Wie aus dem Nichts kam gestern die Meldung, dass Jon Stewart die Daily Show nach 19 erfolgreichen Jahren im Laufe von 2015 verlassen wird. Doch schon seit einiger Zeit konnte man spüren, dass Stewart sich ein wenig zu festgefahren hatte. Die glorreichen Zeiten der Sendung während der Bush Jr. Präsidentschaft liegen schon lange hinter uns und seit Jahren verteidigt er war die rationale Herangehensweise an alltägliche Probleme in der Politik gegen die immer bizarrer werdenden Auswüchse des amerikanischen Parteiensystems, aber man merkte es schon länger: Jon Stewart steckt fest.

Er sagt zwar selbst im Video, dass er in einem wunderschönen Haus feststeckt, das er mit wunderbaren Mitarbeitern über Jahre aufgebaut hat und sehr stolz ist, aber irgendwann ist hat man auch genug von alledem. Dass er schon länger Lust auf neue Herausforderungen hatte, merkte man im Sommer letzten Jahres, als John Oliver die Moderation der Show übernahm, während er seinen Film Rosewater nach Jordanien drehen ging.

Und hier liegt auch womöglich ein weiterer Grund für Stewarts Ausstieg: John Oliver übernahm die Stelle so gut, dass er eine eigene Show bei HBO bekam und in dem neuen Format Stewarts Daily Show eigentlich in den Schatten stellt. Weiterhin ist sein früherer Kollege Steve Carrell gerade für einen Oscar nominiert und Stephen Colbert verabschiedete sich schweren Herzens von seiner Paraderolle, um in Zukunft sein Unwesen in den Wohnzimmern und Schlafzimmern von Millionen Amerikanern Abend um Abend mit der Late Show auf CBS zu treiben.

Seine früheren Kollegen haben ihn schon länger überholt und Stewart will den Job auch sicherlich nicht für immer machen. Das ist völlig menschlich und nachvollziehbar. Er wird sich wohl eine wohlverdiente Auszeit mit der Familie gönnen und dann eine neue Aufgabe finden. Womöglich wird er Chuck Todd bei Meet The Press ersetzen, da gab es ja bereits im letzten Jahr Gerüchte, die Stewart selbst bestätigte.

Vielleicht aber denke ich viel zu kompliziert. Womöglich möchte Stewart auch einfach Zeit haben, um sich bei Marvel für die Rolle eines älteren Peter Parkers zu bewerben oder für seinen Film Rosewater machen, der gestern auf VOD und DVD erschien. Spaß beiseite: Ich mochte die Daily Show sehr, sah ausgewählte Ausschnitte fast täglich und werde Stewart sehr vermissen. Wie sehr er tatsächlich fehlen wird, nachdem wir schon Colbert nicht mehr haben, werden wir dann so wirklich erst 2016 erkennen werden. Ich fürchte mich schon jetzt.

Mehr: Jon Stewart Talking Daily Show & His Ultimate Fate in Sept 2014

PewPewPew Does #HeForShe

24 Sep, 2014 · Sascha · Politik · 7 comments

heforshe

Wunderschöne Solidaritätsaktion der UN Women inklusive der Botschafterin Emma Watson (dürfte man mitgekriegt haben): #HeForShe. Ich habe unterschrieben und würde mich freuen, wenn einige Leser es mir gleich tun würden.

Symbolbild. Oder: Seit dem Ende von LOST geht es für den Eisbären nur noch bergab. (via)

Leider blieb Frostpaw nicht alleine. WSJ: More than 100 Arrested at Climate-Change Protest

Über einen Monat alt, mit 5,5 Millionen Views ein viraler Hit und trotzdem an mir vorbeigegangen: Greenpeace hat den Ohrwurm “Everything is awesome” aus dem LEGO Film in eine traurige Ballade verwandelt und lässt dazu ein wunderschönes Arktis-Panorama mit kleinen Easter Eggs in Öl untergehen. Die Protestaktion richtet sich gegen Zusammenarbeit von Shell und Lego, u.a. in Form von kleinen Rennautos oder der Ferrari Formel 1 Crew. Gute Sache.

We love LEGO. You love LEGO. Everyone loves LEGO. But when LEGO’s halo effect is being used to sell propaganda to children, especially by an unethical corporation who are busy destroying the natural world our children will inherit, we have to do something.

Ohne Worte

23 Jul, 2014 · Sascha · Politik · 0 comments

Neues aus der örtlichen Parallelwelt: Im Netz ist ein angebliches Video aus Nordkorea aufgetaucht, in welchem die Nachrichtensprecherin vom glorreichen Durchmarsch der Nationalmannschaft bei der Fußballweltmeisterschaft in Brasilien berichtet. Ich spreche kein Koreanisch und kann daher nicht überprüfen, ob es sich hierbei um echte Kommentare handelt, aber mir ist das auch gar nicht so wichtig, ehrlich gesagt. Alleine der Fakt, dass es man so etwas von Nordkorea erwarten könnte, finde ich schon erstaunend traurig. Wobei ich schon sagen muss, dass die Gruppenergebnisse entweder nach großartiger Satire klingen, oder sie tatsächlich tief in die nordkoreanische Psyche blicken lassen. Die Ergebnisse:

Nordkorea – Japan 7:0 = “Fuck ‘em to hell”
Nordkorea – USA 4:0 = “Fuck those guys as well!”
Nordkorea – China 2:0 = “Fuck ‘em a little bit. No wait, please don’t leave me! I didn’t mean it!”

Am Ende wird der “Oberste Führer” dann an der Copa Cabana von Touristen auf der Fanmeile umjubelt.

Neil deGrasse Tysons Cosmos Wiederauflage erfreut sich gerade großer Beliebtheit, doch natürlich gab es auch eine starke Opposition von der religiösen Rechte der USA. Über Wochen hinweg hat Tyson oftmals in kleinen animierten Geschichten die Leidenswege großer Köpfe in früheren Zeiten aufgezeigt. Bereits in der ersten Episode erzählte man vom Leben von Giordano Bruno und seiner Exekution.

Doch das ist momentan nicht der große Aufreger. Viel mehr nerven tut Tyson in den Augen dieser Kritiker wegen seinen Ausführungen zum Klimawandel (dem er die gesamte letzte Folge widmete und auch Gegenargumente auseinander nahm) und seiner Stellungnahme in der letzten Episode, dass er befürchtet, dass Aliens auf Grund unseres mangelnden Intellekts oder unserem Willen gemeinsam zu arbeiten gar kein Interesse an uns haben – wie zum Beispiel im Kampf gegen den Klimawandel.

Das nahm man sich jetzt bei Fox News zum Anlass Tyson runterzumachen und zu beschimpfen. Ähnlich wie bei Obama und sonstigen Gegner erfindet Fox News da eine Person, die es nicht gibt. Das Theater wirkt, wenn man es nicht besser wüsste, wie eine Parodie oder ein Sketch von SNL. Wir sind 10 Jahre von Ow! My Balls! entfernt, ich sag’s euch. Oh, und Gavin McInnes kann sich ins Knie ficken. Wichser.

“Good evening, monsters.” So richtet sich John Oliver in meiner neuen Lieblingshow Last Week Tonight an die schlimmsten Menschen im Netz: Internetkommentatoren, die uns sonst mit den dümmsten Bemerkungen der Welt nerven, jetzt aber unser aller Heiland sein könnten. Nachdem er wie sonst kaum ein anderer Moderator in den USA die Debatte um Netzneutralität eindeutig in illegale Kartellmachenschaften rückte und erklärte, wieso das eigentlich keinen interessiert (es ist stinklangweilig, weil das Wort “Netzneutralität” keinem was sagt; Internetfuckery würde eher passen – /fullack), müssen wir es jetzt selbst richten. Bevor die FCC mit ihrem Lobbyingarsch Wheeler nämlich ihre Entscheidung treffen wollen, nehmen sie jetzt Kommentare entgegen. So, go forth and spam, my children!