Valar Morghulis, liebe Hörer. René und Sascha reden in der neuen Werewolves on Wheels Ausgabe über die größte Serie links des Mondes: Game of Thrones. Bevor wir jedoch zur neuen Folge “Dragonstone” Stellung nehmen, sprechen wir in neuen Segmenten über Hörerfeedback und Neugikeiten im Themenfeld des Podcasts.

Das Intro sowie die großartigen neuen Bumper wurden uns freundlicherweise vom großartigen Herrn Kaschke eingesprochen, Musik und Produktion von 3typen.

Shownotes:

Feedback (05:00)
Ein Plädoyer für faire Filmkritik
Ein Pläydoer für unfaire Filmkritik
Ist Filmkritik subjektiv? Ein Filmanalyse-Spezial
News (14:20)
Emmy Nominierungen
Der 13. Doctor
Solidarity at an All-Female Screening of ‘Wonder Woman’
Review (26:00)
The true meaning behind Ed Sheeran’s “new” song on ‘Game of Thrones’

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2017 ist jetzt schon zur Hälfte rum, Zeit einen Blick zurück auf das bisherige Serienjahr zu werfen. Da die Werewolves on Wheels bisher nur LOST in diesem Jahr abgehakt haben, gibt es einiges zu besprechen. Es folgt: Die Geschichte von René und Sascha und den vierzig Serien.

Wir haben die folgende Liste ein wenig gestreckt und Serien mitgenommen, die wir nur zum Teil oder gar nicht gesehen haben, aber damit müssen wir jetzt alle leben. Spiel, Spaß und Überraschung! Da dürfte ja für jeden was dabei sein.

1. Handmaid’s Tale
2. Fargo
3. Star Wars Rebels
4. The Walking Dead
5. Fear The Walking Dead
6. Blood Drive
7. Taboo
8. The OA
9. The Expanse
10. Crashing
11. The Mist
12. Master of None
13. Attack on Titan
14. Girls
15. Silicon Valley
16. The Young Pope
17. Real Time with Bill Maher
18. Feud
19. The Leftovers
20. Dear White People
21. House of Cards
22. Lemony Snicket
23. Prison Break
24. Preacher
25. South Park
26. American Gods
27. Legion
28. Twin Peaks
29. Supergirl
30. House of Cards
31. Macgyver
32. New Girl
33. Dirk Gently
34. 13 Reasons Why
35. Glow
36. Rick & Morty
37. Game of Thrones
38. Better Call Saul
39. Star Trek Discovery
40. Stranger Things

Shownotes:

Böhmi blockt Saschi
Scientist Man Analyzes Ghostbusters (2016)
The OA Review

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Schickes Video-Essay von WIRED über die Evolution von Opening Credits. Während sie früher einem eher den Plot erklärten (bestes Beispiel wohl Fresh Prince of Bel Air), entwickelten sich die Intros in den letzten Jahren eher zum eigenen Kunstgenre und zu längeren Mood Pieces, um die Zuschauer in die richtige Stimmung für die folgende Episode zu bringen.


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Ein Wunder ist geschehen. Fear The Walking Dead hat die grausige 2. Staffel hinter sich gelassen, findet im Midseason-Finale zurück zur Anfangsgröße und kann thematisch tiefgehend und aufrichtig einen uramerikanischen Konflikt klären. Ach, Zombies gibt’s auch.

Nach kurzen fünf Wochen ist bereits alles vorbei. Die 3. Staffel von Fear the Walking Dead geht mit einem zweistündigen Midseason-Finale vorläufig in Sommerpause und kehrt erst in einigen Monaten wieder zurück. Und doch ist in dieser kurzen Zeit einiges passiert, was die Serie qualitativ um Längen nach vorne bringt und das Spin-off stärker von der Mutterserie abgrenzt.

Zunächst einmal wäre da erneut die gute Arbeit der Regisseure zu erwähnen, respektive Jeremy Webb und Andrew Bernstein. Fear The Walking Dead setzte sich visuell bereits in der Vergangenheit stark von anderen Geschichten innerhalb des Walking Dead-Universums ab, doch in der 3. Staffel legte man noch einmal eine Schippe drauf. Man nimmt sich dem Setting vollkommen an, arbeitet oft mit Kamerafahrten und Totalen der Natur, die die Weite der Ländereien unterstreichen, über die hier in den Folgen ganz besonders gestritten wird. Gleichzeitig versinken die Figuren oft in der Landschaft, werden von der Natur quasi verschlungen oder teilweise bedeckt. All dies betont den Sieg der Natur, eine Rückkehr zu einem Zustand, der vor einigen Jahrhunderten noch hier an diesen Plätzen herrschte. Der Kampf um Gerechtigkeit der Natives rückt somit direkt ins Zentrum des visuellen Storytellings, doch der blutige Ausgang wird von der Weite des Landes untergraben. In einem so großen Land wird am Ende um eine kleine Ranch und das umliegende Land gekämpft und getötet? Es tut sich die Frage auf: Wieso muss es so weit kommen?

Darüber hinaus spinnt sich Fear The Walking Dead keinen bedeutungsschwangeren Konflikt wie die Mutterserie zusammen, sondern arbeitet mit realitätsnahen Szenarios. Nicht umsonst zieht sich die Frage nach der Wasserversorgung durch die gesamte Staffel. Der trockene Südwesten der USA an der Grenze zu Mexiko vermag vielleicht in der Border-Story in der 2. Staffel als Handlungsort enttäuscht haben, hier blüht das Szenario jedoch tatsächlich auf. Nicht zuletzt dank der interessanten Natives, die leider etwas zu kurz gekommen sind und bisher hauptsächlich durch grimm guckende Clan-Mitglieder und den sympathischen, wenn auch ruchlosen Anführer Qaletaqa Walker (Michael Greyeyes) verkörpert werden. Die Gefahr einer klischeehaften Darstellungen mit dem sensiblen Thema des Konflikts der Ureinwohner Amerikas wurde bis auf wenige Ausnahmen gut umschifft, auch wenn bisher das Individuum repräsentativ für das Kollektiv herhalten muss. In der zweiten Staffelhälfte jedoch wird man dies hoffentlich noch nuancierter gestalten.

Im Midseason-Finale erhalten wir einen Einblick in die lange Konfliktgeschichte zwischen Jeremiah Otto und der Walker-Familie des Black Hat Clans. Es ist zu begrüßen, dass der Anlass des jetzigen Konflikts durch die Wassernot in der Apokalypse pragmatischer Art ist, die Austragung jedoch basierend auf älteren Missetaten eskaliert. So vermeidet man die zu blanke Darstellung von Rassismus, wobei dieser schon recht früh in der Finalfolge gegenüber Ofelia (hello again!) und “braunen Menschen” Ausdruck findet. Trotzdem bleiben der Patriarch auf der Ranch sowie sein Gegenspieler niemals langweilige Stereotypen. Unschuldige starben in beiden Lagern, beide Seiten haben ihre nachvollziehbaren Gründe und jeder hat ein bisschen Recht. In der Mitte befinden sich unsere Hauptfiguren, die sich nun für eine Seite entscheiden müssen. Ihre Entscheidung, Troys Taten zu decken und Jake (Sam Underwood) bei diplomatischen Versuchen zu unterstützen, stellt sich am Ende als erfolgreich heraus.

Das Interessanteste an diesem Ende der Halbstaffel ist jedoch der überraschende Ausgang des Konflikts. So aufrichtig und nuanciert die Serie die Spannungen zwischen weißen Amerikanern und den jahrhundertelang diskriminierten und unterdrückten Natives auch auf den Bildschirm bannen will, Fear The Walking Dead bleibt eine Zombieserie. Als solche ist sie getrieben von wiederkehrenden Plots, Archetypen und Situationen. Während Madisons (Kim Dickens) Charakterisierung etwas holprig erscheint, ist ihre schlussendliche Entscheidung jedoch spannend und fast schon revolutionär. Sie entscheidet sich zwar für die Ranch, da diese ihrer Familie – deren Schutz nach wie vor das einzige und oberste Ziel ist (und somit erhält Travis‘ Tod rückwirkend doch eine Bedeutung) – bessere Ressourcen bietet. Gleichzeitig baut sie jedoch einen Friedensvertrag auf einer Lüge auf, die sie mit Walker fast schon auf freundschaftliche Art verbindet. Madison kann vielleicht nicht die Missetaten von Jeremiah aus der Welt schaffen, doch sie kann zumindest für etwas Genugtuung sorgen.


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In der andauernden Feindschaft der Männer kann die “weiße Frau” womöglich Abhilfe schaffen. Madison und Ofelia erleben nicht umsonst Frauen- und Fremdenfeindlichkeit, Alicia wird in der Folge sogar quasi als Ware angeboten. Selbst Walker missbraucht Ofelias Vertrauen. Dabei sind es aber trotz aller Feindseligkeiten insbesondere die unterdrückten Frauen, die in der Staffel das Ruder an sich reißen. Madison entscheidet sich endlich für eine härtere Gangart, Alicia weiß Jake um den Finger zu wickeln, während Nick grübelt, Jeremiah sich in den Alkohol flüchtet und Troy Freunde ermordet, um Kontrolle zu wahren. Besonders die beiden Otto-Brüder sind trotz ihrer Anlehnung an Kain und Abel doch die interessantesten Neuzugänge der Staffel und sie bleiben – ebenso wie der schwelende Konflikt – Gott sei Dank erhalten. Diese geschundenen Männer müssen nun mit einer Welt klarkommen, in der eine Frau herrscht, die einen geheimen Vertrag mit dem Erzfeind ihres toten Vaters hat. Ein toller Nährboden für Konflikte! The Walking Dead liebt es, Männlichkeit zu propagieren. Wer will schon Eugene sein, wenn er Abraham, Rick oder Negan sein könnte? Fear The Walking Dead hingegen hinterfragt nicht nur diese toxische Männlichkeit auf einer persönlichen Ebene, sondern deckt auch die strukturellen Gräueltaten auf. Nicht umsonst werden in den finalen Momenten der Folge zwei Väter (Madisons Vater in der Erzählung) und Otto einige Minuten später (durch den Ziehsohn gleichwohl!) getötet.

Dazu endet endlich ein Midseason-Finale nicht in einem großen Shootout, bei dem unsere Helden fliehen und in alle Winde verstreut werden. Auch die Zombies werden im Zaum gehalten. Stattdessen übernehmen die Clarks Kontrolle über ihr Schicksal und das bedeutet in diesem Szenario auch Verantwortung gegenüber der Vergangenheit Amerikas und dem Boden, auf dem sie jetzt Zuflucht finden.

Zuletzt sei noch Strand erwähnt, dessen Geschichte nicht so wirklich in das Finale passen will. Daniel bleibt bis auf eine Vision ganz dem Finale fern, doch Victor erhält einen ganzen Handlungsstrang. Er findet nämlich auf der Suche nach Proviant sein verschollenes Schiff Abigail, das auf Grund gelaufen ist. Er entledigt sich der Zombiecrew und feiert ein letztes Mal auf dem Schiff. Er scheint dem Ende nahe, doch dann empfängt er einen russischen Kosmonauten von der ISS auf seinem Funkgerät (über den sich bitte(!) die nächste Webserie drehen muss). Ein kleines Gespräch folgt und er schöpft neuen Mut. Er fackelt sein Schiff ab und betritt wie Phoenix aus der Asche den Strand (Ha!) als neuer Mann.

Fear The Walking Dead hatte sich in der ersten Staffelhälfte viel vorgenommen und mehr erreicht. So richtig passen all die Puzzlestücke noch nicht zusammen, doch nach der katastrophalen letzten Hälfte der 2. Staffel besteht nun wieder die Hoffnung, dass das Spin-off tatsächlich zu wahrer Größe heranwachsen kann. Die ersten Anzeichen waren in der 1. Staffel zu sehen, die 3. Staffel wartet nun wieder mit großen Ambitionen auf. Insbesondere, auch das sei wieder hervorgehoben, durch die Regie und die Kameraarbeit, aber auch durch das Szenenbild, die Kostüme und die Schauspieler lohnt es sich wieder der Serie eine Chance zu geben.

Die ersten Forces of Destiny Folgen sind da. Der Disney-Kanal auf YouTube veröffentlicht aktuell täglich kleine Episoden, in denen ausschließlich Star Wars Heldinnen wie Leia, Rey oder Ahsoka in zwei- bis dreiminütigen Geschichten kleine Abenteuer erleben. Ich muss gestehen, dass ich die Minifolgen schon ganz süß finden würde, wenn die Animation besser und der Kunststil, naja, sagen wir “anders” wäre. Das ist leider alles zu statisch, zu flach, zu langweilig.

Aber eine höhere Qualität lag den Produzenten auch gar nicht am Herzen. Billig produzierte YouTube-Massenware soll billig produzierte Puppen verkaufen, das ist das Ziel von Lucasfilm. Die Serie, die sich an ein hauptsächlich junges und weibliches Publikum richtet, startet gleichzeitig mit einigen neuen Actionfiguren, die jedoch eher Puppen ähneln und vor allem eben Mädchen für die Marke Star Wars begeistern sollen. Und wisst ihr was? Das ist völlig okay. Bis auf Fans der Reihe wird sich ih in ein paar Jahren niemand mehr an diese Serie erinnern, lediglich Star Wars Fans werden sie vielleicht ähnlich wie die damalige TV-Serie Droids im Regal stehen haben – als Teil der Sammlung, den man sich jedoch nie anschaut.

Ich persönlich empfinde den Hype um die Folgen an sich viel nerviger, als die Feminismus-Debatte um die Heldinnen. Besonders viele Blogs und Fans flippen regelrecht aus, sprechen von “Story Gaps”, die die Serie füllen würde, was natürlich lächerlich ist.

Hier wird nämlich erzählt, wie Rey mit BB-8 nach Hause fährt, wie Leia ihre Kleider wechselt und wieso Ahsoka zu spät zu einem Treffen mit ihren Meistern Anakin und Yoda kommt. Selbstverständlich muss nach Kathleen Kennedys aufgedrückter Badass-Maxime jede einzelne Figur auf ihrem Weg kämpfen, was ich etwas schade finde. Vielleicht entsteht der Eindruck durch die Auswahl der bisherigen Charakteren, aber wenn zum Beispiel auch später Padmé als Diplomatin kämpfen wird, anstatt sie schlicht ihren Beruf ausübt, wäre das eine verpasste Chance.

Episode 1 – Sands of Jakku

Episode 2 – BB-8 Bandits

Episode 3 – Ewok Escape

Episode 4 – The Padawan Path

Die Geheimwaffe der Serie ist Max Richter, dessen grandiose Kompositionen bereits in den Opening Credits der 1. Staffel den Ton angeben. Seine Musik ist melancholisch, bedeutungsvoll, tiefgehend und leidend. In nahezu jedem emotionalen Höhepunkt kommen Richters Geigen ins Spiel und heben die Serie einige Level nach oben. Ohne seine musikalische Untermalung wäre die Serie immer noch gut, aber nicht das, was sie ist.

Böse Zungen könnten behaupten, dass man die Musik oft einsetzt, wenn ein Moment nicht sein volles Potenzial entfalten kann; dass Damon Lindelof und seine Regisseure Richters Musik als Stütze benutzen. Doch Richters Musik ist das pochende Herz der Serie. In einer Serie, die sich mit so tiefgehenden Fragen und Situationen auseinandersetzt, ist es häufig besser, wenn die Figuren schweigen und die Musik zusammenfasst, was Worte nicht ausdrücken können.

Richters Musik kann jedoch auch andere Serien- und Filmmomente noch trauriger machen. Das haben einige Videofuchse auf YouTube herausgefunden, die die Musik zu so etwas wie dem umgekehrten Curb Your Enthusiasm-Meme machten. Der erste, ausgewählte Clip war Will Smiths emotionaler Ausbruch aus The Fresh Prince of Bel Air, in dem Wills berühmt-berüchtigte “How come he don’t want me?”-Rede noch trauriger wird.

Hier noch einige weitere Clips zu The Lion King, Breaking Bad und dem Oscar-Gewinner Manchester by the Sea, der nach ein bis zwei mentalen Sprüngen auch sehr gut als Spinoff-Geschichte im The Leftovers-Universum funktionieren würde. Weiterhin kann die Musik aber auch Komödien zu tieftraurigen Dramen werden lassen, zum Beispiel als Harry in Dumb and Dumber leider auf Toilette muss und so seine große Chance verpasst. Ganz großartig ist auch der letzte Edit zu Anchorman. (weiterlesen…)


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Langsam aber stetig mausert sich Fear The Walking Dead in einer beeindruckenden Zombieserie heran. Die Folge vor dem Midseason- Finale rückt alle Figuren in Position für ein hoffentlich explosives Finale.

Zombienarrativen sind im Genre des Western zu verordnen. Natürlich gelang das Genre mit George A. Romero durch seine Kapitalismuskritik zu großem Ruhm, als der Altmeister seine Untoten durch ein Einkaufszentrum wandeln ließ. Seither haben viele Filmemacher den toten Körper mit neuem Leben eingehaucht und dem Zombie ihre ganz eigene Symbolkraft verliehen. Doch in allen Narrativen agieren die Zombies darüber hinaus als Naturelement, das die Frontier, die Grenze der Zivilisation in der Erschließung des amerikanischen Kontinents, wieder direkt vor die eigene Haustür in die Vorstadt versetzt.

Niemand weiß dies besser als Robert Kirkman. Sein Comic war von Beginn an auf lange Sicht angelegt. Er wollte erforschen, was nach dem Verlassen des Einkaufszentrums, der Flucht aus der Großstadt und den anfänglichen Situationen geschieht. Völlig korrekt landete Kirkman beim Western, denn sein Comic ist voll von der Ästhetik. Weite Landschaften, umherziehende Menschen auf Pferden, kleine Orte entlang einer Straße, eine Farm, böse Gangs und natürlich der Sheriff im Zentrum, der verzweifelt und völlig überfordert für Ordnung im Chaos sorgt. Der Comicautor weiß völlig zurecht, dass sich eine langfristig angesetzte Zombienarrative mit der Rückeroberung der Wildnis beschäftigen muss; dass die wahre Herausforderung im zivilisatorischen Wiederaufbau in der Postapokalypse liegt, nicht nur im Überleben der Apokalypse. Deshalb ist auch der aktuelle Handlungsstrang in Fear the Walking Dead um die seit Jahrhunderten unterdrückten Ureinwohner Amerikas so vielversprechend.

AMCs Serienadaption hat sich den neuesten Widersachern aus dem Comic noch zu widmen, doch so viel sei verraten: Auch die damaligen „Savages“ finden in Kirkmans Story eine höchst interessante Umsetzung. Es ist deshalb kein Wunder, dass auch Fear The Walking Dead sich in dieser Woche völlig auf den Kampf zwischen dem Otto-Clan auf der Ranch und den Walker-Natives fokussiert. Es wird sich noch zeigen müssen, wie interessiert und aufrichtig die Serie die äußerst ansprechende Thematik behandeln wird oder sie womöglich nur schändlich als Plotdevice einsetzt. Bisher jedoch läuft alles auf einen spannenden Ausgang dieser Bedrohungslage hinaus. Dieser Umstand gewinnt durch sein sehr glaubhaftes Setting noch an narrativer Wucht, sodass auch diese ansonsten langsame, wenn auch kompetent erzählte Folge überzeugen kann.

Gerade die angesprochene Kompetenz rückt das Serien-Spin-off in den letzten Wochen deutlich nach oben auf meiner Beliebtheitsskala. Dave Ericksons Autorenteam und Regisseure wissen das Setting äußerst klug zu nutzen. Vor allem visuell setzt sich Fear The Walking Dead von der Mutterserie ab. Körnige, entsättigte Bilder sowie ein Fokus auf Nahaufnahmen der Schauspielgesichter sind kreative Entscheidungen, Aufnahmen aus Georgia als Virginia umzusetzen, jedoch nicht. Im Kontrast funktioniert Fear the Walking Dead deshalb besser, weil die Serie sich ihres Settings völlig und authentisch annimmt. Das schließt die beeindruckenden, trockenen Landschaften ein, aber eben auch die historischen Kontexte. Der Walker-Clan braucht bisher deshalb so wenig Einführung und Charakterisierung, um bedrohlich und dringlich zu wirken, weil der Zuschauer um die Unterdrückung der Natives weiß. Sogar die eigentlichen Antagonisten des Walker-Clans geben in dieser Folge zu, dass auf der titelgebenden roten, staubigen Erde viel Unrecht geschehen ist und selbst Recht und Ordnung den Natives vor Gericht kein faires Zugeständnis machen konnten. Wieso also sollten die Diskriminierten, die Ausgestoßenen und Unterdrückten nach dem Zusammenbruch der Zivilisation sich nicht ihre Heimat zurückerobern wollen? Ihre Motivation ist klar, ihre Drohung direkt und die zögerliche sowie gespaltene Reaktion der Rancher sorgt für einen spannenden Konflikt.

Die Episode ist schön aufgeteilt. Jeweils ein Familienmitglied der Clarks versucht je einen Otto zu beeinflussen. Alicia (Alycia Debnam-Carey) erfährt durch Jake viel über die bisherige Geschichte des Kampfes mit dem Walker-Clan und Jake erhofft sich, den Konflikt friedlich lösen zu können. Seine diplomatischen Ambitionen ehren ihn sicherlich, doch angesichts des sonst stets explosiven Midseason-Finales muss bezweifelt werden, wie erfolgreich er sein wird. Gleichzeitig wird er ohnehin bereits von Alycia insofern manipuliert, als dass er ihr das Schießen beibringt. Das Ziel scheint klar.

Währenddessen verbringen zwei ehemalige Abhängige noch mehr gemeinsame Zeit. Nick (Frank Dillane) hat sich in der neuen Hütte relativ gut eingelebt. Dieses neue Leben, inklusive Beziehung mit Luciana, hat die Figur ein bisschen gelähmt. Nick, der sonst immer aktiv und selbstbestimmt war, wirkt in der dritten Staffel gehemmt. Dass ihm die Tötungen seiner neuen Freunde im Finale stark zugesetzt haben, lässt ihn in einem guten Licht dastehen. Doch der Ex-Junkie war bisher immer eine proaktive Person, die hoffentlich bald nicht nur still beobachtet sowie ab und an einen abschätzigen Kommentar ablässt. Vielleicht liegt dies aber auch an Jeremiah Otto, dessen ambivalente Charakterzeichnung keine klare Linie für Nick zum Gegenangriff übrig lässt. Patriarch Otto zögert aktuell, vermutet sogar seinen eigenen Sohn hinter den Angriffen auf die Familie, die die Ranch verlassen hat. Troy hat bereits Schreckliches getan und es ist ihm definitiv zuzutrauen, doch wir wissen auch, dass Ofelia auf Familienvater Otto im Finale der letzten Staffel traf und seither nicht mehr aufzufinden ist. Jeremiah dürfte noch das ein oder andere Geheimnis mit sich tragen und sein alkoholischer Rückfall zeugt von innerer Zerrissenheit. Womöglich hat er sogar seinen eigenen Sohn zu der Tat beordert und hadert mit seiner Entscheidung.

Die interessanteste Partie liefern sich jedoch währenddessen Madison und Troy. Der aggressivere Teil der Brüder hat in den wenigen Episoden mit seiner Person bereits einen großen Eindruck hinterlassen; insbesondere weil seine Figur den schmalen Grat zwischen nachvollziehbaren Handlungen und lächerlichem Overkill erfolgreich meisterte. Während ihre Kinder beschäftigt sind, mutiert Troy fast schon zu etwas wie ihrem Ziehsohn. Der junge Mann kann in seiner Verwirrung gut manipuliert und geformt werden, sodass sich Madisons prägende Wirkung schnell zeigt. Madison ist in der Abwesenheit ihres Mannes endgültig zu einer Person geworden, die handelt. Gut so! Kim Dickens wartet seit zwei Staffeln auf diese Chance. Nun kann sie zeigen, dass ihre Figur in der Konstellation die spannendste Anführerin ist, die es bisher gab. Denn aktuell agiert sie verdeckt im Hintergrund und versucht, alle Fäden zu ziehen. Sie weiß die Einwohner aktiv zu beeinflussen, kennt gleichzeitig jedoch ihre Grenzen und versteht klar, wann sie zu kuschen hat.

Insgesamt haben mich die letzten beiden Episoden so von der Serie überzeugt, dass ich noch mehr Angst habe, vom Finale enttäuscht zu werden. Während die Ranch-Frage hoffentlich nicht bereits im Finale endgültig geklärt wird (dafür ist er doch viel zu interessant und thematisch vielversprechend) und die Figuren wieder in die Welt dort draußen geschickt werden (wobei bereits Colorado als mögliches Ziel diskutiert wurde), müssen wir uns sicherlich durch die nächste Ofelia/Daniel/Strand-Storyline quälen. Das Problem ist ja nicht nur, dass Mexiko, das Hotel sowie die Sache aus der zweiten Staffel mit Daniel und Strand, geographisch und emotional so weit entfernt ist und die Ranch-Storyline in keinster Weise berührt. Das echte Rätsel ist, dass weder Daniel noch Strand in der Konstellation der Haupthandlung der Serie etwas hinzufügen würden. Im Gegenteil. Sie würden momentan nur stören.

“We have to go back!”

LOST …and found, heißt es im 87. Wowcast – René und ich finden endlich wieder zusammen, um über Serien zu reden. Jedoch ist es in diesem 100. gemeinsamen Podcast nicht nur irgendeine Serie, sondern die, laut 50% des Podcasts, beste Serie aller Zeiten: ABCs LOST.

Nach einer Hörerumfrage sollte die siebte Episode der fünften Staffel, “The Life and Death of Jeremy Bentham”, besprochen werden. In rund einer Stunde wird über Jesus-Figuren, Inselkorken, Inselmythologie und Zeitreisen aufgeklärt. Außerdem gibt es allgemein ein kleines Resümee sowie einen Ausblick auf die kommenden Ausgaben.

Shownotes:

LOST-Umfrage
LOSTpedia-Eintrag der Folge

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