Das Ghostbusters Remake ist ein fürchterlicher Film. Paul Feigs Film ignoriert die Geschichte der Reihe, die ihm die große Aufmerksamkeit erst garantiert, erarbeitet gleichzeitig nichts Neues und tut etwas Unverzeihliches, das keine Komödie tun darf: Er ist schlicht nicht lustig.

Es gibt viele gute Gründe, den Film nicht zu mögen. Dazu gehört nicht, dass es die etablierten Figuren und Geschichten ignoriert. Dazu gehört nicht, dass das Marketing absolut katastrophal war. Dazu gehört ebenfalls nicht, dass die Schauspielerinnen nicht lustig sind. Und ganz sicher gehört dazu nicht, dass Frauen die Hauptrolle spielen. Es liegt auch nicht an den etlichen Witze über Flatulenz, Brüste, Queefs oder Penisse. Auch das laute Schreien, obwohl unlustig und kein Stück besser als in den Trailern, ist kein grober Fehler.

Stattdessen versagt Paul Feig bei den wichtigsten Elementen einer Komödie. Weder schafft es Feig, eine stringente Tonalität zu inszenieren, noch trifft er das für Humor essenzielle Timing. Solche konzeptionellen Ansätze sind ohnehin nicht der Style des Regisseurs. Wie Hemsworth in einem Video bestätigte ist die Arbeitsmethode von Feig die von vielen modernen Komödiegiganten wie Judd Apatow: Einfach die Kamera laufen lassen, ein paar Sätze aufsagen lassen und improvisieren – irgendwie wird es schon funktionieren. Spätestens im Editing Room müsste dem Mann dann auffallen, dass seine Version der Impro-Methode fehlschlägt. Doch der Film beweist seine Unfähigkeit.

Yes, it’s true, this film has no order

Die Geschichte des Films unterscheidet sich schockierenderweise kaum von der des Originals, deshalb kann auch ohne Zweifel von einem Remake gesprochen werden: Drei Wissenschaftlerinnen verlieren ihren Job an der Universität, weshalb sie zu Geisterjägerinnen werden und am Ende New York vor der Apokalypse retten. Bereits hier gibt es einige Punkte, die negativ aufstoßen und sich vom Original lösen – per se kein Delikt, doch die Konsequenzen machen den Film nicht besser. Der größte Unterschied zu Spengler, Stantz und Venkman ist der bereits vorhandene Glaube an Geister. Abby und Erin haben sogar ein Buch über das Paranormale veröffentlicht. Das beraubt dem Film einer spielerischen Qualität durch den Überraschungseffekt und die Ambivalenzen des Aberglaubens, doch gleichzeitig versucht er dies durch eine emotionale Verbindung zu Geistern wieder gutzumachen: Abby hatte als Kind eine übernatürliche Begegnung und daher auch eine interne Motivation, die Phänomene aufzuspüren und aufzuklären.

Als die Ghostbusters später jedoch auf den Bürgermeister treffen, wissen alle bereits Bescheid und die Geisterjäger verlieren jegliche Ausnahmestellung – natürlich gibt es Ghostbusters, es gibt ja auch Geister, das weiß sogar die Bürokratie. Ebenso gibt es keine wirkliche Montage der Arbeit von Abby, Patti, Erin und Holtzmann, der Film setzt ihre Arbeitsläufe als Wissen vorraus. Doch genau die Montage unterstrich eindeutig den Wechsel der Ghostbusters von einem Unicorn hin zu einer blue-collar Arbeiterklasse, die uramerikanisch und auf die Reagan-Jahre typische Art ein Kleinunternehmen gründen und in dieser (durchaus neoliberalen und weithin kritisierten Haltung) ihr persönliches Glück finden. Lediglich der Staat kommt ihnen in die Quere. Die neuen Ghostbusters dagegen sind bereits nach einer Rettung große Helden. Über die Umsätze und Löhne der Geisterjäger macht sich hier jedoch niemand Gedanken. Alles in Feigs Film fühlt sich hastig an.

Und wenn der Film mal kein Tempo vorgibt, trifft er andere bizarre Entscheidungen. So heuert Patti scheinbar grundlos bei den Ghostbusters an, während ihr männliches Pendant Winston einfach nur einen Job suchte. Patti ist der erste Kunde und tritt dann sofort Erin, Abby und Holtzmann bei, weil sie es kann. Während des Jobs beschwert sie sich dann darüber in einer Art, als wäre sie dazu verpflichtet.

Die Action Comedy am Ende funktioniert ebenfalls nicht. Die Sequenz ist zu lange, erinnert in Figuren-Konstellation, Tonalität und Look eher an den ebenfalls von Sony produzierten Film Pixels und sie stellt auch nicht die wissenschaftlichen Aspekte der Ghostbusters dar. Hinzu kommt, dass der Bösewicht des Films ein buchstäblicher Terrorist ist, der Manhattan mit Geisterbomben terrorisiert. Von der Romantik eines gedankenerzeugten gigantischen Plasma-Marshmallows: Keine Spur.

Diese Unstimmigkeiten im Drehbuch treffen nun auf Paul Feigs Arbeitsweise. Sein Ansatz hat sich im Vergleich zu den vorherigen Filmen wenig verändert. In konzeptionell eher losen Filmen wie Spy, The Heat oder auch Bridesmaids funktionierte der Plan, viel Material zu drehen und den Film später im Editing Room fertigzustellen. Die Ghostbusers jedoch vereint eine Mythologie: Das Paranormale und die einzigen, die es bekämpfen können, eine klassische, archetypische Figurenkonstellation. Selbst wenn das Remake neue Wege beschreitet, ist doch bereits hier der Franchise-Ansatz inklusive Post-Credits-Szene nicht zu verkennen und alleine deshalb schuldet sich der Film selbst eine stringentere Handlung und einen nachvollziehbaren Plot.

Gatekeeper Feig

Feigs Stil jedoch ist destruktiv und zerstört die Charaktere. Wenn jede Figur zu jeder Zeit das sagen kann, was ihr in den Kopf kommt, kann kein glaubhafter Charakter aufgebaut werden. Selbst gute Ansätze werden zerstört: Erin hält zunächst einen Monolog, in dem sie ihre Motivation und ihre Beziehung zu den Geistern ausführlich erklärt. Später jedoch, Sekunden nachdem Bill Murrays Cameo von einem Geist getötet wurde, hat sie nichts besseres zu tun, als zusammen mit Abby von Patrick Swayze zu schwärmen. Paul Feig konstruiert einen Charakter mit interner Motivation, die er im Rest des Films dann vollkommen außer Acht lässt. Charakter-Entwicklung auf Meth.

Feigs Ansatz basiert außerdem auf der Annahme, dass mehr Witze automatisch lustiger sind. Gag-Dichte ist ein Faktor, aber zusammen mit allen anderen Meriten des Films kann auch das nichts mehr retten.

Feig ist zudem nur am Rande an den visuellen Reizen seines Mediums interessiert, die visual gags kann man an einer Hand abzählen. Ansonsten darf nahezu jede Figur versuchen, lustig zu sein, ständig, zu jeder Zeit. Das kann schlicht nicht funktionieren. Ich möchte den ständigen Vergleich mit dem Original eigentlich scheuen, doch die Dynamik der Figuren basierte auf den gut herausgearbeiteten Charakteren und ihrer Herangehensweise. Spengler will nicht lustig sein, ist es jedoch trotzdem. Venkman ist der Scheiß eigentlich ziemlich egal, er will Geld und Frauen, weshalb seine laissez-faire Attitüde im Spiel mit Stantz völlig aufgeht.

Nach dem grauenvollen Trailer ist dann überraschenderweise ausgerechnet Patti die Figur, die am geringsten stört. Ihre Figur ist zumindest hinsichtlich ihrer Reaktionen konsistent und kann trotz ihrer dubiosen Beteiligung am Projekt durchweg gleich agieren. Leslie Jones wusste, welche Figur sie spielen möchte.

Im Gegensatz dazu verwirrt die komplett leere Figur von Kate McKinnon. In ihrer ersten großen Rolle darf die großartige SNL-Kömodiantin einfach alles ausprobieren. Ihre Jillian Holtzmann ist nicht an die Realität gebunden, sie nimmt nichts ernst und soll ausschließlich Jokes abliefern. Das beste Beispiel: Bei der Begegnung mit dem ersten Geist isst sie Pringles, als ob dieser phantastische Moment in keinster Weise außergewöhnlich wäre. Später feiert sie dann aber den Erfolg, einen Geist auf Video gebannt zu haben, am ausgelassensten mit ihren Freundinnen. Erst am Ende wird sie durch einen kurzen Monolog vermenschlicht, was sich ebenso unwirksam wie angetackert anfühlt. Patti kommentiert dies noch mit den Worten “That was a real thing right there” und genau das fehlte der Figur während des gesamten vorangegangenen Films.

Weniger ist mehr

Überschattet wird dieses Frauenremake nur von der unnötigen Einbindung eines Mannes. Mit Chris Hemsworth’ Kevin erhält der Film so viel Gewicht auf der falschen Stelle, dass er sofort umkippt, als Kevin die Bühne betritt. Seine Figur ist dumm. Das war’s. Kevin ist dumm. Dabei ist Chris Hemsworth’ komödiantisches Talent tatsächlich überraschend großartig, doch hier völlig fehl am Platz. Seine Rolle ist aufgebauscht, fehlbesetzt und insgesamt völlig überflüssig.

Hemsworth als Eye Candy kann durchaus funktionieren, doch es wird so viel Zeit auf seine Figur verschwendet, dass man sich nach dem Sinn alledem fragt. Janine hatte Charaktermerkmale, die darüber hinausgingen, dass sie attraktiv ist. Kevin ist nur dumm. Dieser Witz wird mehrfach in ganz offensichtlich improvisierten Szenen wiederholt, die ohne Flow, Rhythmus oder sonstige Aspekte auskommen, die Komödien ausmachen.

Überhaupt: Es wird so viel geredet in diesem Film. Jede Figur bzw. Schauspieler will ständig einen Witz machen und die improvisierten Sachen weichen so weit vom eigentlichen Thema bzw. dem Kontext der Szene ab, dass man sich fragt: Wieso wurde dort nicht ein Schnitt gemacht? Teilweise landen die Witze – und dann geht es weiter. Als seien die Schauspieler in einer weirden Version von Mad Libs gefangen und nur ein weiteres Vorgehen kann sie vor dem Untergang retten. Gute Witze ertrinken in einem See aus Improv. Wiederbelebungsversuche scheitern.

Who Ya Gonna Call?

Insgesamt wirkt das Remake wie ein trauriger Versuch Sonys, den eigenen Untergang in der Filmbranche zu verhindern. Ghostbusters als Marke ist bis heute sehr erfolgreich, doch die Figuren und ihre Dynamik machten den ersten Film zu dem Fanliebling und Kulthit, nicht der Ecto-1 und auch sicher nicht die Protonen Packs. Bereits der zweite Teil bewies, dass sich die Idee zwar durchaus kopieren und weiterdenken lässt, doch bereits hier war die Magie des ersten Films verbraucht. Der große Wunsch der Filmstudios nach einem Cinematic Universe wäre Sony vielleicht mit einem Soft Reboot geglückt, doch Feigs Stil und trotzige Haltung garantierten den finanziellen und kritischen Misserfolg.

Leider haben die Debatten um den Gender-Bending-Ansatz des Films und den angeblichen Sexismus der Kritik eine wirkliche Analyse der cineastischen Qualität komplett verhindert. Was nun aber auch nicht weiter schade ist, denn dieser Film ist so egal, es ist sogar egal, ob ihn jemand so zerreisst, wie ich es hier grade getan habe. Who you gonna call? Surely not Paul Feig.

  • DerBesserwisser

    Lag der Artikel lange auf Halde, und wurde dann doch noch fertig, weil das Plinkett Review bevor stand (das leider nicht so toll war, die ersten 25 Minuten kann man getrost überspringen)?
    Ansonsten kann man natürlich (weil einfach in diesem Fall) nur zustimmen, Lediglich bei “Es liegt auch nicht an den etlichen Witze über Flatulenz, Brüste, Queefs oder Penisse. Auch das laute Schreien, obwohl unlustig und kein Stück besser als in den Trailern, ist kein grober Fehler. ” würde ich meckern. Unabhängig von meiner Abneigung gegenüber derart infantilem Humor, passte diese Art von Humor überhaupt nicht in den Kontext des Films.

  • Haha, ja, genau das. :D

  • pauliborn

    Angeblich sexistisch is so ne Sache…. Da kam schon ne Menge Menge Bullshit von den gleichen Leuten die auch Furiosa in Mad Max für eine Bedrohung der Zukunft der Menschheit/Männlichkeit hielten… Den Film unabhängig davon auseinanderzunehmen wäre in etwa so erfolgreich gewesen wie ne HerzOP in nem Fluss von Fäkalien.

    Was schade ist, denn der Film war wirklich mit viel augenzudrücken mäßig unterhaltsam, was ihm bei mir ein “Einmal geguckt und höchstens wieder zum einschlafen an nem Sonntag Nachmittag, aber nur kostenlos bei Prime oder Netflix” einbrachte. Ansonsten haste alles gesagt was man dazu sagen konnte, Kevin blieb bei mir nicht so negativ in Erinnerung, wohl aber auch weil Hemsworth Lockerheit irgendwie ganz nice war… brauchte es ihn zwingend so? Nein, natürlich nicht.

    Ich finde es fast bezeichnend das alles was um diesen Film schwirrte irgendwie Franchise schrie, der Film selber aber seine einzige Chance “Franchise” links liegen ließ. Hätte hätte Fahrradkette und wir sind Milionen von Bundestrainern, aber hätte man mich gebeten eine Idee fürs Ghostbusters Softreboot auf nen Bierdeckel zu schmieren hätte sie so ausgesehen:

    3 Mädels haben zusammen irgendein Unternehmen… Irgendwas technisches , was weiss ich und gelangen in Schieflage und müssen schliessen. Aus Not und Geldsorgen jobt eine von ihnen in einem Diner in einer alten NY Firestation… Dort entecken sie im Lager die alten Franchiseplakate der Ghostbusters und nehmen über Umwege aus Neugier Kontakt zum gealterten Vankman der ihnen den alten Ramsch verkauft und mit dem Technikgeek verkuppelt. Dazu dann eine nette Gruselstory…
    Vielleicht nicht das gelbe vom Ei, aber nicht vom Fach und in 10min. Da wärevon Profiseite sicher mehr drin gewesen und die Franchiseidee gabs doch damals schon im Film, oder nicht? Und dieses ganze “Veruniversen” hätte man so sogar noch auf einer netten Metaebene behandeln können anstatt nur more of the same but without a plan umzusetzen.

    Nun. Schade, war halt nix…

  • Ich fand die Kommentare natürlich auch abscheulich, aber Red Letter Media haben ganz gut gezeigt, ob das wirklich “eine Menge Bullshit” war oder eben doch nur eine kleine, laute Minderheit – die man natürlich trotzdem nicht tolerieren sollte. https://www.youtube.com/watch?v=UWROBiX1eSc

  • pauliborn

    Ja da lief halt einfach alles schief bei dem Film. Die laut schreienden Vollhonks die nicht verstehen das Film Kunst ist die auf der Kreativität von Menschen egal welchen Geschlechts und/oder Nationalität fußt sind bei sowas dann die besonders verschimmelte Kotkirsche auf dem fuck-hier-lief-alles-schief-Sunday.