Die Lichter gehen aus, jetzt noch ein paar Trailer und ein bisschen Werbung, dann beginnt endlich der Film. Folglich wird man in eine ganz andere Welt transportiert, kann loslassen und sich nicht nur in den Sitz fallen lassen. Ein wenig Zeit vergeht. Der zweite Akt hat längst begonnen. Es gab die ersten Actionszenen, es wurde geschossen oder gerannt, geliebt oder gestritten. Gerade jetzt nimmt der Plot etwas an Fahrt auf. Doch dann das: In einem ruhigen Moment des Films wird das Bild plötzlich schwarz, der Ton verstummt. Dies ist kein technisches Problem, sondern es handelt sich um eine bewusste Unterbrechung der Immersion des zahlenden Zuschauers aus rein kommerziellen Zwecken.

Pausen im Kino sind schrecklich. Viele Filmfans aus ländlichen Gegenden kennen das Problem. Ein neuer Film läuft in den Kinos an und man möchte das große Spektakel natürlich auf der möglichst größten Leinwand mit der besten Technologie sehen. Wenn alles glatt läuft, bietet die CineStar Kinokette in meiner Heimat daher die eigentlich beste Kinoerfahrung. Das Saarland ist klein und hat eben viele, kleine Kinos, die entweder historisch interessanter oder von der Ausstattung her charmanter als ein Multiplex sind. Aber wenn ich einen Film mit audiovisueller Wucht sehen möchte, dann gibt es einer Ansicht nach bei uns nur das CineStar als Auswahl.

Bereits vor fünf Jahren habe ich meinem Unmut über Pausen im Kino kund getan. Außer dem CineStar kenne ich in meiner Umgebung kein einziges Kino, das Pausen bei “Überlänge” einlegt. Auch in den schönen Mutiplex-Kinos des Nachbarlands Luxembourg gibt es keine Pausen. In meinem alten Post hatte ich damals die kuriose Auswahl der Pausen dargelegt. Ein Indie-Film mit fast 160 Minuten bekommt keine Pause, während Blockbuster wie Hunger Games mit weitaus weniger Länge unterbrochen wird. Ich hatte damals in dem Sneak-Preview-Forum des Kinos nachgefragt, wie viel Einfluss man als Betreiber auf die Pausen hat und was die offizielle Begründung für die Pausen ist. Die Erklärung kam überraschend deutlich, auch weil die Seite privat geführt wurde. Die Pausen sind von oben angeordnet und dienen, wie vermutet, natürlich nur der Gewinnmaximierung. Ich war überrascht, wie klipp und klar mir das mitgeteilt wurde.

Ich kann den Gedanken der Pausen zumindest im Ansatz nachvollziehen. An den Kinotickets verdienen die Ketten sowieso wenig, der Essensverkauf ist die Haupteinnahmequelle eines Betreibers. Dazu sind Streamingdienste zur enormen Konkurrenz geworden und die sinkende Qualität der Blockbuster hilft auch nicht, die Besucherzahlen zu steigern. Aber Pause sind nicht die Lösung des Problems. Gerade beim Vergleich von Netflix vs. Kino gewinnen die Lichtspielhäuser doch haushoch, wenn es um die Immersion geht. Große Leinwand, hammer Sound – und gerade hier will man dramatisch reinqrätschen und den Zuschauer für 15 (!) Minuten aus dem Filmerlebnis reißen?

Ich beschäfte mich mit dem Thema, weil ich gerade das vergangene Filmjahr reflektiere. Ein Kinobesuch im Sommer hat mich besonders geärgert. Valerian hatte es ohnehin schwer an den Kinokassen. Dass der Film dann noch eine Pause von – ich habe die Uhr mitlaufen lassen – 16 Minuten und 43 Sekunden erleiden musste, hat sicherlich nicht geholfen. Dass jedoch vorher weder online noch offline deklariert wurde, dass der Film pausiert werden würde, sondern erst im Kinosessel vor dem direkten Beginn des Films eine Nachricht eingeblendet wurde, brachte mich zur Weißglut. Was für ein perfides Spiel mit dem Zuschauer. Erst wenn er nicht mehr davonrennen kann, wird ihm bewusst gemacht, dass er in einem anderen Kino die bessere Erfahrung gehabt hätte. Dazu wird dann doch in der gesamten Pause eine Essenswerbung eingeblendet. Die meisten Zuschauer bleiben ohnehin genervt sitzen. Das Essen ist teuer genug, groß können die Einnahmen also nicht wirklich sein. Ein anekdotischer Beweis, aber dennoch glaube ich nicht, dass sich das bei einer Rechnung wirklich groß lohnt.

Das scheint dem CineStar aber egal zu sein. Die Kinoerfahrung oder der Zuschauer liegen ihm scheinbar ohnehin nicht am Herzen. Bereits vor einigen Jahren tauschte man die Kinotickets in Kinoquittungen um. Statt einem kleinen Stück Erinnerung gibt es nun eine Kaufbestätigung. Ich sammelte diese Tickets gerne in einer Box und klebte sie vor langer Zeit mal als ein Geschenk für einen Freund in ein Scrapbook, denn die Besuche im CineStar waren für uns immer schöne Erinnerungen. Wieso der Wechsel zur Kinoquittung? Auf der inzwischen gelöschten Facebook-Seite des Saarbrücker CineStars (in der Zwischenzeit wurden alle lokalen Seiten gelöscht, es gibt nur noch eine zentrale Anlaufstelle für das CineStar auf Facebook) wurde mir keine schlüssige Antwort gegeben. Mit Kinotickets lässt sich kaum nicht die Umwelt retten. Sind reguläre Tickets also einfach zu teuer? In der vagen Antwort des Kinos wurden damals auch Vorteile für den Zuschauer angesprochen, die sich mir bis heute nicht erschließen wollen.

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Währenddessen sehe ich schöne Fotos wie das von Bianca, für die der Kinobesuch von Die Schöne und das Biest als Disney-Megafan natürlich ein besonderes Erlebnis ist, an das sie sich noch in vielen Jahren erinnern wird – auch dank der schönen Tickets.

Was also tun? Längere Fahrten ins nahe gelegene Ausland auf sich nehmen? Kleinere Kinos noch mehr unterstützen und bei bildgewaltigen Blockbustern in den sauren Apfel beißen? Das CineStar scheint zu wissen, dass es keine wirkliche Alternative gibt. So macht das keinen Spaß mehr. Mein Vorsatz in Sachen Film für das neue Jahr scheint also klar.

  • Jan

    Ich kann deinen Ärger sehr gut nachvollziehen. Mein letztes solches Erlebnis hatte ich beim dritten HOBBIT-Film, ebenfalls in einem Cinestar (das in Mainz keine Konkurrenz zu fürchten hat). Dort wurde ich noch stärker von der Pause überrascht: Es gab gar keinen Hinweis. Die Pause startete unangekündigt und es gab keine Angabe über die Länge der Unterbrechung. Das war wirklich das unverschämteste Erlebnis im ohnehin völlig seelenlos geführten Multiplex.

  • Verstehe deine Kritik vollkommen. Hier in Nürnberg gibt es meines Wissens keinerlei solcher “Zwangspausen”, zumal in einem Multiplex während des Wochenendbetriebes irgendwie schon lange keine sozialen Regeln mehr gelten.
    Ich wage mal zu behaupten das 60-70 Prozent der Besucher hier im Nürnberger Cine Citta in den “Stoßzeiten” am Samstagabend nur ins Kino gehen um sich dort mit dem Rest der plärrenden Meute zu treffen nur um dann in einem aktuellen Blockbuster rumzuhängen, zu fressen, zu saufen und zu whats-appen bis dann die Diskotheken gegen 23 Uhr öffnen. Der ganze Kinogang dient den Kiddies (zumindest meines Empfinden nach) nur zeitlichen Überbrückungszwecken.
    Der durchschnittliche jugendliche Kinogänger besitzt eine gefühlte Aufmerksamkeitsspanne von 8 bis allerhöchstens 15 Sekunden und dann ist Schluß. Verkaufsfördernde Zwangspausen werden insofern überflüssig da die Hälfte der Besucher sowieso ständig zwischen Saal und Foyer hin-und herpendelt um sich das nächste Bier zu holen bzw. schnell drei Zigaretten zu rauchen.
    Im Kino machen für mich eigentlich auch nur Pausen Sinn die Teil des Erlebnisses sein sollen, wie etwa der Zwischenstopp während der 70mm Roadshow zu Tarantinos HATEFUL EIGHT.
    Leider bin ich viel zu spät geboren worden um noch die Glanzzeit der Autokinos mitzuerleben war aber als Kind mit meinem Vater in einer Vorstellung zu TARAN UND DER ZAUBERKESSEL und einige Jahre später.(das hiesige Nürnberger Autokino – damals eines der noch wenig existierenden in ganz Deutschland – lag bereits in seinen letzten Zügen) mit dem besten Kumpel und dessen Rostbeule im ersten SPIDERMAN von Sam Raimi.
    Beim Besuch einer Autokinovorführung jedoch war die kurze 10 minütige Pause in der Mitte des Films für die meisten Teil des ganzen Kinozaubers…da sich dann dort im Zwiellicht von Projektor- und Autoscheinwerferlicht die Dorfjugend bei Glimmstengel und Dosenbier zur Planung des weiteren Abends am Kioskstand traf. Dabei wurde aber trotzdem noch über den Film gesprochen bzw. das gesamte Ritual des Kinogehens ernst genommen. Das ist von der aktuellen
    Appy-Generation leider nicht mehr zu erwarten.

  • DerBesserwisser

    Hmm, das ist ja ein bisschen schade. Hatte mir eigentlich fest vorgenommen, aufgrund der Erzählungen von zwei Podcastern mal auch das Cine Citta “mitzunehmen”, wenn es mich nach Nürnberg verschlägt, aber so…
    Ansonsten bin ich derzeit noch in der glücklichen Lage, zu arbeitnehmerunfreundlichen Zeiten ins Kino zu gehen: am 15.12. um 14:30 in SW zu gehen, war doch recht entspannt.

  • DerBesserwisser

    Die Pausen sind unschön, aber merkwürdigerweise stört mich der Verlust der richtigen Kinokarte viel mehr. Ich habe z.T. noch Kinokarten, auf denen man Vorstellung nur noch sehr schwach erkennen kann, weil sie schon rund 20 jahre alt sind. Was es besonders witzig macht, die mal im alten Freundeskreis herumgehen zu lassen, und “Vorstellungsraten” zu betreiben.
    Leider ist das CineStar quasi alternativlos, in erreichbarer Umgebung sind OV-Vorstellungen sehr spärlich gesäht.
    Bei “The Last Jedi” habe ich die Pause sogar positiv in Erinnerung, da ich von jemandem angesprochen wurde, der den Film zu dem Zeitpunkt zum dritten Mal sah, und sehr begeistert war – ich war es zwar überhaupt nicht, aber es war ganz schön seine “Seite” zu hören (und das jemand mein “abkotzen” gedulig ertragen hat).

  • Das Cine hat zwar die größten Säle weit und breit ist aber mittlerweilen schon ein wenig heruntergekommen was bspw. deren sanitäres Interieur betrifft. Wenn man eine ruhige Vorstellung erwischt kann man natürlich reingucken. Die Massen von Teenie-Gestirnen bewegen sich da ja auch nur an den Wochenenden durch. Ich würde dir empfehlen mit der U-Bahn ins 10 Minuten weitergelegene Fürth (meine Heimstatt und Nürnbergs Nachbar) zu fahren weil wir hier jetzt auch ein zwar kleines dafür aber feines Multiplex haben. Mit einer überschaubaren Anzahl an Sälen, großen Leinwänden nem guten Soundsystem und (was ich eigentlich am Wichtigsten finde) enormer Beinfreiheit nach vorne weg.
    http://www.metroplex-kino.de/

  • Habe auch noch meine Jurassic Park Lost World Kinokarte hier liegen, deren Beschriftung man nur noch mit Mühe und Note erkennen kann.

    Mir blutet ein wenig das Herz, da ich keine einzige Mitternachtspremierenkarten von Star Wars habe. Nur diese Quittungen vom CineStar. Na vielen Dank auch.