Seit vielen Jahren fasziniert mich der YouTuber Forger, der sich auf seinem Kanal hauptsächlich mit Analysen von Animes und Filmkritiken beschäftigte. Zumindest nannte er seine Videos so. In ihnen fand man jedoch neben der Besprechung der Filme auch erhebliches Unwissen, jege Menge Arroganz und vor allem Polemik, die ich kritisch auf meinem Tumblr-Watchblog Forgerwatch festhielt.

Vor einigen Monaten hing Forger mangels finanziellem Erfolg seine YouTube-Karriere an den Nagel und kündigte an, sich ab sofort größeren Projekten widmen zu wollen. Lange mussten seine Fans auch nicht warten. Forger aka Thomas Hanak veröffentlichte bereits Ende März seinen ersten Fantasy-Roman namens Yanomar, dessen kontroverse Besprechung in einer Kritik auf Amazon den Autor so verärgerten, dass er sich mit ihr sehr leidenschaftlich in einem episch anmutenden Video auseinandersetzte. Der Jäger wurde zum Gejagten.

PewPewPew ist stolz, Kontakte zu diesen Kritikern geschlossen zu haben und nun das erste Interview mit Oliver Straatmann und Toyota Jochen präsentieren zu können.

PewPewPew: Hallo Jungs. Was genau faszniert euch überhaupt an Forger?

Straatmann & Jochen: Zunächst die Art und Weise wie er sich als intellektuelle Instanz sieht, also wie er sich abgehoben und unreflektiert über Filme erbricht und darüber seine Anhängerschaft generiert. Und der Fakt, dass man mit Mitte 20 anscheinend schon eine Eigentumswohnung haben kann.

Ist Forger da nicht in einer gewissen Tradition vieler User in Filmforen anzusehen? Gibt es denn bei ihm ein Alleinstellungsmerkmal, das eine besondere Beschäftigung rechtfertigt?

Im Gegensatz zu anderen Forumsusern macht Forger erschöpfend lange Videos zu Filmen. Als Alleinstellungsmerkmal kann man hier seinen imaginären und polemisch geführten Kampf gegen Autoren, Regisseure, Schauspieler und natürlich “mainstream” Kritiker sehen. Mag sein, dass das auch andere (Filmkritik-) YouTuber tun, aber diese haben sicherlich keine Eigentumswohnung.

Könnt ihr eure erste Reaktion beschreiben, als ihr von Forgers Plänen gehört habt, YouTube zu beenden und ein Buch zu verfassen?

Dass er YouTube an den Nagel hängen wollte, hat uns wenig überrascht. Er hat häufig genug erwähnt, dass YouTube keinen monetären Mehrwert für ihn einbringt. Mit einem Buch hatten wir allerdings nicht gerechnet. Auch wenn er häufig erwähnte, Menschen in Foren bei ihren Geschichten zu helfen (was auch immer das bedeutet).

Forger selbst hat bereits im Vorfeld der Veröffentlichung ein langes Video zum Buch selbst mit diversen Kommentaren zur Qualität veröffentlicht. Welche Erwartungen hattet ihr an Yanomar?

Während Toyota Jochen gänzlich ohne Erwartungen an das Buch herangegangen ist, hatte ich tatsächlich die Hoffnung, dass Forger aufgrund seiner Videokritiken in der Lage sein könnte, eine solide Geschichte zu konstruieren. Seine persönliche Kritik zielte auf Äußerlichkeiten des Buches, während wir uns ausschließlich auf den Inhalt konzentriert haben.

Wie war dann der Ersteindruck des Romans?

Nach zwei Kapiteln wusste man ja so in etwa wo die Reise hingeht. Rechtschreibung und Grammatik waren das eine, stilistische Totalausfälle das andere. Was zunächst mit Humor genommen werden konnte, wurde später zu einem Albtraum. Tatsächlich haben wir uns das Buch gegenseitig vorgelesen. Das hat es erträglicher gemacht

Wie kam es zu eurer Kritik auf Amazon? Hätte ein Kommentar unter dem nächsten Video nicht auch genügt?

Er hat selber dazu aufgerufen, sein Buch hart zu kritisieren. In seiner Arroganz hat er es sogar so ausgedrückt, dass man es so kritisieren soll, wie er es “uns” über die letzten vier Jahre gezeigt hat. Und nachdem er nach diesen Forderungen solch ein, wie er es nannte, Produkt abgeliefert hat, blieb uns nichts anderes übrig als hart aber sachlich und fair das Buch zu analysieren.

Hanak verteidigt sich gegen als unfair empfundene Kritik.

Für mich ist die Veröffentlichung eines neuen Forger-Videos inzwischen ein Ereignis geworden für das ich sogar mein restliches Datenvolumen verbrauchen würde. Beschreibt bitte eure Reaktion, als ihr gemerkt habt, dass dieses Video eine Reaktion auf die Kritik ist und ihr direkt angesprochen werdet.

Nachdem unsere Kritik die Länge angenommen hatte, die sie letztenendes angenommen hat, war uns klar, dass wir darauf irgendeine Art Feedback von Forger selber oder seiner Community bekommen werden. Grade im Anbetracht der oftmals inhaltsleeren und bisweilen glorifizierenden (Forgers Person betreffend) Amazonkritiken, die direkt nach Release des Buches gepostet wurden.

Dennoch hätten wir niemals damit gerechnet, dass er sich so schnell, so lange und nur mit unserer Kritik beschäftigen würde. Das war schon eine witzige Überraschung.

Auch, dass er so ausfallend uns gegenüber wird war dann im Anbetracht unserer Kritik sehr überraschend. Wir schließen daraus auch, dass er viele Punkte in unserem Text gar nicht richtig verstanden hat. Wenn man sich unseren Text genau durchliest und dann sein Antwortvideo anschaut wird deutlich, dass er viele Kritikpunkte entweder nicht versteht oder sie bewusst in einem falschen Zusammenhang darstellt (beispielsweise der Punkt mit den Stilblüten oder auch die von uns eingangs dargestellte Abwehrtaktik was inhaltliche Kritik an Yanomar angeht).

Findet ihr diese minutiöse Auseinandersetzung mit der Kritik angebracht?

Grundsätzlich ist seine Reaktion (38 minütiges Video) komplett überzogen. Gerade wenn bedacht wird, dass es sich um eine einzige Rezension bei Amazon (!) handelt. Natürlich kann es konstruktiv sein, sich mit der Kritik an seinem eigenen Werk auseinanderzusetzen; Forger hingegen nutzt ein einseitiges Medium wie YouTube für diese Diskussion, behandelt das Thema mit einer Ambivalenz, die jede konstruktive Atmosphäre zerstört, da er die Diskussion auf eine persönliche (bewusst beleidigende) Ebene hebt, die wir mit unserer Kritik niemals hatten addressieren wollen. Seine heftige, emotionale Reaktion und insb. seine Behauptungen unser Text würde zu 80% aus Beleidigungen/Denunzierungen bestehen und andererseits sein Zustimmen vieler unserer Kritikpunkte zeigt, dass ihm jegliche emotionale Distanz zu seinem eigenem Werk fehlt und damit auch die Auseinandersetzung mit der Kritik komplett fehlschlägt. Und ganz im Ernst: Hätte er einfach kein Video gemacht, hätte kein Hahn nach unserer Kritik gekräht.

Übrigens zeigt schon die Nutzung von Begrifflichkeiten wie der der Denunzierung, dass Forger Sprache ohne Bezug zu eventuellen Diskursen verwendet und auch dort wenig reflektiert erscheint

Habt ihr ein Interesse euch mit Forger in Verbindung zu sezten und die Sache auszusprechen oder möchtet ihr euch mit einer Nachricht direkt an ihn richten?

Wir wüssten beim besten Willen nicht wieso.

Zum Abschluss: Würdet ihr euch über eine Fortsetzung freuen und habt ihr konkrete Wünsche an Forger?

Wir würden uns auf jeden Fall über eine Fortsetzung freuen. Alleine schon deshalb um zu sehen, ob er die Kritik, die er ja nicht nur von uns in konstruktiver Weise erhalten hat, ernst nimmt und eine Lernkurve präsentieren kann.

In diesem Sinne: Hoffen wir, dass uns der Allvater wohlgesonnen bleibt.

PewPewPew bedankt sich bei Oliver und Toyota für das Interview.