Meine Top Tracks aus 2016

14 Jan, 2017 · Sascha · Musik,Personal · 2 comments

Wenn mir Spotify schon so eine schöne Zusammenstellung meiner meistgespielten Songs aus dem letzten Jahr schenkt, kann ich die auch mit euch teilen. Hier geht es auf dem Blog ja eher selten um Musik, obwohl sie mich wie euch täglich begleitet. Daher kann man das ruhig schon mal hier posten. Dieser Beitrag gibt mir dazu noch die Chance, auf einen Artikel bei Deutschlandradio Kultur zu reagieren.

Redakteur Mike Herbstreuth geht der Frage nach, wieso die Streaming-Hits so eintönig sind und kommt zum Ergebnis, dass bei Spotify ebenso wie im Radio Titel mit Eintönigkeit gehört werden. Eben solche Titel, die man einfach so nebenher hören. Bei der Arbeit, beim Sport, beim Kochen oder beim Autofahren. Titel ohne große Wechsel, sie passen zu jeder Stimmung und zu jeder Zeit. Dass soll die Verweildauer erhöhen, so ergeben sich höhere Zuhörerzahlen und folglich mehr Geld. So weit, so unspektakulär. Das Ganze wird dann an Drakes Hit “One Dance” aufgehangen, dem meistgespielten Streamingtitel aller Zeiten.

Bei dieser Feststellung gehe ich sogar noch d’accord mit dem Artikel. Es gibt eine ganze Breite an Menschen, die nicht wirklich aktiv Musik suchen oder wirklich Interesse daran haben, die Bandbreite an Genres abzugrasen. Sie geben sich mit dem zufrieden, was in den Charts steht. Das spiegelt sich also auch in den Streamingcharts wider. Was mich jedoch stört, ist folgende Unterstellung am Ende:

Mit der fast grenzenlosen Verfügbarkeit von Musik durch das Internet war einst ein Traum verbunden: Von einer besseren Welt mit besserer, weil interessanterer Musik für alle. Es war halt doch nur ein Traum.

Da möchte ich so stark wie möglich dagegenhalten. Spotify Premium, den Streamingdienst meiner Wahl, umsorgt mich wöchentlich mit einem persönlich zugeschnittenen Remix von rund 30 Songs, die ich bisher noch nicht kannte. Man empfiehlt mir dazu Musik von Künstlern, die meinen meistgespielten Bands ähneln. Darüberhinaus stehen mir insgesamt sechs Mixtapes mit etlichen Songs zur Verfügung. Ich kann mir unter der Kategorie “Radio” einen Sender meiner neuen Lieblingsindieband aussuchen und dabei noch mehr Songs von ihr und Bands mit dem gleichen Feeling anhören. Im Browse-Menü stehen mir Playlists mit Überschriften wie “Sonne” oder “Konzentration” bereit. Ich weiß nicht, ob meine oben eingebettete Playlist diese Vielfalt widerspiegelt, aber ich habe mir alleine in diesem Jahr zehn Playlists gebaut, hauptsächlich bestehend aus Bands und Songs, die ich vor dem Jahresbeginn noch nicht kannte.

Ich weiß gar nicht mehr, wie ich vor Spotify Musik entdeckte. Wahrscheinlich bei Musikblogs oder unter YouTube-Playlisten? Jedenfalls hasse ich dieses Technologiebashing. Als ob Spotify daran Schuld wäre, dass die meisten Leute sich mit dem Mainstream zufriedengeben. Man kann sich sicherlich über den Algorithmus oder die Bezahlungspolitik dieser Streamingdienste streiten, aber der angesprochene Traum wurde für mich wahr. Wer suchet, der findet.

Riz Ahmed gehört zu meinen Lieblingsschauspielern. Es freute mich sehr, dass er nach einigen tollen Darstellungen in Four Lions, Dead Set oder The Reluctant Fundamentalist mit Nightcrawler endlich seinen großen Durchbruch feierte. Das ist zwei Jahre her, seitdem trafen bessere Angebote ein und 2016 war mit Rogue One, The Night Of, The OA und Jason Bourne das beste Jahr in seiner Karriere, wie er auch selbst verblüfft und demütig resümiert.

Was ich jedoch bisher nicht wusste, ist sein Engagement als Rapper in der Gruppe Swet Shop Boys und als Riz MC. Ansonsten nicht unbedingt meine Musik, aber sein persönlicher Hintergrund macht die Lyrics sehr spannend.

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Total verpasst, gerade per Glück mitbekommen und direkt gekauft: Mondos Sountrack LP für Darren Aronofskys The Fountain mit der Musik von Clint Mansell. Die künstlerische Gestaltung übernahm meine geliebte Illustratorin Nicole Gustafsson, deren Stil nicht besser zur Filmästhetik passen könnte.

The score for The Fountain was remastered for vinyl at AIR Studios London and features all new liner notes and an interview with composer Clint Mansell. The collectible packaging features mind meltingly gorgeous artwork from Nicole Gustafsson.

Tracklist
01. The Last Man
02. Holy Dread!
03. Tree Of Life
04. Stay With Me
05. Death Is A Disease
06. Xibalba
07. First Snow
08. Finish It
09. Death Is The Road To Awe
10. Together We Will Live Forever

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Große Liebe für Star Wars: Pew-Freund Owley bei einem Interview mit Giacchino

Die Umbrüche bei Rogue One: A Star Wars Story reißen nicht ab. Komponist und Oscar-Gewinner Michael Giacchino ersetzt Komponist und Oscar-Gewinner Alexandre Desplat. Erst einmal kein Problem, oder? Giacchino ist ein erstklassiger Komponist und wird seit Jahren als der inoffizielle Nachfolger/Erbe von John Williams gehandelt. Giacchino passt einfach zu Star Wars. Seine melodischen Kompositionen sind einprägsam, seine Musiktitel sind hilarious und er macht mit seinen klassischen Motiven großartige Momente noch größer. Nicht umsonst schrieb LOST-Schöpfer Damon Lindelof Sätze wie “Giacchino plays the momentousness of the moment” in sein Skript. Giacchino liefert ab.

Dass Giacchino den Score nun übernimmt, ist kein “Problem”. Es ist lediglich ein Symptom der Veränderungen an Rogue One, die jetzt Form annehmen. Wo Rauch ist, ist auch Feuer. Ich bin mir trotz der beschwichtigenden Pieces wie dem in der Disney-nahen Entertainment Weekly sicher, dass der ursprüngliche Pitch eines Kriegsfilms im Star Wars Universum nicht dem endgültigen Film entsprechen wird. Im Trailer sind viele Explosionen, Laser und PewPewPew zu sehen, aber muss eben nicht bedeuten, dass der Ton dem eines Kriegsfilms entsprechen wird. Auch in Marvels Civil War wurde viel gekämpft.

Alexandre Desplat ist nicht “dark and gritty™” und der Film muss diesem Blockbuster-Meme auch nicht folgen, um erfolgreich zu sein oder zu gefallen. Aber Rogue One ist ein Spin-off und versprach zumindest anders zu werden als der bisherige Space Opera Abenteuerfilm, von dem wir inzwischen sieben DVDs im Regal stehen haben. (weiterlesen…)

UHWAHAHAHAH!

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© Lakeshore Records

Paul Haslingers (Tangerine Dream) atmosphärische Synthwave-Musik ist das pochende Herz von AMCs Halt and Catch Fire, auch bekannt als die beste Serie, die niemand schaut. Gerade eine Serie, die so erfolgreich eine momentan gefeiertes und memefiziertes Jahrzehnt haargenau aufleben lässt und dazu sehr treffende Kommentare auf aktuelle Themen wie Internet, Privatsphäre und Innovation im Technologiezeitalter abgibt, müsste doch erfolgreicher sein. Ich verstehe es nicht. Ebenso unverständlich war es, dass AMC Paul Haslingers Score nicht veröffentlichte. Während die laufende dritte Staffel mit Blick auf die Zuschauerzahlen wohl die letzte der Serie sein wird, können wir uns immerhin jetzt über den Release der Musik freuen.

Halt and Catch Fire (Original Television Series Soundtrack) von Paul Haslinger ist ab sofort auf Spotify und iTunes erhältlich. Auf Birth. Movies. Death. gibt es weiterhin ein sehr schickes Interview mit Haslinger über sein bisheriges Werk, Tangerine Dream und natürlich die Arbeit für Halt and Catch Fire.

Ich bin ein Fan von Kanye Wests Musik und halte ihn, ganz unironisch, für einen hochtalentierten Künstler. Dass sich Werner Herzog, zweifellos einer der interessantesten Auteure des Kinos der letzten 40 Jahre, in der Konfrontation mit Wests Werk “Famous” ganz offen und gespannt zeigt, erwärmt mein Herz. Jen Yamato von The Daily Beast haben wir diese einmalige Internetsensation zu verdanken. Herzog geht sogar soweit, Kanye für sein Werk einen Platz in seiner Rogue Film School anzubieten. Hat er sich verdient. Und ich glaube sogar, die beiden hätten sich echt viel gegenseitig zu lehren und zu erzählen. Universe, please make this happen!

Jack Johnson steht für chillige Melodien und Surferästhetik. Seit 15 Jahren gehört er zu meinen Lieblingskünstlern und ich kann wahrscheinlich bei keinem anderen Musiker so viele Lieder fehlerlos mitsingen wie bei ihm.

Die Leidenschaft eines Fans sollte aber Grenzen haben. Nur, weil man etwas erkennt und sonst prinzipiell gut findet, sollte das nicht die Empfindsamkeit für geschmackliche Ausrutscher lähmen. Zu dem Urteil komme ich, nachdem ich den neuen Dokumentarfilm All At Once gesehen habe. Johnson war vor seiner Musikarriere professioneller Surfer und filmte während dieser Zeit seine Kollegen. Daraus entstand unter anderem der super chillige Film A Brokedown Melody, eine Mischung aus Musikvideo, Surferästhetik und Lebensweisheiten von Sunnyboys. Außerdem gibt es großartige Filme wie En Concert, die ihn auf einer Tour begleiten und nicht nur für die Ohren ein besonderer Schmaus sind.

All At Once ist aber nichts davon. Der Film ist viel zu kurz, um sich mit einem Thema wirklich tiefgehend zu beschäftigten und kann sich nicht entscheiden, was er will. All At Once springt von Konzerten über Gärten und Ackerbau zum grünen Alltag einer umweltfreundlichen Tour-Infrastruktur. All das ist prinzipiell interessant, aber so simpel und oberflächlich erklärt, dass sich der Inhalt binnen Sekunden offenbart. Insofern handelt es sich hier um die Verfilmung der Aufzählungspunkte auf der Rückseite eines Flyers. Auch visuell kann Tyler Mansons Dokumentarfilm wenig bieten. Die schönsten Shots lassen sich bereits im Trailer finden und er findet zu keinem Zeitpuntk spannende oder kreative Wege, um die Missionierung des Films zu verbergen.

While following Jack’s 2014 west coast tour, this film highlights the Johnson‘s Kokua Hawaii Foundation, the work of the All at Once campaign, and several key non-profit partners and businesses focusing on plastic free initiatives and sustainable local food systems. Additionally, the film highlights the unique way in which the Jack Johnson tour is run.

From traveling on biodiesel buses, to eating organic and locally sourced meals and carefully disposing of waste created along the way. The viewers will experience day-to-day life of touring and the band’s commitment to the environment every step of the way. The goal of the tour and this documentary is to inspire people to get involved, make the right choices, and enjoy the music along the way.

All At Once ist kein sehenswerter Dokumentarfilm, aber die Bewegung an sich ist ein unterstützenswertes Projekt, das Jack und Kollegen seit Jahren mit großer Leidenschaft verfolgen. Das ist zumindest im Film zweifellos zu erkennen.