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Mit Cairo gelingt The Leftovers der Ausbruch aus dem bisherigen Schema. Showrunner Damon Lindelof produziert eine grandiose Folge, dank der inszenatorischen Gewalt von Michelle MacLaren, abseits der feinfühligen Charakterbeobachtungen in vorangegangen Folgen. Hier ein Auszug, die gesamte Recap wie immer auf Moviepilot.

Es ist ironisch. Mit Cairo strahlte HBO vorgestern die erste Folge von The Leftovers aus, die nicht von Showrunner Damon Lindelof geschrieben wurde. Doch seine Fingerabdrücke am Skript sind unverkennbar. Wieso genau The Walking Dead Produzent Curtis Gwinn und der relativ unbekannte Fernsehfilmautor Carlito Rodriguez dafür engagiert wurden, bleibt wohl ein Produktionsmysterium. Denn gerade in Cairo offenbart Lindelof bisher nicht genutzte Spannung und Emotionalität, Innenleben und Gesamtgefüge. Es ist vielleicht die zentrale Folge der Staffel. Figuren werden vollendet, andere zeigen neue Seiten an sich, Beziehungen gehen zu Ende und der interessante Handlungsort, eine Hütte im Wald mit Personen, die zwar vor einem stehen, deren Existenz man jedoch zumindest anzweifeln kann, erinnert an sein umstrittenes Magnum Opus Lost.

Die Gastautoren meistern ihre Aufgabe jedoch auf beeindruckende Art und Weise. Sie balancieren ihre Handlungsstränge besonnen und schreiben authentische Dialoge für spannende Szenen. Die Figuren mögen leiden, der Zuschauer darf jedoch genießen. Dazu ist die Folge von Michelle Maxwell MacLaren inszeniert, dieser faszinierenden TV-Regisseurin, die sich in den letzten Jahren mit grandiosen Folgen in Breaking Bad sowie einigen markanten Folgen in The Walking Dead sowie Game of Thrones einen Namen in der Branche machte. Ihre Regiearbeit verleiht der Serie eine ganz neue Qualität. Ihre Übergänge sind flüssiger, ihre Bilder des Suburbanen mythisch und das Finale wirkt nahezu biblisch. Im buchstäblichen Kammerspiel im Wald gegen Ende der Folge fängt sie Kevins klaustrophobische Paranoia mit einer unruhigen Kamera und vielen Rahmen im Bild stimmig ein. Aber das sind nur einige von vielen Bildern, die aus dieser Folge deutlich länger hängen bleiben.

Moviepilot: Wir schauen The Leftovers – Staffel 1, Folge 8

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Nicht jede Woche kann ein Highlight sein, doch die Qualität sinkt nur leicht ab. In der neuen Episode, die in ihren Motiven und Charakterzeichnung an LOST erinnert, zieht The Leftovers das Tempo an und schafft es alle Handlungsstränge voranzutreiben und zu verbinden. Sogar eine übergeordnete Lösung könnte sich anbahnen – gibt es doch eine Erklärung für all die Vorgänge? Hier ein Auszug, die gesamte Recap wie immer auf Moviepilot.

Es ergeben sich in dieser Folge ein paar nette visuelle und narrative Parallelen zwischen Vater und Sohn. Da wäre einmal der Briefkasten und dann das Handy, das beide zerstören. Beide werden an der Hand verletzt und stürmen in ein Zimmer, wo sie nach jemandem suchen, der nicht da ist. Beide finden sich enttäuscht von ihren Vaterfiguren hilflos und alleine in ihrem Schlamassel wieder. Vielleicht macht eine dieser Parallelen bald einen Knick, sodass sich die Beiden wieder treffen können. Tommy hat Waynes Lügen satt und fühlt sich bestätigt: Christine gebärt nämlich ein Mädchen. Dennoch bleibt diese Storyline trotz beeindruckender und einnehmender Darbietungen am schwammigsten. Basierend auf den bisherigen Entwicklungen dürfte es aber als sicher gelten, dass auch Waynes Geschichte durch eine besondere Betrachtung an Gewicht zunehmen dürfte. Die bewusst gewählte narrative Struktur steht dieser Gewichtszunahme nur leider im Weg und die Aufschiebung der Auflösung wirkt mit fortschreitender Laufzeit frustrierend.

Und genau deshalb ist The Leftovers wohl so faszinierend. Lindelof und Buchautor Perrotta wurden vor dem Start der Serie nicht müde zu betonen, dass der Zuschauer sich keine Hoffnungen machen braucht, dass das zentrale Mysterium gelüftet werden wird. Und soweit funktioniert die Serie auch ohne diese Hoffnung. Selbst wenn sie wie letzte Woche kaum ins Übernatürliche abdriftet, ist die Atmosphäre und Inszenierung dieser Realität mit ihren Figuren so interessant, dass man keine Auflösung braucht. Doch Lindelof kann es wohl nicht lassen oder will bewusst seine Zuschauer ablenken, denn er streut hier und da mit zielgenauen Hinweisen Hoffnung.

Moviepilot: Wir schauen The Leftovers – Staffel 1, Folge 7

The Leftovers Soundtrack

06 Aug, 2014 · Sascha · Fernsehen,Musik · 0 comments

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Man hat das wohl vielleicht bereits seit dem ersten Trailer mit James Blacks “Retrograde” erwarten können, doch die großartige musikalische Auswahl in Damon Lindelofs The Leftovers überrascht von Woche zu Woche. Nicht nur Max Richters Score überzeugt mit Variationen seiner bisherigen Werke, sondern auch die punktuelle Songauswahl an bestimmten Momenten, um entweder eine Emotion oder sogar durch die Lyrics Botschaften für die stummen Mitglieder des Guilty Remnant zu übermitteln, kann überzeugen. Hier die gesamte Spotify-Playlist.

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Wie in Noras Fragebogen ergibt sich auch nun bei den Episoden ein Muster: Sobald sich The Leftovers auf das Schicksal einer einzelnen Figur konzentriert, ist das Endergebnis eine faszinierende, mitreißende und außerordentlich produzierte Glanzleistung, die das Potential dieser Ausnahmeserie verdeutlicht. Hier ein Auszug, die gesamte Recap wie immer auf Moviepilot.

In „Guest“ liefert Carrie Coon ein prachtvolles Gegenstück zu ihrem Serienbruder Christopher Eccleston, dessen Matt die beiden Boote und sogar den Helikopter in der Hoffnung, doch noch von Gott persönlich gerettet zu werden, verweigerte. Nora weiß dagegen, dass sie nicht mehr so weitermachen kann. Sie nimmt jede Hilfe an. Sie versucht mit Kevin nach Miami zu fliegen, sie nimmt die Droge auf der Party an und der ultimtive Perspektivenwechsel kommt mit Wayne. Carrie Coon trägt diese Folge mit Bravour. Die ehemalige Theaterschauspielerin konnte bereits in kurzen Auftritten in vorangegangen Folgen dem Paradebeispiel ihrer Rolle eine reale Note verpassen. Doch in ihrer Einzelfolge wird Nora mit all ihren wilden Seiten, ihrem Schmerz, ihrer Trauer und eigentümlichen Ritualen lebendig.

Ein besonderer Kritikpunkt, den man der Serie momentan durchaus vorhalten könnte, ist das Fehlen eines überhängenden, dominierenden Plots, der alles vereint. Doch das ist natürlich nicht nur auf einer thematischen Ebene durch die Symbolkraft dieses narrativen Kniffs zu erklären, sondern vor allem für den Zuschauer interessant, der oftmals von so komplizierten und übernatürlichen Vorfällen in ähnlichen Serien wie FlashForward oder The Event zu sehr eingenommen wurde. Als Folge wirkten die Figuren austauschbar und der sich immer windende und mit Twists vollgepackte Plot fungierte als einziger Reiz. Stattdessen ist The Leftovers die Antithese zu dieser Erzählweise. Hier wird kein überkomplizierter und allzu gefälliger Plot vorgegaukelt, sondern den Figuren Platz gegeben, um zu atmen und zu existieren. Es beschleicht einen das Gefühl, dass diese Welt lange vor dem 14. Oktober existiert hat, als ob diese Figuren tatsächlich existieren und real sein könnten. The Leftovers bietet jedoch nicht nur lebensechte Figuren und nachvollziehbare Emotionen, sondern eine glaubhafte und durchdachte Welt, die in Sachen Qualität und Detailreichtum ihresgleichen sucht. In einer Serie, die die globale Gesellschaft kollektiv den Existenzialismus hinterfragen lässt, ist dies unabdingbar.

Moviepilot: Wir schauen The Leftovers – Staffel 1, Folge 6

SDCC ’14: 10 Jahre LOST

01 Aug, 2014 · Sascha · Fernsehen · 0 comments

Zum zehnjährigen LOST-Jubiläum war die Serie auch auf der San Diego Comic-Con mit einem kleinen Video vertreten, das mein Herz erwärmt. We have to go back!

At San Diego Comic-Con in 2004, the first episode of Lost premiered. That was 10 years ago this weekend. To commemorate the 10-year anniversary of the show’s broadcast premiere, which was September 22, 2004, ABC’s Comic-Con booth presented a special video. It features showrunners Carton Cuse and Damon Lindelof, as well as a bunch of highlights from the show’s run.

Gibt auch zu denken, dass ABC seine Fans mit so einem kleinen aber feinen Video beglückt, während manche Filmproduktionen die SDCC fast völlig skippten.

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Halbzeit in Mapleton. So langsam kriegt man ein gutes Gefühl für die Serie und was sie eigentlich plant und sagen will. Nach vier Folgen seelischer Tortur durch die Mitglieder der Guilty Remnant schlägt eine kleine Gruppe in der 5. Folge brutal zurück. Die Tat steht sinnbildlich für die Ausweitung des Sicherheitstaats und die Einschränkung der Religionsfreiheit. Hier ein Auszug, die gesamte Recap wie immer auf Moviepilot.

Stattdessen ist The Leftovers ein Allegorie der USA nach dem 11. September 2001 und wahrscheinlich nur durch die US-amerikanische Perspektive gänzlich zu verstehen. Wenn Flugzeuge in Hochhäuser fliegen, bleibt nicht mehr viel von den Opfern übrig. Sie verschwinden quasi von einem Moment auf den anderen. Die, die es direkt beobachten, verkraften es kaum. Für andere prägen sich die Geschichten und Bilder für immer ins Gedächtnis ein. Damals starben fast 3000 Menschen. Die Erde drehte sich weiter. Nicht genug, dass die Welt untergehen würde. Doch sie veränderte sich dramatisch. Kriege in weiter Ferne folgten, Schuldige wurden gesucht, andersartig scheinende Religionen wurden verurteilt und verfolgt, ihre Mitglieder verschwanden entweder so brutal wie die Jünger Waynes oder wie die Departed vom Erdboden – Endstation: Guantanamo. Die Ausweitung des Sicherheitsstaates erfolgt hier noch dramatischer, es geht nicht mehr um vermeintlich Extreme im Ausland, sondern um – wenn auch provokative – Bürger im eigenen Land.

Dieser Ansatz ist fruchtbarer als die Entschlüsselung des Mysteriums selbst. Lindelof und Perrotta zeigen uns, in welche Tiefen die Gesellschaft langsam, aber sicher und fast schon unbemerkt abrutschen kann, wenn wir es aus niederen Bedürfnissen wie einem Mehr an Sicherheit zulassen, dass sie Freiheit anderer eingeschränkt wird. Damit wird die Serie quasi bisher auf den Kopf gestellt. Die Mitglieder der GR sind weiterhin komplexe und oftmals unsympathische Menschen, doch der Zuschauer hat sie nicht zu verurteilen oder gutzuheißen. Ihre Existenz, solange friedlich und legal, muss gestattet sein. Deshalb hat Kevin wohl auch bisher so mit sich selbst und ihnen gestrauchelt, im Grunde aber stets beschützt. Nicht nur das Schicksal seiner Frau ist an den Ausgang der Geschichte des GR in Mapletons geknöpft, sondern auch das seiner Nation. Das spürt er tief innendrin. „The Leftovers“ ist vielleicht die thematisch aktuellste Serie der amerikanischen Gegenwart. Sie stellt die Frage, wie es weitergehen soll.

Moviepilot: Wir schauen The Leftovers – Staffel 1, Folge 5

Wie immer hier der erste Trailer der neuen Staffel The Walking Dead frisch von der Comic-Con. Leider packt der mich persönlich so gar nicht, sonst gab es immer große Vorfreude meinerseits, aber was man hier plant, ist mir völlig unbekannt – bis auf den Weg nach Washington. Das beunruhigt mich jedoch überhaupt nicht wie die für frühere Staffeln. Wie ihr wisst, habe ich als enormer Fan der Vorlage ohnehin eine schwierige Beziehung zur Serie (Reviews zu allen Episoden), aber die solide letzte Staffel unter der Führung von Showrunner Scott M. Gimple lässt mich Großes erwarten.

Dass man die Terminus-Geschichte recht schnell durcherzählt, finde ich gut, denn ich hatte wirklich keine Lust den Hunters-Plot aus den Comics derart ausgedehnt zu erleben. Es ist aber auch wiederum recht schade, immerhin wurde die gesamte zweite Hälfte der vierten Staffel auf dieses ominöse Terminus gehypet. Deshalb darf man wohl ein bisschen Splatterhorror erleben und das war’s dann wohl. Oder man zeigt hier die halbe Staffelhälfte mit einigen Bits, die man schon hat. Ich finde den Trailer nämlich ein wenig verwirrend. Hier mal ein paar Zitate aus dem Comic-Con Panel (via): (weiterlesen…)

Auch wenn die gesamte Idee ein wenig zu sehr auf der EU-Buchreihe The Last of the Jedi beruht, kann sich dieser neue Trailer zu Star Wars: Rebels, dem The Clone Wars-Nachfolger von Dave Filoni, wirklich sehen lassen. Der Stil an sich sagt mir zwar immer noch nicht wirklich zu, dafür wirken die Modelle geschmeidiger und der Ton stimmt. Natürlich wird diese Serie für Kinder produziert, sie läuft schließlich auf DisneyXD, weshalb man die düsteren Zeiten des Imperiums nicht adäquat abbilden kann. Ein bisschen Mut geben mir die letzten Staffeln von The Clone Wars, die ich gerade nachhole, jedoch schon und das Bild vom Sternenzerstörer über Alderaan bereitet mir Gänsehaut.

Dazu hat der Trailer bereits richtig ikonische Momente, die man so noch nicht gesehen hat. Der Cowbow-Jedi baut sich schnell vor dem Kampf sein Lichtschwert zusammen?! Die künstliche Schwerkraft wird im Kampf abgeschaltet! Doch, doch – das kann was werden.