Noch bevor Sleep Well Beast, das neue Album von The National, im letzten Jahr veröffentlicht wurde, hatte ich bereits einen neuen Lieblingssong der Band. Er hieß wahlweise “Checking Out of a Collapsing Space”, “Roman Candle” oder auch einfach wieder nur “Checking Out”. So sicher war sich Sänger Matt Berninger auch nicht, als er den Song im Juni vor zwei Jahren zum ersten Mal live performte.

“Walk it Back”, wie der Song später auf der Platte heißen sollte, mutierte schnell zu meinem Lieblingssong. Ich liebe Bryce Dessners prominentes Gitarrenspiel, seinen Zwillingsbruder Aaron am Klavier und wie viel Platz die Instrumente im Song überhaupt erhalten. Es ist ein typisch launischer Song von The National, vollgestopft mit Selbstzweifel und Reue. Diese Themen sollten das Album auch dominieren. Berninger und seine Frau zeichnen sich für die Texte verantwortlich. Nach kämpferischen und stürmischen Texten voller himmelhochjauchzender Verdrossenheit hat bei dem Sänger endlich so etwas wie Selbsterkenntnis, Akzeptanz und auch Ruhe Einzug gehalten.

Anyway, ich habe mich ziemlich in den Song verliebt und könnte länger darüber schreiben, aber ich mach es kurz: Der Albumtrack hat diesen Karl Rove zugeschriebenen Monolog über die Instrumentals in der Mitte erhalten und das ruiniert alles für mich. Dass The National 2017 ein Album ohne politische Aussagen veröffentlichen könnten, ging wohl auch der Band zu weit. Bei Live-Auftritten wird Berninger nicht müde Trump zu beschimpfen und über die politische Situation in den USA zu urteilen, aber einen wirklich politischen Song vermisst man auf dem Album, das im Horrorwahljahr 2016 geschrieben wurde. Also wurde dieses Gefasel im Nachhinein auf den Song geklatscht, das den Song für mich total verändert und die stimmungsvolle musikalische Schwankung in der Mitte untergräbt und dazu wie ein Lippenbekenntnis wirkt.

Da The National scheinbar für jeden Song des Albums ein Video veröffentlichen werden, hat die Band mit Glitch-Artist Casey Reas zusammengearbeitet und dabei ist eine Zusammenstellung vieler Momente aus einigen State of the Union Reden entstanden. Zusammenpassen tut es für mich immer noch nicht. Aber ja, klar: Fuck you, Karl.