BBCs Planet Earth II war so gut, dass ich mir die Serie auf meine letztjährige Top 10 der besten Fernsehserien setzt. Es vergeht kaum eine Minute bei der ich mir nicht fragte: “Wieso zur Hölle haben sie diese Aufnahmen bekommen?”. Dabei geht es nicht nur um die immense Zeit, die Kosten oder die notwendige Geduld, sondern vor allem um die Kameraarbeit. Die Kamera ist so dicht an den Tieren dran, dass man fast jedes Mal rausgerissen wird, wären die Aufnahmen nicht so atemberaubend. Insbesondere die Dynamik der Kamerarbeit überzeugt. Während vor Jahren die Kameramänner noch mit ihren Gerätschaften versteckt rumliegen mussten, schwebt oder flitzt die Kamera inzwischen mit den Tieren mit.

Diese unglaubliche Arbeit hat Vox (Die Ami-Seite, nicht RTL VOX) im Video oben genauer erklärt und ich könnte nicht dankbarer sein dafür. Viele der Techniken waren wir zwar bereits vorher bewusst, aber die gesamte Progression an Kamera und Kameraarbeit im Genre der Naturdokus in einem Video so hübsch zusammengefasst zu bekommen hat schon was.

Colin Dickey findet bei New Republic für das Spektakel jedoch deutliche Kritik, der ich trotz meiner Begeisterung für die Aufnahmen zustimmen muss. Mit der gewonnenen Nähe zu den Tieren gehe der Blick für das gesamte Ökosystem verloren, schreibt er. Durch die Nahaufnahmen verschwinde der Mensch, die größte Bedrohung für diese Tiere. Weiterhin werden durch den anthropomorphisierten Blick zum Beispiel in dem viral gegangenen Verfolgungsvideo die Schlangen durch die Narrative zu den Bösewichten charaktersiert, wenn sie in Wahrheit die Spezies in dem Clip ist, die am ehesten durch den Klimawandel bedroht ist.

The years since have only brought more dread and uncertainty about the environment—yet Planet Earth II seems strangely frozen in time. The series is almost entirely free of an environmental perspective, failing to inform its audience that many of its showcased species are threatened or endangered. The first episode opens with the charismatic and languid pygmy three-toed sloth; we are told that it lives on the Isla Escudo off the coast of Panama, but not that it’s critically endangered due to tourism. […]

We never form a full picture of any of the various species on display in Planet Earth II; by the series end, the only thing we have a clear understanding of is its true star: the camera itself. Because animals inhabit a realm that is not only beyond our understanding, but beyond our perception, the series serves as a testing ground for innovative new developments in film technology. As a result, Planet Earth II comes off as the world’s most expensive film loop for selling high-definition televisions at Best Buy: The camera is dunked underwater, lashed to high-flying drones, and strapped to the DJI Ronin, a three-axis gimbal stabilizing unit that allows for long, steady tracking shots. The animals are not so much the subject of the camera as its measure.

In a sense, the Planet Earth series pulls off a marvelous trick: It allows us to see a world under almost constant threat of extinction without ham-handedly calling our attention to conservation issues. By chronicling in minute detail a world that could fall apart at the slightest disturbance, the series aims to passively foster an ethos of stewardship among its viewers without calling overt attention to it. In identifying with the baby iguanas over their snake predators, we’re relieved of any obligation to understand the greater ecological complexities of nature. In this telling, the baby iguana is not threatened by us, it is us—and, as with the iguana, our resilience ultimately overcomes all odds, fending off the dangers and horrors of the wider world. For the filmmakers, the natural world is a sublime landscape of awe and terror that offers the pure enjoyment of front-row seats to a previously unseen universe. Until the final episode, “Cities,” hardly any humans appear in the series at all, because our presence would break the spell; we might as well be witnessing some entirely alien planet.

Update: Inzwischen hat Vox zwei weitere Teile veröffentlicht, insgesamt ergibt sich ein echtes Making-Of, das man auch gut und gerne auf die Blu-ray Veröffentlichung packen kann. Das erste Video erzählt die Evolution der Timelapse-Aufnahmen und wie die digitale Kameratechnologie dieses Handwerk revolutionierte. Auch die Hyperlapse aus Folge 6 wird erklär.

Im letzten Video der Reihe zeigt Vox die Geschichte der Nachtaufnahmen und welche Kameras und Methoden man in der Vergangenheit verwendete. Allgemein gefällt mir an diesen Clips, dass nicht nur die beiden Planet Earth Serien erwähnt werden, sondern sie in den Kontext der Naturdokumentationen gestellt werden und die gesamte Entwicklung sichtbar wird.