Als Kind der Neunzigerjahre waren die Power Rangers für mich ein essentieller Teil meines Samstagmorgens. Ich hatte das Spielzeug, fand die Kaiju-Elemente natürlich am Besten, aber wuchs irgendwann aus der Sache raus. Zuvor erzählte mir ein Schulfreund mal, dass man ab der 5. Klasse auch samstags zur Schule gehen müsste und ich war den Tränen nahe, weil ich meine geliebten Power Rangers nicht mehr schauen könnte. Als ich dann in der 5. Klasse war, hatte ich an den Power Rangers nichts mehr. Und auch heute schaue ich keine alten Folgen, spiele weder Videospiele noch verfolge ich irgendwelche aktuellen Staffeln aus Japan. Nicht einmal mit Verachtung. Die Power Rangers sitzen für mich tief verankert in den Neunzigern fest an einem Punkt in meinem Leben mit dem ich gut abgeschlossen habe.

Was uns zu diesem Trailer bringt. Das Power Rangers Reboot von Lionsgate kann nicht scheitern. Vielleicht finanziell oder kreativ, aber definitiv nicht gemessen an der verbliebenen Nostalgie der Fans. Die Serie oder auch die Filme haben nie ein Niveau an den Tag gelegt, das man heute noch irgendwie – selbst durch eine rosarote Brille – als spannend, aufregend oder schön beschreiben könnte. Der Trailer selbst verspricht einen modernen Film, der relativ wenig von der Ästhetik preisgibt, die die Serie ausgemacht hat. Keine Kaijus, keine Zords, selbst die Anzüge werden in diesem Teaser Trailer nur… nunja, angeteasert. Aber Poster sowie geleakte Photos vom Set versprechen eine Rückkehr all dieser Elemente.

Der Film sieht bunt aus, was in den aktuellen Blockbusterzeiten eine echte Ausnahme ist. Gleichzeitig ist man aber auch bemüht, den Handlungsort Angel Grove sehr gritty™ darzustellen. Ebenso werden die Rangers selbst nicht als Karate-Fans in einem Jugendzentrum vorgestellt, sondern als böse Teenies beim Nachsitzen, die auf ein Alien-Schiff stoßen und dann mit coolen, neuen Superkräften durch die Gegend hüpfen.

Erinnert das an einen anderen Film? Ja, genau: Chronicle Drehbuchautor Max Landis hat selbst am Film früh mitgeschrieben und kommentiert das Ganze passend: “Yeah, it appears they hired the writer of Chronicle and he wrote a Power Rangers movie, so they fired him and made Chronicle instead.” Womit ich persönlich nicht einmal ein Problem hätte. Die Power Rangers Mythologie ist so vage definiert, oft neu interpretiert worden, ausschließlich für wirklich junge Kinder gedacht und purer shlock. Mehr als 50% des Anreizes macht für mich die Musik aus.

Nostalgie ist eine starke Emotion. Nicht umsonst ist Donald Trumps gesamte Kampagne auf einem Slogan aufgebaut, der verspricht eine fast schon mystisch anmutende Vergangenheit wiederaufstehen zu lassen, in der alles besser und größer war. Die Power Rangers können nicht einmal vorgeben, dies zu tun. Die Power Rangers waren Trash für Kinder, die es trotzdem mochten. Sie stehen damit im Kontrast zu vielen anderen beliebten Franchisen, die in den letzten Jahren noch einmal aufleben mussten und Fans bitter enttäuschten. Nostalgie wird mich im März ins Kino führen, wenn der Film anlaufen wird. Aber Nostalgie wird nicht dazu führen, dass ich den Film besser oder schlechter finde. Nostalgie ist nicht immer alles. Dahinter muss sich auch Qualität verstecken. Es gibt keine glorreiche Vergangenheit, die die Power Rangers zurückkehren können. Sie können lediglich eine gute Zeit im Kino versprechen. So bring it!

  • pauliborn

    Ich hab im Powerrangers Zeitraum gerade angefangen Tabletop zu zocken und fand die Plastikkaijus und das Karategedöns so schlimm und peinlich das der ganze Tross an mir vorbei zog. Wohlgemerkt nicht wertend, das war mein persönliches Empfinden, andere aus dem Freundeskreis sind da mit aufgesprungen. Als “Abends auf dem Sofa Stream” sobald er erhältlich ist wird der dann aber sicher ran gezogen.

  • Ging mir ähnlich mit Yugioh.