© HBO

Nach dem Familienfest im Staffelauftakt widmet sich The Leftovers in der 2. Folge der 3. Staffel wieder nur einer Figur. Wir folgen der verlorenen Mutter Nora Durst auf einer Reise, deren gleichzeitig tragische und witzelnde Inszenierung noch einen weiteren Sprung nach oben für die Serie darstellt.

Als The Leftovers vor drei Jahren startete, fühlte ich mich gerade besonders empfänglich für den bierernsten Ton der Serie. Sie war nicht nur die neue, spannend klingende Serie von Lost-Schöpfer Damon Lindelof, auf die ich mich als Fan seines ikonischen ABC-Meisterwerks freute, sondern überraschenderweise auch extrem mitreißend. Mein seelisches Empfinden fand bei The Leftovers seinen Widerhall. Als die 2. Staffel dann mit einem neuen Intro begann und wesentlich spielerischer sowie experimentierfreudiger wurde (fast die gesamte 1. Episode der 2. Staffel verweigert uns eine Minute mit den Garveys sowie mit irgendwelchen bekannten Figuren oder Orten), setzte ein Lernprozess ein. The Leftovers kann Spaß machen? Und mit meinem eigenen Befinden gestaltete sich auch die Serie simultan häufig hoffnungsvoller. Auch wenn die Figuren zunehmend von ihren Plagen auf dem Boden der Tatsachen gehalten werden, entwickeln sich zumindest teilweise leichte Momente, die das Leben wieder positiver wirken lassen.

Das bringt uns nun in zweierlei Hinsicht zur neuen Folge. Zunächst einmal lassen Damon Lindelof und seine Autoren einen Running Gag der Serie in einem wundervollen Meta-Moment explodieren, der die Herzen aller Serienfans höher schlagen lässt und so mutig ist, dass dieser Schritt noch jahrelang im Gedächtnis bleiben wird. Dann lassen Lindelof und Tom Perrotta, Autor der Buchvorlage, diesen Gag aber zum emotionalen Höhepunkt der Folge wachsen.

Die sehr hübschen Übergänge von Regisseurin Mimi Leder im Staffelauftakt führten dazu, dass das Cold Open ohne Titelsequenz direkt in die restliche Folge mündete. Lange haben sich Fans Gedanken gemacht, wie The Leftovers das Spiel mit der Titelsequenz beenden würde. Nach den tragischen Klagen der Streicher von Komponist Max Richter und dem suburbanen Post-Departure Fresko in der 1. Staffel sowie dem lockerleichten Let The Mystery Be von Iris DeMent kommt zuletzt nun leider keine komplette Umgestaltung. Stattdessen ertönt das Perfect Strangers-Theme (in Deutschland als Ein Grieche erobert Chicago ausgestrahlt), passend zu Mark Linn-Bakers überraschendem Cameo. Linn-Baker, der in der beliebten Serie Larry Appleton mimte (und dessen Catchphrase “Don’t be ridiculous!” den dieswöchigen Episodentitel beisteuert), kehrt nach einem kleinen Auftritt in der 2. Staffel zurück. Bereits in der 1. Staffel wurde kurz erwähnt, dass die vier Hauptdarsteller der Serie alle verschwunden wären, was innerhalb des Leftovers-Universums zu einem neuen Fan-Interesse bzgl. der Serie führte. Später stellte sich heraus: Linn-Baker hat sein Verschwinden gefälscht, ähnlich wie Nora Durst wurde er von vier anderen, ihm nahestehenden Personen zurückgelassen.

Diese statistische Gemeinsamkeit ist aber nicht der einzige Fakt, der die beiden in dieser Folge zusammenführt. Ähnlich wie Nora Durst verlangt Mary Linn-Baker, der Zweifel an seiner Verfasstheit und Überzeugung entschlossen zurückweist, nach einem Gefühl der Kontrolle. Das wäre auch höchste Zeit. Wie die Folge nicht müde wird zu betonen, kann Nora kaum einen Aspekt in ihrem Leben unter Kontrolle halten. Sie kann weder die Gerüchte um den verstorbenen Mann auf der Säule in Jarden kleinhalten, noch kann sie die Maschinen auf ihrer Reise zur Kooperation zwingen. Dass man sich bei Flugreisen in die Hände von begabten Piloten und hoffentlich funktionierenden Flugzeugen begibt, braucht die Folge ohnehin nicht erst zu betonen.

Für Nora ist es leicht, Kontrolle zu ergreifen, wenn sie die Chance dazu hat. Sie schreitet ein, als Baby Lily – jetzt kein Baby mehr und mit anderem Namen wieder bei Mutter Christine (Annie Q.) – ein Schäufelchen gestohlen bekommt. Sie willigt schnell ein, als ihr die Einladung zu einem Treffen mit Linn-Baker und die spätere Reise nach Australien angeboten wird. Und sie öffnet die Schranke mit eigenen Händen – welch schönes Bild für den Rest der Leftovers-Staffel.

Denn diese Episode rückt Nora Durst beim Abbiegen auf die Zielgeraden völlig zu Recht ins Rampenlicht. Sie ist die Interessante der Serie. Womöglich haben wir bereits einige Figuren zum letzten Mal gesehen, einige scheinen ihren Platz (wie zum Beispiel die restliche Garvey-Familie) auch gefunden zu haben. Doch mit Kevin verbleibt uns ein tief gebrochener Mann, der jedoch auch – das zeigte uns The Garveys At Their Best sehr deutlich – bereits vor dem Sudden Departure mit einigen psychischen Problemen zu kämpfen hatte. Auch das Familienleben der Garveys war zerbrochen, ein Baby sollte das Patchwork zusammenhalten.

Dagegen wirkte Nora ähnlich geplagt, aber eher von alltäglichen Lasten. Ihr unbeschreiblicher Verlust, der sich durch die unerklärlichen Geschehnisse schlicht nicht verarbeiten lässt, macht sie zur interessantesten Figur der Serie. Ihr Bruder Matt, der mit ihr den Verlust der Eltern (und jetzt auch seiner neuen Familie) durchlitt, begab sich als Reaktion in die Hände Gottes. Er wartet. Seine Schwester dagegen gesteht keiner anderen Seele (ich erinnere auch an den Buchautor in der 1. Staffel in Guest) ein gleiches Recht auf Leid ein. Der Verlust definiert sie und sie lässt es auch gerne zu. Sie machte es buchstäblich zu ihrem Job, die verfälschten Vorgänge aufzuklären, um ihr singuläres Leid und das ihrer Leidensgenossen herauszustellen. Das ist stimmig, wie Erika (Regina King) uns bei ihrer Rückkehr erinnert: Sie konnte Evie beerdigen. Sie stellte sich nach dem Tod ihrer Tochter der Wahrheit – im Unterschied zu ihrem Mann – und ihr geht es inzwischen gut. Auch Johns Wohlbefinden würde er wohl selbst als positiv bezeichnen, obwohl seine Reaktion die Wahrheit leugnet. The Leftovers zeigte uns, was wirklich passierte, verurteilt die Leidenden in ihrer Reaktion aber nicht, sondern lässt die Menschen auf unterschiedliche Arten trauern.

Bei Noras Treffen mit Erika bestätigt sich darüberhinaus eine Vermutung der Ärzte: Frau Durst hat sich eigenständig den Arm gebrochen; um ein Wu-Tang Clan-Tattoo zu verstecken, das die Namen ihrer Kinder verdeckte. Als sie heimkehrt und Kevin bei seiner Plastiktütenroutine erwischt (die er vollzieht, um sich “lebendig”“ zu fühlen; nicht, um zu sterben), reagiert sie zunächst verständnisvoll. Quasi “Whatever helps, man”. Dann schlägt Kevin jedoch vor, ein neues Baby zu zeugen. Hier brechen bei Nora nun die Dämme. Sie verfällt in ein herzhaftes, befreiendes Lachen – denn sonst müsste sie weinen. Das Lachen ist zu lange, es schmerzt den verwirrten Kevin zutiefst und ist wohl trotzdem die richtige Entscheidung. Kevin und Nora mögen vielleicht zusammen ganz glücklich sein, doch die beiden sind für sich genommen zwei kaputte Menschen, die für den Rest ihres Lebens versuchen werden, sich wieder zusammenzuflicken. Ein Kind passt dort nicht ins Bild.

Diese Reaktion ist nur eine von Noras dunkleren Seiten, die The Leftovers immer wieder genüsslich hervorbringt. Carrie Coons schauspielerische Fähigkeiten und Noras Weg sind jedoch sympathisch genug, sodass die Serie und Nora die Zuschauer nie verlieren. Deshalb überrascht es nicht, als Nora die Bilder des toten Säulenmanns im Stadtzentrum plakatiert, der öffentlich als “verschwunden” gefeiert wird. Für diesen religiösen Quatsch hat sie keine Zeit. Es ist fies, nahezu ekelhaft. Aber sie kann nicht davon ab. Sie vermag vielleicht ihre eigene Situation nicht zu kontrollieren, doch zumindest anderem Bullshit kann die Luft genommen werden.

Genau deshalb ist der Anruf so interessant. Linn-Baker macht ihr nicht nur ein Angebot, sondern liefert auch Beweise. Wissenschaftler sollen seltene Strahlung (LADR = engl. Ladder = Treppe? Aha!) an Orten des Sudden Departures bestätigt haben. Mit Hilfe einer Maschine, die sich in Australien befindet, soll Nora diesen Spuren dorthin folgen können, wohin ihre Familien und 140 Millionen andere Menschen verschwanden. Völlig zurechnungsfähige Menschen schwören auf die Methode, ihre Bekundungen lässt Regisseur Keith Gordon meisterhaft zu einem Chor himmlischer Stimmen verschwimmen. Ein Ruf, dem man folgen sollte? Das wird sich herausstellen. Zumindest ist es ein Weg, dem sie folgen kann. Und wenn es nur darum geht, anderen das Spiel zu verderben.

Hier könnte die Episode enden, doch The Leftovers gönnt uns noch einen weiteren Epilog aus Down Under. Dieser weitaus längere Einblick in eine ungewisse Zeit mit zwielichtigen Gestalten stellt uns Polizeichef Kevin vor. Der australische Kevin ist ein wenig älter, etwas größer und graumelierter als unser Kevin, doch auch dieser Chief hat es nicht so sehr mit Tieren, seinen Kollegen oder determinierten Frauen aus dem Dorf, die ihre eigene Agenda verfolgen. The Leftovers liebt das Spiel mit den Bildern. Die vier Frauen, die sich Kevin vor dessen Haus gegenüberstellen, werden bewusst metaphysisch als die Apokalyptischen Reiter inszeniert. Später lässt die Serie – wie nahezu immer – das Pendel wieder in die andere Richtung schwingen. Die Frauen, angeführt von Grace, zeigen keine Gnade bei der Umsetzung ihrer wirren Idee: Sie haben nämlich Das Buch von Kevin gelesen und glauben, den heiligen Kevin aus den Jamison’schen Erzählungen gefunden zu haben. Prompt wird dieser dem Test unterzogen und sie müssen erkennen, dass sie den falschen Messias gefunden haben. Der Mann ertrinkt. Ähnlich wie für die adventistische Frau aus der letzten Woche muss dies aber noch nicht das Ende sein: Kevin Garvey Sr. (Scott Glenn) wandelt gerade mitten in der Nacht aus seinem Haus zum Wasserloch und scheint die Ladys zu kennen.

Zitat der Folge: “Everything that matters is up there in the cloud, right?”

– Die Autoren der Folge, Damon Lindelof und Tom Perrotta, wurden übrigens als Tha Lonely Donkey Kong & Specialist Contagious gelistet. Dies sind die offiziellen Namen, die der Wu-Tang Namengenerator ausspuckt. Ich möchte ab sofort bitte nur noch als Fearless Specialist bezeichnet werden.

– Die vier australischen Reiterinnen sind nicht die gleichen vier Frauen, die Kevin kurz vor dem Sudden Departure in Mapleton am Straßenrand begegneten. “Bist du bereit?”, fragten sie ihn damals und fuhren dann suchend weiter. Es wäre vielleicht ein Schritt zu weit für die Serie, die abseits des kosmischen Ereignisses fast immer für die Realität pulsiert – aber wie cool wäre es gewesen, wenn es die gleichen Frauen gewesen wären!?

– Max Richters Klavierversion des Perfect Strangers-Theme war das musikalische Highlight in einer ohnehin grandios unterlegten Folge.

– Dass die Reiterinnen aus dem Buch Kevins zitieren, bestätigt meine Vermutung aus der letzten Folge: Matt hat das bereits alles digitalisieren lassen und verbreitet die frohe Kunde weltweit.


© HBO

Damon Lindelofs meisterhafte Serie The Leftovers beginnt die 3. und finale Staffel mit einem überaus passenden Knall – in mehrfacher Hinsicht. Der Auftakt markiert den Anfang einer emotionalen Achterbahnfahrt mit Überraschungen und Wendungen, die aktuell ihresgleichen sucht.

Tränen laufen Kevin Garveys Wangen in The Leftovers hinunter, als er Homeward Bound singt und sich nichts mehr als eine Rückkehr zu seiner Familie wünscht. Ihm wird die Heimreise gewährt. Trotz der apokalyptischen Zustände in Jarden (of Eden), Texas, dem einzigen Ort auf der Welt, an dem niemand am Tag des Sudden Departures verschwand, lächelt der gequälte Mann überfreudig, als er seine Familie wohl und heil entdeckt. “I live here now”, wie er Meg im Besucherzentrum trotzig erwidert, ist eben nicht nur der Titel der Folge, sondern auch Ausdruck eines neues Lebensgefühls. Das Ende versprühte die Hoffnung, dass – egal wie chaotisch die Welt ist, egal wie abgefuckt man selbst ist – das Zuhause einen auffängt.

Dass dieses versöhnliche Ende nicht lange halten würde, überrascht Fans von The Leftovers wenig. Perfekt als Serienende konzipiert, diente das Finale aber nach der Verlängerung durch HBO auch als großartiger Auftakt für die 3. und letzte Staffel. Dass die Garveys auch drei Jahre später weiterhin so tun, als sei alles in Ordnung, überrascht dabei jedoch weniger als der Knall zum Beginn der Folge, als eine Drohne der Regierung die Guilty Remnant – inklusive Meg (Liv Tyler) und Evie – pulverisiert. Die Aktion ist gleichermaßen verabscheuungswürdig und aufklärend. Fast die gesamte 2. Staffel spielte sich nämlich im Miracle National Park ab; der Angriff war eine willkommener Callback zu dem brutalen Umgang mit Sekten und Zwischenfällen der 1. Staffel.

Drei Jahre später hängt die Welt immer noch (wieder?) am Abgrund. Zwei Wochen vor dem siebten Jahrestag des Sudden Departures versammelt Pfarrer Matt Jamison (Christopher Eccleston) etliche Gläubige um seine kleine Kirche. Nichts müsse am 14. Oktober passieren, sagt er, aber wenn, dann seien alle hier am richtigen Ort. Dass jedoch etwas passieren wird, gilt als gesichert. Über dem Kirchendach schreibt ein Pilot “Noch 13 Tage” in den Himmel, während der Wind am Boden Flyer mit der gleichen Botschaft umherweht.

Kevin (Justin Theroux), der nun als Polizeichef zusammen mit seiner Partnerin Nora (Carrie Coon) die Stadt schmeißt, hält den Stress aber gut aus. Sogar die Überraschungsparty für Stiefsohn Tom (nun auch Polizist) ist kein Problem für ihn. Seine Exfrau lebt ebenfalls in Jarden. Sie arbeitet und lebt zusammen mit John Murphy, dessen Frau (Regina King, ein Highlight der letzten Staffel) bis jetzt verschwunden bleibt, ebenso wie Baby Lilly. Vielleicht hängt ihr Schicksal zusammen?

Die 1. Episode ist als Rundgang durch die Stadt konzipiert und erinnert in groben Zügen an die Pilotfolge von The Leftovers. Zunächst gehen wir mit Kevin auf Streife: Zu seinen Aufgaben gehört, Besucher ins Stadtzentrum zu führen und grimmig zu schauen. Während früher Zucht und Ordnung Jarden zusammenhielten, versucht Kevin, die Hippies und Gläubigen nun mit einer neuen Lockerheit unter Kontrolle zu halten. Dies gelingt ihm auch, wobei jedoch nie ein gewisses Gefühl der Nervosität verloren geht. Die Bilder des Staffelendes sind noch zu frisch, als dass diese neue Führung über die dünne Deckung der Zivilisation hinwegtäuschen könnte.

Die Schwindeleien von John und Laurie toleriert Kevin, ebenso können die Gläubigen ihre Messe in Ruhe abhalten. Selbst einen Zwischenfall mit Protestanten kann er mit Eigeninitiative lösen, auch wenn er selbst seine Handlungen nicht mehr emotional registriert. In Wahrheit nämlich hat Kevin keinen wirklichen Fortschritt erzielen können, er läuft auf Autopilot. Während er nach außen Kontrolle und Ruhe ausstrahlen kann, muss es in ihm schrecklich zugehen. Am Morgen nach der perfekten Geburtstagsparty, zu der sogar Jill vom College kurz nach Hause kam, versucht Kevin sich nämlich umzubringen.

Die Frage des “Warum” ist hier nicht unbedingt zentral. Zumindest noch nicht. Vielleicht will Kevin zurück ins das Hotel im Jenseits. Womöglich versucht er Kontakt mit seinem Vater aufzunehmen. Am Ende versucht er auch sich selbst jedes Mal umzubringen – ohne Erfolg, weil Jarden ihn nicht lässt, wie später John und Matt betonen.

Wichtiger ist, dass er es tut. Der Ablauf scheint routiniert, schmerzt aber nach dem perfekt inszenierten Abend jedoch umso mehr. Schließlich ist es das erste Mal, dass wir ihm bei der Prozedur zusehen und schmerzvoll erkennen müssen, dass nicht ein Ereignis all unsere Sorgen und Ängste aus der Welt schafft, sondern alles Nachhaltige im Leben prozesshaft abläuft.

Oberflächlich gesehen ist Kevin ein glücklicher Mann. Familie, Haus, Job, Kinder – Kevin Garvey at his best. Doch die Bilder aus dem Jenseits aus der Folge International Assassins. Die aufwühlende, emotionale Achterbahnfahrt der Folge scheint vielleicht Patty aus seinem Geist verbannt zu haben, doch Kevin bleibt ein schwer kranker Mann.

The Leftovers handelt von Trauer, das ist richtig. 140 Millionen Menschen verschwinden plötzlich ohne Erklärung. Der seelische Heilungsprozess kann nie hundertprozentig abgeschlossen werden, wie das bei einem natürlichen Tod stattfinden könnte. Wobei auch die Serie die Frage stellt: Ist der normale Tod weniger katastrophal und verwirrend, als wenn sich Menschen buchstäblich in Luft auflösen, nur weil wir uns daran gewöhnt haben? Wo liegt der Unterschied, wenn es denn einen gibt? Schlussendlich ist mit dem Unwissen über das Danach zu leben. So oder so.

Doch in Verbindung dazu dreht sich The Leftovers häufig stärker und intensiver um die existenziellen Fragen der Figuren und ihre damit verbundene Depression. Kevins Selbstbild fängt nämlich erneut zu bröckeln an, als Dean (Michael Gaston) zurückkehrt. Der Hundejäger, den die Serie in der 1. Staffel zurückließ, erleidet ein blutiges Ende. Aber zumindest weiß Kevin nun, dass er tatsächlich echt war. Noras Versprechen zum Beginn der Folge, den Bullshit von der Wahrheit zu trennen, halten die Autoren ein. Doch Kevin ist weiterhin tief verzweifelt. Seinem Stiefsohn rät er, über die Ermordung des Angreifers zu sprechen, doch er selbst ignoriert seine Ratschläge. Dass er Tom von Pattys Ermordung erzählt, als sei sie real, spricht Bände und offenbart ein zentrales Anliegen der Serie: Es spielt keine Rolle, ob es real war oder nicht, solange Kevin daran glaubt. Die Gefühle, unter denen er leidet, schert es nicht. Sie sind einfach da.

Hilfe kann er keine erwarten. Leuten, denen er mit seiner Geschichte vertraut, betrügen ihn und schreiben, wie Matt mit seiner neuen Kevin-Offenbarung beweist. (Auch wenn es verständlich ist, immerhin verlangt Kevins Geschichte danach, irgendwie festgehalten zu werden.) Der Pfarrer missbraucht nicht nur seine Frau und seinen Sohn Noah (clever!) für seine Show, sondern auch die ganz persönlichen Kämpfe seines Schwagers für sein eigenes Spiel. Auch zwischen ihm und Nora scheint einiges unausgesprochen, die Abwesenheit von Lilly schwebt wie eine Bombe über der friedlichen Darstellung der Patchwork-Familie.

In der Auftaktfolge porträtiert The Leftovers einen Mann, der alles hat und trotzdem nicht zu sich und seinen Menschen finden kann. Er braucht Antworten auf Fragen, die ihm keiner geben kann. Und das weiß er. Genau das ist die große Kraft der Serie. Das plötzliche Verschwinden ist nur eine Offenlegung des Offensichtlichen. Der Mensch tappt bezüglich der großen Fragen weiterhin im Dunkeln und kann nur in seinen Mitmenschen Trost finden. Eben deshalb leidet Kevin, da ihn seine Depression vom Leben und der Freude an seinen Mitmenschen trennt.

Dies reflektiert Book of Kevin in dem großartigen Cold Open, das nicht ganz so abgefahren wie die prähistorische Reise zum Beginn der letzten Staffel ist, dafür aber thematisch erneut den Ton für die Staffel angibt. Wir sehen Adventisten im 19. Jahrhundert, die auf die zweite Rückkehr von Jesus Christus warten. Wie die Geschichte uns und sie gelehrt hat, endet dies in der Großen Enttäuschung. (Eine süffisante Wahl von Damon Lindelof, den die Rückmeldung zum Ende von Lost selbst in eine Depression stürzte). Jesus kommt nicht, keine Antworten und noch mehr Zank. Die Sequenz ist herzzerbrechend, da die Lösung scheinbar so nahe liegt. Regisseurin Mimi Leder verbindet diese Flashbacks mit der Gegenwart nahtlos, der Sprung in die Zukunft jedoch ist ebenso unerwartet wie meisterhaft. Scheinbar bläst The Leftovers die Apokalypse bereits ab, noch bevor sie begonnen hat. In der nahen Zukunft lebt eine gealterte Nora nämlich unter dem Namen Sarah in Australien und leugnet, jemanden mit dem Namen Kevin zu kennen. Es ist kein “We have to go back”-Moment, aber definitiv ein mutiger Schritt der Autoren.

Wie kommt Nora nach Australien und wieso lügt sie? Was wurde also aus Kevin, der von John, Michael und Matt als der neue Jesus angesehen wird? Viel kann sich in Kevins Kopf abspielen, aber einige unerklärliche Phänomene können am Ende doch nicht von der Hand gewiesen werden. Das weiß er und deshalb kann er auch das Buch nicht ganz wegwerfen, ähnlich wie er nicht mit den Erinnerungen an seine Taten abschließen kann. Die Ungewissheit plagt ihn. Er weiß, dass der Sudden Departure, so schlimm er auch war, ihn nichts Neues gelehrt, sondern nur das Verdrängte ins Zentrum gerückt hat. Wir können argumentieren, beweisen und untersuchen, aber ein Restzweifel bleibt immer bestehen. Es gibt keine Sicherheit, es gibt kein Ankommen. Wie fürchterlich.

Zitat der Folge: “It’s all true. It all happened. It’s still happening.”

– Kevins Buch ist sicherlich nicht die einzige Kopie, wie Matt meint. Michael Murphy klappte schnell den Laptop zu und digitalisiert bestimmt die Niederschriften. Ein weiterer Test von Matt.

– The Leftovers kehrt nicht nur passend zum Ostersonntag zurück, auch das Startdatum des 16. April wird als Rückkehr von Jesus Christus zu Beginn der Folge genannt.

– Kevin glaubt die offizielle Variante der Regierung nicht, vertritt gegenüber der “Verschwörungstheorie” bzgl. des Drohnenangriffs die Position der Regierung. Dies reflektiert sehr schön sein gestörtes Verhältnis zu Realität und Fiktion, Wahrheit und Lüge.

– Damon Lindelof und Regisseurin Mimi Leder verzichten auf einen starken Einsatz von Max Richter und lassen die Titelmelodie nur im Flashback und Flashforward spielen. Der Track am Ende ist eine neue Version des Hauptthemas, die mehr auf die Bläser als die Streicher setzt. Als seien sie verspätete Hörner aus der Johannesoffenbarung.

Dass The Force Awakens es nicht schaffte, unsere Helden aus Return of the Jedi noch einmal versammelt wie am Ende im Dorf der Ewoks auf die Leinwand zu bringen, war ein ganz großer Kritikpunkt für mich. Dass Mark Hamill und Harrison Ford nie wieder im gleichen Frame stehen würden, galt für mich als gesichert.

Da es sich aber bei dem Film um eine Kopie von Episode IV handelt, hatte ich Geduld. Lando taucht ja auch erst im zweiten Teil der alten Trilogie auf, also wird er nun in Rian Johnsons The Last Jedi mitwirken. Billy Dee Williams zerstörte heute aber nun diese Träume. Lando wird nicht in Episode VIII dabei sein. Das macht mich enorm wütend, da nun auch ein Wiedersehen von Leia und Lando nicht drin ist. Vielleicht kann Colin Trevorrow ihm mehr Gebühr zollen. Mit Legacy-Charakteren kennt der Jurassic World Regisseur sich schließlich ganz gut aus.

Spoiler-Warnung [Markieren zum Lesen]: Das bedeutet auch, dass Lando _nicht_ bei Han Solos Beerdigung anwesend sein wird. Fuck. This.

Ein bisschen erfreulicher ist diese Foto von einem Panel zu Star Wars Rebels, bei dem Captain Rex in dem Kommando-Outfit der Rebellen Allianz zu sehen ist, das die Truppen auch im Kampf auf Endor tragen. Schon bevor Rex in Rebels wieder auftauchte, gab es Fantheorien zu dem alten Kämpfer in den Reihen der Rebellen, der dem Klon sehr ähnlich sieht. Dies wird nun scheinbar zum Teil des offiziellen Kanons. Man muss nicht immer alles verbinden, eine Andeutung oder Wahrscheinlichkeitsrechnung der Fans hätten auch gereicht, aber okay — das ist schon cool.

Noch vorab dem heutigen Start der Star Wars Celebration in Orlando, Florida gab es einen ersten Vorgeschmack auf das aufregende Wochenende für Fans der weit, weit entfernten Galaxie.

Zunächst leakte bereits gestern ein ziemlich kurzer, aber dafür umso krasser Trailer zum Battlefront Sequel von DICE. Es ist schon ein Dick Move, wenn man kurz bevor der eigentliche Trailer auf der Celebration in einer geplanten Vorführung leakt, aber jetzt wo das Teil eben draußen ist, möchte ich es auch nicht unbesprochen lassen.

Ich fand Battlefront unglaublich genial, insbesondere die Grafik und das Sounddesign waren phänomenal. Der DLC war äußerst mitreißend und abwechslungsfähig. Die ganze Debatte um den Season Pass und ob jetzt genug Content im Basisspiel enthalten war, empfand ich als total nervig und nicht angebracht. Das Fehlen einer Kampagne hat dem Spiel aber durchaus geschadet. Ich vermute, dass man mit Battlefront – wie man jetzt im Trailer sieht – durchaus großartige Geschichte erzählen kann und dies auch so von Lucasfilm geplant war und weiterhin auch ist.

Zum damaligen Zeitpunkt jedoch war wohl einfach noch nicht genug von der Lucasfilm Story Group ausgemacht, die Franchise-Pläne waren zu jung. Nun kann man die Geschichte einiger Imperialer erzählen, die nach dem Ende von Return of the Jedi wohl ein Jahr lang in der Galaxie herumkämpfen werden, bevor die Schlacht von Jakku meiner Einschätzung nach das Finale des Spiels darstellen will. Wobei man jedoch auch bereits die Starkiller Base sieht, aber das kann aus dem Multiplayer sein. Oder die Imperialen hatten die Basis schon zu OT-Zeiten? Wie auch immer, mit dem DLC zu Rogue One hat DICE bewiesen, welche Kraft in diesem Franchise steckt und ich kann die kommenden Spiele und Geschichte kaum erwarten.

Und wen das nicht überzeugt, für den verspricht DICE bereits in diesem kurzen Trailer Kämpfe aus allen Trilogien, inklusive Helden aus The Last Jedi – heißt das im Umkehrschluss, dass auch einige Schlachten und Kämpfe aus dem Film bereits enthalten sein werden? Exciting times!

 

Weniger aufregend finde ich dahingegend die Ankündigung von Forces of Destiny, einer Zeichentrickserie mit nur wenigen Episoden, die sich alle Heldinnen aus dem Star Wars Universum widmen werden. Kurze Geschichten zu Leia, Sabine, Rey, Maz Kanata und Jyn sind geplant. Was wieder auffällt: Wieder einmal ignoriert Disney komplett die Prequels, als gäbe es dort keine Heldinnen, die eine Episode verdient hätten. The Clone Wars gab Padmé doch einiges zu tun und Aurra Sing und andere Figuren könnten ebenfalls interessant sein.

Ärgerlich ist auch der unglaublich billige Grafikstil, der an Motion Comic Tie-ins aus dem vergangenen Jahrzehnt erinnert. Sehr schade jedenfalls, denn eine richtige Zeichentrickserie wie Tartakovskys Clone Wars ist überfällig. Wenn man sich jedoch die Ansammlung der Figuren anschaut, insbesondere die Spielzeugfiguren, wird schnell klar, dass sich die Serie an eine sehr junge, hauptsächlich weibliche Zielgruppe richtet. Das entschuldigt nicht den billigen Stil, stellt aber auch gleichzeitig keinen Grund dar, auf die Barrikaden zu gehen.

Die beste Serie des letzten Jahres beginnt bald ihre dritte Staffel. Auf den Trailer verzichte ich, aber diese wunderschöne Better Call Saul Key Art möchte ich trotzdem im Blog haben, die das Ende der zweiten Staffel perfekt zusammenfasst: Jimmy fühlt sich übergangen, ist aber trotzdem der Architekt seines Untergangs und am Ende des Tages trägt er die Schuld. Außerdem erinnert die Darstellung an einen Verhörraum der Polizei, wo sich die Verdächtigen an diese Wand stellen müssen. Wie heißt das genau? Egal, wunderhübsch und clever gemacht!

BBCs Planet Earth II war so gut, dass ich mir die Serie auf meine letztjährige Top 10 der besten Fernsehserien setzt. Es vergeht kaum eine Minute bei der ich mir nicht fragte: “Wieso zur Hölle haben sie diese Aufnahmen bekommen?”. Dabei geht es nicht nur um die immense Zeit, die Kosten oder die notwendige Geduld, sondern vor allem um die Kameraarbeit. Die Kamera ist so dicht an den Tieren dran, dass man fast jedes Mal rausgerissen wird, wären die Aufnahmen nicht so atemberaubend. Insbesondere die Dynamik der Kamerarbeit überzeugt. Während vor Jahren die Kameramänner noch mit ihren Gerätschaften versteckt rumliegen mussten, schwebt oder flitzt die Kamera inzwischen mit den Tieren mit.

Diese unglaubliche Arbeit hat Vox (Die Ami-Seite, nicht RTL VOX) im Video oben genauer erklärt und ich könnte nicht dankbarer sein dafür. Viele der Techniken waren wir zwar bereits vorher bewusst, aber die gesamte Progression an Kamera und Kameraarbeit im Genre der Naturdokus in einem Video so hübsch zusammengefasst zu bekommen hat schon was.

Colin Dickey findet bei New Republic für das Spektakel jedoch deutliche Kritik, der ich trotz meiner Begeisterung für die Aufnahmen zustimmen muss. Mit der gewonnenen Nähe zu den Tieren gehe der Blick für das gesamte Ökosystem verloren, schreibt er. Durch die Nahaufnahmen verschwinde der Mensch, die größte Bedrohung für diese Tiere. Weiterhin werden durch den anthropomorphisierten Blick zum Beispiel in dem viral gegangenen Verfolgungsvideo die Schlangen durch die Narrative zu den Bösewichten charaktersiert, wenn sie in Wahrheit die Spezies in dem Clip ist, die am ehesten durch den Klimawandel bedroht ist.

The years since have only brought more dread and uncertainty about the environment—yet Planet Earth II seems strangely frozen in time. The series is almost entirely free of an environmental perspective, failing to inform its audience that many of its showcased species are threatened or endangered. The first episode opens with the charismatic and languid pygmy three-toed sloth; we are told that it lives on the Isla Escudo off the coast of Panama, but not that it’s critically endangered due to tourism. […]

We never form a full picture of any of the various species on display in Planet Earth II; by the series end, the only thing we have a clear understanding of is its true star: the camera itself. Because animals inhabit a realm that is not only beyond our understanding, but beyond our perception, the series serves as a testing ground for innovative new developments in film technology. As a result, Planet Earth II comes off as the world’s most expensive film loop for selling high-definition televisions at Best Buy: The camera is dunked underwater, lashed to high-flying drones, and strapped to the DJI Ronin, a three-axis gimbal stabilizing unit that allows for long, steady tracking shots. The animals are not so much the subject of the camera as its measure.

In a sense, the Planet Earth series pulls off a marvelous trick: It allows us to see a world under almost constant threat of extinction without ham-handedly calling our attention to conservation issues. By chronicling in minute detail a world that could fall apart at the slightest disturbance, the series aims to passively foster an ethos of stewardship among its viewers without calling overt attention to it. In identifying with the baby iguanas over their snake predators, we’re relieved of any obligation to understand the greater ecological complexities of nature. In this telling, the baby iguana is not threatened by us, it is us—and, as with the iguana, our resilience ultimately overcomes all odds, fending off the dangers and horrors of the wider world. For the filmmakers, the natural world is a sublime landscape of awe and terror that offers the pure enjoyment of front-row seats to a previously unseen universe. Until the final episode, “Cities,” hardly any humans appear in the series at all, because our presence would break the spell; we might as well be witnessing some entirely alien planet.

Update: Inzwischen hat Vox zwei weitere Teile veröffentlicht, insgesamt ergibt sich ein echtes Making-Of, das man auch gut und gerne auf die Blu-ray Veröffentlichung packen kann. Das erste Video erzählt die Evolution der Timelapse-Aufnahmen und wie die digitale Kameratechnologie dieses Handwerk revolutionierte. Auch die Hyperlapse aus Folge 6 wird erklär.

Im letzten Video der Reihe zeigt Vox die Geschichte der Nachtaufnahmen und welche Kameras und Methoden man in der Vergangenheit verwendete. Allgemein gefällt mir an diesen Clips, dass nicht nur die beiden Planet Earth Serien erwähnt werden, sondern sie in den Kontext der Naturdokumentationen gestellt werden und die gesamte Entwicklung sichtbar wird.

Vorhin noch über den Stand deutscher Serien geschimpft, haut Netflix nun den Trailer zu Dark raus, der ersten deutschen Produktion des Streamingdienstes. Es handelt sich um eine Mystery-Serie, in der die dunklen Geheimnisse einer Stadt aufgedeckt werden. Das Verschwinden von zwei Kindern führt vier Familien zusammen, deren gemeinsame Verbindung in das Jahr 1986 zurückreicht.

Ein bisschen Twin Peaks, ein bisschen Akte X, ein bisschen Schwarzwald. Dark stammt von den Showrunnern Baran bo Odar und Jantje Friese, respektive Regisseur und Autorin des deutschen Kinofilms Who Am I, der schon ganz gut war.

Bei der fiebrigen Suche nach einem vermissten Kind treten schockierende Sünden und Geheimnisse einer Kleinstadt zutage.

In den YouTube-Kommentaren schreibt einer: “Sieht schon mal nicht wie eine typische deutsche Produktion aus”. Und das ist auch irgendwie alles, was man aktuell dazu sagen kann. Es ist zu erkennen, dass die Produktion Geld gekostet hat und man sich bei den Bildern was gedacht hat. Na dann. Die Messlatte hängt tief, Dark muss kein großer Wurf werden. Dark muss einfach nur die erste kompetent erzählte Genreserie Deutschlands sein.

“Can you please stop acting like a fool?” Das denke ich mir häufig auch, wenn ich The Walking Dead schaue. Trotz dem immensen Hype und dem vielen Geld, das sich seit Jahrzehnten mit Zombies machen lässt, bleibt die AMC-Serie das traurige Fernsehhighlight des Genres. Die französische Produktionsfirma Les Productions Du Quatre Janvier, hinter der die Schöpfer Christelle Grasund und Yohan Labrousse stecken, wollten das ändern. (via)

Ihr TV-Pilot Reset konnte sich, das habe ich mit meine verkümmerten Französischkenntnissen und ein bisschen Googlen herausfinden können, zunächst über eine Crowdfundingkampagne finanzieren, dann jedoch trotz positivem Feedback und aufrichtigem Interesse keinen Sender finden, der die 10 Episoden produzieren wollte. Ihre Serie hätte von einer Gruppe Überlebender erzählt, die nach dem Ausbruch einer nicht näher spezifizierten Seuche im Großraum Paris zwischen Gangs und Zombies überleben müssen.

Wie der jetzt online gestellte Pilot beweist, ist das eine wirkliche Schande. Die Serie wirkt wie ein Gegengift zu dem wöchentlich verabreichten Schund, den AMC seinen willigen Zombiezuschauern zum Fraß vorwirft. Im Unterschied zu den Abenteuern im Wald gibt es in Reset sofort ein Gefühl für Größe und den Ort, an dem die Geschichte spielt. Es ist dazu erfrischend, wie die Figuren sich eher notdürftig von einer Situation zur nächsten hangeln, ohne dass es dabei immer große “Events” geben muss, mit denen The Walking Dead fast ausschließlich agiert.

Gleichzeitig gibt es weder überlange Monologe noch bedeutungsschwangere Dialoge, die Menschen reden und handeln für mein Gefühl sehr authentisch. Dazu konzentriert sich die Darstellung der Gewalt weniger auf die Zombiebisse, sondern die Taten, die sich die Überlebenden gegenseitig antun. Mir gefällt hier insbesondere der Nahkampf im Hochhaus, so kurz und “indie” er auch sein mag. Hier wird für mich ein spannendes Gefühl der Nähe erzeugt, etwas, das ich bei The Walking Dead seit jeher vermisse. Auch der eher ruhige Sound Mix vermittelt für mich ein Gefühl von Realität.

RESET focuses his story on 5 survivors in the midst of infected, but also gangs can be even more dangerous, in a post apocalyptic Paris. The world is gone and these 5 very different personalities will have to reveal themselves to survive.

Unterm Strich ist es ziemlich beeindruckend, wie viel Gefühl und Story bereits hier mit wenig Geld in kürzester Zeit realisiert wird. Dass der Pilot viral gehen wird, halte ich leider eher für unwahrscheinlich. Sonst hätte die Serie vielleicht doch noch eine Chance, ihre interessanten Ansätze fortzuführen.

Die aktuelle, deutsche Fernsehsensation ist übrigens eine Produktion von Amazon-Prime mit Matthias Schweighöfer in Anlehnung an Eagle Eye und die Black Mirror Folge, in der jemand gehackt wird (doofes Timing, Matze). Gleichzeitig jährt sich der großartige Brief von Clara bald zum fünften Mal. Kein Kommentar. Immerhin gibt es noch Jerks.