10 May, 2012 · Sascha · Film,Review · 0 comments

Vereinigte Staaten, 2011
Regie: Andrew Niccol
Drehbuch: Andrew Niccol
Darsteller: Justin Timberlake, Amanda Seyfried, Cillian Murphy
Länge: 109 Minuten
FSK: 12
Rating: 




“No one should be immortal if even one person has to die.”
Andrew Niccol ist ein wahrer Auteur, ohne Zweifel. Sein großer Durchbruch Gattaca ist bis heute kaum gealtert, die Dialoge immer noch zeitgenössisch und die Thematik könnte kaum aktueller sein. In ‘In Time’ nimmt sich Niccol erneut angeborener sozialer Ungerechtigkeit an: Die Menschen hören ab 25 auf zu altern und Zeit wird zur Währung. Die Superreichen sind praktisch unsterblich, während die Armen täglich buchstäblich ums Überleben kämpfen. Die Menschen leben dank Segregation in verschiedenen “Zeitzonen”. Die restliche Lebenszeit wird auf dem linken Unterarm digital abgebildet und kann per Handschlag mit jedem Individuum getauscht werden.Will Salas (Justin Timberlake) kommt von ganz unten. Eines Tages trifft er einen steinalten Mann, der ihm seine Zeit schenkt, weil er nicht mehr leben möchte. Doch das System sieht sowas nicht gern…

Es ist eine interessante Welt, die Niccol dort kreiert. Dennoch erinnert sie natürlich an Gattaca. Wenn es 1997 Sozialkritik an der immer prominenter werdenden Genforschung war, ist es 2011 die Kritik am Kapitalismus, der sozialen Ungerechtheit, der Wall Street und allgemein eine Allegorie für die Unterschiede in den USA, ausgelöst durch die Finanzkrise. Problematisch ist dabei nicht was Niccol mit ‘In Time’ ausdrücken will, sondern wie, denn verschwunden sind die wunderschönen Dialoge, der stille Kampf um Menschlichkeit, der fantastische Soundtrack oder das Geschick einer subtilen Kritik, gewichen für mehr Action und Dialoge, die keine mögliche “time”-Referenz (‘We’re running out of time.’, ‘Don’t waste my time.’, uvm.) auslassen.
Am ärgerlichsten aber ist die Welt, die uns Niccol verkaufen will. Will erklärt uns in den einleitenden Sätzen des Films, dass er nicht weiß, wie es dazu kam, dass die Zeit als Währung genutzt wird, oder dass niemand mehr altert – und das muss uns Zuschauern dann auch schon als Begründung reichen. Niccol beraubt sich hier selbst, denn gerade die Szenen in Gattaca, die genau zeigen, wie Unterschiede entstehen, wieso und warum jetzt genetisch veränderte Embryos natürlichen vorgezogen werden, lassen die Welt real und greifbar wirken, sie machen sie menschlich.
Die Welt von ‘In Time’ existiert schon eine ganze Weile. Es gibt Menschen, die haben schon mehr als ein Jahrhundert auf dem Buckel – und die Zeit musste ja auch erst einmal so voranschreiten, damit wir eine Technologie besitzen, die uns nicht mehr altern lässt. Es ist also fair anzunehmen, dass der Film 160-200 Jahre in der Zukunft spielt. Der klassische Retrostil, der schon in Gattaca präsent war, ist auch hier wieder zu finden. Es ist sogar vorstellbar, dass beide Filme im gleichen Universum spielen. Aber Gattaca zeigte uns eine Zukunft, die vielleicht in den 2030ern spielt – nicht 2230. Wohl dem 40$ Millionen Budget geschuldet, sieht ‘In Time’ verdammt alt aus. Sollen wir daraus schließen, dass der technologische Fortschritt zur Ruhe kommt, nur weil der Mensch aufhört zu altern? Höchst unwahrscheinlich.
Fazit: In Time ist ein solider Action-Film mit guten Schauspielern und einem klugen Regisseur / Autor, der etwas zu sagen hat. Das gibt es noch selten heutzusage auf so großem Stil. Und dennoch bleibt ‘In Time’ hinter den Erwartungen eines Auteurs zurück, der Gattaca gemacht hat. Nicht subtil genug, oft mit dem Knüppel wird einem die Sozialkritik eingehämmert; cheesige Dialoge und eine Geschichte, die gegen Ende immer dünner wird, helfen auch nicht.
09 May, 2012 · Sascha · Film,Review · 3 comments

USA, 2012
Regie: Joss Whedon
Drehbuch: Joss Whedon
Darsteller: Robert Downey Jr., Chris Evans, Mark Ruffalo, Chris Hemsworth, Samuel L. Jackson, Scarlett Johannson, Jeremy Renner
Länge: 142 Minuten
FSK: 12
Rating: 




“Doth thou mother know you weareth her drapes?”
Es ist nicht möglich zu übertreiben, wie wichtig ‘The Avengers’ nicht nur für das Superheldengenre, sondern auch für die Geschichte des Films selbst, ist. Es ist als ob man die Cops aus Lethal Weapon, John McClane und den Typen aus Predator zusammen einen Film hätte machen lassen. Stallone probiert das jetzt mit bekannten Gesichtern in seinen “Expendables”-Filmen, aber es gibt keinen narrativen Zusammenhang – im Unterschied zu Kevin Feiges Meisterleistung: Fünf Puzzlestücke ebneten den Weg zu dem ersten Film seiner Art. Ironisch ist dabei, dass der Film selbst ist nur ein weiteres, größeres Puzzlestück ist in einer vielversprechenden Reihe von kommenden Filmen.
Das große Plus des Films ist, dass die Köpfe dahinter wissen, wo der Fokus liegen muss. Nicht auf der Geschichte, sondern auf den Figuren. Diese Charaktere sollten eigentlich nicht im gleichen Raum stehen. Verdammt, sie sollten nicht einmal im gleichen Universum existieren – und trotzdem: Sie tun es und es funktioniert. Und das einzig und alleine Joss Whedon zu verdanken. Seine Stimme dominiert den Film. Es ist als ob all seine bisherigen Werke (darunter Buffy, Angel, Firefly, etc.) nur Training waren für den bisherigen Höhepunkt seiner Karriere. In dieser ging es nämlich stets um ein Figurenemsemble und thematisch um Familie. Und das sind die Avengers. Leute, die nicht zusammenpassen, und dennoch miteinander arbeiten müssen: Die Definition von Familie. Jemand Besseren hätte man nicht finden können. Und dennoch ist es beachtlich, was Whedon abliefert, insbesondere im Bereich der Action, denn noch nie zuvor stand ihm ein solche großes Budget zur Verfügung.
Doch so toll die Action und das Set-Piece Manhattan am Ende auch ist, darunter eine so mühelos erscheinende, kontinuierliche Einstellung (zweifellos mit Hilfe von CGI erstellt aber dennoch atemberaubend), die all unsere Helden beim Kampf zeigt: Das Wesentliche des Films sind seine Charaktere. Jeder bekommt natürlich im Rahmen des Films seine gewisse Einleitung, doch die Charaktere selbst und ihre Interaktionen funktionieren sofort. Hier profitiert der Film von der Entscheidung jedem Charakter vorher seinen eigenen Film zu widmen. Sie können direkt glänzen ohne lange zu erklären, wie oder warum sie jetzt so denken oder woher sie kommen. Man muss praktisch die vorherigen Filme gesehen haben, sodass The Avengers beim Zuschauer funktioniert.
Hier liegt eventuell ein Kritkpunkt, von dem The Avengers mehrere aufweist. So hat der Film praktisch keine wirkliche Story: Loki ist ein böses, verschmähtes Kind, das den Tesseract braucht um eine Armee Außerirdischer auf die Erde zu bringen und Herrscher über die Menschheit zu werden. Asgard klappte ja nicht so toll. Dabei ist der Würfel nicht mehr als ein schlichter MacGuffin, die Chitauri als Gegner sind charakterloses Kanonenfutter und Lokis Motivation findet man ausschließlich im Vorfilm Thor. Aber das macht nichts, denn The Avengers selbst ist, wie in der für Marvel typischen Credits-Szene angedeutet, nur ein weiteres Puzzlestück in einer viel größeren Geschichte. Es finden ein Zusammensetzen und Aufbau statt für folgende Abenteuer. Und so entsteht eine Art neuen Filmemachens, die sich stärker als zuvor an ihrem Quellenmaterial inspirieren lässt.
Denn man einen Avengers-Volume liest, dann muss man die vorherigen Ausgaben der einzelnen Charaktere gelesen haben, sonst funktioniert es nicht. Dasselbe gilt für den Film. Aber auch in der Struktur selbst ist der Film wesentlich “comic-hafter” als seine Vorgänger im Genre mit seinem comic-typischen, leicht tv-trashigen Opening, der Zusammenkunft der Rächer, der Szenen auf dem Heli-Carrier und später beim Schlusskampf, bei dem besonders viel richtig gemacht wird. Jeder Charakter bekommt seine Chance zu glänzen, insbesondere der Hulk, der zum ersten Mal dem Gefühl nach “richtig” umgesetzt wurde. Seine Comic-Relief-Szenen sind einfach zum Brüllen. Alleine deshalb sollte The Avengers auch in einem vollen Kino gesehen werden, es ist Blockbusterkino vom Feinsten. Vieles stimmt einfach. Es wird auch offen mit der Diskrepanz der Fähigkeiten der Helden gespielt. Der Film geht offen damit um und das ist Whedons Drehbuch und seiner Liebe und Wissen um die Charaktere zu danken, dass Figuren wie Agent Coulson oder Maria Hill nicht untergehen, sondern die Welt ausgestalten und greifbarer werden lassen.
Fazit: The Avengers ist ein neues Format des Filmemachens und -schauens. Aber selbst ohne die vorherigen Filme kann man durch die klassisch-whedon’sche Charakterdynamik, die famose Action und vor allem den Charm und Humor den Spaß des Kinosommers haben. Einige betiteln The Avengers als das Star Wars dieser Generation. Ich kann es nachvollziehen.
05 May, 2012 · Sascha · Film,Review · 0 comments

Ach, was hätte das für eine tolle Dokumentation sein können! Stell dir vor, Leonardo Da Vinci würde sich eine Zeitmaschine bauen und zu uns reisen um da noch etwas Kleines an der Mona Lisa zu ändern, das ihm nicht so gefällt. Würden wir ihn lassen? Auf der einen Seite ist natürlich er der Maler, es ist seine Vision auf der Leinwand, aber auf der anderen Seite ist die Mona Lisa inzwischen Teil unseres kulturellen Erbes und wir kennen sie und haben sie so zu lieben und schätzen gelernt, wie sie ist. Eine Zwickmühle!

Wesentlich einfacher ist die Rechtslage da bei Star Wars. George Lucas lebt noch, er hat die Rechte, er ist König, er braucht keine Zeitmaschine und er darf machen, was er will – oder etwa doch nicht? Immerhin ist Star Wars kulturell unheimlich bedeutend und wesentlich mehr als nur “ein Film”.
Lucas’ Kampf mit dem Studiosystem, seine frühen Erfolge, sein Ego, Star Wars, Indiana Jones, die Special Edition, das Herumschnippeln, die Prequels – alles wird interessant erzählt, und dann befinden wir uns ärgerlicherweise auch schon im letzten Drittel des Films um uns der eigentlich zentralen Frage zu widmen. ‘
The People Vs George Lucas’ tut nichts, was Fans oder Leute, die das Internet bedienen können, nicht bereits wissen. Es ist eine nette, visuelle Aufbereitung des Status-Quo: George ist für uns sowohl Held als auch Bösewicht seiner eigenen Geschichte. Die verzwickte Lage, die Leidenschaft der Fans, das falsche Selbstbild Lucas’ – all das wird nett aufbereitet, doch Antworten liefert die Dokumentation keine.

Oftmals wirkt Philippes Doku wie ein Besuch in einem Fanforum. Dort gibt es Leute, die ihren eigenen Stoff promoten wollen, andere sind egozentrische Laberer, Trolls und Fanboys, hier und da gibt es wirklich seriöse, gebildete Meinungen und am Ende singt wer die Titelmelodie. Ein seriöserer Ansatz hätte teilweise nicht geschadet.
Ich weiß, dass ich zu hart dem Werk gegenüber bin, aber da war einfach wesentlich mehr drin. Trotzdem handelt es bei ‘The People Vs George Lucas’ um eine solide Doku, die vor allem Stofffremde informiert und zu unterhalten weiß.
7/10
Die Bild- und Tonqualität sind makellos. Dazu sind die Extras in vielfältiger Form, von ungeschnittenen Interviews über Fanprojekte und sogar ungeschnittene Einblicke in erste Drehbuch- und Storyboardentwürfe, vorhanden. Da lohnt sich der Kauf wirklich für alle.
30 Apr, 2012 · Sascha · Comics,Review · 0 comments
Es sind harte Zeiten für Alexandria. Rick und Gruppe haben gerade einen Putschversuch abgewehrt, doch der wirkliche Gegner naht schon am Horizont. Der bevorstehende Winter in Verbindung mit der Nahrungsmittelknappheit droht Einige, wenn nicht die ganze Gruppe dahinzuraffen. Während Rick Carl zu Bette bringt, beobachtet eine vermummte Person aus der Ferne Alexandria durch ein Fernglas.
The Walking Dead hat seine Höhen und Tiefen, das weiß jeder, der die Comics auch nur ein paar Ausgaben verfolgt hat. Doch insbesondere die Ruhe in “We Find Ourselves” nach dem Knall in Volume 14 war einigen Lesern ein Dorn im Auge. Alles zu ruhig. Kirkman lasse alles dahinplätschern, während der Hauptfokus auf der TV-Serie liegt. Dass dies nicht so ist und Kirkman noch lange nicht ideenlos ist, beweist “A Larger World”.

(Spoilers!) Wir treffen auf Jesus, einen Typen, der schwört, dass er auf der Suche nach anderen Gruppen von Überlebenden ist. Er wird von seiner eigenen Gruppe weggeschickt und soll Handelsverbindungen eingehen. Ein verlockendes Angebot, doch die Zeiten haben ihre Narben in Ricks emotionalem Kompass hinterlassen. Er weiß zwar, dass sie die Lebensmittel gut gebrauchen könnten, doch kann er Jesus trauen?
Sie nehmen Jesus gefangen und wissen nicht, was sie mit ihm tun sollen. Er kann die Wahrheit sagen, aber auch die Position der Siedlung an seine Leute, eventuell gefährliche Hunde, weitergeben. Es ist eine nette Parallele zur TV-Serie, die jeodch konträr zur Serie ausgeht, denn schlussendlich überwiegen einfach die möglichen Vorteile das Risiko und Rick, Carl, Andrea, Glenn und Michonne begleiten Jesus zu seinen Leuten. Auf der Fahrt stellt sich heraus, dass Jesus ein Entfesselungsexperte ist und sich die ganze Zeit hätte befreien, sie im Schlaf töten können, was er nicht tat. Eine gute Basis für gegenseitiges Vertrauen.
Jesus führt sie zu auf einer Anhöhe gelegenen und passend benannten Siedlung namens “Hilltop”, der es an nichts wirklich mangelt. Mehr als 200 Bewohner leben dort relativ idyllisch zusammen, lediglich Schusswaffen fehlen. Nach einem Vorfall stellt sich heraus, dass die Siedlung unter der Tyrannie eines Außenstehenden namens Negan leidet, der Lebensmittel erhält und im Gegenzug nicht die Siedlung plattmacht. Es ist ein Rückblick in ein paralleles Universum, in dem Rick vor dem Governor eingeknickt wäre. Die Verhandlungen mit dem Anführer und Rick sind schnell: Rick hat nichts zum Tauschen. Doch das mag nicht so ganz stimmen, denn die Bewohner haben gesehen, wozu Rick und Co. fähig sind. Sie sollen sie von Negan befreien und erhalten im Gegenzug Lebensmittel.

Kirkman beweist, dass in seiner Geschichte noch schier unendliches Potential steckt. Klar, die Rivalrie zwischen der Hilltop und Negan erinnert an den Woodbury-plot um den Governor aber diese Konflikte sind nun nicht unwahrscheinlich in der Apokalypse. Außerdem gewinnt die Konstellation durch Ricks Gruppe einen interessanten Twist. Wir bewegen uns nun auf der Zielgeraden zu Issue 100, bei dem laut Kirkman die Scheiße dampfen wird. Ich kann mir also vorstellen, dass die Prämisse von “The Larger World”, dass dort draußen mehr ist als nur Zombies (die ohnehin in den letzten Ausgaben nur zu lästigen Nebensächlichkeiten reduziert wurden) noch interessant und wegbereitet sein wird für die Zukunft des Comics. Doch so idyllisch wie gerade alles wirkt, wird es nicht lange bleiben, insbesondere wenn das nächste Volume “Something to Fear” heißt.
Vorbestellen kann man Volume 16 hier (Amazon-Partnerlink). Nach dem Klick gibt’s die Cover der einzelnen Ausgaben.
(weiterlesen…)
Einem geschenkten Gaul schaut man nichts in Maul, sagt der Volksmund, aber Oliver Pocher live sehen, das muss nun nicht wirklich sein – selbst für umme. Wieso das so ist, kann man erahnen, anderfalls sollte man an dieser Stelle dann besser aufhören zu lesen. Dabei bin ich aber gar kein Oliver Pocher Hasser, von denen es ja recht viele gibt. Ich muss sogar eingestehen, dass ich ihn durchaus interessant und lustig fand. Damals, mit seiner Show “Rent A Pocher”. Aber ja, genau: damals. Es ist 2012, nicht mehr 2003. Oliver Pocher ist alt geworden. Darunter leidet seine freche, vorlaute Art, die 9 nette Witze hervorbrachte, bis das Gegenüber konterte und den zehnten, besten Witz gegen ihn selbst brachte. Damit konnte er umgehen. Er wusste, dass er es provozierte und gestand es ein. Es war ein Geben und Nehmen. Der Zuschauer gewann.
Das gilt auch noch heute. Pocher ist im Umgang mit dem Publikum, dem Normalo, immer noch äußerst unterhaltend. Medienuntrainierte Leute ausnutzen ist scheiße, aber Provinztrottel, von denen es hier genügend gibt, vorzuführen, das kann er – und das ist lustig. So unzivilisiert bin ich dann doch. Es wäre interessant gewesen, wenn die ganze Show so gewesen wäre, denn die Interaktion mit dem Publikum, die Chatroulette-Runde oder die Facebook-Singleparty sind die Momente, die ihm Frische einhauchen. Ansonsten ist Pocher inzwischen aber merklich 34, verheiratet und Vater. Er ist/war Moderator, Sportkommentator (Dear Lord!), Late-Night-Talkshowhost und hat sich sonst noch ziemlich breit gemacht in der deutschen Medienlandschaft. Das ist ein kluger Schachzug im Hinblick auf die Karriere, denn niemand will den ewig nervenden Frechsdachs haben.
Doch seine Show leidet unter den vielen Facetten. Den Anfang machen viele bekannte Gesichter aus dem Fernseher. Jauch, Gottschalk, Lanz und Co. versprechen, welch wunderbaren Abend wir vor uns haben. Die Stimmen setzen eine Messlatte an, die natürlich nie erreicht werden kann. Pocher wird auf eine Höhe gepriesen, von der er nur tief fallen kann, was er mit seinem Stand-Up auch tut. Wahrscheinlich sollen die Promis Pocher eine gewisse Autorität, ein Gewicht, geben, doch es wirkt nur billig. Was folgt ist eine Mischung aus schlechtem Stand-Up über den Bachelor, Frauentausch, Mitten im Leben und DSDS (ständiges Build-Up mit der eingestreuten Ein-Wort-Referenz auf eine vorherige Geschichte), Interaktion mit dem Publikum, Tanzeinlagen und Clips aus seiner Fernsehshow, die man wohl mit Leichtigkeit auf YouTube finden kann. Spätestens dann war ich froh, dass ich nichts bezahlt habe. Wobei es mir da aber, anhand des lauten Lachens nach dem “Hey, ihr habt schließlich hier für bezahlt”-Witz, ähnlich ging wie der Hälfte des recht kleinen Saales. Muss gut laufen, wenn man Oliver Pocher heißt.
12 Apr, 2012 · Sascha · Film,Review · 0 comments

Australien 2010
Regie: Stuart Beattie
Drehbuch: Stuart Beattie
Darsteller: Caitlin Stasey, Rachel Hurd-Wood, Lincoln Lewis
Länge: 104 Minuten
FSK: 16
Rating: 




Sieben australische Teenager wollen mal das ganz große Abenteuer erleben und verbringen ein paar Tage in der Wildnis. Inmitten der Nacht sind viele Flugzeuge über ihnen zu erkennen, doch sie denken sich nicht mehr dabei. Wieder daheim angekommen, müssen sie erkennen, dass die Flugzeuge Ausläufer einer asiatischen Invasion waren. Nachdem sie mehrfach den Militärs entkommen können, entscheiden sie sich zurückzuschlagen.

Den Trailer zu ‘Tomorrow When The War Began’ sah ich bereits vor mehreren Jahren und ich war direkt verzaubert und wollte den Film sehen. Der Trailer sah schon gut aus und die Erwartung war relativ hoch, insbesondere weil ich ‘Red Dawn’ liebe und schon viel Gutes über die Buchreihe von John Marsden gehört habe, auf deren erster Teil der Film basiert. Umso enttäuschender ist dann die finale Umsetzung.
Immerhin hatte man mit Stuart Beattie keinen unerfahrenen Hollywoodmann nach Down Under geholt um australisches Blockbuster Kino zu machen, das dem Hype um die Jugendromane gerecht werden sollte. Beattie selbst leistet auch sehr gute Arbeit: So sieht der Film die ganzen 104 Minuten wesentlich besser aus als es sein Stoff verlangt. Die Regiearbeit ist hervorragend, die Handlungen konsequent und die Action nervenkitzelnd. Es gibt einige wenige, wirklich aufreibende Momente im Film, die sehr gut inszeniert sind und nicht vor Brutalität zurückscheuen.
Die Geschichte selbst aber hätte auch ruhig als Mini-Serie verfilmt werden können, ohne dass etwas von der Action oder den Set-Pieces hätte reduziert werden müssen. Davon hätten auch die Figuren profitiert, die hier in kurzen 15 Minuten allesamt eingeführt und sympathisch gemacht werden müssen, sodass wir mit ihnen fiebern. Eine unmögliche Aufgabe. So erhalten wir ein paar nette Minuten der glückseelischen Unbeschwertheit bevor der Krieg die Unschuld der armen Kinder raubt. Klischeehaft und störend.

Ein großes Problem für mich war auch das Casting. Klar, die Performances der Schauspieler sind solide und funktionieren. Doch ich glaubte zu keiner Sekunde, dass hier Teenager über die Leinwand liefen. Der Trend Mittzwanziger für Teenagerrollen zu casten (oder welche, die Mitte 20 aussehen,) schlägt sich hier eben besonders auf die Wirkung des Stoffes aus, denn so verliert die Intensität der Invasion natürlich enorm. Wirklich junge Menschen in dieser Situation zu sehen, wäre wirkungsvoller gewesen. Ebenso hätte ruhig mal, wie dramaturgisch an vielen Punkten verlangt und bei einem Cast von 8 Hauptcharakteren nicht störend, mal jemand ins Gras beißen können. So schien alles immer gefahrlos und einfach, während die Asiaten scheinbar mit Platzpatronen feuerten.
Dem Vorwurf der Xenophobie versucht man aus dem Weg zu gehen, in dem die asiatischen Truppen nie einem einzelnen Land zugeordnet werden. Flaggen spielen keine Rolle, wie ein Charakter vermerkt. Als Grund der Invasion wird im Radio ökonomischer Druck der Invasoren und Überbevölkerung genannt, während die Australier genügend Platz haben in ihrem großen Land hätten. Mehr kriegen wir nicht. Hier verhungerte ich wie die Kinder im Heimatland der Invasoren trotz großen zeitgenössischen Potentials.
Doch der Film krankt noch mehr an dem Muster seiner Adaption. Die Buchvorlage ist nur Teil 1 einer ganzen Reihe von Büchern um unsere australischen Guerilla-Teens und der Film selbst ist dadurch natürlich mehr Pilot einer TV-Serie als unterhaltsames Stand-Alone-Kino. Soweit ich das richtig gelesen habe, orientiert sich die Filmversion sehr nahe am Buch, was eigentlich löblich ist. Doch Buch und Film sind verschiedene Medien und das Ende des Films ist schlicht und einfach eine Enttäuschung. Der Cliffhanger zu serientypisch. Ironischerweise ist Beattie sich dessen auch bewusst, schrieb er doch folgenden Dialog ins Drehbuch:
Ellie Linton: Good book?
Corrie Mackenzie: Better than the movie.
Ellie Linton: Yeah, books usually are.
I rest my case.
09 Apr, 2012 · Sascha · Film,Review · 15 comments

Finnland 2012
Regie: Timo Vuorensola
Drehbuch: Michael Kalesniko
Darsteller: Udo Kier, Julia Dietz, Götz Otto, Christopher Kirby
Länge: 93 Minuten
FSK: 12
Ich erinnere mich noch als ich vor Jahren davon hörte: Nazis vom Mond auf der großen Leinwand. Das hörte sich verrückt an, wer würde das finanzieren? Es folgten Teaser, Trailer, Crowdfunding und sonstige Unterstützung, u.a. durch deutsche Filmfonds, ja sogar halbwegs bekannte Schauspieler. Selbst bei der Geschichte durften die Fans online Einfälle beisteuern. Die Erwartungen an dieses Herzensprojekt stiegen natürlich und die Trailer heizten den Hype weiter an. Umso enttäuschender ist dann das fertige Produkt. ‘Iron Sky’ ist ein platter Film ohne Witz, Charme und Verständnis für den schmalen Grat zwischen Trash und Dreck.
2018 schickt US-Präsidentin Palin zwei Astronauten auf den Mond. An Bord ist auch der Afro-Amerikaner James Washington. Die Astronauten stellen fest, dass sich auf der Rückseite des Mondes die Nazis breit gemacht haben. Einer wird erschossen, Washington wird gefangen genommen. Die Nazis finden bei ihm ein modernes Smartphone, mit dessen Rechenleistung sie die Geheimwaffe “Götterdämmerung” in Bewegung setzen könnten, wenn der Akku nicht leer wäre. Schnell begeben sich Götz Otto, Julia Dietz und James Washington, inzwischen “albinisiert”, auf die Erde, um mehr iPhones und iPads zu sammeln und die Götterdämmerung in Bewegung zu setzen und den Siegeszug der Nazis einzuleiten.

Die Enttäuschung ist ziemlich schnell verdammt groß. Schnell hat sich der Charme der Idee “Nazis haben sich 1945 auf dem Mond versteckt und kommen zurück um anzugreifen” ausgespielt. Es ist und bleibt eben eine Idee, die spät an einem Barbesuch entstand, und nicht auf 90 Minuten gestreckt werden kann – die Grundidee und Trailer reizen bereits alles heraus. Der Witz bleibt auch völlig aus. So ist es zwar nett, dass der Einstein-Verschnitt bemerkt, dass das Smartphone kein Computer sei, sondern auf die riesigen Schränke zeigt, doch das ist auch schon gefühlte 50 Mal besser gemacht worden, in Zeitreisefilmen. Ebenso ist die “Albinisierung” Washingtons nicht lustig. Es klingt wie die Idee eines rechten Fans, der auf die Fanpage schrieb: “Hey, wär doch lustig, wenn der Schwarze weiß wäre, oder? Versteht ihr? Der Neger als Arier! Haha!” Traurig. Noch schlimmer: Washington ist im Film nur Model und Posterfigur, nicht einmal richtiger Astronaut, weil sowas können die Neger doch gar nicht!
Das CGI der völlig überzogenen, höhepunktlosen Schlacht der Weltraumstation am Ende des Films steht stellvertretend für die Gesamtproblematik der Produktion. Es ist zu gut um wirklich trashig zu sein, aber noch meilenweit entfernt von Big-Budget-Produktionen. Die Schauspieler machen ihre Sache gut, doch ihnen wird nichts gegeben. Der Palin-Verschnitt ist ultranervig gespielt und kaum etwas im Film macht wirklich Sinn. Als Plot-Device wird Chaplins “The Great Dictator” missbraucht, der Julia Dietz’ Charakter plötzlich um 180° herumdreht. Vorher noch für Palins Kampagne gemodelt, jetzt grüne Sozialpädagogin. (Übrigens liebe Produktion: Ihr könntet euch auch einfach mal informieren, ob denn 2018 wirklich eine Präsidentschaftswahl in den USA ist, wenn ihr sonst so auf die kleinsten Details achtet. Spoiler Alert: Es gibt keine.) Die Motivation aller Charaktere bleibt im Geheimen. Wieso sind die Nazis jetzt so bedrohlich? Wollen sie die Erde erobern? Wollen sie alle töten? Oder doch alle albinisieren? Meteorblitzkrieg? What?!

Doch der wohl schlimmste Fehler und ärgerlichste Punkt des Films ist der unrefklektierte Umgang mit den Nazis selbst. Die Nazis sind fähig gewesen auf den Mond zu fliegen. Sie sind nicht wie sonst im Film die Trottel oder Opfer, sondern können autark auf dem Mond leben. Ihre Technologie ist veraltet, aber sie haben eine Geheimwaffe erschaffen, die der Erdtechnologie völlig überlegen ist. Palins Kampagne übernimmt den Kleidungsstil und den Style der Nazis, weil er cool ist. Ja, das ist der schlimmste Fehler des Films, die Nazis sind cool. Jetzt haben auch die Neonazis mal einen Film für sich, in dem sie die Coolen sind. Gegen Ende jedoch der größte Knaller, der die Nazis, zu mindest unsere Mondnazis, relativiert: Ja, die USA sind ja auch voll schlimm und tun böse Dinge und beginnen Kriege für Ressourcen. Der politische Humor (wie zum Beispiel der gelungen Nordkoreawitz, bei dem die UN den nordkoreanischen Botschafter auslacht, als er die Angreifer als Nordkoreaner deklariert) hätte Potential gehabt. Doch so darf das nicht gehen. Der Bezug auf aktuelle Politik hätte der Demontage der Naziideologie weichen müssen, die hier zwar klamaukartig präsentiert (“Hey, Nazis on the Moon! Get it?”), aber nie hinterfragt wird.
Trash zu produzieren ist nicht gleich Trash haben am Ende. Der Wille war zu stark, zu berechnend, als dass jemals wirklicher Trash-Charme entstehen konnte. Gewollter Trash ist eben kein Trash, sondern einfach nur Müll.
2/10
07 Apr, 2012 · Sascha · Film,Review · 4 comments

USA 2012
Regie: Steven Soderbergh
Drehbuch: Lem Dobbs
Darsteller: Gina Carano, Ewan McGregor, Michael Fassbender, Channing Tatum, Antonio Banderas, Michael Douglas
Länge: 93 Minuten
FSK: ab 16
“You shouldn’t think of her as being a woman. That would be a mistake.”
Bereits zum zweiten Mal castet Regisseur Steven Soderbergh eine schauspielerisch unerfahrene Frau als Hauptperson in einem seiner Filme. Zuletzt besetzte er die weibliche Hauptrolle in ‘The Girlfriend Experience’ mit der Ex-Pornodarstellerin Sasha Grey und nun darf Gina Carano, eine Mixed-Martial-Arts-Kämpferin, zeigen, was sie kann. Das ist erstaunlich viel.
Mallory Kane (Carano) ist eine erfahrene Agentin, die für privaten Dienst geheime Missionen durchführt. Die Missionen werden meist von der US-Regierung in Auftrag gegeben. Nach einem fast gescheiterten Auftrag in Barcelona wird Kane auf eine weitere Mission geschickt, deren Ziel, wie sie bald herausfindet, sie selbst ist.

Wirklich kompliziert ist die Geschichte aber nicht. Eher verwirrend. Dobbs Drehbuch gibt in moderner Thriller-Struktur zunächst hier und da ein paar zusammenhangslos wirkende Fetzen, die dann später vom Zuschauer und der Hauptperson selbst zusammengefügt werden müssen. Am Ende ergibt sich dann eine simple Story, die man in einem Satz zusammenfassen könnte, aber dennoch keinen wirklichen Sinn macht. Aber eine Geschichte will Soderberghs uns in ‘Haywire’ auch gar nicht verkaufen. Der Fokus liegt ganz alleine auf seinem Star, Gina Carano, die allein durch ihre physische Screenpräsenz zu überzeugen weiß. Doch ihr Schauspieltalent kommt auch nicht zu kurz. Wenn man bedenkt, dass sie hier gegen mehrere Generationen männlicher Hollywoodstars antritt und in keiner Sekunde zu kurz kommt, dann gebührt ihr Respekt.
Ebenso verdient die Action großen Applaus, die Carano selbst ausführt. Soderbergh weiß um die physische Attraktivität seines Stars und ihrer Möglichkeiten im Actiongenre und entscheidet sich für wunderschöne Kämpfe in der Halbtotalen, bei der man die Intensität jedes Schlages spüren kann. Die Kämpfe wirken real, echt, anstrengend und sehen nach echter Handarbeit aus. Man bekommt einen Sinn dafür, dass hier harte Arbeit von den Schauspielern abverlangt wurde. Durch die konsequente Ablehnung der inzwischen leider Standard gewordenen Wackelkamera, erzielt Soderbergh eine ungewohnte Realität und Härte der Kämpfe. Caranos Erfahrung als Martial-Arts-Kämpferin macht es auch möglich, dass die Kämpfe fast ohne Schnitte ablaufen und man keine Stuntleute braucht. Man erkennt, dass die Schauspieler hier selbst kämpfen und das erfreut natürlich sehr.

‘Haywire’ ist ein netter, kleiner Film, von denen Soderbergh in den letzten Jahren schon so einige schnell produziert hat. Es geht ihm leicht von der Hand, unterstrichen wird das durch den lässigen Funk/Jazz-Musikstil von Composer David Holmes, der bereits bei den ‘Ocean’s’ Filmen mit Soderbergh arbeitete. All dies lässt Soderbergh attraktiv wirken. Er kann nahezu jeden Hollywood-Star anfragen und sie werden trotzdem auch nur für die kleinste Rolle bei ihm antanzen. Diese lassen einen, ähnlich wie bei Soderberghs ‘Contagion’, auch die Tatsache übersehen, dass kein Charakter wirkliche Tiefe hat. Niemand durchgeht einen klassischen Arc oder ist wirklich interessant. Nicht einmal die Namen spielen dank der bekannten Gesichter eine große Rolle. Abgesehen vom Drehbuch aber ist ‘Haywire’ ein flüssiger, gut inszenierter und erfrischender Film dank der Kombination von modernen Thriller-Elementen und traditioneller Kameraarbeit.
8/10
06 Apr, 2012 · Sascha · Film,Review · 0 comments

Großbritannien 2012
Regie: James Watkins
Drehbuch: Jane Goldman
Darsteller: Daniel Radcliffe, Ciaràn Hinds
Länge: 95 Minuten
FSK: ab 12
Ein ganzes Jahrzehnt lang war Daniel Radcliffe für jeden auf der Welt Harry Potter. Nach dem Ende der Filmreihe versucht er sich, wie seine anderen Schauspielpartner, in anderen Rollen. Bereits während der Potterzeit wusste er interessante Akzente in dem Drama ‘Equus’ oder in der Buchverfilmung ‘December Boys’ zu setzen. Doch nun spielt er zum ersten Mal die Rolle eines Erwachsenen mit Kind – ausgerechnet in einer Rolle, die der Schauspieler seines Filmvaters James Potter bereits 1989 in der TV-Adaption des gleichnamigen Buches spielte.

In ‘The Woman in Black’ spielt Radcliffe den verwitweten Vater eines kleinen Jungen, der auf Grund seiner Arbeit als Anwalt in eine kleine Stadt an der Küste Englands reisen muss, um das dort alleinstehende Haus einer alten Familiendynastie zu verkaufen. Die Bewohner der Stadt sind verängstigt, denn es soll der Geist einer Frau im Haus leben, dessen Sichtung Unheil für alle bedeutet.
Die Exposition in Jane Goldmans Drehbuch ist ein wenig holprig. Mir war nicht wirklich klar, was Arthur Kipps jetzt mit dem Haus machen soll. Soll er es verkaufen? Soll er die Akten da durchsehen? Doch das spielt alles keine wirklich große Rolle mehr, sobald Kipps in dem Dorf ankommt. Die Atmosphäre ist dicht und die Angst in jeder Einstellung spürbar. Schnell stellt sich heraus, dass die Bewohner mit ihrer Befürchtung recht haben. Was folgt, sind 20 unglaublich gute und gelungene Minuten, die traditionelle Jump Scares in origineller Art und Weise zu nutzen wissen. Dennoch bleiben diese stets vorhersehbar, sofern man sich im Genre ein wenig auskennt. Trotzdem überzeugt die zweite Hälfte des Films. Die Geschichte nimmt überraschende Wendungen und scheut nicht davor zurück, gewisse unerwartete Routen zu nehmen. Doch der wirkliche Star des Films ist das Haus, auf einer vorgelagerten Insel thronend, die nur bei Ebbe zugänglich ist. Watkins weiß um seinen eigentlichen Star und hat mit Hilfe der Set Designer großartige Arbeit geleistet, die zu jeder Sekunde spürbar ist. Das Watt, die überwachsende Insel, das vollgestellte Haus, Close-Ups von unheimlichen Puppen – Watkins weiß die Atmosphäre aufzubauen.

Radcliffe macht seine Sache gut. Zu keinem Zeitpunkt habe ich hier Spuren eines Harry Potters gesehen. Er mag ein wenig jung für die Rolle daherkommen, aber das waren früher ja auch noch andere Zeiten. Dass alles so balanciert daherkommt, darf Ciaràn Hinds zugesprochen werden, der alleine durch seine Screenpräsenz, Mimik und Ausstrahlung zu überzeugen weiß, jedoch stets Radcliffe bewusst genug Raum lässt, sodass dieser zu keiner Zeit Schwächen zeigt – unähnlich den Potter-Filmen.
Unterm Strich ist’The Woman in Black’ ein düsterer und atmosphärischer Film, der durch originelle Jump Scares und einige gute Momente überzeugt.
7/10
04 Apr, 2012 · Sascha · Fernsehen,Review · 0 comments
Warnung: Spoiler für Comic und Folge
“It’s my farm!” – “Not anymore.”
Tja, ferner ab der Realität hätte meine Schätzungen für das Finale nicht sein können. Mit der Farm wird wesentlich schneller und in einem besseren Weg, wie von mir vermutet, abgeschlossen. Das Finale war ein guter Abschluss für eine mittelmäßige Staffel mit ganz wenigen Lichtblicken, aber vielen Hoffnungsschimmern – vor allem Dank der Comics. Hier liegt auch eine Tendenz, die für die gesamte Staffel gilt: Umso näher am Comic, desto besser die Episoden.
Goodbye, Hershel Farm
Die Zombies kommen und Rick kann sich mit Carl noch schnell in die Farm retten. Zuvor wird im Cold Opening schön gezeigt, wie über Monate hinweg eine “Herd” entsteht, die ihren Ursprung im Serienpiloten hatte. Schön. Weniger schön wird es für die Verbleibenden auf der Farm, die mit der dümmsten Idee aller Zeiten ankommen: Lasst uns wild in Autos umherfahren und die Zombies aus den fahrenden (!) Autos heraus erschießen. Das ist stylisch, aber extrem dumm und uneffektiv. Es zerstört den langsam und mühseelig aufgebauten Realismus der vorherigen Episoden. Natürlich klappt nicht alles wie es soll und die Gruppe wird in alle Richtungen verstreut. Carol wird von Daryl gerettet, T-Dog, Beth und Lori können sich mit dem Auto retten, müssen aber Andrea zurücklassen, und Glenn und Maggie nehmen auch die letzte Chance zur Flucht. Währenddessen wird Jimmy zerfleischt, weil er statt mit dem Wohnwagen weiterzufahren, die Tür aufmacht – äußerst dumme Szene. Dafür stirbt Patricia interessant, die Beth nicht loslassen möchte (oder ist es andersrum?). Jedenfalls nette Anspielung auf Issue 83.
Carl und Rick können entkommen, doch sie retten vorher noch Hershel, der standhaft blieb und wohl ohne Ricks Rückkehr überrannt worden wäre.
Eigentlich hätte Hershel sterben sollen. Das verrieten Showrunner Glen Mazarra und Comic-Schöpfer letztens in einem Interview. Doch als sie Hershels Gesicht bei der Flucht von Farm sahen, waren alle Bedenken verflogen und sie waren froh, dass sie es nicht getan haben. Halleluja, nicht nur sie! Jungs, was geht ab? Hershel? Really?
Entry: Badass
Andrea muss zu Fuß flüchten durch den Wald. Verfolgt von vielen Walkern schlägt sie sich wacker, doch das Gewicht der Waffen verlangsamt sie und ihr droht die Munition auszugehen. Sie schafft es relativ weit, doch 3 letzte Walker stehen ihr gegenüber und sie hat keine Munition mehr. Als der letzte Walker auf sie fällt und ihr in den Hals zu drohen beißt, wird der Kopf des Zombies von einem Katana abgetrennt.
Es ist der coolste Moment der Serie: Michonnes Auftritt. Den Serienzuschauer noch unbekannt, ist Michonne eine der Fanfavorites. Die Einstellung ist genau wie ihr Reveal im Panel des Comic. Fantastisch. Die wird in der kommenden Staffel von Danai-Gurira dargestellt und wenn das mal nicht ein fantastisches Casting ist, dann weiß ich auch nicht mehr weiter.
Staffel 3 – Hinter Gittern
Alle treffen auf dem Highway wieder zusammen. Sie fahren erstmal planlos weiter, bis sie keinen Sprit mehr haben. Sie schlagen ihr Lager neben der Straße auf. Der Streit eskalisiert. Rick gibt zu, dass er Shane getötet hat. Lori flippt aus, weil Carl Zombie-Shane getötet hat. Und die Gruppe verliert das Vertrauen zu Rick, weil er ihnen verschwiegen hat, dass sie alle bereits infiziert sind – das große Geheimnis von Dr. Jenner aus dem Finale der ersten Staffel. Hat entgegen der Aussagen der Produzenten letztlich doch relativ lange gedauert bis das Geheimnis rauskam. Soviel zu “Wir sind kein LOST.”
Am Ende verliert Rick seine Geduld und weist die Anschuldigungen von sich. Jeder kann jederzeit gehen, doch wenn sie bleiben, ist er der Anführer: “This isn’t a democracy anymore.” Keiner geht, doch die Gesichter zeigen, dass dieses Spannungsfeld interessante Wendungen in der Staffel 3 bringen wird, besonders, wenn sie im Gefängnis sind und der Lagerkoller kommt. Und ja, richtig: Gefängnis. Das ist der große Cliffhanger – für Fans weniger, aber immerhin wurde es bestätigt. Staffel 3 geht’s hinter Gittern.
The Governor Called
Dies eröffnet natürlich Raum für Spekulationen. Major Spoilers Ahead: In der Review zur letzten Folge bemängelte ich Shanes Potential zum Antagonisten. Der Comic kannte bisher nur einen wirklichen Bösewicht, wenn auch einen der fiesesten aller Zeiten: Den Governor. Dieser ist bereits gecastet und wird von David Morrissey verkörpert. Das ist kein typisches Casting, zumal Philip Blake stets etwas lateinamerikanisches an sich hatte in Charlie Adlards Zeichnungen, aber Morrissey ist wesentlich besser ausgestattet die feinen Nuancen des Charakters herauszukitzeln, als ein von Fans gewolltes Type-Casting Danny Trejos – so gut das auch äußerlich passen mag.
Der Govenor wird meiner Ansicht nach sich als Anführer der Gruppe von Randall herausstellen. Wie Comicsfans wissen, wird er Rick die Hand abhacken und das Gefängnis später mit einem Panzer stürmen. Dabei stirbt Lori und das inzwischen geborene Mädchen Judy. Ob das so kommen wird, mag ich bezweifeln. Die Serie wird sich bestimmt wieder einige Freiheiten nehmen und einiges weglassen. Tyrese scheint nun bisher außen vorgelassen zu werden – immerhin lebt T-Dog noch, was aber mehr ein Zeichen guten Willens der Schreiber ist à la “the black guy doesn’t die first for once” als guter Ersatz für Tyrese. Das Gefängnis wird bestimmt von ein paar Leuten noch bewohnt sein. Ob der Governor bereits in den frühen Episoden mitspielen wird, bezweifel ich stark. Oder ich hoffe es. Aber ob man 16 Folgen nur mit dem Gefängnis füllen kann ohne einen erneuten Lagerkoller wie auf der Farm zu haben? Erst gegen Ende würde es Sinn machen, wenn man dem Comic folgt. Und der Cliffhanger, dass er Ricks Hand abhackt, wäre doch genial.
Vorher auf PEWPEWPEW:
The Walking Dead S02E01 – “What Lies Ahead”
The Walking Dead S02E02 – “Bloodletting”
The Walking Dead S02E03 – “Save the Last One”
The Walking Dead S02E04 – “Cherokee Rose”
The Walking Dead S02E11 – “Judge, Jury, Executioner”
The Walking Dead S02E05 – “Chupacabra”
The Walking Dead S02E06 – “Secrets”
The Walking Dead S02E07 – “Pretty Much Dead Already”
The Walking Dead S02E08 – ‘Nebraska’
The Walking Dead S02E09 – ‘Triggerfinger’
The Walking Dead S02E10 – “18 Miles Out”
The Walking Dead S02E11 – “Judge, Jury, Executioner”
The Walking Dead S02e12 – “Better Angles”
25 Mar, 2012 · Sascha · Film,Review · 7 comments

USA 2012
Regie: Gary Ross
Drehbuch: Gary Ross, Suzanne Collins, Billy Ray
Darsteller: Jennifer Lawrence, Josh Hutcherson, Liam Hemsworth, Stanley Tucci, Woody Harrelson und Donald Sutherland
Länge: 142 Minuten
FSK: ab 12
Start: 23. März 2012
Ein Atomkrieg verwüstet den Planeten. Aus den Ruinen erhebt sich auf dem nordamerikanischen Kontinent der autokrative Staat Panem, der sich aus einer Hauptstadt in den Rocky Mountains und 13 auf dem restlichen Gebiet verteilten Disktrikten konstituiert. Nach einer Rebellion gegen die Hauptstadt wird der Initiator, der 13. Distrikt, dem Erdboden gleichgemacht. Fortan müssen die restlichen 12 in einer harschen Diktaktur leben. Als Erinnerung und Strafe für ihren Aufstand werden jedes Jahr ein Mädchen und ein Junge im Alter von zwölf bis 18 Jahren ausgewählt, um an den Hungerspielen teilzunehmen, einem live im Fernsehen übertragenen Wettkampf, bei dem es nur ein Ziel gibt: Alle anderen Mitspieler zu töten.
Die Prämisse von Suzanne Collins weltweitem Bestseller und ersten Teil der “Hunger Games”-Trilogie alleine klingt so düster und erschreckend, dass man sich nichts Geringeres als das berüchtigte R-Rating vorstellen kann. Außerdem werden mehr als auffällige Parallelen zum Kultfilm “Battle Royale” aus Japan erweckt, ein Umstand, den Suzanne Collins weit von sich weist: Ein Herumzappen zwischen Reality-Shows und Berichten über den Irakkrieg brachte sie auf die erfolgbringende Idee. Man mag es ihr, wenn man die Trilogie, die besonders im dritten Teil eine dramatische, inhaltliche Wende nimmt, glauben. Für sich genommen aber ist The Hunger Games in vielen Teilen eine zahme Kopie einer guten Idee, mit guter Exposition, einem gelungenen Weltenbasteln, gepaart mit einer grandiosen Hauptdarstellerin.

Doch Regisseur Gary Ross schafft es, dass zu mindest die erste Hälfte seiner Adaption weitestgehend keine Erinnerung an Battle Royale hervorruft. Er schaffte es sogar, dass der Film bei uns mit einer FSK-12 Einstufung in die Kinos kommt. Der japanische Verwandte hingegen ist seit Jahren indiziert. Das liegt an der Nähe zum Buch: Während der Ross zwar geschickt darin ist, Figuren zu marginalisieren und interessante Szenen hinzuzufügen, bewegt er sich in der zeitlichen Aufteilung der Aspekte von Dystopie in der ersten und Survival in der zweiten Hälfte zu nahe am Buch. Während sich der Ton eines Buches eher durch den Erzähler definieren lässt, werden wir über Katniss’ Gedanken weitestgehend im Unklaren gelassen. Dadurch stößt der zweite Teil des Films ein wenig auf, er passt nicht so wirklich. Dazu ist er zu kurz und vor allem: zu unblutig. Ross ist zwar geschickt darin, die durchaus dunklen und grausigen Tötungsszenen durch Shaky-Cam und unfokussiertn Close-Ups in gewisser Hinsicht zwar zu zeigen, jedoch viel dem Zuschauer zu überlassen. Natürlich wird hier die Realität wieder ein wenig ausgeblendet. Hier hält Lionsgate den Zuschauern eher den Augen zu, als dass Gary Ross eine in sich stimmige Entscheidung als Künstler trifft.
Das kann man zwar dadurch rechtfertigen, dass Katniss auch im Buch nicht viel vom anfänglichen Gemetzel mitbekommt, aber es ist ein Film und kein Buch – und dieser krankt durch den Druck von Produktionskosten, Fanerwartungen und Franchisehoffnungen des Studios. All dies führt dazu, dass der Film PG-13 sein muss. Dass dies inzwischen das Ziel eines jeden Mainstream-Hollywood-Films ist, mag kein Geheimnis sein, noch ein direkter Nachteil. Es führt jedoch dazu, dass Katniss’ Geschichte zahmer wird und ihren Schrecken verliert. Zu keiner Sekunde verspürte man eine wirkliche Gefahr für Katniss, die im Buch allgegenwärtig ist. Nicht einmal war sie kurz vorm Verdursten. Peeta nippelte fast in der Höhle, in der sich die Geschichte für mehrere Tage bewegt (im Film sind es Minuten und eine Nacht), ab. Das Finale wirkt gehastet, während es im Buch mehrere Stunden dauert. Ähnlich emotionslos wirken die Tode der Tributen, selbst die, die Dialog haben. Wir kennen keinen genug, um die nötige Trauer zu fühlen oder den Ekel zu entwickeln, der uns als Zuschauer bei diesem Spektakel erstarren lassen soll.
Das Verhältnis zwischen eins zu eins Adaption in der Exposition und Marginalisierung des eigentlichen Hauptteil und Fleisches der Geschichte will nicht so wirklich funktionieren. Insbesondere ein paar Reaktionen der Zuschauer in der Hauptstadt, vielleicht sogar aus den ersten beiden Distrikten haben gefehlt. Durch die Darstellung der roboterartigen Präzision der Gamemaster der Hauptstadt, der armen Tribute in der Arena und der hilflosen Massen in den armen Distrikten, stellen sich stofffremde Zuschauer berechtigt die Frage, wieso niemand etwas dagegen unternimmt.

Immerhin, ein großes Plus des Films ist seine Besetzung. Die schauspielerische Begleitung für unser Trio durch Größen wie dem herrlichen Stanley Tucci oder den hier oscarreifen Woody Harrelson als besoffener Mentor Haymitch gibt den Jungdarstellern einen guten Rahmen, den insbesondere Jennifer Lawrence und Josh Hutcherson auszufüllen wissen. Liam Hemsworth hat hier nicht einmal eine wirkliche Nebenrolle. Die Leistung ändert jedoch nichts daran, dass die Schauspieler falsch besetzt sind. Sie schauen alle ein wenig zu alt aus, auch wenn Makeup und Kostüme ihr Möglichstes tun. Schade ist auch die Besetzung von Präsident Snow durch Donald Sutherland, der zwar fies, dafür aber auch ein wenig zu alt und ungefährlich aussieht. Hier hätte ich mir, wie schon beim Lesen des Buches, Malcolm McDowell vorgestellt, dessen Blicke wesentlich mehr die im Buch beschriebene Schlangenartigkeit ausdrücken können. Außerdem wirkt er wesentlich agiler und dadurch gefährlicher.
Doch der richtige Grundstein wurde gelegt. An und für sich mag ‘The Hunger Games’ ein komischer Mix aus Dystopie und Survival-”Horror” sein; seine wahre Qualität wird sich jedoch erst mit den, dank des überragenden Startwochenendes als sicher geltenden, Fortsetzungen zeigen. Wie man jedoch das dritte Buch mit einem PG-Rating verfilmen will, ist und bleibt mir ein Rätsel. Wird man es ähnlich wie hier lösen, dann wird es cinematographisch sicherlich interessant, könnte aber durch diese Darstellung der Thematik, die realer und medienaktueller nicht sein könnte, nicht gerecht werden. Es wäre eine zweifelhafte Botschaft, insbesondere für das junge Publikum.
7/10
22 Mar, 2012 · Sascha · Comics,Featured,Review · 2 comments

Autor: Warren Eliis
Artwork: Colleen Doran
Lettering: Clem Robins
Colorierung: Dave Stewart
Verlag: DC Vertigo (2003)
Kaufen: Amazon-Partnerlink
Warren Ellis’ ‘Orbiter’ ist einer der wichtigsten Comics, die jemals geschrieben wurde. Das sage ich voller Überzeugung. Obwohl der Comic 2003 erschien und er bereits damals zeitgenössische Bedeutung besaß, könnte er heute kaum aktueller und wichtiger sein, denn es geht um nichts Geringeres als die Zukunft der bemannten Raumfahrt.
Die Geschichte ist äußerst spannend. Seit 10 Jahren – nachdem das Space Shuttle Venture nach dem Start verschwand – war kein Mensch mehr im Weltall. Zu gefährlich ist alles und das Verschwinden des Shuttles war zu unerklärlich. Kein Risiko mehr. Doch plötzlich taucht das Shuttle wieder auf und macht eine Bruchlandung auf dem inzwischen als Shanty-Town dienenden Kennedy Space Center. Schnell wird die NASA wiedereingesetzt und ein Team aufgebaut. Die führenden Köpfe bilden die Biologin und letzte lebende Astronautin Michelle Robinson, der Ingenieur und Raketenexperte Terry Marx und Anna Bracken, der die vielleicht schwierigste Aufgabe zufällt, denn sie muss John Cost interviewen, den einzigen Astronauten, der noch an Bord der Venture war.

Wenn schon die erste Seite einem den Atem raubt, dann weiß man, dass man ein gutes Buch in den Fingern hält. Warren Ellis’ Idee, den Comic mit einem Splash-Panel des aufgegebenen und inzwischen als Shanty-Town genutzen Kennedy Space Centers zu beginnen, ist ebenso fantastisch wie erschreckend. In seinem Vorwort schreibt Ellis, dass der Comic eigentlich erst wesentlich später erschienen wäre, man aber nach dem Absturz der Columbia im Januar 2003 das Gefühl hatte, dass er direkt raus musste – denn er hat etwas zu sagen. Etwas ganz Bedeutendes. Es ist ein Comic der Hoffnung.
Nach dem Absturz, ähnlich wie bereits nach der Challenger-Katastrophe, sollte später kein Shuttle mehr für 18 Monate starten. Schlussendlich aber starteten sie wieder. Und das ist das Wichtigste. In seiner bewegenden Rede am Abend der Explosion richtete sich Ronald Reagan insbesondere an die vielen Kinder, die die Katastrophe live am Fernsehen miterlebten, weil eine Lehrerin mit an Bord war: “[...] it is part of taking a chance and expanding man’s horizons. The future does not belong to the faint hearted, it belongs to the brave.”
Darauf aufbauend, zeigt uns Warren Ellis, was mit dem Menschen passiert, wenn er aufhört. Wenn er stehen bleibt. Er degeneriert. Das Bild des Kennedy Space Centers symbolisiert was passiert, wenn wir unsere Bestrebungen ruhen lassen. Diese Botschaft ist heute noch wesentlich wichtiger als 2003. Die NASA hat die autonome, bemannte Raumfahrt komplett eingestellt. Kein Shuttle startet mehr. Die nächste Generation bemannter Raumschiffe soll frühestens Ende des Jahrzehnts ihren ersten Einsatz haben. Momentan sind die Amerikaner nur Beifahrer der Russen. Nichts könnte der amerikanischen Gesellschaft, und der Welt allgemein, mehr helfen die Wirtschaftssorgen und Krisen besser zu verarbeiten, als wenn wir wieder ein gemeinsames Ziel hätten. Wir verbauen gerade unsere Zukunft. Und die unserer Kinder. Denn die müssen erst lernen zu träumen. In unserer Zeit fällt das momentan schwer.

Der Comic hat ein paar kleine Längen in der Mitte, da man sich als pfiffiger Leser schnell ausmalen kann, was passiert ist. Doch dann kommt es ganz unerwartet. Ich kann die immense Awesomeness des Comics nicht aufzeigen, ohne euch zu spoilern, deshalb nur weiterlesen, wenn ihr euch ganz sicher seid. [Markieren]Als Cost und seine Crew an die ISS andocken wollen, schießen sie plötzlich weg und sind binnen Sekunden auf der Rückseite des Mondes. Panik bricht aus. Dann erscheint ein Licht. Eine Stimme ist in den Köpfen der Astronauten zu hören. Es sind unsere Freunde von anderen Sternen. Sie haben auf uns gewartet. Doch wir waren zu ängstlich. Zu zögerlich. Sie haben gewartet, doch es ging ihnen nicht schnell genug. Sie wollen Freunde zum Spielen, zum weniger alleine sein. Cost und seine Crew erleben in den nächsten 10 Jahren, und das ist dank Biologin und Raketenphysiker (aka Warren Ellis) gar nicht mal so dumm erklärt, eine Rundreise durch die Galaxie. Cost kehrte lediglich zurück um den “Rest” zu den Sternen zurückzuholen. [Spoilerende] Der finale Moment ist so rührend, das Papier wurde ein wenig nass.
Besser kann ein Comic nicht sein. Ich lege ihn jedem ans Herzen, der schon einmal nachts in den Himmel schaute und sich fragte, warum wir aufgehört haben zu träumen.

19 Mar, 2012 · Sascha · Fernsehen,Review · 2 comments
Warnung: Spoiler für Comic und Folge
“The Governor called, you’re off the hook.”
Ich habe die Zombies schon mehr als einmal als Naturkraft in meinen Reviews beschrieben. Wie eine Naturkatastrophe ziehen sie durch das Land und werden durch Zerstörung und Tod noch stärker. Dennoch, sobald man über den initialen Schock “Oh Scheiße, Zombies!” hinweg ist, und das sind unsere Charaktere seit Langem, brauch man mehr um zu unterhalten. The Walking Dead hat das langsam begriffen. Ziemlich spät, denn wir sind eine Folge vom finale der zweiten Staffel entfernt und die lauernde Gefahr durch die andere Gruppe ist gut, aber noch nicht personifiziert und dadurch schwach. Die Show braucht einen Antagonisten.
Es gibt interessante Momente in dieser Folge. Andrea und Glenn reparieren den RV und zollen Dale damit einen gebührenden Serienabschied. Inbesondere die hübsch geschnittene Begräbnisszene setzt einen passenden Ton für die Folge, der ausnahmsweise mal aufrecht erhalten wird. Weiterhin: Die Camper ziehen endlich ins Farmhaus ein. Die Leute sind emotional zusammengewachsen, es ist also an der Zeit, dass sie auch zusammen wohnen – immerhin steht der Winter vor der Tür.
Decisions, decisions…
Aber hauptsächlich funktioniert die Folge, weil der Status Quo geändert wird. Endlich werden Nägel mit Köpfen gemacht. Es werden Entscheidungen getroffen und Charaktere kommen weiter, ja sogar T-Dog hat tatsächlich einmal ein paar Zeilen – das naht ja schon an Character Development! Lori entschuldigt sich bei Shane. Sie gibt zu, dass sie Gefühle hatte, dies aber nun vorbei ist und Rick ihr Mann ist. Punkt. Doch gerade dieser Versuch alles zu glätten, bringt das Unheil herbei. Shane braucht Loris Unentschlossenheit. Es gibt also nur eine Möglichkeit Lori zu gewinnen: Er muss Rick töten.
Um dies zu tun, entführt er Randall und erledigt diesen im Wald. Shane war noch nie der Schlaue in der Gruppe… Er erfindet die Geschichte, dass Randall ihn überwältigt und in den Wald entkommen ist. Shane, Rick, Glenn und Daryl folgen ihm also. Inzwischen ist es Nacht. Glenn und Daryl finden Randall ALS ZOMBIE. Sie erledigen ihn und entdecken, dass er nicht gebissen wurde, sondern nur auf Grund eines Genickbruches starb. Währenddessen kann Rick Shane austricksen. Er verwickelt ihn in ein Gespräch, doch er merkt, dass Shane zu entschlossen ist und er ihn nicht überreden kann. Er täuscht vor, ihm seine Waffe zu geben, und zieht schnell ein Messer und ersticht ihn. Shane stirbt. Doch nicht ganz. Rick wartet – er ahnt etwas. Er muss es wissen! Währenddessen erleben wir, wie tobende Zombies als Flashcuts über den Screen huschen – zum ersten Mal wird die Zombietransformation visuell subjektiv dargestellt.
Wie der Sohn, so der Vater
Doch bevor Rick dies merkt, steht Carl vor ihm. Was hat sein Vater da getan? Er hebt die Waffe und schießt – und trifft Shane, der inzwischen zombifiziert nahe hinter Rick stand. Der Schuss wird gehört – von einer Horde im inzwischen getrockneten Sumpf. Vater und Sohn sehen sich einer nahenden Naturgewalt gegenüber.
Alles in allem finde ich das gut. Ja, doch. Zunächst fand ich es blöd, weil nicht Carl Shane umbrachte – da hatte wirklich jeder Comicfan drauf gewartet, denn die Szene lief genau so ab. Doch es macht mehr Sinn, dass Rick derjenige ist, der ihn umbringt. Shane war kein wirklicher Antagonist, er hat immer nur gekuscht und sich den Kopf gerieben und bei den Anderen beschwert. Seine Transformation zum Verrückten in dieser Episode war notwendig, doch sie kann nur von kurzer Dauer sein. Alles andere lässt Rick nicht zu. Damit ist der Konflikt, der die Gruppe und die gesamte Staffel lähmte überstanden. Alas, es ist vorbei. Dass Carl Shane jedoch trotzdem erschießt, erscheint mir wie eine lahme Ausrede der Autoren, à la: “Schaut, Carl HAT Shane erschossen, nur eben als Zombie.” Oder es könnte auch sein, dass man nicht zeigen konnte/wollte, wie ein Kind einen Charakter erschießt.
Spekulation über das Finale
Hershels Aufforderung kam die Gruppe nie nach. Sie blieben auf der Farm, Rick rettete Hershel aus der Bar und insgesamt wuchsen alle zusammen. Es gibt keinen Grund die Farm zu verlassen. Dort draußen gibt es nur Unheil, die Farm war den Sommer über sicher, wieso nicht auch noch länger? Ein paar Anpassungen hier, ein paar Nachbesserung dort, und man kann sich dort ein gutes Leben machen. Das stimmt auch, nur wäre das keine gute Serie. Bereits die erste Hälfte litt stark darunter. Ich denke, dass die Horde die Farm überrennen wird und unsere Helden sich verbarrikadieren müssen. Ein paar könnten sogar sterben. Meine Tipps wären T-Dog, Patricia und noch jemand, dessen Tod den Fans wirklich weh tun wird. If you burn down the house, YOU BURN DOWN THE HOUSE!
Weiterhin denke ich, dass Ricks Gruppe diese riesige Horde nicht alleine bewältigen kann. Deshalb wird wohl im letzten Moment die Rettung kommen. Als passende Transition und Cliffhanger für die dritte Staffel könnte ich mir da sogar den inzwischen gecasteten Govenor vorstellen, sodass diese Storyline in der dritten Staffel dominiert und der lahme, der Farm ähnliche Gefängnisplot komplett übersprungen wird. Irgendwas oder irgendjemand wird am Ende kommen müssen. Ich wette mein Geld darauf.
Vorher auf PEWPEWPEW:
The Walking Dead S02E01 – “What Lies Ahead”
The Walking Dead S02E02 – “Bloodletting”
The Walking Dead S02E03 – “Save the Last One”
The Walking Dead S02E04 – “Cherokee Rose”
The Walking Dead S02E11 – “Judge, Jury, Executioner”
The Walking Dead S02E05 – “Chupacabra”
The Walking Dead S02E06 – “Secrets”
The Walking Dead S02E07 – “Pretty Much Dead Already”
The Walking Dead S02E08 – ‘Nebraska’
The Walking Dead S02E09 – ‘Triggerfinger’
The Walking Dead S02E10 – “18 Miles Out”
The Walking Dead S02E11 – “Judge, Jury, Executioner”
17 Mar, 2012 · Sascha · Fernsehen,Review · 3 comments
Warnung: Spoiler für Comic und Folge
“Heaven is just a lie, and if you believe in it you’re an idiot!”
Es hat sich für die Autoren der Serie wohl inzwischen eingebürgert, dass man nicht zwei actionreiche Episoden hintereinander schalten kann. Dies kann vielleicht dem Budget geschuldet sein, aber dennoch wäre es möglich, nicht immer “Slow Burn”-Episoden nach eventreichen zu bringen. Aber nun gut. In dieser Folge kulminiert die seit Beginn der Serie allgegenwärtige Thematik des Verlusts des Rechts und der Ordnung. Das dürfte doch interessant werden, oder? Nunja, ein bisschen?
Randall weiß also von Maggie und der Farm. Er muss sterben, denn er stellt ein zu großes Risiko für die Gruppe dar. Das will Dale nicht einfach so hinnehmen und versucht mit allen in Einzelgesprächen eine Front gegen Rick und Shane aufzubauen. Währenddessen ist Carl mal wieder ein ziemliches Balg, beleidigt Carol am Grab ihrer Tochter, stiehlt Daryls Waffe und macht sich alleine auf in die Sümpfe, in denen er einem feststeckenden Walker begegnet.
Hier steckt das Potential der Folge, das mal wieder achtlos verschwendet wird. Carls Charakter ist neben Rick der interessanteste im Comic für mich und das lässt sich auch auf die Serie übertragen. Die Zombieapokalypse ausschließlich durch die Augen eines Kindes zu betrachten, zu mindest für mal eine Episode, wäre fantastisch gewesen. Stattdessen ist die Episode eine Mischung aus einem Bisschen Carl und einer Prise Diskussion um den Verlust jeglicher Zivilisiertheit. So ist beides nur halbherzig umgesetzt worden und nichts zahlt sich am Ende voll aus.
Hätte die Episode vollkommen Carls Sicht geschildert, so hätte sich auch Dales Tod am Ende besser ausgezahlt. Carl ist ein bockiges Kind, das kein Wort mitzureden hat, und seine Grenzen sucht. Immerhin gibt es nichts mehr für ihn zu tun: Keine Spielkameradin mehr, keine Kinderserien im TV und keine Schule. Er muss, um der Situation gewachsen zu sein, seine Kindheit loslassen, wird aber dennoch nicht als volles Mitglied in der Gruppe wahrgenommen. Es ist ein interessanter Konflikt, dessen Oberfläche mit dieser Episode nur leicht eingekratzt wurde. Diese emotionale Verworfenheit hätte man noch mehr darstellen und erkunden können.
Aber auch ohne diese Veränderung, wäre die Episode gut gewesen, wenn da nicht die letzten 5 Minuten gewesen wären. Sophias Tod hatte für die Serie eine ähnliche Wirkung wie das Abhacken von Ricks Hand im Comic. Der Leser bzw. Zuschauer weiß, dass sie nur zuschauen werden können und Kirkman bzw. die Autoren der Serie mit den Charakteren machen werden, was sie wollen. Und das ist auch gut so. Dennoch finde ich es schade, dass Dales Tod so verschwenderisch daherkommt. Okay, man muss ein wenig Platz machen für neue Charaktere in der dritten Staffel, aber rein inhaltlich ist er fast sinnlos. Hätte die Episode komplett Carls Sicht gezeigt, wäre es besser gewesen, denn es hätte eine noch stärkere Wucht auf Carl gehabt. Es hätte ihm klar gemacht, dass auch er und seine Taten Konsequenzen mit sich führen und den Arc der Episode schön abgerundet. Es wäre aber noch besser gewesen, wenn Randall ausgebrochen und Dale überwältigt und eventuell getötet hätte. Das hätte Sinn gehabt. Ein bittersüßes Ende. Nun ist es lediglich der dumme Fehler eines Kindes.
Aber Dale wurde in der Serie ja bei weitem nicht so sehr ausgebaut wie im Comic. Daher ist es kein wirklicher großer Verlust. Dennoch ist es ärgerlich. Und überhaupt, wenn sie den Tod wenigstens ei wenig glaubhafter gemacht hätten, wie zum Beispiel Dale nicht in mitten der Nacht in einem nebligen Feld herumlaufen lassen, dann würde ich ja gar nichts sagen…
Vorher auf PEWPEWPEW:
The Walking Dead S02E01 – “What Lies Ahead”
The Walking Dead S02E02 – “Bloodletting”
The Walking Dead S02E03 – “Save the Last One”
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The Walking Dead S02E07 – “Pretty Much Dead Already”
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11 Mar, 2012 · Sascha · Fernsehen,Review · 0 comments

“There are no rules. We’re lost.”
Nach minutiöser Abhandlung der Ereignisse machen wir einen Zeitsprung. Randall ist inzwischen gesund genug, um wieder frei gelassen zu werden. Shane muss sich dieser Entscheidung und Ricks Führerschaft beugen. Dies treibt die Spannungen zwischen den beiden auf einen neuen Höhepunkt. Währenddessen verursacht der Suizidwunsch Beths einen schweren Streit zwischen den Frauen der Show.
Mitten auf der Landstraße stoppt Rick das Auto. Er steigt aus, inmitten der Weite der Landschaft stellt er Rick zur Rede und macht ihm klar, dass er der Anführer der Gruppe, der Vater des ungeborenen Kindes und der Mann Loris ist. Shane nimmt das nicht so wirklich hin. Bockig starrt er vom Beifahrersitz über die Felder, in der ein Walker alleine umherirrt. Verloren, genau wie Shane, wenn er sich Rick nicht beugt.
Als die beiden an einem abgeschlossenen Gelände vorbei kommen, halten sie. Es ist eine passende Stelle um Randall auszusetzen. Die Situation eskalisiert. In seinem Flehen gesteht Randall, dass er Maggie kennt. Er kann also, wenn er seine Leute wieder findet, schnell die Farm finden. Shane und Rick debattieren. Dass Randall wahrscheinlich sterben muss, ist schnell klar. Doch hier? Auf der Farm? Rick zweifelt. Schnell geht es wieder um viel mehr als nur Randall, sondern um die Dynamik zwischen Shane und Rick. Es kommt zum Kampf. Randall, gefesselt am Boden, kann zu einem fallen gelassenen Messer kriechen und sich befreien. Rick und Shane haben ihre Waffen verloren, als Shane einen Schraubenschlüssel durch ein Fenster wirft und die Lurker wach werden. Shane kann sich in einen Schulbus retten, ist aber darin gefangen. Rick und Randall können sich zusammentun – und lassen Shane zurück.
Doch nur zunächst. Rick sieht zwei tote Cops am Boden liegen. Es könnten Shane und er selbst sein, wären sie im Einsatz früher in der Zombieapokalypse gewesen. Rick ist nicht Shane. Er lässt seinen Freund nicht dem Tode geweiht zurück, sondern möchte ihm zeigen, dass er besser ist und rettet ihn.
Große Überraschung der Folge ist Emily Kinney, deren Beth Greene ich zu jeder Sekunde abnehme, dass sie keinen Sinn mehr in dieser Welt für sich und ihre Familie sieht. Andrea, die eine ähnliche Tour durchgemacht hat, findet, dass man Beth diese Situation selbst lösen lassen muss – selbst wenn das heißt, dass sie sich am Ende umbringt. Die Diskussion bringt auch eine Feminismusdiskussion auf, so wirft Lori Andrea vor, sich zu sehr wie die Männer zu benehmen und sich nicht genug im Haushalt zu bemühen. Finde ich eine gute Sache. Dass sobald die Welt kaputt geht, das Rollenverständnis von Jäger und Sammler und Hüterin der Kinder und Köchin sofort wieder genutzt wird, musste mal angesprochen werden. Beth versucht sich umzubringen, merkt aber schnell, dass es ein Fehler war und sie doch leben will. Am Ende hat also Andrea recht, wird aber dem Hause verwiesen.
Nicht nur in Sachen Story zeigt die 10. Folge der zweiten Staffel, was The Walking Dead liefern kann, wenn die Leute dahinter wollen, sondern auch in kinematograpischer Hinsicht ist die Folge ein Genuss. Ernest Dickerson hat bereits in Bloodletting die wunderschöne Weite Georgias eingefangen und auch in 18 Miles Out bekommt man ein Gefühl für die Landschaft, wie schön sie einmal gewesen sein muss und wie die Natur den Zombies trotzt, als ob sie sagen würde: Nicht mit mir.
So wird das Bild eines vereinsamten Zombies, der verwirrt durch ein Feld wandert, zum Motiv der Folge. Shane, der nun auf dem Beifahrersitz verbleiben muss, wird weiterhin für Ärger sorgen. Er ist seit Otis emotional wie der Zombie, der durch das Feld wandert. Ohne klares Ziel oder Gedanken, immer nur auf die nächste Aufgabe bedacht. Die Episode war aber vor allem gut, weil sie so gestrafft und schnittig war. Nur zwei Plots, auf viele Figuren wurde verzichtet (danke!). Es wäre ein Modell für zukünftige Episoden. Aber ein Blick in die nächste Episode lässt schon Böses erahnen.
Vorher auf PEWPEWPEW:
The Walking Dead S02E01 – “What Lies Ahead”
The Walking Dead S02E02 – “Bloodletting”
The Walking Dead S02E03 – “Save the Last One”
The Walking Dead S02E04 – “Cherokee Rose”
The Walking Dead S02E05 – “Chupacabra”
The Walking Dead S02E06 – “Secrets”
The Walking Dead S02E07 – “Pretty Much Dead Already”
The Walking Dead S02E08 – ‘Nebraska’
The Walking Dead S02E09 – ‘Triggerfinger’
25 Feb, 2012 · Sascha · Fernsehen,Review · 0 comments

“He’s dangerous, Rick. And he won’t stop.”
Es geht also doch. Diese Episode war so ungefähr das, was man sich von einer idealen Folge wünscht. Action, Drama, Charaktersoap und Zombies – viele Zombies. Und dazu noch Splatter. Ohja!
Dave und Tony, die zwei Typen, die Rick erschossen hatte, waren also nicht alleine. Ihre Freunde suchen die Stadt ab und treffen auf Rick und Co., die sich in der Bar verstecken. Obwohl Rick sich für seine Taten entschuldigt (“Wrong place, wrong time!”) und um Frieden bittet, immerhin sei schon genug Blut geflossen, eröffnen die Anderen das Feuer. Das zieht auch schnell sehr viele Walker an und bald müssen alle flüchten. Einer der Anderen, den Hershel angeschossen hat, wird bei lebendigem Leibe gefressen. Ein Weiterer soll schnell vom Dach in das Fluchtauto kommen, springt herunter und scheint sich schwer verletzt zu haben – und wird von dem Dritten zurückgelassen.
Da sieht man mal, wie es in anderen Gruppen zugeht. Ich hoffe, dass diese Gegenteile noch weiter aufgezeigt werden, denn diese Unmenschlichkeit ist thematisch interessant und bisher noch nicht adressiert worden. Gerade in postapokalyptischen Szenarien ist sich doch Jeder selbst der Nächste und die sehr familiären Verhältnisse in Ricks Gruppe dürften die Ausnahme sein.
Währenddessen merkt man auf der Farm, dass Lori verschwunden ist. Shane will bis zum Morgen warten, um Rick und Co. zu retten, doch als er erfährt, dass Lori verschwunden ist, begibt er sich sofort auf sie Suche und wird auch schnell fündig. Lori hatte vorher einen Walker, der sich durch ihre Windschutzscheibe bohrte, erlegt und irrt schockiert durch die Gegend. Später kommen auch Rick und Co. wieder zurück zur Far – mit Rendall im Gepäck, dem Jungen, der vom Dach sprang und sich das Bein am Zaun aufspießte. Das bringt natürlich wieder Spannungen zwischen Rick und Shane, immerhin stellt Rendall und die Gruppe, zu der er gehört, eine große Gefahr für alle dar.
Shane steht jedoch immer mehr auf verlorenem Posten. Ja, er hat noch T-Dog und Andrea, aber das war es auch. Hershel ist seit der “Barnpocalypse”, wie sie in Producerkreisen genannt wird, ganz und gar Ricks Vaterfigur und neuer bester Freund. Schöne Entwicklung, denn Dale würde momentan in der Serie noch nicht funktionieren (Dale ist Ricks Vaterfigur im Comic). Das Interessante der Episode ist insgesamt aber wohl das Ende, denn Lori wird zur Lady Macbeth und trichtert Rick ein, dass Shane getötet werden muss. Okay, Shane ist kein guter Kerl und er ist seit Otis komisch, aber dass Dale von “komisch sein” sein auf “Oh mein Gott, er hat Otis geopfert!” kommt, dazu ohne konkrete Beweise, ist blöd gemacht. Und auch wenn Shane denkt, dass es sein Baby ist und er Rick verdrängen könnte, muss er nicht getötet werden. Es ist eine interessante Drehung der Ereignisse im Comic und dürfte viel Drama bringen, aber ob ich das alles so gut finde, weiß ich noch nicht. Es heißt wie immer: Abwarten.
Vorher auf PEWPEWPEW:
The Walking Dead S02E01 – “What Lies Ahead”
The Walking Dead S02E02 – “Bloodletting”
The Walking Dead S02E03 – “Save the Last One”
The Walking Dead S02E04 – “Cherokee Rose”
The Walking Dead S02E05 – “Chupacabra”
The Walking Dead S02E06 – “Secrets”
The Walking Dead S02E07 – “Pretty Much Dead Already”
The Walking Dead S02E08 – ‘Nebraska’
18 Feb, 2012 · Sascha · Fernsehen,Review · 6 comments

“I mean it. Off my land!”
BLAM. Wir beginnen genau da, wo wir aufgehört haben: Ricks Gnadenschuss für Sophia. Hershel ist kaputt. Als zerstörter Mann schlürft er mit Maggies Hilfe zurück zum Haus. Doch Shane lässt ihm das nicht durchgehen. Wie konnte es sein, dass Sophia all die Zeit in der Scheune war? Angeblich hatte niemand etwas davon gewusst, denn um die Walker kümmerte sich immer Otis – und der starb nun mal, bevor das Thema Sophia überhaupt auf den Tisch kam.
Es war ja klar, dass nach der intensiven letzten Folge diese Episode alles etwas ruhiger angehen lässt und den Charakteren Zeit gegeben wird zu reagieren. Fand ich auch alles recht gut gelöst. Es gibt eine Beerdigung, es gibt eine Konfrontation zwischen Dale und Shane, Daryl löst sich immer mehr von der Gruppe und Carols Wutausbruch fand ich rührend und sehr gut gespielt. Doch dann bekommt Hershels Tochter einen Schock und fällt um. Die Anderen suchen Hershel, doch der ist wohl schon lange weg, denn sie finden nur seinen Flachmann. Maggie erklärt, dass Hershel früher gerne einen zu viel trank und kurz vor ihrer Geburt damit aufhörte. Er muss wohl in die nahegelegene Stadt abgehauen sein und sich in der dortigen Bar betrinken.
Ist dann auch so, wie Glenn und Rick schnell herausfinden. Und das war dann auch schon die gesamte Episode. Nichts ist wirklich passiert. Bis auf die letzten 10 Minuten in denen plötzlich ein Daryl-Verschnitt und ein richtig dicker Typ in die Bar marschieren und mit unseren Helden einen trinken wollen. Natürlich merken die schnell, dass Rick, Glenn und Hershel gut gekleidet, sauber und nicht ausgerüstet sind und schließen daraus, dass sie ein Camp hier in der Nähe haben, ja vielleicht leben sie sogar auf einer Farm. Es werden kurze Geschichten ausgetauscht. Die Zwei gehören zu einer größeren Gruppe, nicht weit von hier, und sie könnten jede Hilfe und Unterkunft gebrauchen. Das geht aber nicht, meint Rick. Es kommt zum Showdown und bevor unsere zwei Kumpel überhaupt reagieren können, hat Rick sie umgepustet. Cooler Moment – ich hätte das Gleiche getan. Die Typen waren gefährlich.
Zwischenzeitlich ist Lori alleine mit einem der Autos weggefahren um Rick und Hershel zu holen. Von der Karte abgelenkt, sieht sie nicht den Walker vor sich, fährt ihn um und verunglückt mit dem Auto. Ich sag’s euch. DIESE FRAU!!!! So wie ich das immer verstanden habe, kann die Stadt keine 15 Minuten von der Farm entfernt sein und Rick und Glenn müssen vielleicht gerade mal so eine halbe Stunde weg sein. Ich meine, ja, Hershels Tochter hat einen Schock, aber alleine losfahren, weil die Drei innerhalb von einer Stunde noch nicht zurück sind? AHHHH! Diese Frau macht mich so wütend – bzw sind es die Autoren, die hier einen ultra blöden Plotpoint erzwingen.
Und während ich das ziemlich blöd finde, mag ich das Vorziehen des möglichen Governor / Woodbury Plots. Ich bin mir sicher, dass wir den Governor noch nicht zu sehen bekommen und ohnehin auch erst, wenn wir beim Gefängnis sind – was in Staffel 3 passieren wird, wenn man mich fragt -, aber eine Gruppe als Antagonisten neben den Zombies könnte unseren Helden einen Grund geben von der Farm zu flüchten und es würde mehr Action geben gegen Ende der Staffel. Als Vertriebene würden sie dann das Gefängnis finden. Würde ich gut finden, wenn das passiert.
Vorher auf PEWPEWPEW:
The Walking Dead S02E01 – “What Lies Ahead”
The Walking Dead S02E02 – “Bloodletting”
The Walking Dead S02E03 – “Save the Last One”
The Walking Dead S02E04 – “Cherokee Rose”
The Walking Dead S02E05 – “Chupacabra”
The Walking Dead S02E06 – “Secrets”
The Walking Dead S02E07 – “Pretty Much Dead Already”
12 Jan, 2012 · Sascha · Film,Review · 2 comments

Deutschland 2011
Regie: Robert Wilde
Drehbuch: Christian Ulmen, Johannes Boss
Darsteller: Christian Ulmen
Länge: 106 Minuten
FSK: Meine Empfehlung: 18+
Start: 5. Januar 2012
Stell dir vor es ist Schule und du musst wied er
hin. Nicht umsonst habe ich bei der FSK meine Empfehlung auf 18+ gesetzt, denn: Spaß haben, wird an diesem Ulmen-Klamauk nur derjenige, der nicht mehr in der Schule ist. Die Tagline spricht keinen Schüler an, sondern Absolventen und Menschen, die Schule lange hinter sich haben und mit einem nostalgischen oder ängstlichen Blick zurückblicken.
Jonas ist 18 und schon mehrmals sitzen geblieben, aber der Realschulabschluss muss sein. Deshalb geht er wieder an die Gesamtschule, um eine 4-wöchige Gnadensphase zu absolvieren, an deren Ende über sein weiteres Schicksal entschieden wird. Doch niemand weiß, dass Jonas in Wahrheit Christan Ulmen ist, der in dieser Rolle erneut sein Wandlungs-, Schauspiel- und Improvisationstalent beweisen darf, das man neben ganz wenigen Größen in Deutschland wie Kalkofe oder Helge Schneider, der auch einen 1A Song zum Film beisteuert, in Deutschland schmerzlich vermisst.
Der erste Eindruck raubt einem nahezu den Atem, wenn man bedenkt, wie Ulmen sonst aussieht und vor allem wie alt er in Wahrheit ist. Die Crew von ‘Jonas’ hat es geschafft, das Aussehen eines 36-jährigen Mannes glaubhaft zu halbieren. Christian Ulmens Semantik und Aussehen ist die eines aufrichtigen und herzerwärmenden Slackers. Das alleine rückt Jonas schon in eine realistische Position. Dass alle Situationen im Schulalltag gefilmt wurden und durch und durch echt sind, tun ihr Übrigens zur Atmosphäre.
Genau wie Jonas verfängt man sich als Zuschauer wieder in den Ängsten und der Unsicherheit des Schulalltags, der in seiner martialischen Realität dargestellt wird. Da sinniert der Chemielehrer über die Zukunft der Gesellschaft basierend auf einem schlechten Resultat eines Tests und hier diskutieren sich schlecht behandelt fühlende Schüler lautstark mit der Lehrerin. Über größere Teile des Films nimmt sich Ulmen ganz zurück und der Film durchdringt seinen semi-dokumentaren Stil um ein volles, ehrliches Dokumentarbild der Schule zu geben.
Ulmen darf hingegen in einzelnen Momenten und Interaktionen brillieren, während der Plot um die Schulband dem Haufen von Momentaufnahmen einen roten Faden verleiht. Ob Ulmen als Jonas seine Liebe der Musiklehrerin im Klassenzimmer bei Kerzenschein gesteht, er mit dem Schulleiter über seinen Abschluss feilschen und ihn später bestechen will oder vom Mathelehrer an der Tafel blamiert wird, Ulmens Jonas ist stets sympathisch, lustig und vor allem ehrlich.
Und das hebt ‘Jonas’ über die Summe seiner Teile hinaus. Ja, Schule kann angsteinflößend und schwer sein, verunsichern und orientierungslos machen. Aber am Ende bietet die Schule auch die einmalige Möglichkeit um schöne Erfahrungen zu sammeln, die man sein Leben lang behält und an die man gerne zurückdenkt. Es ist genau dieses Bild der Schule, das einen mit einem positiven Gefühl aus dem Kino gehen lässt.
8/10
09 Jan, 2012 · Sascha · Film,Review · 3 comments

USA, Kanada 2011
Originaltitel: Immortals
Regie: Tarsem Singh
Drehbuch: Vlas Parlapanides, Charley Parlapanides
Darsteller: Henry Cavill, Stephen Dorff, John Hurt, Frieda Pinto und Mickey Rourke
Länge: 110 Minuten
FSK: ab 16
Start: 11. November 2011
Die Götter und die Titanen führen Krieg, die Götter gewinnen und da spielt noch ein epischer Bogen eine wichtige Rolle und Mickey Rourke ist sehr böse und will alles vernichten. Das ist alles, was man wissen muss. Die nächsten 110 Minuten bestehen teilweise aus Fremdscham auslösenden Dialogen, unglaublich lächerlichen Plot Points und überaus hübscher, obgleich auch umso brutaleren Kampfszenen. Fans wird der Film im Gegensatz zu seinem großen Vorbild ’300′ nicht finden, obwohl doch damit geworben wird, dass hinter beiden Filmen die gleichen Produzenten stecken. Merke: Wenn mit Produzenten geworben wird, ist das immer ein ganz schlechtes Zeichen.
Henry Cavill, Zack Synders neuer Superman, macht seine Sache als Publikumssympathisant gut, Stephen Dorff ist ganz ansehnlich, wieso Frieda Pinto solche Rollenangebote bekommt, weiß ich nicht und John Hurt war einen Tag auf dem Set um ein bisschen Kohle abzustauben. Hey, a man’s gotta eat! Der Einzige, der wohl verstanden hat, wo er ist und was er tut, ist Mickey Rourke, der sichtbar Gefallen an seinem ultrafiesen Bösewicht hat, auch wenn dessen Motivation für den Krieg, außer, dass er ziemlich fies ist, im Dunkeln bleibt.
Das postkonvertierte 3D ist ebenso unnötig wie lächerlich. In Dialogszenen nehme ich immer gerne mal die Brille ab um zu checken, wie das ohne aussieht und siehe da: ohne Probleme und Kopfschmerzen so anschaubar, kaum ein Unterschied zu 2D – wobei: mit Brille gibt es natürlich ein dunkleres Bild. Das einzige wirklich Interessante am Film sind die Kampfszenen an denen die Götter beteiligt sind, die in wunderschönen Medium Shots den Titanen mit martialischer Gewalt in Slow Motion die Köpfe zerhauen.
Schließlich muss man jedoch feststellen, dass ‘Krieg der Götter’ zwar teilweise wunderschön, aber insgesamt völlig belanglos ist. Es ist kein wirklich dummer Film, aber man wird als Zuschauer zu keiner Sekunde auch nur annähernd gefordert. Die Charaktere sind eindimensional und langweilig geschrieben, das Drehbuch haut nach allen Regeln der Kunst Klischees auf die Leinwand und der Ausgang der Geschichte ist einem letztendlich egal, da man nie ein Gefühl für das bekommt, was hier eigentlich auf dem Spiel steht – außer dem Leben der Figuren, das einem ohnehin verdammt egal ist. Wenn Theseus und die Helenen am Ende die Mauer verteidigen müssen, dann ist das nichts im Vergleich zu Aragorn und ein paar tapferen Männern, die Frauen und Kinder vor Urukai in Helms Klamm schützen, weil man eben jene, die Schutz bedürfen, auch mal zu sehen bekommt – es gibt echt Opfer, kein hyperstilisierter Firlefanz.
Wem ein paar wirklich gut chorepraphierte und wunderschön geschossene, aber schlecht geschnittene Kampfszenen 11€ wert sind, der wird von ‘Krieg der Götter’ nicht enttäuscht werden. Für alle Anderen: Krieg der Götter darf gerne übersprungen werden. Dies ist nicht 300.
4/10
10 Dec, 2011 · Sascha · Fernsehen,Review · 3 comments

“It’s been a long time since the cameras stop rolling.”
Normalerweise war ich ja mit diesen Recaps ziemlich pünktlich und schnell, doch bei diesem Mid-Season-Finale habe ich eine ganze Woche gebraucht und ich habe immer noch nicht wirklich völlig meine Gedanken sortieren können. Ich habe eigentlich keine endgültige Meinung – bis heute. Ich habe Reviews gelesen, mich mit Freunden unterhalten und sogar Podcasts (The Talking Dead, ich will auch sowas machen >.<) gehört, aber ich kann mir keine klare Meinung bilden. War die Folge gut? Ja, super sogar. Was ist also dein Problem, Sascha? Nun, ich weiß nicht, ob mir das Ganze gefällt. Aber es war doch gut! Ja, aber das sind zwei verschiedene Sachen, oder?
Ich bin kein wilder Verfechter von Quellenmaterial. So liebe ich zum Beispiel sowohl Richard Mathesons Roman als auch die Verfilmung von ‘I Am Legend’. Und besonders wenn der Schöpfer selbst bei der Adaption beteiligt ist, dann ist das immer ein gutes Zeichen – für Fans und Qualität. Und richtig beschweren kann und möchte ich mich auch nicht, das wäre völlig fehl am Platz. Die Qualität ist gut, das drastisch gesunkene Budget merkt man der Serie (wohl dank der Farmlocation) nicht an und visuell und thematisch ist das alles äußerst ansprechend.
Was mich minimalst diese Woche auch störte, war das Pacing. Nach dem intensiven Pre-Credits Streit schneidet man einfach zu Shane, wie er die Scheune bewacht. Rick will zunächst mit Hershel reden, okay. Es ist alles irgendwie verkehrt herum wie im Comic vom Pacing her (Dort kamen Diskussionen vom Verlassen der Farm sobald sich Carl erholt hat erst nach dem Ausbruch(!) der Zombies aus der Scheune und nach dem Tod lebender(!) Familienmitglieder der Greene Familie), aber es funktioniert. Der Stand-Off von Dale und Shane im Wald war genial und vollendet die Wandlung Shanes in dieser ersten Hälfte der Staffel zum ultimativen Bösewicht der Serie – und zugleich ist er der interessante Charakter. Bin froh, dass er noch dabei ist, kann man nicht oft genug sagen.
Natürlich gipfelt alles, als sich Rick an Hershels Lebensform anpassen will und mit den eingefangenen Zombies zurückkehrt. Shane dreht durch und öffnet die Scheune. Ab hier zahlt sich die Exposition aus, das Pay-Off hier funktioniert ohne Worte, wir haben unsere Charaktere langsam aufgebaut bekommen und wissen, welche innere Konflikte sie austragen. Und nun müssen sie sich entscheiden. Und das alles funktioniert wunderbar auf visueller Ebene ohne Worte. Der Wide-Shot zeigt die Dynamik innerhalb der Gruppe – und Rick in der Mitte. Er muss sich als Anführer sowohl um Shane am ganz rechten Rand als auch um Carol sorgen, doch die Situation gleitet ihm aus der Hand. Shane wird zum Anführer und Hershell bricht zusammen, als seine Freunde und Familie erneut sterben müssen.
Und dann natürlich der große Knall: Sophia kommt als letzte aus der Scheune raus – als Zombie. Diejenigen, die vorher noch problemlos Hershels Angehörige umnieteten, zögern. Das sind die harten Entscheidungen, die nur Rick machen kann. Er tritt vor, seinen Status wieder ergriffen. Ein Schuss – und wir sind in der Pause. Meine direkte Reaktion war euphorisch und ich fand die Folge insgesamt wunderbar.
Doch mein Problem ist, dass Sophia eigentlich noch lebt. Und sie ist ein Charakter, der mir sehr am Herzen liegt. In den Comics sind Carl und Sophia sozusagen zusammen und ich finde das süß und alles und ja… Die Autoren schätzen die Schicksale der Charaktere wohl interessanter ein als die Handlungsorte (berechtigterweise), weshalb man wohl eher letzteren treu bleibt und hier den Comics folgt und eher im Bezug auf Charaktere etwas Neues wagt. Genau das finde ich momentan super interessant, aber auch sehr gewöhnungsbedürftig.
Ich möchte nicht immer der Typ sein, der sich lauthals beklagt, dass sich die Serie vom Comic löst oder, dass etwas nicht so ist wie im Comic. Es inzwischen einfach Fakt, dass The Walking Dead schlicht in ein anderes, eigenes Serienuniversum umgezogen ist und das kapiere ich nur sehr langsam. Ich komme nach und finde es dann genau so toll wie ihr alle, gebt mir noch ein wenig Zeit, ja?
Vorher auf PEWPEWPEW:
The Walking Dead S02E01 – “What Lies Ahead”
The Walking Dead S02E02 – “Bloodletting”
The Walking Dead S02E03 – “Save the Last One”
The Walking Dead S02E04 – “Cherokee Rose”
The Walking Dead S02E05 – “Chupacabra”
The Walking Dead S02E06 – “Secrets”
03 Dec, 2011 · Sascha · Fernsehen,Review · 0 comments

“Everything’s food for something else.”
Ich sage das ja fast nahezu jede Woche seit ein paar Folgen, aber damn, das ist bisher meine Lieblingsfolge. Der Titel der Episode, “Secrets”, hat nicht zu viel versprochen und trotz des vielen Setups für den großen Bang im Mid-Season-Finale in der nächsten Folge passiert einiges. Zunächst einmal erfährt Dale von Glenn über Loris Schwangerschaft und die Walker in der Scheune. Glenn wurde hier für meinen Geschmack in seiner Unbeholfenheit zu stark überzeichnet, er wirkte fast comichaft, aber naja: das Geheimnis ist raus. Und Dale konfrontiert auch Hershel direkt und wir lernen erneut, dass Hershels Bild der Realität durch sein abseitiges Leben auf der Farm verzerrt wurde und die Zombies in der Scheune, seine Frau, Stiefsohn, Nachbarn, etc. seiner Ansicht noch geheilt werden können.
Seine Tochter Maggie teilt diese Ansicht – bis Glenn und sie erneut zu der Apotheke im Nachbarort reiten und sie dort von einem Lurker angegriffen wird. Irgendwie komische Szene, denn eigentlich ist die Apotheke ja abgeschlossen und der Lurker stand direkt auf der anderen Seite des Regals und man hätte ihn sehen müssen und und und – aber das ist egal, denn es ist ein wichtiger Moment, in dem Maggie umgestimmt wird. Sie teilt nun die Meinung von Glenn und den Anderen, dass Zombies keine Menschen mehr sind – wow, way to go, girl.
Auf einen vollkommen realistischen Ansatz wurde auch bei der Weiterentwicklung von Andreas Charakter verzichtet. Klar, Andrea ist die Scharfschützin/Waffenbadass der Gruppe im Comic und ihre Entwicklung ist bis auf die Geschichte mit Dale ziemlich nahe am Comic umgesetzt, aber niemand lernt so schnell – in den wenigen Tagen, in denen sie auf der Farm sind – so gut zu schießen. Aber damit kann ich leben, es ist immerhin noch Fernsehen und Fiktion.
Außerdem war es einfach ein genialer Moment voller Awesomeness und es gab Zombies. Daher will ich hier nicht meckern. Jedoch muss ich meckern im Bezug auf die Haussiedlung allgemein: Waren das jetzt die Wiltshire Estates? Kommt da noch was? Denn wenn sie jetzt wieder eine anfänglich leer stehende Häusersiedlung antreffen und dann wieder Walkers plötzlich von überall auftauchen, wäre das irgendwie redundant.
Zwischendurch poppt Shane noch mit Andrea, Dale kriegt davon Wind, wie von allem, weil er Dale FUCKING Horvath ist und konfrontiert ihn. Dale erinnert Shane daran, dass er weiß, was für ein Typ: Einer, der auf seinen besten Freund mit einer Waffe zielt und bereit wäre abzudrücken. Shane belächelt Dale und meint, dass, wenn er wirklich so ein Typ wäre, er wohl mit Leuten, die ihm am Arsch vorbeigehen wie Dale, noch kürzeren Prozess machen würde. Ich bin ganz ehrlich, das war cool. Shane entwickelte sich am meisten in dieser Staffel, wir haben Gründe ihn zu hassen, aber wir sind auch froh, wenn er bei der Gruppe ist, um sie zu beschützen, und allgemein ist er einfach ein unglaublich interessanter Charakter, der irgendwie noch lange nicht ausgespielt scheint. Inzwischen bin ich wirklich froh, dass die Serie hier dem Comic nicht folgt – auch wenn der Grundstein natürlich gelegt wurde: Shane bringt Carl das Schießen bei; also tötet später der Schüler den Meister/Lehrer… fände ich thematisch sehr toll.
Natürlich läuft aber gegen Ende alles darauf hinaus, dass Lori und Rick endlich mal Tabula Rasa machen. Lori würgte die Pillen wieder hoch und wird jetzt doch das Baby bekommen. Rick kommt damit ganz gut zurecht und auch, dass da etwas mit Shane war, kann er verkraften, denn Lori dachte, er wäre tot. Starke Szene, wunderschön gespielt und sie hat natürlich Implikationen für weitere Episoden aber auch das Geheimnis von Dr. Jenner aus dem CDC, das er Rick im Finale der letzten Season anvertraute. Es war also weder die Schwangerschaft noch Shanes versuchte Vergewaltigung / ehemalige Beziehung / romantische Tendenzen zu Lori (außer Rick weiß es, aber behält einen kühlen Kopf und schweigt, weil er Shane noch braucht, was ich aber nicht glaube. Rick hätte Shane längst konfrontiert und ihm “verziehen” bis er ihn nicht mehr braucht). Nein, ich glaube inzwischen, dass es wirklich so ist, wie ich es bereits sagte: Dr. Jenners Geheimnis (“Nothing we didn’t know already”) wird sein, dass der Virus bereits in ihnen allen ist – genau wie im Comic – und dass jeder, der stirbt, zum Zombie wird – no matter what. Das passt auch mit dem Titel der nächsten Woche zusammen, der da lautet: “Pretty much dead already”, which, quite frankly, they are.
Vorher auf PEWPEWPEW:
The Walking Dead S02E01 – “What Lies Ahead”
The Walking Dead S02E02 – “Bloodletting”
The Walking Dead S02E03 – “Save the Last One”
The Walking Dead S02E04 – “Cherokee Rose”
The Walking Dead S02E05 – “Chupacabra”
19 Nov, 2011 · Sascha · Fernsehen,Review · 0 comments
Diese Recap enthält relativ große Spoiler fü r den Comic.
Von Spoilern bzgl. der TV-Serie, also zu kommenden Folgen, bitte ich in den Kommentaren Abstand zu nehmen.

“You weren’t supposed to see this.”
Ich hatte es ja bereits letzte Woche vorausgesagt und wurde bereits diese Woche bestätigt: Die Scheune voller Zombies wird endlich enthüllt. Ich hatte zwar Episode 6 gesagt (spätestens), aber so wurde es eben diese Woche eingeführt und nächste Woche geht es los. Los ging es auch bereits schon zu Beginn der dies wöchigen Folge im ganz großen Stil mit einem Flashback auf einem Highway, wo Carol, Ed, Sophia, Carl, Lori und Shane im Stau stehen. Über ihnen sind plötzlich Kampfhubschrauber zu sehen (Hubschrauber werden langsam ein festes Motiv der Serie, oder?). Lori und Shane folgen ihnen um von einer Anhöhe aus zu sehen, dass das Militär Atlanta mit Napalm und Teppichbomben platt macht. Es gab zwar keine Anzeichen dafür im Piloten der Serie, aber Atlanta ist ja ganz groß. Trotz dieses eventuellen Faux-pas finde ich diese Szene unglaublich stark, da sie erstmals – sowohl für den Comic als auch die TV-Serie – zeigt, wie das Militär, stellvertretend für die Menschheit, im großen Stil zurückkämpft – und mit welch verzweifelten Maßnahmen. Sehr starke Szene.
Und stark geht es auch weiter mit der Episode. Erneut gehen verschiedene Teams wieder in den Wald nach Sophia suchen. Shane und Rick bilden ein Team und faseln über Shanes rasantes Liebesleben an der Highschool. Das Gespräch driftet jedoch zum gefühlt 100. Mal ab und Shane spielt sich erneut als Führer auf, der die harten Entscheidungen durchziehen kann, die Rick, wie z.B. die Suchaktionen nach Sophia abzubrechen, nicht treffen kann. Überhaupt Sophia: Die ganze Storyline zieht sich viel zu viel heraus als dass sie jetzt demnächst einfach so gefunden wird. Nein, Sophias Storyline war die erste, die in der zweiten Staffel aufkam und ihre Rückkehr wird wie ein Buchende für die zweite Staffel (oder jetzt die kommende Winterpause) wirken und eine neue Geschichte bzw. Charakter einführen (Daumen gedrückt halten für Michonne; inbesondere, da man Michonne bereits früher in der Serie eingeplant war).
Doch der große Fokus lag in dieser Folge auf Daryl, das war seine Episode. Daryl war schon mehrmals alleine im Wald unterwegs und diese Woche nahm er ein Pferd mit – ein schreckhaftes, sodass es sich von einer Schlange erschrecken lässt und Daryl abwirft, der daraufhin einen Hang hinunterfällt. Unten stürzt Daryl in eine Quelle und sein letzter Armbrustpfeil hat sich durch seine linke Hälfte gebohrt. Seine Versuche den Hang zu ersteigern scheitern und er fällt erneut hinunter und wird ohnmächtig. Plötzlich steht sein Bruder Merle vor ihm, doch wir erkennen nach einem kurzen Dialog (in dem Merle Daryl als Schwächling beschimpft), dass Merle nur Daryls Einbildung und Unterbewusstsein ist. In Wahrheit steht nämlich nicht sein Bruder vor ihm, sondern der dümmste Zombie der Welt, der – statt an Daryl – an dessen Stahlkappenschuhen herumknabbert. Meryl kann ihn mit einem Stock überwältigen, doch es kommt bereits ein Weiterer. Er zieht sich den Pfeil aus seinem Bauch heraus und erschießt den Walker. Fantastische Szene. Dennoch finde ich, dass man hier Michael Rookers Rückkehr als Merle, also, seiner wirklichen Rückkehr als wahrhafter Charakter, durch diese Quasi-Rückkehr als Einbildung einiges an “Wow” verloren hat. Finde ich schade irgendwie.
Daryl erklimmt daraufhin den Hang und auf den letzten Metern erscheint ihm wieder Merle, der ihn beschimpft und gleichzeitig zu höheren Leistungen anspornt. Merle sagt, dass Daryl doch gar nicht zu diesen Leute gehört und er sein eigenes Ding durchziehen sollte. Interessant hierbei ist natürlich, dass dies Daryl eigene Gedanken sind, die seinen inneren Identifikations- und Beziehungskonflikt widerspiegeln. Dann reicht ihm Merle die Hand und sagt: “Take your friend Rick’s hand.” Woah. Gänsehaut, denn ich erwartete Rick oben, doch er ist nicht da. Daryl ist immer noch alleine. Aber dieser Satz könnte natürlich auch zwielichtig sein: Wie wir wissen, verliert Rick seine Hand durch den Govenor – wird Daryl diese Rolle in der Serie übernehmen, nachdem er sich von der Gruppe getrennt hat? Die Beziehung zur Gruppe wurde sicherlich auch nicht durch Andreas Schuss auf ihn verbessert…Das wäre eine kontroverse Entscheidung, gerade bei dem Fanfavorite Daryl.
Apropos Andrea: Liebe Schreiber, nicht jeder Charakter braucht eine große Szene in jeder Folge. Besonders bereits charismatisch angeschlagene Charaktere brauchen mal etwas Ruhe. Andrea und Dale sind Fanlieblinge im Comic und brauchen nicht noch mehr Szenen, die sie noch nerviger machen. Dale soll Glenn seinen Spaß haben lassen und Andrea wird sich nach einer ruhigen Phase im Gefängnisplot ohnehin genug beweisen dürfen.
Alles in allem aber eine verdammt starke Episode. Erneut viele kleine Momente, deren Folgen alle in der nächsten Episode kulminieren werden, die “Secrets” heißt und laut der Beschreibung auf AMCs Homepage werden einige davon herauskommen: Wohl oder übel die Schwangerschaft Loris, die Zombies in der Scheune und was der General Rick im Finale der letzten Staffel gesagt hat – und nein, das ist nicht doppelt gemoppelt. Ich bin nämlich der Meinung, dass das nichts mit Shanes Vergewaltigungsversuch noch Loris Schwangerschaft auf sich hat. Wer sich an die Blutproben und deren Ergebnis (“Nothing we didn’t already know”), Ricks Monolog an Morgan in S02E01 erinnert (“He told me… ahh… not important”) und Ricks “Das-kann-ich-nicht-hinnehmen”-Einstellung, der wird mit mir übereinstimmen, dass das Geheimnis wohl oder übel die Namensgebung der Serie sein wird: Nämlich, dass sie bereits alle infiziert, es keine Hoffnung gibt und in Wahrheit sie selbst die “Walking Dead” sind.
Vorher auf PEWPEWPEW:
The Walking Dead S02E01 – “What Lies Ahead”
The Walking Dead S02E02 – “Bloodletting”
The Walking Dead S02E03 – “Save the Last One”
The Walking Dead S02E04 – “Cherokee Rose”
16 Nov, 2011 · Sascha · Film,Review · 5 comments

USA, Neuseeland 2011
Originaltitel: The Adventures of Tintin
Regie: Steven Spielberg
Drehbuch: Stephen Moffat, Edgar Wright & Joe Cornish
Darsteller: Jamie Bell, Andy Serkis, Daniel Craig, Simon Pegg und Nick Frost
Länge: 107 Minuten
FSK: ab 6 Jahre
Start: 27. Oktober 2011
Jahrelang haben Steven Spielberg und Peter Jackson an einer Verfilmung der “Tim und Struppi” Comic-Bücher von Hergé gearbeitet, sich Talente wie Edgar Wright und Joe Cornish zusätzlich zu Stephen Moffat an Bord geholt, die Charaktere fantastisch besetzt, Studiowechsel durchmachen und Tim umbesetzen müssen. Es ist dabei fast schon bemerkenswert, wie leichtfüßig und unbeschwert Tim und Struppi als Projekt dann doch daherkommt. Nichts ist zu spüren von all dem Stress der Produktion, der Film ist rasant, witzig, atemberaubend und eine Umsetzung, die man sich als Fan des Originals nur wünschen kann.
Das beginnt natürlich mit der Besetzung und Auswahl der Comics. Auch wenn es keine direkte Adaption ist, sondern eine Vermischung von drei Comics aus den 40ern, sind zumindest die Charaktere bis in die Poren genauestens umgesetzt. Die Animation ist nahezu perfekt und die Sorge um den “Uncanny Valley”-Effekt verflüchtigt sich nach wenigen Minuten. Dazu schaffen es die Schauspieler, insbesondere Andy Serkis als Kapitän Haddock, die Charaktere so zu beleben, wie man das aus Kindertagen noch in Erinnerung hat.
Das ist ein glücklicher Umstand, denn viel Zeit bleibt den Schauspieler nicht, ihren Charakteren prägnante Fassaden zu verleihen, denn das Drehbuch peitscht die Geschichte von einem Setpiece zum Anderen. Da befinden wir uns einmal im einer schönen belgischen Villa, dann auf Haddocks Schiff, dann im Mittelmeer, nur um dann mit einem Flugzeug in der Sahara abzustürzen. Von einem kurzen Flashback und genialst choregraphierten Kampf zweier Schiffe im offenen Ozean springt das Drehbuch zu einer der besten Szenen in CGI-Filmen überhaupt hin ins nasse Frankreich. Und all das in gerade einmal 107 Minuten.
Da schaffen es wenige Figuren, darunter auch leider Tim, nicht eindimensional zu wirken. Aber das kennen wir ja schon aus den Comics. Tim ist eher der Erzähler und Träger / Medium für die Geschichte, während Haddock der Charakter ist, mit dem und dessen Fehlern wir sympathisieren. Struppi ist ebenfalls toll und stiehlt jede Szene, in der er agieren darf. Darunter fällt auch jene Verfolgungsszene durch ein Dorf am Hang in Marokko, die atemberaubend inszeniert ist. Spielberg zeigt ganz ähnlich wie Brad Bird in der Verfolgungsszene von “The Incredibles”, dass es in Animationsfilmen keinerlei Beschränkungen für die Kamera gibt. Teilweise wirklich lange, fast schon im “Children of Men”-Stil von Alfonso verfolgt die Kamera Tim, Struppi, Haddock und den Roten Rackham durch das Dorf, das durch eine Wasserflut und einen Panzer langsam in sich zusammenfällt. Alleine für diese Szene lohnt sich das Kinoticket, besonders in 3D.
Spielbergs “Tim und Struppi” ist ein Animationsfilm, der an eine Achterbahnfahrt erinnert. Er baut langsam auf um dann ohne Rücksicht auf Verluste durchzubrettern bis zum Schluss. Das mag so manchen vielleicht zu schnell sein, aber am Ende muss man feststellen, dass man eine Menge Spaß hatte und am liebsten gleich sitzen bleiben würde für Runde zwei, die Peter Jackson dank erfolgreichen Einspielergebnissen nach ‘The Hobbit’ für 2014 inszenieren wird.
9/10

USA, Indien 2011
Regie: Shawn Levy
Drehbuch: John Gatins
Darsteller: Hugh Jackman, Evangeline Lilly, Dakota Goyo, Kevin Durand & Anthony Mackie
Länge: 127 Minuten
FSK: ab 12 Jahre
Start: 3. November 2011
Obwohl ‘Real Steel’ nach allen Regeln der Kunst ‘Rocky’ und ähnlichen Vorgängern folgt, ohne dabei selbst originell zu sein, kann ich trotz coolen Momente und einer Menge Spaß im letzten Drittel, dem Film nicht viel abgewinnen. Das beginnt schon kurz nach dem eher stimmungsvollen und passenden Opening, als Hugh Jackmans Roboter gegen einen Stier kämpft. Was erst letztes Jahr, nach Jahrhunderten der Tierquälerei, in Katalonien endlich verboten wurde, ist wohl im Bible Belt in 10 Jahren Alltag.
Aber man sollte der Geschichte Zeit geben, denn in der Mitte des zweiten Aktes haben weitere Impulse ein realitätsnahes und abschreckendes Amerika 2020 gezeichnet. In bankrott gegangen Zoos haben sich Gangs eingenistet, die illegale Kämpfe mit Robotern veranstalten, ganz dem großen Vorbild, der Robot Boxing League, nachempfunden. Laut Jackmans Charlie, einem ehemaligen Profiboxer, wollte die Gesellschaft immer mehr Blut und rohere Kämpfe sehen, bis man irgendwann ganz auf Roboter umstieg – ein perfektes Metallgemetzel bis zum Versagen des letzten Stromkreises.
Diese unterschwellige Thematik wird aber nur dieses eine Mal angesprochen und ansonsten nur sporadisch visuell aufgegriffen und vom Zuschauer gefunden, wenn er denn danach sucht. Was er natürlich nicht tut, denn das Zielpublikum ist jung und will Roboter kämpfen sehen. Davon gibt es natürlich eine Menge und das ist stets gut choreographiert und toll inszeniert, da ist der Film dem visuellen Jumpcut-Müllberg namens Transformers um Längen voraus. Aber das war’s dann auch schon an guten Impulsen.
Dafür gibt es einiges an negativen Aspekten. Der Fokus auf das Geld und der gesamte Plot um Kevin Durands Charakter hätten – insbesondere da dies ein Film ist, der auf Kinder abzielt – dramatisch heruntergespielt bzw.
weggelassen werden müssen. Weiterhin erzählt der Film die falsche Geschichte. Der Junge findet den Roboter und hat einige nette Momente mit ihm, die andeuten, dass unter der Hülle mehr abgeht als ein paar Prozesse. All dies wird komplett liegen gelassen, damit Jackmans Charakter gegen Ende seinem Sohn mit Schattenboxen helfen kann zu gewinnen.
Stattdessen hätte der Film aber bereits damit beginnen müssen, Jackmans Charlie nicht als kompletten Arsch zu charakterisieren. Charlie kämpft gegen Bullen, interessiert sich NULL(!) für sein Kind, verkauft es auch noch und ist nur auf Geld aus. Das ändert sich erst – und dann auch nur minimalst – als Atom, der Roboter des Jungen, Erfolg hat und Geld einspielt. Durch Jackmans Hilfe wird der Roboter besser. Nie wird die Beziehung zwischen Charlie und seinem Sohn vertieft, alles bleibt beim alten – bis auf den Erfolg der Roboter.
Hier hätte eine archetypische Mythenkreation mit einem klassischen Helden wesentlich besser funktioniert. Charlie ist am Boden und hat kein Glück. Trotz seiner finanziell schlechten Situation nimmt er seinen Jungen auf, der dann den Roboter findet. Zusammen arbeiten sie, um den Roboter zu verfeinern und zu trainieren und wachsen dadurch stärker zusammen. Am Ende darf ruhig das klischeebehaftete “Dad” statt “Charlie” fallen, das man im Film irgendwie vermisste. Als Atoms Steuerung zum Schluss defekt ist, übernimmt er selbst und das Produkt ihrer Vater-Sohn-Beziehung überkommt den Bösen. Das ist zwar jetzt nicht all zu weit vom eigentlichen Film entfernt; dennoch hätten diese wenigen Nuancen und Impulse einen wesentlich besseren Film abgegeben.
Alles in allen ist Shawn Levys ‘Real Steel’ einer dieser Filme nach denen man nach Hause geht und Roboter bauen will – wenn man 8 Jahre alt ist. Die Problematik erschließt sich aber eben nicht nur dadurch, dass ich inzwischen dreimal so alt bin, sondern dass der Film auch kein wirklich guter Kinderfilm ist und eben die falsche Geschichte erzählt.
6/10
13 Nov, 2011 · Sascha · Fernsehen,Review · 8 comments

“You’re a plain-spoken man.” – “I’m a father.”
Wow. Endlich. Das ist sie, die Folge, die die Maßstäbe setzen sollen. Zu mindestens in Sachen Drama und Ablauf.
Ich weiß, dass ich da wahrscheinlich ziemlich allein auf weiter Flur stehen werde, aber die Wartezeit zahlt sich endlich aus, die Figuren beginnen zu atmen, zu leben und wirken authentisch. Ich brauche keine Zombies (jeder, der sich jetzt schon über das Fehlen oder geringer Anzahl selbiger beschwert, soll mal spätere Handlungsorte abwarten) damit Spannung aufkommt – das hier ist genau das, was ich von The Walking Dead erwarte. Und ich sage euch auch warum.
Es ist das Abschließen von Geschichtssträngen bei gleichzeitiger Fortführung und Errichtung anderer. Die Serie mag noch so lahmarschig voranschreiten (immerhin sind nur grob 2 Wochen vergangen seit Rick aufgewacht ist, während im Comic bereits der Winter beim Erreichen der Farm Einzug gehalten hat), solange die Seitenstränge mindestens rudimentär abgeschlossen werden, ist das eine gute Sache. So sind endlich alle auf der Farm, Carl ist über den Berg, T-Dog ist geheilt und Otis bekam eine symbolische Bestattung. Lediglich Sophia ist immer noch verschwunden, was aber nicht nervt, sondern uns den vielleicht schönsten Moment der Serie, der weiterhin der Folge ihren Namen verleiht, zwischen Daryl und Carol schenkt. Weiterhin werden neue Plots eingeführt: Dürfen Rick und seine Gruppe auf der Farm bleiben und was genau verheimlicht Hershel auf seiner Farm? Beziehungen zwischen nahezu allen Charakteren werden weitergeführt und teilweise intensiv. Maggie und Glenns Beziehung beginnt aufzuflammen, Lauri will, dass Shane bleibt und ihre Schwangerschaft wird in die Serie eingeführt und natürlich gibt es noch ominöse Shots der Farm und Blicke zwischen Maggie und Hershel, die dem Normalzuschauer kaum auffallen dürften, den Fans des Originals wissende Hinweise gibt, die sagen wollen: We’ll get there.
Also ist alles gut im Zombieland? Wenn es nach mir geht, inzwischen ja. Das Farmgelände wird langsam eingeführt und man muss inzwischen sich einfach damit abfinden, dass man viele geliebte Setpieces und Charaktere erst in kommenden Staffeln zu sehen sein werden, die aber bei den momentanen Einschaltquoten als gesichert gelten dürften.
Die Serie hat ein ähnliches Maß an Exposition wie ‘Breaking Bad’. Erinnert sich jemand an die tollen Momente aus Episode 403? Nein. Aber jeder hat auch noch nach Wochen die finalen Momente der letzten Folgen vor dem Auge. Man darf nur hoffen, dass es bei The Walking Dead ähnlich verlaufen wird und die erste Staffel durch ihre kurze Episodenzahl nicht wirklich ihr Potential entfalten konnte. Spätestens ab Folge 6 herum wird man sich dem Scheunenmysterium nähern und dann kann man erst abschätzen, wohin es mit der Serie geht und ob am Ende endlich mal die Scheiße den Ventilator trifft, wie man im Englischen so schön sagt.
Vorher auf PEWPEWPEW:
The Walking Dead S02E03 – “Save the Last One”
The Walking Dead S02E02 – “Bloodletting”
The Walking Dead S02E01 – “What Lies Ahead”
12 Nov, 2011 · Sascha · Featured,Film,Review · 2 comments

USA, Kanada 2011
Regie: Gonzalo López-Gallego
Drehbuch: Brian Miller
Darsteller: Warren Christie, Lloyd Owen, Ryan Robbins
Länge: 86 Minuten
FSK: ab 16
Start: 13. Oktober 2011
Found Footage Filme brauchen einen Leap of Faith des Zuschauers um zu funktionieren. Ob es nun Dämonen in ‘Paranormal Activity’ sind, die Menschen heimsuchen, ein Seemonster, das in ‘Cloverfield’ Man hatt
an klein stampft, oder ob eine Gruppe von jungen Menschen sich in einem Wald verwirrt und unter mysteriösen Umständen in ‘Blair Witch Project’ sterben, das Found Footage Genre braucht einen Zuschauer mit dem richtigen Mindset um überhaupt seriös wahrgenommen zu werden. Daher wird der Zuschauer, der sich schon vorher im Klaren ist, was ihn erwartet, seinen Spaß finden, während uninformierte Kinobesucher, also der normale deutsche Kinogänger, womöglich seine Probleme haben wird, den Film in seiner Gänze zu genießen. Da ist Apollo 18 natürlich keine Ausnahme – mit einer geheimen Mondmission der NASA, Russen auf dem Mond und, oh, ja… Aliens.
Apollo 18 eröffnet daher auch mit einem für das Genre typischen Schriftzug, der uns weis machen will, dass dies wirklich total authentitsches, gefundenes Material der NASA ist. In seine Geschichte steigt der Film mit einem unnötigen Prolog auf der Erde. Wir lernen die Astronauten kennen und erfahren welche Missionsziele Apollo 18 verfolgt. Die Irrelevanz des Versuchs der ansätzlichen Charakterisierung der Figuren wird erst im späteren Teil des Films richtig schmerzhaft, wenn die Astronauten versuchen nach Hause zu kommen. Zu diesem Zeitpunkt bedürfen die Charaktere aber keinerlei innerer Motive mehr den Mond verlassen zu wollen, da um sie offenbar nicht mehr die einzigen Lebewesen auf dem Mond sind und somit externe, existenzielle Gründe größere Plottreiber den Film pushen.
Aber das ist alles halb so schlimm. Der Film vergeudet keine weitere seiner passenden 86 Minuten, ist strikt und rasend erzählt, und sein Low-Budget merkt man ihm keine Sekunde an. Wodurch Apollo 18 jedoch wirklich überzeugt, ist seine atmosphärische Dichte und Ausstattung. Die Bilder der über den Mond hüpfenden Astronauten sind so ins Kollektive Gedächtnis impregniert, dass man sehr schnell dank der so authentischen Cinematophie und Ausstattung im Film versinkt und die Geschehnisse im Film nicht mehr hinterfragt – das Hauptziel des Genres. Die Cinematographie ist allgemein äußerst überzeugend, insbesondere in den “Kratzer-Szenen” wird so interessant mit Licht, Dunkelheit und Jump Scares gespielt, sodass man sich wünscht, dass Apollo 18 mehr Außenszenen gehabt hätten.
Apollo 18 war ein Film, der auf PEWPEWPEW extensiv gecovert wurde in der Hoffnung, dass der Film ein Fanfavorite wird oder vielleicht am Ende nicht ganz enttäuschen würde, was er auch nicht völlig tut. Dennoch verbleibt ein bitter-leerer Nachgeschmack, dass hier nicht das gesamte Potential genutzt wurde, ohne aber wirklich genau aufzuzeigen, wo genau. Vielleicht erwartet man von einem solchen Film auch irgendwie eine tiefere Nachricht, die er natürlich nicht hat. Für Fans der Wissenschaftsfiktion ist dies zweifelsohne ein Film, den man schauen kann, aber eben nicht muss. Trotzdem dürfte die dichte Atmosphäre, die wirklich guten Außenszenen und die letzten, intensiven 10 Minuten des Films Fans des Found-Footage-Genres erfreuen.
7/10
Vorher auf PEWPEWPEW:
ROFL: NASA wants you to know that ‘Apollo 18? is a work of fiction
Finaler Trailer zu Apollo 18
Apollo 18 Trailer #2
Russisches Apollo 18 Poster
Apollo 18 – Trailer
Apollo 18 Teaser Poster
“Maybe this isn’t a world for children anymore.”
Es geht weiter und es ist immer noch kein Erzähltempo vorhanden. Stunde für Stunde, Schritt für Schritt wird penibel erzählt, fast ähnlich wie bei 24. Was ich in den ersten zwei Folgen als negativ sah, empfinde ich inzwischen gar nicht mehr so schlimm, denn es gibt einige positive Veränderungen, die das Tempo inzwischen rechtfertigen. So ist zum einen diese Folge weniger Rick-zentriert, was endlich anderen Figuren langersehnten Platz gibt sich zu entfalten. So kriegt auch mal Serienherz Glenn seit einer gefühlten Ewigkeit eine kurze Szene mit Maggie, die, das muss man zugeben, einfach perfekt besetzt ist.
Aber auch andere Figuren haben kleine Momente, die sie endlich besser definieren. Nahezu alle Gespräche drehen sich, wie könnte es anders sein, um den Tod. Ob Daryl von sich als verlorenem Kind im Wald, Andrea über ihren neu erwachenden Lebensmut, Maggie über Gott oder Dale über seine Schuldgefühle gegenüber Andrea erzählt – alles ist verdammt gut und wirkt natürlich. Höhepunkt ist die Diskussion von Lori und Rick, in der Lori vorschlägt, Carl einfach sterben zu lassen, um ihm das Leid und den Schrecken in dieser Welt zu ersparen, was ihrem Charakter eine ganz neue Facette verleiht.
Das langsame Erzähltempo hat noch eine weitere Facette: Realismus. Dadurch, dass jeder Schritt, jeder Akt selbst erledigt werden muss und den Charakteren nichts in die Hände fällt, wirkt alles sehr realistisch. Man hat sich entschieden teilweise tiefer zu gehen als der Comic, was inzwischen durchaus positiv zu bewerten ist. Doch dann wirft man dieses neu geschaffene Potential teilweise wieder über den Haufen.
Während sich letzte Woche das Gitter öffnete und Otis und Shane in der Falle saßen, beginnt diese Folge mit ihnen in einem Schulgang, rennend. Wie haben sie sich Zugang verschafft? Spielt keine Rolle. Später sind sie plötzlich auf einer Tribüne, 4 Meter hoch über dem Boden und die Zombies unter ihnen. Wie sind sie dorthin gelangt? Wird nicht erklärt. Dann müssen sie entkommen und Otis lenkt die Zombies ab, rennt zu einer Tür in die Umkleidekabine, sodass Shane sich aus einem Fenster schleichen und 6 Meter tief auf den Boden springen kann. Wieso rennen sie nicht beide in die Umkleidekabinen? Sowohl Otis als Shane verletzen sich bei ihren Sprüngen und müssen nachher von den – für meinen Geschmack ein bisschen zu schnellen Zombies – retten.
Danach trifft Shane alleine an der Farm mit den Medikamenten und Werkzeugen ein. Bereits aus der Eröffnungsszene wissen wir, dass Shane diese Episode überleben wird und sein verrückter Blick in den Spiegel lässt erahnen, dass etwas mit Otis passiert ist. Der Twist kommt am Ende der Episode kommt daher nicht überraschend. Ich halte ihn aber für nicht angebracht. Die Schreiberlinge meinen wohl, dass sie aus Shane einen gewissen Antagonisten machen müssen, damit sein eventueller Tod gerechtfertigt sein wird. Doch gerade das halte ich für gefährlich. Shane war in den Comics kein guter bester Freund, aber auch kein komplettes Arschloch. Ja, kurz vor seinem Tod drehte er durch und der Mord an ihm war wohl gerechtfertigt in dieser Situation, aber die Serie stilisiert ihn zu einem Superarschloch, das Menschenleben gegeneinander abwiegt. Das schafft Realismus, wirft aber das Vorbild irgendwo über den Haufen.
Aber vielleicht ist in dieser verkehrten Welt, in der Otis stirbt und Shane lebt, an der Zeit die Vergleiche mit dem Comic völlig über den Haufen zu werfen. Das finde ich schade, aber es befreit auch und gibt der Serie Luft zum Atmen. Mal sehen, was sie damit macht.
Vorher auf PEWPEWPEW:
The Walking Dead S02E02 – “Bloodletting”
The Walking Dead S02E01 – “What Lies Ahead”
“You are in way over your head, aren’t you?” – “M’am, aren’t we all?”
Dieses Zitat könnte nicht näher an der Realität der Serie liegen. Ich verstehe, dass die Serie ihren eigenen Weg gehen will und muss und es bei solchen Adaptionen einen gewissen Fohlenschutz geben sollte, gerade bei einer sich ernstnehmenden Zombie-Serie im amerikanischen Kabel-Fernsehen (Das kann man nicht oft genug sagen). Hinzu kommt, dass man sich dennoch immer unweigerlich an dem Vorbild messen lassen werden muss, da man nicht einen komplett eigenen Weg geht, sondern mal hier und da etwas weglässt, bei anderen Punkten etwas länger verharren will und hinzufügt oder komplett neue Sachen zeigen möchte.
Damit tut sich The Walking Dead keinen Gefallen. Die Serie fühlt sich schwer und langatmig an. Es mag sein, dass die Suche im Wald, das Herumirren und das Dehnen von vielen Szenen sinnbildlich für die Welt der Serie und die Gemüter der Figuren stehen soll, aber das kann auch einfach nur zu viel interpretiert sein und dem gekürzten Budget geschuldet sein (Und wenn hier das Geld für Rubicons zweite Staffel draufgeht, dann wäre das verdammt schade). Fakt ist aber, dass die Serie ihre besten Momente hat, wenn sie Kirkmans Vorlage folgt. Nicht umsonst sind sich Kritiker und Fans einig, dass die erste Folge – eine strikte Kopie (mit ganz wenigen, subtilen und guten Additionen (Morgans Frau, “I’m sorry this happened to you”) vom ersten Issue – mit Abstand die beste der Serie ist.
Mit einem Flashback zu Beginn versucht man Kontrast zur Thematik der Episode aufzubauen und der Figur Loris als auch dem Love-Triagle neue Dynamik zu geben, was aber bei mir nicht ankommt. Wir wissen bereits, dass bei Rick und Lori nicht alles perfekt war und Shane sich um sie kümmerte und wohl bereits schon länger neidisch auf Ricks Familienglück war. Carl wurde von einem gewissen Oties versehentlich angeschossen und verspricht Hilfe bei Dr. Hershel. Soweit, so adaptiert. Doch nun driften wir schon wieder ab. Carls Verletzung und Operation wird wesentlich ausgeweitet als im Vergleich zum Comic, womit wir ausgehen können, dass wir uns auf Hershels Farm für den größten Teil der Staffel aufhalten werden.
Das könnte ganz interessant werden, wären die Charaktere – bis auf Rick – nicht so unglaublich schlecht geschrieben im Vergleich zu ihren Vorlagen. Die Dialoge zwischen allen Personen wirken hölzern, Leben und echte Konflikte fehlen bis auf Rick völlig. Jede Figur scheint momentan problemlos austauschbar. In Abetracht, dass einige dieser Charaktere für eine verdammt lange Zeit bei uns bleiben werden, sollte man sich ganz schnell etwas ausdenken, wie man das verbessern kann. Die Farm bietet dazu beste Möglichkeiten.
Vielleicht liegt es daran, dass ich weiß, dass gewissen Figuren nichts passieren kann, während andere sehr wohl sterben werden, aber es kommt trotzdem nie wirkliche Spannung auf. Insbesondere wenn die Serie mit Logiklöchern und sehr dummen Aktionen daherkommt (Vielleicht nicht alle Lichter verschwenden und ein paar für die Flucht zur Ablenkung aufheben?), wenn der Comic so sehr auf Realismus pocht und Kirkmans Werk stets wasserdicht gegenüber Logiklöchern erscheint. Als positives Fazit bleibt jedoch, dass es “schöne” Bilder (Der Babysitz) als auch Momente gibt (Daryls “Shut up” ) und ich mehr sehen will – und das war gegen Ende der letzten Staffel eher nicht der Fall.
PS an Fans von AMCs Breaking Bad: Aufpassen, was Daryl da alles so in seinem Plastikverschluss hat. ;)
Vorher auf PEWPEWPEW:
The Walking Dead S02E01
24 Oct, 2011 · Sascha · Fernsehen,Review · 0 comments
“It’s all about slim chances now.”
Fast ein gesamtes Jahr mussten wir uns gedulden, doch das Warten hat ein Ende. Die zweite Staffel ‘The Walking Dead’ beginnt überzeugend – sowohl quotenmäßig als auch storytechnisch.
Ganze 7.3 Millionen Zuschauer sahen die erste 90-minütige Folge, was jeden Rekord in der Geschichte des US-Kabelfernsehs bricht und uns Fans wohl beruhigt, denn wir können ganz sicher mit einer dritten Staffel rechnen – und somit mit dem Gefängnis-/Govenorplot. Da freu ich mich in der Hose.
Die Story beginnt direkt nach der Explosion des CDCs im Finale der ersten Staffel. Erneut nimmt die Serie einen eigenen Weg und geht nicht nach Wiltshire, sondern auf einen Highway. Das widerspricht zwar Ricks Rat an Morgan (“Stay off the roads”), bringt aber dafür Drama. Denn die Gruppe begegnet viel früher als im Comic einer Horde, die den Highway – immerhin dann wie im Comic – entlang schlürft. Rick reagiert schnell und weist die Anderen an, sich unter den Autos zu verstecken. Sophia wird dabei attackiert und von zwei Walkern in den Wald verfolgt. Rick folgt ihr, gibt ihr Anweisung sich zu verstecken und zum RV zurückzukehren. Er lockt die zwei Verfolger weg von ihr und tötet sie im Nahkampf. Doch Sophia ist nicht aufzufinden und kam auch nicht am RV an.
Das interessante an einem Vergleich von Comic und Serie ist, dass manche Schauspieler immer noch nicht wirklich (bis auf wenige Ausnahmen) ihren Comicvorbildern ähneln (insbesondere Andrew Lincoln), aber allesamt ihre Sache sehr gut machen. Ihnen wird mehr die Chance gegeben sich zu entwickeln und echte Charaktere zu werden, statt bloße Archetypen zu spielen wie in der ersten Staffel. Die Gruppe wächst zusammen und sowohl der Zuschauer – als auch die Figuren selbst – lernen die Figuren hinter den Klischees kennen. Die Fassade fällt nach den ersten sechs Episoden, ganz wie nach den ersten 6 Issues, und das macht sie angreifbar. Insbesondere Rick, der nun endlich die harten Entscheidungen treffen muss – und verdammt, da kommen einige – und allen als Anführer oder Sündenbock dient, wie sie es gerade brauchen.
Die erste Episode war nicht der große Wurf, den so manche Fans erwarteten, unter anderem auch befeuert durch etwaige Kritiken im Netz. Es war eher das Niveau, das eine durchschnittliche Folge von The Walking Dead haben und über die zweite Staffel aufrechterhalten sollte. Sie hatte ihre Momente – besonders ein gutes Maß an Gore, denn das ist wichtig – und macht nichts falsch, ist aber auch nicht so total berauschend als dass man von einem Durchbruch der Serie sprechen kann. Es ist eher der erste Schritt in die richtige Richtung. Und das ist nach dem Abrutschen der ersten Staffel eine verdammt wichtige Nachricht nach nur einer Episode.
05 Oct, 2011 · Sascha · Comics,Review · 2 comments

Autor: Christophe Bec
Illustration: Christophe Bec, Alessandro Bocci & Stefano Raffaele
Verlag: Splitter
Erschienen: 10/2010
ISBN: 978-3-86869-252-5, Amazon, Splitter-Verlag
Seitenzahl: 48 Seiten
Altersempfehlung: ab 14 Jahre
Christophe Becs Reihe über Übernatürliche Phänomene um die Zahl 13 geht in eine vierte Runde. Nach den bereits erstklassigen 3 Vorgängern gerät dieser Band jedoch in einen gewissen Leerlauf, obgleich hohen Niveaus. Ist der vierte Band mit dem unheimlichen Titel “Prophezeiung” eine Exposition für die große Invasion im fünften Band, Sarkophag, oder ist er eine Füllerepisode, die den Stoff nur unnötig in die Länge streckt?
Story
Becs Stärke ist sein Spiel mit dem Unbekannten. Bereits in seinem Dreiteiler “Heiligtum”, ebenfalls im Splitter-Verlag erschienen, lässt er es gekonnt bis zur letzten Minute offen, ob das Unvorstellbare wirklich wahr sein könnte. In Prometheus gelingt es ihm den Leser noch mehr zu fesseln. Nicht nur das Mysterium an sich steht im Mittelpunkt, sondern vor allem seine Aktionen und vor allem deren Folgen für die Menschheit. Wie für Bec üblich beginnen wir mit einer Rückblende. Dieses Mal befinden wir uns auf der Titanic und erfahren, dass sie von einem unbekannten Schiff verfolgt wird. Aus Angst vor einem möglichen Angriff der Unbekannten fährt die Titanic trotz Warnungen von Eisbergen in der Region mit voller Kraft gen New York. Es kommt, wie wir alle wissen, zur Kollision.

Yup, das ist ein Alien im Spiegel. Also auch hier erfahren wir, dass sie ihre Finger im Spiel hatten und das mysteriöse Schiff entpuppt sich nicht als deutsches U-Boot, sondern als Raumgleiter der außerirdischen Verfolger. So interessant dieses Puzzle in der Story ist, so unwichtig ist es auch. Wir wissen bereits, dass die Aliens überall in der menschlichen Geschichte irgendwas zu tun hatten und das Auftauchen der Titanic in Band 1 sollte im Nachhinein als Andeutung reichen. Dass Bec trotz der nur wenigen 48 Seiten insgesamt stolze 8 davon für diese Nebengeschichte nutzt, ist in meinen Augen schade, denn die wären woanders besser aufgehoben.
Insgesamt macht das keinen großen Unterschied mehr. Es werden soviele Nebenstränge balanciert, dass wir in den gesamten 48 Seiten kein bisschen weiter kommen in der übergeordneten Geschichte. Bec ist so “all over the place” mit seiner Geschichte, dass wir vom 16.
Jahrhundert zu Prometheus und Herkules springen, vom Blauen Loch in der Karibik zu dem amerikanischen U-Boot im Dschungel, von FOX News zum Präsidenten, vom verstörten Astronauten zum verwirrten und investigierenden NASA-Mitarbeiter Jeff, der am nächsten dran ist, was man als Hauptcharakter und Identifikationsfigur bezeichnen könnte.
Charakterzeichnungen sind allgemein nicht Becs Stärke, eher Atmosphäre und Blockbustererzählung. Nicht ohne Grund also fühlt man sich bei Becs Panels an Roland Emmerich und Michael Bay erinnert – im guten Sinne. Immerhin schafft er es, dass die Militärs am Blauen Loch durch den Spiegel am Boden gehen und etwas entdecken, dass auf dem Cover und in anderen Visionen bereits angeteast wurde und somit die Story etwas voran bringt und in der Retrospektive einige Punkte schlüssiger wirken.

Illustration
Wie schon in Band 3 hat sich Christophe Bec Verstärkung ins Team geholt und die ist spürbar. Bec, Bocci und Raffaele haben allesamt einen so ähnlichen Stil, dass bei der normalen Leseerfahrung nur wirklich erfahrene Leser einen Unterschied merken dürften, der sich jedoch nicht qualitativ, sondern lediglich vom Stil her minimal zeigt. So merkt man, wenn Bec seine Vision so umsetzen kann, wie er es sich vorstellte und wenn die Panels eher lieblos von Raffaele und Bocci nebeneinander geklatscht wurden. Zu ihrer Verteidigung muss man aber sagen, dass dieser Band sehr dialoglastisch und es daher schwierig ist, wirklich originell zu sein und nicht nur Auftragsarbeit zu leisten.
Was mich jedoch ärgert sind diese kleinen Fehler. Wenn man schon FOX News, den mit Abstand schlimmsten Mainstreamsender in den USA, als seriöse Nachrichtensendung darstellt, dann sollte man doch wenigstens “News Corperation” richtig schreiben. Ebenso ist die Grammatik falsch, wenn Meldungen wie “The American government did not still give news about the disappearance of one of its nuclear submarines” über den Bildschirm flimmern. So etwas wirft einen einfach raus aus dem Lesefluss und ist ärgerlich und vermeidbar, aber genau wie die Kritik im Bezug auf die Verstärkung Kritik auf allerhöchstem Niveau. Die Panels sind allesamt wunderschön, mit kräftigen Farben und vereinter Vision gezeichnet.
An der Gesamtqualität des Comics lässt sich wieder nichts bemängelt. Wer schon einmal einen Band vom Splitter-Verlag in der Hand hatte, wird sich daran erinnert fühlen, welch besondere Qualität in die Verarbeitung geht. Das Hardcover ist robust und liegt gleichwohl gut in der Hand. Das Papier hat die perfekte Dicke und ist von höchster Qualität. Das Umblättern alleine ist ein Schmaus für jeden Fan von Hochwertigkeit.
Fazit
Band 4 aus der Prometheus-Reihe von Christophe Bec ist eine klassische Füllfolge auf hohem Niveau. Die vielen inzwischen erarbeitenden Storystränge wollen alle weitergeführt werden, was Seiten kostet, sich aber am Ende lohnen wird, denn es ergibt sich langsam das große Bild. Storystränge führen zusammen und beim Durchblättern der drei vorherigen Bände ergibt sich ein immer schlüssigeres Bild. Alleine gesehen ist dieser Band wenig berauschend, in der Storyline gesehen jedoch eine nötige Exposition und ein riesiger Teaser für das zweiteilige Finale in Band 5 und 6.
Wertung: 7/10