leftovers hbo 105
© HBO

Halbzeit in Mapleton. So langsam kriegt man ein gutes Gefühl für die Serie und was sie eigentlich plant und sagen will. Nach vier Folgen seelischer Tortur durch die Mitglieder der Guilty Remnant schlägt eine kleine Gruppe in der 5. Folge brutal zurück. Die Tat steht sinnbildlich für die Ausweitung des Sicherheitstaats und die Einschränkung der Religionsfreiheit. Hier ein Auszug, die gesamte Recap wie immer auf Moviepilot.

Stattdessen ist The Leftovers ein Allegorie der USA nach dem 11. September 2001 und wahrscheinlich nur durch die US-amerikanische Perspektive gänzlich zu verstehen. Wenn Flugzeuge in Hochhäuser fliegen, bleibt nicht mehr viel von den Opfern übrig. Sie verschwinden quasi von einem Moment auf den anderen. Die, die es direkt beobachten, verkraften es kaum. Für andere prägen sich die Geschichten und Bilder für immer ins Gedächtnis ein. Damals starben fast 3000 Menschen. Die Erde drehte sich weiter. Nicht genug, dass die Welt untergehen würde. Doch sie veränderte sich dramatisch. Kriege in weiter Ferne folgten, Schuldige wurden gesucht, andersartig scheinende Religionen wurden verurteilt und verfolgt, ihre Mitglieder verschwanden entweder so brutal wie die Jünger Waynes oder wie die Departed vom Erdboden – Endstation: Guantanamo. Die Ausweitung des Sicherheitsstaates erfolgt hier noch dramatischer, es geht nicht mehr um vermeintlich Extreme im Ausland, sondern um – wenn auch provokative – Bürger im eigenen Land.

Dieser Ansatz ist fruchtbarer als die Entschlüsselung des Mysteriums selbst. Lindelof und Perrotta zeigen uns, in welche Tiefen die Gesellschaft langsam, aber sicher und fast schon unbemerkt abrutschen kann, wenn wir es aus niederen Bedürfnissen wie einem Mehr an Sicherheit zulassen, dass sie Freiheit anderer eingeschränkt wird. Damit wird die Serie quasi bisher auf den Kopf gestellt. Die Mitglieder der GR sind weiterhin komplexe und oftmals unsympathische Menschen, doch der Zuschauer hat sie nicht zu verurteilen oder gutzuheißen. Ihre Existenz, solange friedlich und legal, muss gestattet sein. Deshalb hat Kevin wohl auch bisher so mit sich selbst und ihnen gestrauchelt, im Grunde aber stets beschützt. Nicht nur das Schicksal seiner Frau ist an den Ausgang der Geschichte des GR in Mapletons geknöpft, sondern auch das seiner Nation. Das spürt er tief innendrin. „The Leftovers“ ist vielleicht die thematisch aktuellste Serie der amerikanischen Gegenwart. Sie stellt die Frage, wie es weitergehen soll.

Moviepilot: Wir schauen The Leftovers – Staffel 1, Folge 5

Wie immer hier der erste Trailer der neuen Staffel The Walking Dead frisch von der Comic-Con. Leider packt der mich persönlich so gar nicht, sonst gab es immer große Vorfreude meinerseits, aber was man hier plant, ist mir völlig unbekannt – bis auf den Weg nach Washington. Das beunruhigt mich jedoch überhaupt nicht wie die für frühere Staffeln. Wie ihr wisst, habe ich als enormer Fan der Vorlage ohnehin eine schwierige Beziehung zur Serie (Reviews zu allen Episoden), aber die solide letzte Staffel unter der Führung von Showrunner Scott M. Gimple lässt mich Großes erwarten.

Dass man die Terminus-Geschichte recht schnell durcherzählt, finde ich gut, denn ich hatte wirklich keine Lust den Hunters-Plot aus den Comics derart ausgedehnt zu erleben. Es ist aber auch wiederum recht schade, immerhin wurde die gesamte zweite Hälfte der vierten Staffel auf dieses ominöse Terminus gehypet. Deshalb darf man wohl ein bisschen Splatterhorror erleben und das war’s dann wohl. Oder man zeigt hier die halbe Staffelhälfte mit einigen Bits, die man schon hat. Ich finde den Trailer nämlich ein wenig verwirrend. Hier mal ein paar Zitate aus dem Comic-Con Panel (via): (weiterlesen…)

Auch wenn die gesamte Idee ein wenig zu sehr auf der EU-Buchreihe The Last of the Jedi beruht, kann sich dieser neue Trailer zu Star Wars: Rebels, dem The Clone Wars-Nachfolger von Dave Filoni, wirklich sehen lassen. Der Stil an sich sagt mir zwar immer noch nicht wirklich zu, dafür wirken die Modelle geschmeidiger und der Ton stimmt. Natürlich wird diese Serie für Kinder produziert, sie läuft schließlich auf DisneyXD, weshalb man die düsteren Zeiten des Imperiums nicht adäquat abbilden kann. Ein bisschen Mut geben mir die letzten Staffeln von The Clone Wars, die ich gerade nachhole, jedoch schon und das Bild vom Sternenzerstörer über Alderaan bereitet mir Gänsehaut.

Dazu hat der Trailer bereits richtig ikonische Momente, die man so noch nicht gesehen hat. Der Cowbow-Jedi baut sich schnell vor dem Kampf sein Lichtschwert zusammen?! Die künstliche Schwerkraft wird im Kampf abgeschaltet! Doch, doch – das kann was werden.

leftovers hbo 104
© HBO

Nach der fabelhaften letzten Folge gibt es nun einen kleinen Dämpfer. Die Folge bringt uns nicht viel weiter, dafür wird das Serienuniversum bereichert und ausgearbeitet. Der Zuschauer braucht momentan viel Geduld. Lindelof nimmt sich bei seinem Puzzle momentan viel Zeit, das Gesamtbild kann aber dennoch fantastisch werden. Hier ein Auszug, die gesamte Recap wie immer auf Moviepilot.

Trotzdem gibt uns “B.J. and The A.C.” einen Einblick in die Vorgänge der Stadt. Durch den simplen Kniff zu Beginn entwickelt sich eine Folge, die fast schon in der Tradition einer einfachen Handlung nach Aristoteles steht. Das mag nicht für jeden Zuschauer interessant anzuschauen sein, der sich eine Klärung oder Ausarbeitung der Mysterien wünscht, aber die Showrunner haben sowohl in Interviews als auch der Serie bisher klare Zeichen gegeben, dass dies nicht unbedingt die zentrale Intention der Show ist. Und – ehrlich gesagt – ist dies auch nicht weiter wert erörtert zu werden. 140 Millionen Menschen verschwanden plötzlich von einem Moment auf den nächsten. Natürlich gibt es dafür wohl einen Grund. Doch welche Form dieser auch immer annehmen wird, die Auflösung dürfte sich relativ simpel gestalten. Entweder war es tatsächlich Gott höchstpersönlich oder es handelt sich um ein wissenschaftliches Phänomen. Wie auch immer, die Geschichte würde hier enden. Dann ist das temporäre Leid doch dramatischer und immens spannender.

Ich habe mich schon länger dazu entschieden, The Leftovers auf einer Metaebene als gemeinsame Therapiesitzung zwischen Lindelof und seinen Kritikern zu sehen. Ob Letzteren das überhaupt bewusst ist, mag man anzweifeln. Wie Jill Garvey kommen sie auch nun wieder aus ihren Löchern und werfen der Serie – nach vier Folgen – vor, dass das Mysterium nicht aufgelöst wird. Wie Jill Garvey beschäftigten sie sich lieber mit etwas anderem und wollen erst gerufen werden, wenn die Dinge „einfach“ sind. Lindelof und der geneigte Zuschauer müssen wohl wie Kevin dort im Türrahmen verzweifelt stehen. Gutes und gehaltvolles Drama gestaltet sich durch eine komplexere Natur. Natürlich wird es nie einfach.

Moviepilot: Wir schauen The Leftovers – Staffel 1, Folge 4

Wolfgang M. Schmitt jun. hat sich am Wochenende in seiner Filmanalyse ausnahmsweise einmal nicht mit Filmen beschäftigt, sondern auf Wunsch seiner Zuschauer über Fernsehserien gesprochen und weshalb er diese ablehnt, nicht als Kunst und als reine Zeitverschwendung empfindet. In der neuen Ausgabe des PewCasts widme ich mich zusammen mit Miriam (@galbrush) und Sebastian (@smoitzheim) Schmitts Thesen.

Shownotes:
Die Filmanalyse-Analyse: Warum ich keine Bücher mag!
Rhein-Zeitung: Im Elfenbeinturm der schönen Künste
Intro: @laut-malerei
Outro: @HANSEMANN

Play

leftovers hbo 103 2
© HBO

The Leftovers hat am vergangenen Sonntag die bisher beste Folge abgeliefert, die sich aber auch im Vergleich mit dem restlichen Serieskosmos nicht verstecken muss. Ein kleines Meisterwerk. Hier ein Auszug, die gesamte Review wie immer auf Moviepilot.

Two Boats and a Helicopter ist die bestimmende Folge der Serie. Das ungewohnt schnelle Tempo der zweiten Hälfte der Folge lässt ironischerweise die Atmosphäre dichter, das Drama greifbarer werden. Wer sich jetzt noch nicht angesprochen fühlt, wird der Serie wohl nicht viel abgewinnen können. Damon Lindelof folgt der strukturellen Ästhetik aus Lost mit großem Erfolg und gestaltet zusammen mit seiner Co-Autorin Jacqueline Hoyt ein erneutes „Walkabout“, indem er sich mit einer bisherigen Randfigur beschäftigt, ihr komplexes Innenleben ausleuchtet und ihr Schicksal mit der Erkundung der zentralen Thematik verknüpft. Das Ergebnis ist ein kleines Meisterwerk, das fast ohne Kontext auskommt und mit nur minimal mehr Exposition auch als eigenständiger Kurzfilm funktionieren könnte.

Christopher Eccleston überzeugt in dieser Episode völlig. Sein Casting ist perfekt, seine ebenso getriebene als auch stoische Darstellung des Pfarrers ist der Anker dieser Folge und er verleiht dem zentralen Wunsch nach Antworten ein meisterhafte Gravität. Wenn er weint, weinen wir als Zuschauer. Freuen wir uns, ist es auf Grund des herzerwärmendsten Lachens der letzten Fernsehjahre. Seine Wut kennen wir, ebenso wie seine dunklen, hässlichen Momente, wenn wir uns getroffen fühlen und wild um uns schlagen, gerne auch verbal, in der Hoffnung einem anderen den Schmerz zuzufügen, den wir verspüren. Es trifft, wie so oft, die, die uns am Nächsten stehen, die es am wenigstens verdienen. Wir kennen sie am besten, wir wissen, wie man ihnen weh tun kann. Matt Jamison ist nicht nur eine komplexe Serienfigur, dessen tiefe, emotionale Zerrüttung wir mitfühlen können, sondern Matt ist in seinem Leid ein Mensch wie jeder andere. Es geht in The Leftovers nicht um das Finden von Antworten, sondern um das Mitgefühl und Verständnis für die gravierendsten Probleme und schwersten Fragen unserer Existenz. Mehr Fernsehen geht nicht.

Moviepilot: Wir schauen The Leftovers – Staffel 1, Folge 3

Emmys2014

Man darf wohl sagen, dass die vergangene TV Season eine der stärksten aller Zeiten war, wenn nicht sogar die beste aller Zeiten. Wir befinden uns zweifellos im “Golden Age” der Fernsehserien, aber das bedeutet auch, dass die Kategorien der Emmy Awards unglaublich hart umkämpft sind. Die diesjährigen Nominierungen werden von den üblichen Verdächtigen wie Breaking Bad oder Game of Thrones dominiert, aber auch neue Serie wie Fargo oder True Detective können mit Nominierungen, wenn auch ohne große Überraschung, strotzen. Mich persönlich freut die Nominierung von Silicon Valley in der Kategorie Beste Comedy Serie, wobei Christopher Evan Welch (RIP) durchaus eine Nominerung für seinen wunderbar schieren Peter Gregory verdient hätte. Die Awards werden am 25. August verliehen, Seth Meyers übernimmt die Moderation. Ich habe mal hinter meine Favoriten einen kleinen Emmy geklebt. Die komplette Liste der Nominierten gibt es hier einzusehen. (weiterlesen…)

Leftovers HBO 102
© HBO

Eine neue Woche bringt uns eine neue Episoden von HBOs The Leftovers. Die zweite Folge gefällt mir auch schon viel besser als der relativ konfuse Start mit all seinen losen Story Threads. Es bleiben aber einige Fragen offen: Wer ist der Mysteryman, warum führen die Pinguine eins zu null und wohin ist der Bagel verschwunden?! Die Show ist zweifellos von Damon Lindelof. For better or worse. Hier ein Auszug, die gesamte Kritik dann auf Moviepilot.

Nora arbeitet für eine Organisation (wahrscheinlich die Regierung), die sich mit dem Verschwinden der Personen auseinandersetzt. Gegen eine Bezahlung beantworten die Eltern zusammenhangslose und eindringliche Fragen zum Privatleben ihres verschollenen Sohnes. Hatte er Allergien? War er jemals in Brasilien? Konnte er kochen oder beherrschte er eine Fremdsprache? Dass diese Rasterfahndung erfolglos blieb, ist nicht erwähnenswert; aber die bloße Tatsache, dass diese Befragungen stattfinden, unterstreichen das Versagen von konventionellen Antworten. Zurück bleibt nur das Leid und der Frust, der im besten Fall im Büro des Psychologen entladen wird. Im schlimmsten Fall prallen die Massen wie in der Pilotfolge aufeinander. Wie auch immer, die Pinguine gewinnen. Wir verlieren.

Moviepilot: Wir schauen The Leftovers – Staffel 1, Folge 2