessant mit Licht, Dunkelheit und Jump Scares gespielt, sodass man sich wünscht, dass Apollo 18 mehr Außenszenen gehabt hätten.
Apollo 18 war ein Film, der auf PEWPEWPEW extensiv gecovert wurde in der Hoffnung, dass der Film ein Fanfavorite wird oder vielleicht am Ende nicht ganz enttäuschen würde, was er auch nicht völlig tut. Dennoch verbleibt ein bitter-leerer Nachgeschmack, dass hier nicht das gesamte Potential genutzt wurde, ohne aber wirklich genau aufzuzeigen, wo genau. Vielleicht erwartet man von einem solchen Film auch irgendwie eine tiefere Nachricht, die er natürlich nicht hat. Für Fans der Wissenschaftsfiktion ist dies zweifelsohne ein Film, den man schauen kann, aber eben nicht muss. Trotzdem dürfte die dichte Atmosphäre, die wirklich guten Außenszenen und die letzten, intensiven 10 Minuten des Films Fans des Found-Footage-Genres erfreuen.
7/10
Vorher auf PEWPEWPEW:
ROFL: NASA wants you to know that ‘Apollo 18? is a work of fiction
Finaler Trailer zu Apollo 18
Apollo 18 Trailer #2
Russisches Apollo 18 Poster
Apollo 18 – Trailer
Apollo 18 Teaser Poster
10 Nov, 2011 · reeft · Fernsehen,Review · 8 comments

“You’re a plain-spoken man.” – “I’m a father.”
Wow. Endlich. Das ist sie, die Folge, die die Maßstäbe setzen sollen. Zu mindestens in Sachen Drama und Ablauf.
Ich weiß, dass ich da wahrscheinlich ziemlich allein auf weiter Flur stehen werde, aber die Wartezeit zahlt sich endlich aus, die Figuren beginnen zu atmen, zu leben und wirken authentisch. Ich brauche keine Zombies (jeder, der sich jetzt schon über das Fehlen oder geringer Anzahl selbiger beschwert, soll mal spätere Handlungsorte abwarten) damit Spannung aufkommt – das hier ist genau das, was ich von The Walking Dead erwarte. Und ich sage euch auch warum.
Es ist das Abschließen von Geschichtssträngen bei gleichzeitiger Fortführung und Errichtung anderer. Die Serie mag noch so lahmarschig voranschreiten (immerhin sind nur grob 2 Wochen vergangen seit Rick aufgewacht ist, während im Comic bereits der Winter beim Erreichen der Farm Einzug gehalten hat), solange die Seitenstränge mindestens rudimentär abgeschlossen werden, ist das eine gute Sache. So sind endlich alle auf der Farm, Carl ist über den Berg, T-Dog ist geheilt und Otis bekam eine symbolische Bestattung. Lediglich Sophia ist immer noch verschwunden, was aber nicht nervt, sondern uns den vielleicht schönsten Moment der Serie, der weiterhin der Folge ihren Namen verleiht, zwischen Daryl und Carol schenkt. Weiterhin werden neue Plots eingeführt: Dürfen Rick und seine Gruppe auf der Farm bleiben und was genau verheimlicht Hershel auf seiner Farm? Beziehungen zwischen nahezu allen Charakteren werden weitergeführt und teilweise intensiv. Maggie und Glenns Beziehung beginnt aufzuflammen, Lauri will, dass Shane bleibt und ihre Schwangerschaft wird in die Serie eingeführt und natürlich gibt es noch ominöse Shots der Farm und Blicke zwischen Maggie und Hershel, die dem Normalzuschauer kaum auffallen dürften, den Fans des Originals wissende Hinweise gibt, die sagen wollen: We’ll get there.
Also ist alles gut im Zombieland? Wenn es nach mir geht, inzwischen ja. Das Farmgelände wird langsam eingeführt und man muss inzwischen sich einfach damit abfinden, dass man viele geliebte Setpieces und Charaktere erst in kommenden Staffeln zu sehen sein werden, die aber bei den momentanen Einschaltquoten als gesichert gelten dürften.
Die Serie hat ein ähnliches Maß an Exposition wie ‘Breaking Bad’. Erinnert sich jemand an die tollen Momente aus Episode 403? Nein. Aber jeder hat auch noch nach Wochen die finalen Momente der letzten Folgen vor dem Auge. Man darf nur hoffen, dass es bei The Walking Dead ähnlich verlaufen wird und die erste Staffel durch ihre kurze Episodenzahl nicht wirklich ihr Potential entfalten konnte. Spätestens ab Folge 6 herum wird man sich dem Scheunenmysterium nähern und dann kann man erst abschätzen, wohin es mit der Serie geht und ob am Ende endlich mal die Scheiße den Ventilator trifft, wie man im Englischen so schön sagt.
Vorher auf PEWPEWPEW:
The Walking Dead S02E03 – “Save the Last One”
The Walking Dead S02E02 – “Bloodletting”
The Walking Dead S02E01 – “What Lies Ahead”

“Maybe this isn’t a world for children anymore.”
Es geht weiter und es ist immer noch kein Erzähltempo vorhanden. Stunde für Stunde, Schritt für Schritt wird penibel erzählt, fast ähnlich wie bei 24. Was ich in den ersten zwei Folgen als negativ sah, empfinde ich inzwischen gar nicht mehr so schlimm, denn es gibt einige positive Veränderungen, die das Tempo inzwischen rechtfertigen. So ist zum einen diese Folge weniger Rick-zentriert, was endlich anderen Figuren langersehnten Platz gibt sich zu entfalten. So kriegt auch mal Serienherz Glenn seit einer gefühlten Ewigkeit eine kurze Szene mit Maggie, die, das muss man zugeben, einfach perfekt besetzt ist.
Aber auch andere Figuren haben kleine Momente, die sie endlich besser definieren. Nahezu alle Gespräche drehen sich, wie könnte es anders sein, um den Tod. Ob Daryl von sich als verlorenem Kind im Wald, Andrea über ihren neu erwachenden Lebensmut, Maggie über Gott oder Dale über seine Schuldgefühle gegenüber Andrea erzählt – alles ist verdammt gut und wirkt natürlich. Höhepunkt ist die Diskussion von Lori und Rick, in der Lori vorschlägt, Carl einfach sterben zu lassen, um ihm das Leid und den Schrecken in dieser Welt zu ersparen, was ihrem Charakter eine ganz neue Facette verleiht.
Das langsame Erzähltempo hat noch eine weitere Facette: Realismus. Dadurch, dass jeder Schritt, jeder Akt selbst erledigt werden muss und den Charakteren nichts in die Hände fällt, wirkt alles sehr realistisch. Man hat sich entschieden teilweise tiefer zu gehen als der Comic, was inzwischen durchaus positiv zu bewerten ist. Doch dann wirft man dieses neu geschaffene Potential teilweise wieder über den Haufen.
Während sich letzte Woche das Gitter öffnete und Otis und Shane in der Falle saßen, beginnt diese Folge mit ihnen in einem Schulgang, rennend. Wie haben sie sich Zugang verschafft? Spielt keine Rolle. Später sind sie plötzlich auf einer Tribüne, 4 Meter hoch über dem Boden und die Zombies unter ihnen. Wie sind sie dorthin gelangt? Wird nicht erklärt. Dann müssen sie entkommen und Otis lenkt die Zombies ab, rennt zu einer Tür in die Umkleidekabine, sodass Shane sich aus einem Fenster schleichen und 6 Meter tief auf den Boden springen kann.
Wieso rennen sie nicht beide in die Umkleidekabinen? Sowohl Otis als Shane verletzen sich bei ihren Sprüngen und müssen nachher von den – für meinen Geschmack ein bisschen zu schnellen Zombies – retten.
Danach trifft Shane alleine an der Farm mit den Medikamenten und Werkzeugen ein. Bereits aus der Eröffnungsszene wissen wir, dass Shane diese Episode überleben wird und sein verrückter Blick in den Spiegel lässt erahnen, dass etwas mit Otis passiert ist. Der Twist kommt am Ende der Episode kommt daher nicht überraschend. Ich halte ihn aber für nicht angebracht. Die Schreiberlinge meinen wohl, dass sie aus Shane einen gewissen Antagonisten machen müssen, damit sein eventueller Tod gerechtfertigt sein wird. Doch gerade das halte ich für gefährlich. Shane war in den Comics kein guter bester Freund, aber auch kein komplettes Arschloch. Ja, kurz vor seinem Tod drehte er durch und der Mord an ihm war wohl gerechtfertigt in dieser Situation, aber die Serie stilisiert ihn zu einem Superarschloch, das Menschenleben gegeneinander abwiegt. Das schafft Realismus, wirft aber das Vorbild irgendwo über den Haufen.
Aber vielleicht ist in dieser verkehrten Welt, in der Otis stirbt und Shane lebt, an der Zeit die Vergleiche mit dem Comic völlig über den Haufen zu werfen. Das finde ich schade, aber es befreit auch und gibt der Serie Luft zum Atmen. Mal sehen, was sie damit macht.
Vorher auf PEWPEWPEW:
The Walking Dead S02E02 – “Bloodletting”
The Walking Dead S02E01 – “What Lies Ahead”

“You are in way over your head, aren’t you?” – “M’am, aren’t we all?”
Dieses Zitat könnte nicht näher an der Realität der Serie liegen. Ich verstehe, dass die Serie ihren eigenen Weg gehen will und muss und es bei solchen Adaptionen einen gewissen Fohlenschutz geben sollte, gerade bei einer sich ernstnehmenden Zombie-Serie im amerikanischen Kabel-Fernsehen (Das kann man nicht oft genug sagen). Hinzu kommt, dass man sich dennoch immer unweigerlich an dem Vorbild messen lassen werden muss, da man nicht einen komplett eigenen Weg geht, sondern mal hier und da etwas weglässt, bei anderen Punkten etwas länger verharren will und hinzufügt oder komplett neue Sachen zeigen möchte.
Damit tut sich The Walking Dead keinen Gefallen. Die Serie fühlt sich schwer und langatmig an. Es mag sein, dass die Suche im Wald, das Herumirren und das Dehnen von vielen Szenen sinnbildlich für die Welt der Serie und die Gemüter der Figuren stehen soll, aber das kann auch einfach nur zu viel interpretiert sein und dem gekürzten Budget geschuldet sein (Und wenn hier das Geld für Rubicons zweite Staffel draufgeht, dann wäre das verdammt schade). Fakt ist aber, dass die Serie ihre besten Momente hat,
wenn sie Kirkmans Vorlage folgt. Nicht umsonst sind sich Kritiker und Fans einig, dass die erste Folge – eine strikte Kopie (mit ganz wenigen, subtilen und guten Additionen (Morgans Frau, “I’m sorry this happened to you”) vom ersten Issue – mit Abstand die beste der Serie ist.
Mit einem Flashback zu Beginn versucht man Kontrast zur Thematik der Episode aufzubauen und der Figur Loris als auch dem Love-Triagle neue Dynamik zu geben, was aber bei mir nicht ankommt. Wir wissen bereits, dass bei Rick und Lori nicht alles perfekt war und Shane sich um sie kümmerte und wohl bereits schon länger neidisch auf Ricks Familienglück war. Carl wurde von einem gewissen Oties versehentlich angeschossen und verspricht Hilfe bei Dr. Hershel. Soweit, so adaptiert. Doch nun driften wir schon wieder ab. Carls Verletzung und Operation wird wesentlich ausgeweitet als im Vergleich zum Comic, womit wir ausgehen können, dass wir uns auf Hershels Farm für den größten Teil der Staffel aufhalten werden.
Das könnte ganz interessant werden, wären die Charaktere – bis auf Rick – nicht so unglaublich schlecht geschrieben im Vergleich zu ihren Vorlagen. Die Dialoge zwischen allen Personen wirken hölzern, Leben und echte Konflikte fehlen bis auf Rick völlig. Jede Figur scheint momentan problemlos austauschbar. In Abetracht, dass einige dieser Charaktere für eine verdammt lange Zeit bei uns bleiben werden, sollte man sich ganz schnell etwas ausdenken, wie man das verbessern kann. Die Farm bietet dazu beste Möglichkeiten.
Vielleicht liegt es daran, dass ich weiß, dass gewissen Figuren nichts passieren kann, während andere sehr wohl sterben werden, aber es kommt trotzdem nie wirkliche Spannung auf. Insbesondere wenn die Serie mit Logiklöchern und sehr dummen Aktionen daherkommt (Vielleicht nicht alle Lichter verschwenden und ein paar für die Flucht zur Ablenkung aufheben?), wenn der Comic so sehr auf Realismus pocht und Kirkmans Werk stets wasserdicht gegenüber Logiklöchern erscheint. Als positives Fazit bleibt jedoch, dass es “schöne” Bilder (Der Babysitz) als auch Momente gibt (Daryls “Shut up” ) und ich mehr sehen will – und das war gegen Ende der letzten Staffel eher nicht der Fall.
PS an Fans von AMCs Breaking Bad: Aufpassen, was Daryl da alles so in seinem Plastikverschluss hat. ;)
Vorher auf PEWPEWPEW:
The Walking Dead S02E01
18 Oct, 2011 · reeft · Fernsehen,Review · 0 comments

“It’s all about slim chances now.”
Fast ein gesamtes Jahr mussten wir uns gedulden, doch das Warten hat ein Ende. Die zweite Staffel ‘The Walking Dead’ beginnt überzeugend – sowohl quotenmäßig als auch storytechnisch.
Ganze 7.3 Millionen Zuschauer sahen die erste 90-minütige Folge, was jeden Rekord in der Geschichte des US-Kabelfernsehs bricht und uns Fans wohl beruhigt, denn wir können ganz sicher mit einer dritten Staffel rechnen – und somit mit dem Gefängnis-/Govenorplot. Da freu ich mich in der Hose.
Die Story beginnt direkt nach der Explosion des CDCs im Finale der ersten Staffel. Erneut nimmt die Serie einen eigenen Weg und geht nicht nach Wiltshire, sondern auf einen Highway. Das widerspricht zwar Ricks Rat an Morgan (“Stay off the roads”), bringt aber dafür Drama. Denn die Gruppe begegnet viel früher als im Comic einer Horde, die den Highway – immerhin dann wie im Comic – entlang schlürft. Rick reagiert schnell und weist die Anderen an, sich unter den Autos zu verstecken. Sophia wird dabei attackiert und von zwei Walkern in den Wald verfolgt. Rick folgt ihr, gibt ihr Anweisung sich zu verstecken und zum RV zurückzukehren. Er lockt die zwei Verfolger weg von ihr und tötet sie im Nahkampf. Doch Sophia ist nicht aufzufinden und kam auch nicht am RV an.
Das interessante an einem Vergleich von Comic und Serie ist, dass manche Schauspieler immer noch nicht wirklich (bis auf wenige Ausnahmen) ihren Comicvorbildern ähneln (insbesondere Andrew Lincoln), aber allesamt ihre Sache sehr gut machen. Ihnen wird mehr die Chance gegeben sich zu entwickeln und echte Charaktere zu werden, statt bloße Archetypen zu spielen wie in der ersten Staffel. Die Gruppe wächst zusammen und sowohl der Zuschauer – als auch die Figuren selbst – lernen die Figuren hinter den Klischees kennen. Die Fassade fällt nach den ersten sechs Episoden, ganz wie nach den ersten 6 Issues, und das macht sie angreifbar. Insbesondere Rick, der nun endlich die harten Entscheidungen treffen muss – und verdammt, da kommen einige – und allen als Anführer oder Sündenbock dient, wie sie es gerade brauchen.
Die erste Episode war nicht der große Wurf, den so manche Fans erwarteten, unter anderem auch befeuert durch etwaige Kritiken im Netz. Es war eher das Niveau, das eine durchschnittliche Folge von The Walking Dead haben und über die zweite Staffel aufrechterhalten sollte. Sie hatte ihre Momente – besonders ein gutes Maß an Gore, denn das ist wichtig – und macht nichts falsch, ist aber auch nicht so total berauschend als dass man von einem Durchbruch der Serie sprechen kann. Es ist eher der erste Schritt in die richtige Richtung. Und das ist nach dem Abrutschen der ersten Staffel eine verdammt wichtige Nachricht nach nur einer Episode.
05 Oct, 2011 · reeft · Comics,Review · 2 comments

Autor: Christophe Bec
Illustration: Christophe Bec, Alessandro Bocci & Stefano Raffaele
Verlag: Splitter
Erschienen: 10/2010
ISBN: 978-3-86869-252-5, Amazon, Splitter-Verlag
Seitenzahl: 48 Seiten
Altersempfehlung: ab 14 Jahre
Christophe Becs Reihe über Übernatürliche Phänomene um die Zahl 13 geht in eine vierte Runde. Nach den bereits erstklassigen 3 Vorgängern gerät dieser Band jedoch in einen gewissen Leerlauf, obgleich hohen Niveaus. Ist der vierte Band mit dem unheimlichen Titel “Prophezeiung” eine Exposition für die große Invasion im fünften Band, Sarkophag, oder ist er eine Füllerepisode, die den Stoff nur unnötig in die Länge streckt?
Story
Becs Stärke ist sein Spiel mit dem Unbekannten. Bereits in seinem Dreiteiler “Heiligtum”, ebenfalls im Splitter-Verlag erschienen, lässt er es gekonnt bis zur letzten Minute offen, ob das Unvorstellbare wirklich wahr sein könnte. In Prometheus gelingt es ihm den Leser noch mehr zu fesseln. Nicht nur das Mysterium an sich steht im Mittelpunkt, sondern vor allem seine Aktionen und vor allem deren Folgen für die Menschheit. Wie für Bec üblich beginnen wir mit einer Rückblende. Dieses Mal befinden wir uns auf der Titanic und erfahren, dass sie von einem unbekannten Schiff verfolgt wird. Aus Angst vor einem möglichen Angriff der Unbekannten fährt die Titanic trotz Warnungen von Eisbergen in der Region mit voller Kraft gen New York. Es kommt, wie wir alle wissen, zur Kollision.

Yup, das ist ein Alien im Spiegel. Also auch hier erfahren wir, dass sie ihre Finger im Spiel hatten und das mysteriöse Schiff entpuppt sich nicht als deutsches U-Boot, sondern als Raumgleiter der außerirdischen Verfolger. So interessant dieses Puzzle in der Story ist, so unwichtig ist es auch. Wir wissen bereits, dass die Aliens überall in der menschlichen Geschichte irgendwas zu tun hatten und das Auftauchen der Titanic in Band 1 sollte im Nachhinein als Andeutung reichen. Dass Bec trotz der nur wenigen 48 Seiten insgesamt stolze 8 davon für diese Nebengeschichte nutzt, ist in meinen Augen schade, denn die wären woanders besser aufgehoben.
Insgesamt macht das keinen großen Unterschied mehr. Es werden soviele Nebenstränge balanciert, dass wir in den gesamten 48 Seiten kein bisschen weiter kommen in der übergeordneten Geschichte. Bec ist so “all over the place” mit seiner Geschichte, dass wir vom 16.
Jahrhundert zu Prometheus und Herkules springen, vom Blauen Loch in der Karibik zu dem amerikanischen U-Boot im Dschungel, von FOX News zum Präsidenten, vom verstörten Astronauten zum verwirrten und investigierenden NASA-Mitarbeiter Jeff, der am nächsten dran ist, was man als Hauptcharakter und Identifikationsfigur bezeichnen könnte.
Charakterzeichnungen sind allgemein nicht Becs Stärke, eher Atmosphäre und Blockbustererzählung. Nicht ohne Grund also fühlt man sich bei Becs Panels an Roland Emmerich und Michael Bay erinnert – im guten Sinne. Immerhin schafft er es, dass die Militärs am Blauen Loch durch den Spiegel am Boden gehen und etwas entdecken, dass auf dem Cover und in anderen Visionen bereits angeteast wurde und somit die Story etwas voran bringt und in der Retrospektive einige Punkte schlüssiger wirken.

Illustration
Wie schon in Band 3 hat sich Christophe Bec Verstärkung ins Team geholt und die ist spürbar. Bec, Bocci und Raffaele haben allesamt einen so ähnlichen Stil, dass bei der normalen Leseerfahrung nur wirklich erfahrene Leser einen Unterschied merken dürften, der sich jedoch nicht qualitativ, sondern lediglich vom Stil her minimal zeigt. So merkt man, wenn Bec seine Vision so umsetzen kann, wie er es sich vorstellte und wenn die Panels eher lieblos von Raffaele und Bocci nebeneinander geklatscht wurden. Zu ihrer Verteidigung muss man aber sagen, dass dieser Band sehr dialoglastisch und es daher schwierig ist, wirklich originell zu sein und nicht nur Auftragsarbeit zu leisten.
Was mich jedoch ärgert sind diese kleinen Fehler. Wenn man schon FOX News, den mit Abstand schlimmsten Mainstreamsender in den USA, als seriöse Nachrichtensendung darstellt, dann sollte man doch wenigstens “News Corperation” richtig schreiben. Ebenso ist die Grammatik falsch, wenn Meldungen wie “The American government did not still give news about the disappearance of one of its nuclear submarines” über den Bildschirm flimmern. So etwas wirft einen einfach raus aus dem Lesefluss und ist ärgerlich und vermeidbar, aber genau wie die Kritik im Bezug auf die Verstärkung Kritik auf allerhöchstem Niveau. Die Panels sind allesamt wunderschön, mit kräftigen Farben und vereinter Vision gezeichnet.
An der Gesamtqualität des Comics lässt sich wieder nichts bemängelt. Wer schon einmal einen Band vom Splitter-Verlag in der Hand hatte, wird sich daran erinnert fühlen, welch besondere Qualität in die Verarbeitung geht. Das Hardcover ist robust und liegt gleichwohl gut in der Hand. Das Papier hat die perfekte Dicke und ist von höchster Qualität. Das Umblättern alleine ist ein Schmaus für jeden Fan von Hochwertigkeit.
Fazit
Band 4 aus der Prometheus-Reihe von Christophe Bec ist eine klassische Füllfolge auf hohem Niveau. Die vielen inzwischen erarbeitenden Storystränge wollen alle weitergeführt werden, was Seiten kostet, sich aber am Ende lohnen wird, denn es ergibt sich langsam das große Bild. Storystränge führen zusammen und beim Durchblättern der drei vorherigen Bände ergibt sich ein immer schlüssigeres Bild. Alleine gesehen ist dieser Band wenig berauschend, in der Storyline gesehen jedoch eine nötige Exposition und ein riesiger Teaser für das zweiteilige Finale in Band 5 und 6.
Wertung: 7/10

Deutschland/Schweiz 2011
Regie: Tim Fehlbaum
Drehbuch: Tim Fehlbaum, Thomas Wöbke, Oliver Kahl
Darsteller: Hannah Herzsprung, Lars Eidinger, Stipe Erceg, Angela Winkler, Lisa Vicari
Länge: 89 Minuten
FSK: ab 16
Start: 22. September 2011
In Alex Garlands Drehbuch zu ‘Sunshine’, in dem eine Gruppe von Astronauten zur Sonne fliegt, charakterisiert Bordpsychologe Searle die Dunkelheit als das völlige Gegenteil des Menschen und als eine Abwesenheit von etwas oder allem was uns definiert, was der menschlichen Existenz konzeptionell konträr entgegen gestellt ist. Dagegen umhülle Licht einen selbst, man wird eins mit dem Licht. In Tim Fehlbaums ‘Hell’, in dem Sonnenstürme die Erde um 10° erwärmt und Felder versengt haben und bei Tag die gesamte Umgebung in helles Licht getaucht ist, schließen sich Marie (Hannah Herzsprung) und ihre kleine Schwester (Lisa Vicari) mit Phillip (Lars Eidinger) zusammen, um in die Alpen zu fahren, weil es dort noch Wasser geben soll. Unterwegs lesen sie den Mechaniker Tom (Stipe Erceg) auf, doch er ist nicht der Einzige, denen sie auf ihrem Weg begegen…
In Fehlbaums Featuredebüt ist Licht thematisch als auch visuell leitend. So schafft Fehlbaum zu Beginn mit Bildern lichtumfluteter Schauspieler eine atmosphärische Dichte und besonders visuelle Enge, die die Bedrohung verallgegenwärtigt. Doch dies ändert sich über den Verlauf des Films: Grelle Lichter umgeben zu Beginn die Charaktere und unterstreichen ihre Hoffnung auf das ersehnte heilige Land in den Bergen; jedoch verschwinden sie in der zweiten Hälfte des Films nahezu, ebenso wie die Hoffnung auf Rettung, um gegen Ende wieder aufzuleuchten. Kamera Markus Förderer und sein Regisseur wissen das Licht stets zu jeder Zeit dosiert einzusetzen, um die Stimmung der Geschichte zu untermalen.
Weiterhin unterstützt wird Fehlbaums detailreich-deutsche Geschichte auch durch ihre Hauptdarsteller. Mit ihren großen, wachen und rebellischen Augen ist Hannah Herzsprung ideal für Marie, eine anti-autoritäre und ausgesprochene feministische Figur. Ihr gegenübergestellt ist Angela Winklers Familienmatriarchin, die immer noch in veralteten Strukturen denkt und ihrem Sohn einen Mutterleib schenken will. Dass der Film sich zum Ende hin immer mehr auf den Konflitk der weiblichen Weltbilder konzentriert und seinen Fokus nicht zu einem Slasher abrutscht, ist eines seiner größten Verdienste. Auch Lars Eidingers Phillip ist überzeugend in den wenigen Momenten, in denen er Akzente setzen darf, ebenso wie Maries kleine, pubertierende Schwester, die genau richtig für die Rolle zwischen Mädchen und Frau gecastet wurde. Ihr für unsere Verhältnisse nervendes Verhalten ist nur allzu verständlich in ihrer Welt, in der sie ihrer Jugend beraubt wurde. Die Sehnsucht nach ersten sexuellen Erfahrungen und die Beziehung von Phillip und Marie vor Augen bilden einen wunderbaren, wenn auch kaum ausgenutzen Konflikt.
Das zentrale Frage des Films, bereits zu Tode diskutiert in thematisch ähnlich angesiedelten post-apokalyptischen Survivalgeschichten, ist, wieviel wir bereit sind von unserer Menschlichkeit zu opfern um zu überleben und was am Ende noch den Mensch ausmacht bzw. übrig bleibt. Die wahrscheinlich ausgeklügelste Antwort der Popkultur auf diese Frage lässt sich wohl in Robert Kirkmans ‘The Walking Dead’ finden, doch auch andere offensichtliche Inspirationen für ‘Hell’ wie Cormac McCarthys ‘The Road’ oder ‘Carriers’ geben eine relativ gleichmäßig düstere Resonanz: Am Ende bleibt nicht viel, wenn sogar gar nichts vom Menschen übrig. Fehlbaum schafft es hier leider nicht, etwas grundlegend Neues zu liefern. Die Besinnung auf das eigene Überleben und das der Lieben ist rational so einleuchtend wie narrativ unoriginell. Immerhin schafft er es mit Phillips Charakter eine realistische, wenn auch kurze Alternative aufzuzeigen.
Die Darstellung des Kannibalismus ist seit dem erneuten Aufkeimen des Tortureporngenres über das letzte Jahrzehnt kein Schockelement mehr, worauf Filmemacher zurückfallen können. Es ist daher erfreulich, dass Fehlbaum es schafft sich über das noch in John Hillcoats Adaption von ‘The Road’ als blankes Schockelement genutzte Event hinwegzusetzen und es wagt, den Kannibalen, anders als Hillcoat, Gesichter, eine glaubhafte Geschichte und Motivation zu geben. Das heile Bild einer Familie am Essenstisch ist einer der stärksten Momente des Films. Dennoch lässt es sich nicht abstreiten, dass Fehlbaum nicht viel mit seinem Ökosetting anzufangen weiß. So manches mag dem Budget geschuldet sein, doch im Hinblick auf die relativ kurze Laufzeit von 89 Minuten kann man nicht abstreiten, dass das Drehbuch sein Setting nicht lange behandelt, sondern schnell zum Horror will, was die Anfangsszene bereits ahnen lässt.
Deutsches Genrekino hat es schwer. Nicht nur der Tradition wegen läuft Sonntagsabends seit Jahrzehnten der Tatort in der ARD, sondern aus einem viel offensichtlicheren Grund, der sich auch auf den Bestsellerlisten von Büchern widerspiegelt: Die Deutschen lieben Krimi. Schade ist dabei nicht nur, dass dies allgemein die Chance auf Genreproduktionen an sich, bzw. im Horror oder Survival, minimiert, sondern, dass die Produktionen, die dabei am Ende herauskommen, wirklich gut sind (z.B. ‘Rammbock‘). Fehlbaums Debütfilm fällt in diesen Sparte. Er ist gut produziert, hat eine spannende Geschichte mit dichter Atmosphäre, wunderschöner Cinematographie, starke, dreimensionale Charaktere und ist vor allem eins, was post-apokalyptische Filme immer sein sollten: konsequent.
8/10
05 Sep, 2011 · reeft · Film,Review · 2 comments

Originaltitel: The Three Musketeers, D, F, GB 2011
Regie: Paul W.S. Anderson
Drehbuch: Alex Litvak, Andrew Davies
Darsteller: Logan Lerman, Orlando Bloom, Milla Jovovich, Christoph Waltz
Produktion: Constantin
Verleih: Summit Entertainment
Länge: 111 Minuten
FSK: 12 Jahre
Start: 1. September 2011
Schaut man sich in Wikipedia eine Auflistung der Serien, Filme, Animationswerke über drei Musktieren an, so kann man über knapp 45 Werke staunen, die über mehr als ein Jahrhundert verteilt sind. Das entspricht nahezu fast jedem zweiten bis dritten Jahr Musketiere-Content. Da dürfte der Markt doch überfüllt sein für neuere Versionen, oder nicht?
Bereits 1993 merkte Roger Ebert in seiner Review zu der damaligen Disney-Adaption (die ich sehr, sehr mochte) von Alexandre Dumas Geschichte an, dass es keinen wirklichen Grund gibt, die Geschichte der Drei Musketiere erneut zu verfilmen. Eine weitere Adaption müsse zunächst seine Existenz durch einen deftigen Grund und eine gute Umsetzung beweisen. Auch wenn ich die 1993er Adaption als Kind sehr mochte und sie im Gegensatz zu Ebert für mehr als gut halte, wird er mir wohl zustimmen werden, wenn ich sage, dass die neue Version von Paul W.S. Anderson großer Quatsch ist, der versucht ein Stück vom ‘Piraten der Karibik’-Kuchen abzubekommen. Denn machen wir uns nichts vor; in diesem Film geht es um alles, aber nicht um die Musketiere. Und dabei sind gerade sie diejenigen, die noch die besten Momente im Film haben. ‘Pirates’ ist natürlich auch großer Quatsch, aber er macht Spaß und hat eine großartige und noch großartiger gespielte Hauptperson. Die wenigen Akzente, die die Musketiere, allesamt prima gespielt, setzen dürfen, versagen da im Vergleich dank des Drehbuches.
Der Film schert sich nicht wirklich um adäquate Umsetzungen und springt direkt ins Geschehen; D’Artagnon wird zunächst als nobler, aufstrebender, junger Mann vom Lande vorgestellt, der des Vaters Schwert erbt und Segen empfängt, nur um sich in der nächsten Szene als hitzköpfiger Milchbubi herauszustellen. Die Musketiere kriegen alle kurze Szenen bei einer Raubszene in Venedig, wo sie kurz etwas Cooles machen, einen One-Line raushauen, um dann (ON-SCREEN!!!) mit Name und Freeze-Frame vorgestellt zu werden. Subtil ist das nicht. Alles andere als das. Es ist direkt ins Gesicht der Zuschauer, da man sich mit diesem Musketiere- und Ehre-quatsch beeilen muss, um zu den wirklich wichtigen Sachen zu kommen: lächerliche Luftschiffe, ulkige Kostüme, Teenieromanzen und Fremdschamgenerierende Comic-Relief-Charaktere.
Andersons Regiearbeit setzt sich im gewohnt schlechten ‘Resident-Evil’-Stil fort. Zeitlupenporn, Dutch-Angles und ein hektischer Schnitt im Stile des Chaos Cinemas bestimmen die Leinwand. Besonders die Schwertkämpfe enttäuschen massivst. Dabei bin ich ein großer Freund von Schwertkämpfen und habe mich genau darauf gefreut. Ich verlange zwar kein episches Duell wie der finale Kampf von Rob Roy, aber man muss sich schon extrem anstrengen, dass Schwertkämpfe so unkoordiniert, unchoreographiert und uninspiriert ausschauen. Dazu fehlt wie so oft der Überblick über das ganze Schauspiel. Der Mischmasch aus Close-ups und Medium Shots erreicht nie ein Gefühl des Wissen, wer wo gerade was tut.
Das 3D war bis auf zwei, drei Szenen nicht wirklich notwendig. Ich habe sogar mal für 5 Minuten meine Brille abgenommen und empfand es als wesentlich angenehmere Erfahrung.
Jetzt werden einige sagen: Ja, jetzt mach aber mal einen Punkt. Es ist immerhin eine deutsche Produktion. Ein deutscher Film – ein Sommerblockbuster! Dazu kann ich nur sagen: Blödsinn. Wenn schon, dann doch bitte richtig.
Hübsche Kostüme, schöne Sets und ein respektalber Cast können nicht über die Leere des Films, das überraschungsarme Drehbuch und das Chaos der Regie hinwegtäuschen.
3/10
19 Aug, 2011 · reeft · Featured,Film,Review · 0 comments

Originaltitel: Midnight in Paris
Regie: Woody Allen
Drehbuch: Woody Allen
Darsteller: Owen Wilson, Rachel McAdams, Marion Cotillard, Kathy Bates, Michael Sheen
Produktion: Mediapro, Gravier Productions
Verleih: Sony Picture Classic, Pathé
Länge: 100 Minuten
FSK: 6 Jahre
Start: 18. August 2011
“I’m having trouble because I’m a Hollywood hack who never gave real literature a shot.”
Woody Allen ist einer der am härtesten arbeitenden Leute in Hollywood. In den letzten Jahren hat er fast jedes Jahr einen Film herausgebracht, manchmal auch zwei. Als wahrhafter Auteur schreibt und dreht er seine Filme selbst, was zwar doppelt soviel Arbeit ist, ihm aber Spaß macht. Immerhin ist die Finanzierung eines Woody Allen Films dank seiner Marke und seinem Erfolg über Jahrzehnte hinweg kein Problem und somit kann er tun und lassenwas er will. Das führt aber auch dazu, dass nicht jeder Film ein weiter Wurf ist. Besonders in den letzten Jahren sind seine Filme eher Mittelmaß, wenn natürlich auch gehobenes und mit einem gewissem Charme.
Das ändert sich mit dem Film ‘Midnight in Paris’, der dem Drehbuchautor Gil und seiner Verlobten auf einen Urlaubstrip nach Paris folgt und zu verzaubern weiß. Es gibt relativ am Anfang des Films einen kleinen Spoiler, der, wenn man ihn nicht kennt, diesen noch magischer wirken lässt; es ergibt aber keinen Sinn über den Film zu reden, wenn man diese Vorschau nicht anspricht. Zumal er die Prämisse des Films und nicht sein Inhalt ist. Gil strauchelt mit seinem ersten Roman und seiner Beziehung. Eigentlich will er keine Auftragsdrehbücher abliefern, sondern viel lieber in Paris leben und den Zauber der Stadt einfangen. Hinzu kommt, dass er ein großer Nostalgiker ist und auf Generationen von Autoren und Künstlern zurückblickt, die es besser gehabt haben als er- insbesondere das Paris der 20er Jahre hat es ihm angetan.
Als er eines Nachts angetrunken durch Paris spaziert, kann er seinen Augen nicht glauben: Ein vollgeladener uralter Peugeot macht vor ihm halt und die Insassen laden ihn auf eine Party ein. Dort trifft er auf die Fitzgeralds, Hemingway und später auch auf Künstler wie Dali (Adrien Brody in einem der besten Cameos aller Zeiten) und Picasso. Schon bald verliebt er sich in die schöne Geliebte Picassos (Marion Cotillard) und muss sich entscheiden, ob er in seinem persönlichen Golden Age bleiben möchte. Bei seiner Beschreibung der Roaring Twenties ist Woody Allen sehr detailliert und liebevoll, Gil können nicht genug Ikonen begegnen.
Das für den geneigten Zuschauer charmante dabei ist, dass Gil diesen Personen stets alleine begegnet, sie kennt und sie bewundert – wie Allen es tun würde. Nie wird er dabei von einem anderen Charakter begleitet, zum Beispiel seiner Verlobten Inez, einem typisch-amerikanischen Material-Girl, die sich wohl wie viele Normalozuschauer fragen würde: “Wer sind diese Leute, Gil, und wieso flippst du so aus?!”.
Das passiert nie und das macht ‘Midnight in Paris’ zu einem einzigartigen Film, der sich gegen die in Hollywood herrschende Doktrin durchsetzt und eben kein Film für die Masse ist. Wer jedoch ein gewisses kulturelles Allgemeinwissen besitzt, ein Interesse für Kunst und Literatur und vielleicht auch mal das ein oder andere Buch in der Hand hatte, wird ähnlich wie Gil Gefallen an Allens Portrait des surrealistischen Paris haben. Allen trifft außerdem die goldrichtige Entscheidung- getreu seines Hauptmotivs, des Surrealismus- Gils wundersame Reise nie zu erklären, was den Film zu einem modernen Märchen macht, mit ähnlich romatischen und verliebten Stadtaufnahmen von Paris, wie sie zum Beispiel Disney zeichnen würde. So sticht insbesondere der Prolog des Films heraus, der von Touristenattraktionen über kleine Gässchen in Montmartre, Paris so zeigt, wie Allen es sieht und den Zuschauer sehen lassen will. Klar ist, dass er den Normalozuschauer, ebenso wie den Normalotouritst, eigentlich gar nicht anzielt, sondern Intellektuell-kreative wie ihn selbst.
‘Midnight in Paris’ ist ruhig, in der besten Weise wie man das verstehen kann und die beste Alternative zum lauten Kinosommer. Er ist lustig, charmant, intellektuell und wundervoll magisch. Owen Wilson kann einmal wieder zeigen, was für ein wirklich guter Schauspieler er ist und der Rest des Casts ist ebenso fantastisch (alleine für Michael Sheens Charakter Paul, einem der besten Platzhirschen der letzten Kinojahre, lohnt sich der Kinobesuch). Woody Allen war nie wirklich fort, ist aber trotzdem zurück.
10/10

Originaltitel: Rise of the Planet of the Apes, USA 2011
Regie: Rupert Wyatt
Drehbuch: Rick Jaffa, Amanda Silver
Darsteller: Andy Serkis, James Franco, John Lithgow, Freida Pinto
Produktion: 20th Century Fox, Chernin Productions
Verleih: 20th Century Fox
Länge: 105 Minuten
FSK: 12 Jahre
Start: 11. August 2011
Diese Review enthält Spoiler zu ‘Planet der Affen’ (1968)
‘Planet der Affen: Prevolution’ ist eigentlich ein Film, den niemand braucht. Es wird sich kaum jemand mit ein bisschen Interesse an Film finden, der das legendäre “It was Earth all along”-Ende mit Charlton Heston aus dem originalen ‘Planeten der Affen’ nicht kennt. Ein Prequel sollte eigentlich langweilig und unnötig sein, da jeder, der sich für diesen Film interessiert, bereits weiß – und das auch dank des Titels -, wie dieser Film endet und worum es geht. Daher ist es den Drehbuchautoren Rick Jaffa und Amanda Silver und insbesondere Regisseur Ruper Wyatt zu verdanken, dass ‘Planet der Affen: Prevolution’ keineswegs unnötig ist, sondern seine eigene Geschichte erzählt und vor allem eins ist: spannend.
Will (James Franco) ist ein junger Forscher, der versucht ein Heilmittel für Alzheimer zu finden um vielen Menschen, aber vor allem auch seinem an Alzheimer leidenden Vater (John Lithgow), zu helfen. Seine Mittel testet er an Menschenaffen, bis einer von ihnen durchdreht, dasProgramm abgeschaltet wird und alle Affen eingeschläfert werden. Als Will und sein Mitarbeiter unerwartet ein Baby in einem Käfig entdecken, nimmt Will es mit nach Hause, entschließt sich es Caesar zu nennen und ihn im Geheimen groß zu ziehen. Caesar wächst schnell und nach 8 Jahren ist Caesar der schlauste Affe der Welt, die aber nichts von ihm weiß – bis zu einem Vorfall, nach welchem er in ein Heim muss, wo er und alle anderen Affen schlecht behandelt werden und feststellen muss, dass nicht alle Menschen so gut sind wie sein Ziehvater Will.
Der Segen des Films ist seine stringent erzählte Geschichte, die genau so lange ist wie sie sein muss. Der Film hat einen bewussten Fokus auf Caesar, der sich am Ende auszahlt. Oft hat das Drehbuch die Chance zum Comic Relief abzubiegen oder sich ein wenig von seiner romantischen Seite zu zeigen, zum Beispiel als James Francos Will die Tierärztin (Frieda Pinto) kennenlernt; das Buch entscheidet sich aber strikt dagegen. Es bleibt bei Caesar und springt 5 Jahre in die Zukunft. Denn das ist seine Geschichte und sein Film. Dies ist der größte Vorteil des Films, aber vielleicht auch im Gesamtgeschehen sein größter Fehler. Bereits bei den Trailern fragte ich mich, wie diese paar Affen die Welt erobern können. Da der Film ab der zweiten Hälfte stets bei Caesar bleib und Caesar gar nicht die Welt erobern will, sondern lediglich in Freiheit, abseits der Menschen, leben will, ist das alles kein Problem.
Dafür gibt es einen netten Twist, der je nach Geschmack zu spät oder genau passend kommt.
05 Aug, 2011 · reeft · Featured,Film,Review · 0 comments

Originaltitel: Super 8, USA 2011
Regie: JJ Abrams
Drehbuch: JJ Abrams
Darsteller: Joel Courtney, Elle Fanning, Riley Griffiths, Noah Emmerich, Kyle Chandler
Produktion: Amblin Entertainment, Bad Robot Productions
Verleih: Paramount Pictures
Länge: 112 Minuten
FSK: 12 Jahre
Start: 4. August
Steven Spielberg hat die Geschichte des Kinos wie kaum ein anderer verändert und bleibt bis heute die führende Stimme der Industrie. Dass ein so einflussreicher und erfolgreicher Mann ganze Generationen von Menschen nicht nur beeindruckt, sondern auch inspiriert, haben die letzten Jahrzehnte des Mainstreamkinos bewiesen. Einer, der die letzten Jahre des Entertainment wie kaum ein anderer beeinflusste, ist JJ Abrams, der Spielberg als eine seiner Hauptinspirationen nennt und von nicht wenigen als der Nachfolger Spielbergs angesehen wird. Als die beiden sich bei der Oscar Nacht 2008 trafen, soll Abrams ihm eine seiner Ideen gepitcht haben: Was wäre, wenn E.T. nicht nett, sondern eigentlich ein ziemlicher Bad-Ass wäre?
Sommer 1979: Vier Monate nach dem Tod seiner Mutter versucht Joe (Joel Courtney) die Sommerferien mit seinen Freunden zu genießen. Sein bester Freund Charles (unglaublich gut gespielt von Newcomer Riley Griffiths) will endlich seinen Zombiefilm fertig drehen und lädt dazu Alice (Elle Fanning), den Schwarm aller Jungs ein. Als die Gruppe dann nachts heimlich zu einem abgelegenen Zugbahnhof fährt, um dort zu drehen, fährt plötzlich ein Truck auf die Schienen und kollidiert mit einem heranrasenden Zug, der daraufhin entgleist. Als sich der Staub gelegt hat, kommt ein unheimliches Klopfen von einem der Wagons und die umgefallene Super 8 Kamera nimmt etwas Unheimliches auf. Kurz darauf müssen die Kinder flüchten, denn das herannahende Militär droht alle Beweise und Zeugen zu vernichten.
Abrams liebt die Amblin-Filme von Spielberg. Wer nicht? ‘E.T.’, ‘Close Encounters of the Third Kind’, ‘Jurassic Park’ und ‘The Goonies’ sind Klassiker des modernen Films und Spielbergs vielleicht größtes Erbe. In vielerlei Hinsicht ist ‘Super 8′ eine Hommage an diese Filme, doch die Linie zwischen Hommage und Kopie droht zu verschwimmen, da der Film praktisch ein Schmelztiegel dieser Filme ist – und zum Teil nicht mehr. Dennoch schafft es Abrams, dass sein Film sich über weite Teile hinweg in diese Liste von Filmen einreihen darf, ohne dabei jedoch wirklich etwas auszusagen, so wie die anderen dies tun. Abrams hat einen tollen visuellen Stil (Die Lens-Flares sind Teil seines Stils, get over it!), einen wunderbaren Cast (die Jungschauspieler sind allesamt fantastisch) und ein gutes Drehbuch, in dem vor allem die ersten beiden Akte mit wunderbaren Dialogen im Social Network-Sorkin-Stil und einer großartigen Dynamik aufwarten. Das rettet den Film über seinen überstürzten und teilweise unnötig lauten dritten Akt (Zum Beispiel das Militär, das die halbe Stadt niederschießt – in alle Richtungen, kreuz und quer – wobei das Alien auf dem Friedhof, weit außerhalb des “Kampfgeschehens” ist) hinweg.
Auch wenn der dritte Akt mehrere geniale Szenen hat, u.a. eine Reminiszenz an die T-Rex Ausbruchsszene aus ‘Jurassic Park’ (hier attackiert das Alien einen Bus), beginnt der Film gegen Ende doch sehr aus dem Ruder zu laufen (wie viele andere Filme). Während Abrams auf visueller Sprachebene stets die kreative Kontrolle behält und tolle Bilder einfängt (u.a. einen Panzer, der über einen Spielplatz fährt – eingerahmt durch ein Kinderzimmer in dessen Wand ein riesiges Loch gepustet wurde), fühlt sich sein Drehbuch zu übereilt an. Die Begegnung des Jungen mit dem Alien findet viel zu spät statt. So wurde uns im Trailer das Gefühl gegeben, dass die Kinder einen Einfluss auf das Vieh haben oder immerhin eine tiefere Verbindung als alle anderen zu ihm entwickeln, da sie es zufällig mit ihrer Super 8 Kamera aufgezeichnet haben. Doch nichts davon passiert. Wir sehen auf dem Film nicht mehr als wir vorher schon erblicken konnten und der Plot wird dadurch nicht vorangetrieben. Wer ebenfalls nichts vorantreibt ist Joes Vater, gespielt von Kyle Chandler, der zwar seine Rolle gut ausfüllen kann, diese dabei aber einfach nicht genug hergibt.
Es gibt diese eine Szene, in der Mr. Lamb seinem Sohn verbietet Alice wieder zu sehen und Joel Courtney spielt diese Szene wunderbar. Man möchte ihn als Zuschauer quasi in den Arm nehmen. Kyle Chandlers Performance in dieser Szene ist perfekt, er hat dieses typische Vater-Gesicht. Eigentlich will Chandlers Vater seinen Sohn umarmen, doch das Drehbuch lässt ihn nicht. Das fand ich schwach.
Eine Umarmung zwischen Vater und Sohn, die vor 4 Monaten Frau bzw. Mutter verloren haben, zerstört nicht den Konflikt im Drehbuch, Herr Abrams, sondern hätte ihn unterstützt und wäre eine echte dramaturgische Steigerung gewesen. Die finale Reunion hätte umso besser funktioniert.
25 Jul, 2011 · reeft · Film,Review · 0 comments

Originaltitel:Insidious, USA 2011
Regie: James Wan
Drehbuch: Leigh Whannell
Darsteller: Patrick Wilson, Rose Byrne, Ty Simpkins, Barbara Hershey, Lin Shaye, Andrew Astor, Leigh Whannell
Produktion: Alliance Films, Stage 6 Films
Verleih: FilmDistrict
Länge: 102 Minuten
FSK: 12 Jahre
Start: 21. Juli 2011
Ich bin bekanntlich kein Fan von Horrorfilmen und vermeide sie, wenn möglich. Alle paar Monate kommt mir mal zufällig durch vielleicht einen (natürlich nicht von mir geplanten) DVD-Abend ein Horrorfilm unter die Augen, aber bzgl dem Genre lautet meine Policy: Bitte nicht! Dass ich dennoch ‘Insidious’ von ‘SAW’-Regisseur James Wan gesehen habe, ist der DingSneak zu verdanken. Im Nachhinein bin ich dann doch ziemlich froh, dass ich ihn gesehen habe, denn er war nicht wirklich schlecht. Der Film weiß sehr genau was er ist und was er kann – und das macht er dann auch. Mehr aber auch nicht.
Insidious fängt für den geneigten Kinobesucher vertraut an. Eine junge Familie zieht in ein neues Haus und schon passieren
komische Dinge. Ein merkwürdiges Klopfen, das Babygerät macht komische Geräusche und mitten in der Nacht geht der Hausalarm an und die Haustür steht angelweit offen. Doch obwohl Oren Peli, Regisseur von Paranormal Activity, hier als Produzent an einem erneuten ultra-low-budget film mitwirkt, nimmt Insidious Gott sei Dank eine schnelle Wendung und verfängt sich nicht als Quasi-Remake von ‘Paranormal Activity’ mit Monstern. Relativ schnell sagt die von Rose Byrne gut gespielte Protagonistin den einen Satz, den ich schon immer bei diesen Haushorrorfilmen so gerne gehört hätte und der zu meiner Qual nie kam: “Ich will hier raus!”
Dies passiert erst nach 30 Minuten, was verfrüht als extrem lange Exposition mit vielen, zunächst unnötig erscheinenden Szenen (z.B. die Traumsequenzen und die Szene in der Schule) abgetan werden könnte, sich jedoch insgesamt gesehen lohnt und sich gegen Ende als alles andere als unnötig herausstellen wird. Bald stellt daraufhin fest, dass auch in dem neuen Haus merkwürdige Dinge passieren. Geister wandeln umher und stets lauern dunkle Gestalten in den Schatten. Dann nimmt die Familie die Hilfe einer älteren Frau in Anspruch, die bereits früher der Familie geholfen hat, als Patrick Wilsons Chris in seiner Kindheit ähnliche Probleme hatte. Es stellt sich heraus, dass der früh zu Beginn des Films ins Koma gefallene Sohn Quelle der mysteriösen Vorfälle ist und nicht das ursprüngliche Haus.
Durch diese Fähigkeit, die ich aus Spoilergründen nicht weiter erläutern möchte, wirkt die erste Hälfte des Films wesentlich anders und dadurch deutlich besser als ein “Haushorrorfilm” und man kriegt richtig Lust auf mehr, da auch visuell die zweite Hälfte dann interessant gestaltet wird. Auch wenn die Schockmomente im letzte Drittel abnehmen und auf Grund des treibenden Plots zurückweichen müssen, sind sie gut platziert und zuteil intensiv. Man kann sie zwar bis auf einen als erfahrener Filmzuschauer aus zehn Metern kommen sehen, jedoch reagierte das volle Kino, in dem ich den Film sah – und das ist die wirklich einzeige, sinnvolle Art Horrorfilme zu schauen, alternativ alleine – ziemlich geschockt und ich denke, dass man hier dem Film unterstellen kann, dass er funktioniert.
‘Insidious’ ist gut gefilmt und wird von kompetenten Leute gespielt – insbesondere die zwei Nerds, gespielt von Leigh Whannell (liefert hier auch das Drehbuch) und Angus Sampson, geben dem Film durch ihre Art und ihrem Steampunkequipment einen gewissen Charme. Auch der, wenn auch nicht frische, Ansatz zu den Geistern und der Totenwelt finde ich passend und nett. Außerdem gibt es den ein oder anderen Twist in der Story, wie man es von den Leuten hinter dem ‘SAW’-Franchise auch erwarten würde. Alles in allem ist der Film ein kleiner, feiner Zeitvertreib, auch für eher genrefremde Zuschauer.
6/10
18 Jun, 2011 · reeft · Featured,Film,Review · 0 comments

Originaltitel: The Tree of Life, USA 2011
Regie: Terrence Malick
Drehbuch: Terrence Malick
Darsteller: Brad Pitt, Sean Penn, Jessica Chastain
Produktion: River Road Entertainment, Plan B Entertainment, Cottonwood Pictures
Verleih: Fox Searchlight
Länge: 138 Minuten
FSK: 6 Jahre
Start: 16. Juni
“Where were you when I laid the earth’s foundation…while the morning stars sang together and all the sons of God shouted for joy?”
Dass sich an ‘The Tree of Life’ die Geister scheiden, kommt nicht von ungefähr. In seinem Epos versucht Autor und Regisseur Terrence Malick nichts geringeres als sämtliche Fragen der menschlichen Existenz zu behandeln, ein wenig den Sinn des Lebens zu ergründen, einen Dialog mit Gott zu erhalten, einen Rückblick auf das Leben im Universum und das Leben an sich zu präsentieren, und, am wichtigsten, die Kindheit und den Verlust der Unschuld darzustellen. Das kann nicht klappen, zumindest nicht in einer traditionellen und eingebürgerten Drei-Akt-Erzählstruktur mit einer linearen Story. Malicks Antwort in ‘The Tree of Life’ auf dieses Problem ist eine non-lineare Erzählstruktur, die Erinnerungen, Gegenwart, Zukunft und kosmische Kreation durch einen Bewusstseinsstrom in kaum zu erreichender Bildgewalt auf die Leinwand forciert.
Jack (Sean Penn) hapert mit seinem Leben. Trotz einem erfolgreichen Job, wunderschönen Haus samt Frau ist er rastlos, müde und depressiv. Der Tod seines Bruders im Alter von 19 Jahren beschäftigt ihn und seine Familie immer noch. Rückblickend schaut er auf seine Kindheit in den 1950er Jahren in einem christlichen Haushalt des mittleren Westens der USA.
‘The Tree of Life’ ist einer dieser Filme bei dem die Leute sagen, dass man sich “darauf einlassen muss”. Auch wenn ich natürlich ein vorher adaptiertes Mindset empfehlen kann – der Film verlangt einfach Aufmerksamkeit und ein gewisses Maß an Interesse – kann und wird auch mit der richtigen Einstellung nicht jeder diesen Film lieben. Malick ist Priester, Wissenschaftler, Erzähler, Fragensteller und Gott zugleich und die konträreren Symbolkonstellationen verstärken dies. Malicks Epos ist weniger Film als viel mehr Erfahrung.
Es ist zweifellos Malicks Magnum Opus, das Werk, in Malicks Themen kulminieren und neue Höhen der Spiritualität erreichen. Und all dies wird in sequentieller Abwechslung zwischen Kindheitserinnerungen und Urknall bzw. evolutionärer Entwicklung der Erde behandelt. Aus dem Voice-Over drängen bisher unterdrückte Fragen nach der menschlichen Existenz, dem Sinn und nach Gott sowie ab und an auch ein Zitat aus der Bibel.
Es kann mitunter schwierig sein, gleichzeitig die bildliche Ebene, die so bombastisch und reich an Bildgewalt ist, und die sprachliche Ebene zu verfolgen und dann sich daraus einen Reim zu machen.
Dennoch bleibt der Film eine Erzählung von Erinnerungen, unübersehbar Malicks Erinnerungen und Probleme, die ihn heute noch beschäftigen. Daher wirkt der Film in seinen stärksten Momenten wie eine gute, lehrreiche Kindheitserzählung und in seinen schwächsten, in denen kaum eine Szene auf die vorherige aufbaut, wie verwirrtes Gestammel eines Demenzpatienten.
Von der schauspielerischen Seite kann man Brad Pitt und Jessica Chastain loben, die beide eher eindimensionale Rollen haben, er Familienoberhaupt und sie nahezu ein himmlischer Engel, diese jedoch geschickt vielschichtiger und tiefer spielen; insbesondere Pitts Mr. O’Brien erscheint in vielen Szenen oberflächlich als autoritärer, ambitionierter Vater, obwohl er in nicht wenigen Momenten durchblitzen lässt, dass er seinen Kindern nur deshalb soviel abverlangt, weil er selbst im tiefsten Innern verletzt und enttäuscht ist. Er will nur, dass es seinen Kindern einmal besser ergeht als ihm selbst. Dass Sean Penn groß auf den Postern vermarktet ist, ist wohl seiner Popularität und nicht seiner Screentime von gerade einmal 5 Minuten geschuldet. Vielmehr löblich ist da Hunter McCracken, der den jungen Jack spielt und in vielen Momenten, in denen er nachdenklich über die Schulter in die Ferne schaut, stärker als alle älteren Zuschauer. Die Kinder sind im Allgemeinen fantastisch gecastet.
Vergleiche zu Stanley Kubricks Sci-Fi Epos “2001″ lassen sich natürlich nicht verleugnen. Ähnlich wie “2001″ ist “The Tree of Life” Kino Marke “Eine Nummer zu groß”. Es ist Kino so groß und so genial wie es nur sein kann und verfehlt dabei den Großteil heutiger Zuschauer. Dafür, dass Malick in diesen Zeiten nicht nur etwas so Originelles, sondern etwas so Großes probiert und es ihm dabei gelingt, so persönlich jeden Zuschauer individuell anzusprechen, gebührt ihm Respekt. Das Problem dabei ist, dass nicht jeder Zuschauer sich mit Malicks Erinnerungen und Visionen anfreunden kann, wodurch primär Abneigung nicht nur gegenüber dem gezeigten, sondern dem gesamten Werk entsteht. Klappt jedoch die Verbindung, hört man Malick gerne auch durch die schwächeren Teile seiner Erzählung zu und wird verzaubert vom Rest.
9/10
08 Jun, 2011 · reeft · Featured,Film,Review · 2 comments

Originaltitel: Source Code, USA/F 2011
Regie: Duncan Jones
Drehbuch: Ben Ripley
Darsteller: Jake Gyllenhaal, Michelle Monoghan, Vera Farmiga, Jeffrey Wright
Produktion: Vendôme Pictures, Mark Gordon Company
Verleih: Summit Entertainment
Länge: 93 Minuten
FSK: 12 Jahre
Start: 2. Juni 2011
Auch wenn man Twilight nicht mag, kann man nicht leugnen, dass die Filmreihe um die Bücher vom Stephanie Meyer auch durchaus positive Seiten hat. Zum Beispiel das viele Geld, das die Filme eingespielt haben, wodurch Summit Entertainment vom kleinen Indie- zum großen Mitmischerstudio wurde. Ähnlich wie 20th Century FOX (Avatar) hat man nun ein wenig Überschuss und kann auch mal Genreproduktionen wie ‘Source Code’ finanzieren, was Sci-Fi Freunde glücklich macht. In der Hose.
Soldat Colter Stevens wacht orientierungslos in einem Passagierzug auf. Die ihm gegenüber sitzende Frau scheint ihn gut zu kennen, doch er hat sie noch nie zuvor gesehen. Als er in den Spiegel schaut, erblickt er ein unbekanntes Gesicht. Noch bevor er diesen Schock verarbeiten kann, explodiert der Zug. Doch das ist nicht das Ende. Colter Stevens wacht auf und realisiert, dass er gerade die letzten 8 Minuten eines anderen Menschen mit Hilfe einer Maschine namens “Source Code” erleben konnte. Da der Anschlag auf den Zug nur der Anfang war und eine Atombombe die Millionenstadt Chicago bedroht, muss Stevens immer wieder erneut in 8 Minuten versuchen herauszufinden, wer den Anschlag auf den Zug verübt hat, um so den Nuklearanschlag zu stoppen. Doch schon bald entwickelt er Gefühle für die eigentlich bereits verstorbenen Menschen und besonders für die Frau, die ihn so gut zu kennen scheint. Kann Stevens sie vielleicht retten?
Ich hatte bereits Anfang April die Chance gehabt Source Code im Original zu sehen und war wie verzaubert. Als ausgesprochener Fan von Regisseur Duncan Jones, der mich mit seinem Featuredebut “Moon” letztes Jahr extrem vom Hocker gehauen hat, habe ich mich sehr auf den Film gefreut und wurde nicht enttäuscht. Nicht direkt jedenfalls. Jones liefert erneut eine wirklich solide Arbeit ab und nimmt sich des Drehbuches an und macht seinen eigenen Film daraus. Der Mann hat wirklich Potential, deshalb hoffe ich, dass er sein langgeplantes Projekt “Mute” über einen blinden Barkeeper auf der Suche nach seiner entführten Freundin in einer Zukunftsvision Berlins bald machen darf, denn auch wenn Source Code solider Sci-Fi ist, kratzt er nur an der Oberfläche seiner Thematik.
Zeitreisen und Zeitschleifen sind in der Kinowelt nichts neues und einem breiten Publikum spätestens seit “Groundhog Day” (Und täglich grüßt das Murmeltier) mit Bill Murray bekannt. Source Code schafft es jede seiner Zeitschleifen frisch wirken zu lassen. Durch Jones’ abwechslungsreiche Regiearbeit wirkt die Suche nach dem Terroristen an Bord nie langweilig. Ebenso schafft es das Script die 8 Minuten immer wieder auf abwechselnden Schauplätzen, auch (zu meiner Überraschung) außerhalb des Zuges, stattfinden zu lassen. Das Konzept selbst, sobald etabliert, dient jedoch lediglich der grundlegenden Spannungsmaximierung, was den Film auf das Level eines Thrillers reduziert.
Das ist schade, denn Source Code spricht einige grundlegende Themen des menschlichen Daseins an, ganz ähnlich wie Moon. Was macht den Menschen aus? Ab wann ist man Mensch und welche Rechte hat er? Wieso bin ich hier und gibt es mehr da draußen? Das Ganze wird leider nur viel zu oberflächlich angesprochen und zu Gunsten der Thrilleraspekte stiefmütterlich behandelt. Gegen Ende kriegt der Film jedoch noch leicht die Kurve: Was wäre, wenn Stevens die Bombe vom Hochgehen stoppen könnte? Schade, dass der Film dort aufhört, wo es dann mit Theorien und Gedanken über parallel Universen eigentlich losgehen könnte.
Die schauspielerischen Leistungen sind allesamt ihren Rollen angemessen. Michelle Monoghan hat nicht wirklich viel zu tun außer nett und verblüfft zu lächeln und immer wieder dieselben Sätze aufzusagen. Vera Farmiga macht eine ordentliche Rolle als gefühlsbetonte und leicht rebellische Offizierin, während Jeffrey Wright findet großes Gefallen an seinem leicht over-the-top akzentuierten Wissenschaftler, für den der Zweck alle Mittel heiligt. Jake Gyllenhaal hat am meisten zu machen. Das ist sein Film.
Er spielt seine Rolle des Colter Stevens überzeugend und kann auch in ruhigen Momenten die Tragik seiner Figur sehr gut auf die Leinwand übertragen.
Alles in allem ist Source Code aber ein solider Thriller für das Mainstreampublikum mit einem sehr netten Sci-Fi Rahmenkonzept für die Geeks. Jones hat Potential. Hoffen wir, dass er sich als nächsten Film “Mute” machen darf, denn ich will sehen, was der gute Mann mit wirklich hartem Sci-Fi und einem größeren Budget als dem von “Moon” anfangen kann. Auch wenn die wirklich tiefliegenden Fragen nur erwähnt werden, ruiniert das bei weitem nicht die erstklassige Kinoerfahrung.
9/10
07 Jun, 2011 · reeft · Featured,Games,Review · 0 comments

Ich bin kein exzessiver Gamer. Ich zocke regelmäßig und wahrscheinlich liege ich knapp über dem Durchschnitt. Dennoch ich relativ einseitig; in letzter Zeit hauptsächlich Battlefield Bad Company 2: Vietnam – bis mein Lieblingsserver mich auf Server, Teamspeak und Homepage bannte (dazu bald mehr).
Ich bin kein wirklicher Casual Gamer, denn ich mag spezifische Spiele, ich kaufe mir nicht irgendein Spiel, weil ich spielen möchte, sondern wähle und plane genau was ich spielen möchte; meistens weiß ich schon am Jahresanfang welche Spiele ich in diesem Jahr haben will. Daher bezeichne ich mich gerne als den selektierenden Gamer. Die Anzahl der Spiele hat in den letzten Jahren nie über 5 gelegen. Dieses Jahr wird es knapp. Hauptsächlich Fortsetzungen erfolgreicher Spiele stehen dieses Jahr auf dem Einkaufszettel: Portal 2, Infamous 2, Modern Warfare 3, Battlefield 3 und Assassin’s Creed: Revelations (und Dead Island, sofern sich das regeln lässt). Allesamt außerordentlich erfolgreiche Franchise. In dieser Hinsicht bin ich absoluter Mainstreamer. Das Spiel, das mich dieses Jahr über meinen Durchschnitt heben sollte, ist Team Bondis „L.A. Noire.“
Es sollte eigentlich mein Singleplayerhighlight des Jahres werden. Und ich wurde maßlos enttäuscht. Wie viele andere.
Das Tragische: Wir sind es allesamt selbst schuld.
Als letztes Jahr Rockstars „Red Dead Redemption“ auf den Markt kam, haben viele nicht unrichtig das Spiel als „GTA mit Pferden“ beschrieben. Die Sandbox (diesmal wortwörtlich) des Wilden Westens war vielen Spielern durch die Erfahrung mit diversen GTA-Titeln nicht fremd und es waren außerordentlich viele Gameplayelemente übernommen worden. An dieser Stelle muss ich natürlich zugeben, dass ich die Freiheiten eines GTA liebe und schätze und gerne in anderen Spielen wiederfinde. GTAIV war der Grund weshalb ich eine Playstation 3 gekauft habe. 3 Jahre später sollte nun L.A. Noire der glorreiche Titel des Jahres werden. Immerhin von Rockstar vertrieben und tolle Trailer und mega Hype – was sollt denn da schon schief gehen?

Originaltitel: Pirates of the Caribbean: On Stranger Tides, USA 2011
Regie: Rob Marshall
Drehbuch: Ted Elliot & Terry Rossio
Darsteller: Johnny Depp, Penelope Cruz, Geoffry Rush, Ian McShane
Produktion: Jerry Bruckheimer
Verleih: Disney
Länge: 136 Minuten
FSK: 12 Jahre
Start: 19. Mai
Ich war nie ein großer Fan von der “Fluch der Karibik”-Reihe. Als damals unser Physiklehrer von dem ersten Film berichtete, den er am Vorabend inklusive Freundin gesehen hatte, berichtete er von einem überaus tollen Johnny Depp in der Rolle seines Lebens. Nunja, das stimmt ja auch so ziemlich. Es ist eine Deppenrolle.
Ohne Depps Beteilung am Projekt und seine oscarnomierte Performance wäre der Film nur halb so gut und damit unteres Mittelmaß. So waren die Film gute Sonntagabend Pro7-Ablenkung, wenn man nichts besseres zu tun hatte und ohnehin nebenbei im Internet surfte.
Nun gibt es einen viertel Teil. Nessmon hatte eigentlich keine Lust auf den Film, aber ich wollte wissen, wie der Film funktioniert. Rein aus Interesse. Denn Johnny Depps Charakter des Captain Jack Sparrow war in dem ersten Film zu mindestens, in den späteren deutlich dann in abgeschwächter Form, nur ein Nebendarsteller in einer piratigen, leicht übernatürlichen Liebesgeschichte. Da nun Orlando Bloom und Keira Knightley nicht mehr mit von der Partie sind, liegt all die Last auf Captain Jack. Depp kann wie gewohnt überzeugen, doch abseits seiner inzwischen routinemäßig abgespulten Performance des Spatzenkapitäns ist traurige Stille.
Ja, Geoffrey Rush, Penelope Cruz und besonders Ian McShame füllen ihre Rollen mit all ihrem oscarprämiertem Talent; doch all dies täuscht nicht darüber hinweg, dass die eigentliche Story abgeschlossen und erzählt ist (wobei ich nicht wirklich von Story sprechen will, wenn die Filme auf einer Disneyparkattraktion beruhen). Besonders das Set-Up in London wirkt gezwungen und extrem konstruiert – ironischerweise sind gerade die anfängliche Gerichtsszene, die Szene mit King George und die Flucht aus London jene Szenen, die noch am besten gedreht und choreographiert sind und, vor allem, am meisten Spaß machen. Sobald Jack und Co. dann auf hoher See sind, vergeht jeglicher Spaß. Dem Film fehlt nicht nur jeglicher Grund zur Existenz (mal Geldscheffeln ausgenommen), sondern er macht auch zum großen Teil keinen Sinn und unternimmt keine große Mühen etwas Neues noch wenigstens Interessantes zu erzählen. Captain Blackbeard hat Zombieoffiziere. Yup, that’s about it. Inzwischen wird einfach damit gerechnet, dass die Zuschauer ohnehin an Bord sind und alles schlucken. Das weltweite Einspielergebnis von knapp 350 Millionen $ über das Wochenende geben Bruckheimer und Disney ironischerweise recht.
Das größte Problem, das ich mit dem Film hatte, war, dass sich alles wie eine Zwischenepisode anfühlt. Wie ein Setup für ein Sequel (das ja auch bereits schon in Planung ist). Was bleibt aber nun von Pirates 4 am Ende übrig? Für den gewöhnlichen Zuschauer dürfte ein unterdurchschnittlicher Kinobesuch aufwarten und für die Fans wird es 3 bis 4 nette Momente mit Jack zur Erinnerung geben; ansonsten fehlt dem vierten Teil einfach der Grund zur Existenz. Hinzu kommen unglaublich billig ausschauende Sets – bei denen man sich wunder wohin das riesige Budget verschwand (besonders das Finale am Jungbrunnen schreit förmlich nach Filmstudio) – langweilige gefilmte, wenn auch tolle choreographierte Kämpfe ohne wirklichen dramaturgischen Wert und ein wie immer toller Johnny Depp. Das reicht mir aber nicht. Die vorherigen Filme waren auch großer Blödsinn, aber wenigstens ließ mich dieser Blödsinn nicht einschlafen.
5/10 – für Johnny Depp, Effekte und Meerjungfrauen
22 May, 2011 · reeft · Featured,Review · 3 comments

Originaltitel: Hanna, USA 2011
Regie: Joe Wright
Drehbuch: David Farr & Seth Lochhead
Darsteller: Saoirse Ronan, Eric Bana, Tom Hollander, Cate Blanchett, Jason Flemyng
Produktion: Babelsberg
Verleih: Sony
Länge: 111 Minuten
FSK: 16 Jahre
Start: 26. Mai
“Sometimes, children are bad people too.”
Ich hatte am vergangenen Donnerstag das große Glück in der OV Sneak ‘Wer ist Hanna’ zu sehen, oder wie er im Original schlicht heißt: Hanna. Das ist der neue Film von Joe Wright, der sich mit den Filmadaptionen von “Stolz und Vorurteil” und “Abbitte” einen Namen gemacht hat. Danach erschien sein drittes Featureprojekt namens “Der Solist”, in dem Jamie Foxx einen Obdachlosen mimt, der unglaublich talentiert ist und dem von Robert Downey Jr. geholfen wird. Klischeehaftes Hollywoodoscarkino. Zu klischeehaft, sodass der Film nicht nur an der Kasse floppte, sondern auch die Kritiken zerstörerisch waren. Eine kurze Karriere, fast vor dem Ende, wäre da nicht Saoirse Ronans erbitterlicher Kampf für ihn um den Posten bei Hanna als Regisseur gewesen. Der Job wurde nämlich auch Alfonso Cuaron und anderen angeboten.
Gut, dass er an Wrigt fiel. Hanna ist ein unkonventioneller Thriller, der sich zwischen Coming of Age und Musikvideo ansiedelt und dabei laut, unerschrocken, schnell, frisch und teilweise ausgesprochen lustig ist. Hanna ist ein 16-jähriges Mädchen, das mit ihrem Vater, gespielt von einem unausgesprochen engagierten Eric Bana, am Polarkreis wohnt und von ihm zu einer Kämpferin ausgebildet wird. Bana ist Ex-Agent und lehrt seine Tochter alles. Sie kann Schutzidentitäten fehlerlos aufsagen, Touristeninformationen von Leipzig perfekt rezitieren, doch ein richtiges Leben hat sie nicht. Die Verlockung ist zu groß und Hanna möchte entfliehen. Gejagt von der CIA-Bösewichtin Wiegler, ebenso grandios gewohnt gespielt von Cate Blanchett, flieht Hanna aus ihren Fängen und entdeckt das Leben. Doch sie kann vor dem bösen Wolf nur für eine Zeit weglaufen und nicht entfliehen.
In unglaublich gut getimeten und geschnittenen Szenen, zu nennen wäre da der Ausbruch aus der CIA-Anlage bei dem Hanna durch riesige Lüftungsschächte vor riesigen Muskeltypen im perfekten Rhythmus zur lauten, knalligen, bombastischen Musik der Chemical Brothers davon rennt, zeigen Wright und die Chemial Brothers was sie können. Allgemein kann man die Arbeit der chemischen Brüder nur in den Himmel loben, ihnen ist es zu verdanken, dass der Großteil des Films, insbesondere die Actionszenen, die Wright in mit einer unbeahnten Selbstverständlichkeit auf die Leinwand bringt, wirklich den Film über das große Genremittelmaß heben. Was den Film aber trägt ist Ronans Perfomance. Ihre Hanna ist tödlich, gefä hrlich, verletzlich und tief verunsichert, ja, verletzt.
Natürlich ist “Hanna” ein Genremix und die Story ist zuhöchst stilisiert und konstruiert. Glücklicherweise ist sich jeder Beteiligte an diesem Projekt diesem Fakt bewusst und handelt auch ebenso. So kommt auch glücklicherweise die Auflösung um Hannas Herkunft relativ spät, was dem Zuschauer, bereits fest in dieser Welt verankert, nicht mehr viel an Widerstand entlocken dürfte. Auch die nicht spärlich gesäten humorvollen Szenen sind zeitlich passend und würdevoll eingesetzt. Ebenso eine intime Szene mit Hannas neu gewonnener Freundin, gespielt von Jessica Bardem, ist eine Gradwanderung zwischen ersten intimen Erfahrungen und freundschaftlicher Nähe, die Wright mit extremen Close-ups und kräftigen, fleischfarbenen Bildern einfängt.
Besonders das Finale des Films, das in Berlin (Allgemein hat der Film große deutsche Einflüsse und ist zum Teil auf Deutsch, weshalb ich umso glückerlich bin, ihn mit OT gesehen zu haben) spielt, ebenso wie die Verbildlichung der Mädchenfigur Hannas, als sie im zerfallenen Berliner Spreepark ein finales Duell mit ihrer Wölfin Wiegler, die nicht ohne Grund aus dem Maul einer riesiger Wolffigur aus der Dunkelheit tritt, bleibt in Erinnerung. Alles in allem ist “Hanna” ein verdammt guter, frischer, origineller Film, der mit tollen Kampfszenen und einem bombastischen Soundtrack aufwarten kann. Genrefans, aber auch der normale, geneigte Zuschauer werden nicht enttäuscht.
8/10