Hey Sascha, du hast noch gar nichts zum Trailer zu Battlefield 1 geschrieben.
Hi, ja, das stimmt.
Wieso denn das? Magst du die Videospielereihe nicht mehr?
Doch, eigentlich schon. Battlefield begleitete mich eigentlich seit dem Release des ersten Teils stetig.
Ach, stimmt ja. Du hast das ja auch mal sogar professionell gespielt. So mit Training, einem Team und Geld. Das hast du zumindest ein paar Mal prahlerisch in deinem Blog erwähnt.
Ja, Battlefield 2 und 2142.
Oh wow, 2142 war auch mein Lieblingsspiel der Reihe. Da gab es so viele neue, coole Ideen, wie zum Beispiel den Titan Mode… und jetzt redet da keiner mehr darüber.
Ich weiß ja auch nicht wieso. Ich gebe dir aber völlig Recht, sehr schade auf jeden Fall.
Ja, und jetzt Battlefield 1 oder was?
Na 2143 wäre mir auch lieber gewesen.
Jaja, aber… Battlefield 1, was sagste?
Ach… eigentlich nicht viel. Du hast ja selbst festgestellt, dass ich noch nichts dazu verfasst habe.
Ja, wieso eigentlich?
Na, das hat einmal den Grund, dass man bei dem Bloggen eines Trailers entweder schnell sein muss, um die erste Welle an Hits abzustauben – halte ich aber prinzipiell für eher so zweitrangig, wenn auch cool, weil Hits – oder man hat halt was zu sagen.
Willste jetzt mit RL angeben oder wie? Freitag Abends wohl was Besseres zu tun gehabt, hm?
Naja, schon? Ich weiß nicht. Battlefield machte immer großen Spaß, aber ohne ein Team und die Motivation eines herausfordernden Matches mit taktischen Zügen ist es mir zu arcade-y gewor–
Laber jetzt mal nicht so viel. Battlefield 1! Du hast doch sicher was zu sagen.
Das ist es ja… irgendwie stelle ich zum ersten Mal seit Jahren fest, dass ich keine wirkliche Meinung habe. Oder zwei gegensätzliche Meinungen, deren Kampf ich in meinem Kopf austragen, was mich so ermüdet, dass–
JAAAA, aber individuelles Panzer-Gameplay, Alter! Mehrere Leute in einem Panzer! Environmental-destruction-levolution! Wechselndes Wetter! FLAMMENWERFER!
Richtig, und Senfgas eben auch. Wenn du dir die Umfragen anschaust, wollten die Leute ein Spiel, das im zweiten Weltkrieg spielt. Interesse am ersten Weltkrieg hatten die Leute eher weniger, auch weil–
FLAMMENWERFAAHHHH!!!11
–viele eben bereits schon wissen, dass die Schlachten des ersten Weltkriegs mit Artillerie, neumodischen Chemiewaffen und in Schützengräben geführt wurden. Die Spieler wollen klare Verhältnisse, die guten Amis gegen die bösen Nazis, Carentan, 4v4, bämbäm.
Das ist jetzt aber Call of Duty.
Dann halt 64 auf El Alamein. Du weißt, was ich meine.
Da ist vielleicht was dran. Ich sehe es auch problematisch, dass nun dieser Schauplatz von DICE neu interpretiert wird und bewusst “nicht dokumentarisch” umgesetzt wird. Aber hey, Sascha, komm. Ist doch nur ein Spiel. Kaufen wirste dir es doch eh trotzdem.
Ja, klar. aber davon abgesehen gilt es eine Diskussion zu führen. Als großer Fan des Franchises verspreche ich mir halt eine glorreiche Rückkehr zum Gameplay, das mich vor 15 Jahren so erfreut hatte. Es gibt wieder Iron Sights, die dich anders schießen lassen und es wird Platz für echte Dogfights geben, die nicht von nervigen Lock-on-Scheißern unterbrochen werden.
Ja, siehste, that’s the spirit! PEWPEWPEW!
Aber das hätte ich nicht im ersten Weltkrieg gebraucht.
Jammer mal nicht so, nimm’s nicht so ernst.
Doch, irgendwie schon. Ich verstehe ja auch, dass er erste Weltkrieg ein interessantes Ereignis für DICE ist, an dem man sich kreativ abarbeiten kann. Viele Gegensätze, Panzer gegen Pferde und sowas, aber schlussendlich kann ich nicht drum herum, dass das Spiel die Schicksale und Opfer der Menschen minimiert. Ich weiß zwar auch, dass das beim eigentlichen Gameplay nur sehr wenig Bedeutung hat, geht es doch mehr um eine Reiz-Reaktions-Kette und tatsächlich einem Gefühl der Überlegenheit, besser beim Spiel oder der Taktik zu sein. Trotzdem könnte ich mir zum Beispiel nicht vorstellen, zum Beispiel ein Senfgas-Levolution-Event sehen zu wollen. Oder wenn der Zeppelin auf das Schlachtfeld kracht… das sind wunderbare cineastische Momente in einem Videospiel, aber gleichzeitig gab es noch nie dieses Maß an Zerstörung in einem Battlefield-Spiel. Dazu kommt nun auch die bereits aus Bad Company bekannte Zerstörung der Häuser – nur eben historisch korrekt, nicht in fiktiven Events.
Also triffst du da eine Unterscheidung?
Das weiß ich nicht so wirklich. Eigentlich nicht, weil die Motivation der Figuren immer gleich bleibt, nämlich so viele andere Gegner umzubringen wie möglich. Im Namen eines Krieges, für den der Einzelne wohl kaum Verwendung hat. Und gerade deshalb ist der Kampf des Soldaten im ersten Weltkrieg schließlich umso schwieriger darzustellen. Niemand wird in Battlefield 1 in einem Graben verhungern, verbluten oder mit Fußbrand reudig und verwirrt verrecken. EA verspricht ein actiongeladenes Spiel mit *SPASSSPASSSPASS*, aber der Trailer alleine löst bei mir schon dieses Unbehagen aus. Ich bezweifle, dass ich dieses Spiel spielen werden kann, ohne an die tatsächlich Gestorbenen denken zu müssen, eben besonders wenn das alles in total-echt-geiler-Ingame-Grafik angepriesen wird.
Hmm, vielleicht hast du da einen Punkt. Aber spielen wirst du es trotzdem, oder?
Wahrscheinlich ja. Ich werde es mir auf jeden Fall kaufen und antesten und erneut reflektieren. DICE könnte daraus theoretisch einen interessanten, historischen Shooter bauen, der zumindest im Singleplayer-Modus den Hintergrund subtiler angeht. Dass man dem Spieler aber mehr Sandbox-artige Möglichkeiten geben will, die Missionen zu erledigen, ist eben das genaue Gegenteil von einer gelenkten, intensiven Spieleerfahrung.
Ja, und jetzt?
Nichts. Erst einmal abwarten und anspielen. Ich verurteile niemanden, der sich auf das Spiel freut. Aus Sicht des Gameplays verspricht Battlefield 1 mit seinem back-to-the-roots-Ansatz tatsächlich mein Lieblingsteil der Reihe seit BFBC2: Vietnam zu werden. Ich freue mich also auch. Den Rest finde ich aber problematisch. Gewalt in Videospielen finde ich nicht prinzipiell verwerflich, aber gerade der erste Weltkrieg ist ein schwieriges Subjekt. Mal schauen, was DICE draus macht. Aber dass DICE in diesem Titel nun so einen großen Fokus auf den Nahkampf legen will, bereitet mir Bauchschmerzen.
Das mag schon sein, aber es gibt doch auch genügend andere Spiele, die eben genau dies machen. Valiant Hearts kann man dann spielen. Oder allgemein… vielleicht inspiriert jemanden das Setting zu eigenen Recherchen? So war das doch mit dir und BF1942 auch.
Stimmt.
Oder man spielt This War of Mine. Oder man liest Im Westen Nichts Neues, wenn man eine wirklich emotionale, tiefsinnige Auseinandersetzung mit dem Thema haben will. Für DICE ist der Weltkrieg eben nur ein Theme, das sie auf das bekannte Format draufklatschen.
Aber genau das ist doch das Problem, oder nicht?
Nicht notwendigerweise. Nicht weniger, als es das bei BF1942, Call of Duty oder einem anderen vergleichbaren Shooter jemals war. Videospiele führen nicht zu Gew-
Ja, klar, das musst du mir nicht erzählen.
Aber man muss es trotzdem festhalten. Es ist noch kein Jahrzehnt her, da hatten wir ständig diese nervigen Diskussionen. Ein reflektierter Umgang mit dem Spiel kann sowohl Abstand als auch Spaß ermöglichen. Er ermöglicht darüberhinaus auch einen tiefgehenderen Ansatz, um sich über das Spiel und das Genre generell zu unterhalten. Gleichermaßen kann diese Diskussion aber auch Konsequenzen für die Zukunft der Spieleentwicklung mit sich tragen. Das ist das Wichtigste. Dass wir miteinander reden.
Stimmt.

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  • DerBesserwisser

    Schöner Beitrag. Auch wenn ich nur marginale Berührungspunkte mit der Reihe habe (ich rotte ganze Gegnerpopulationen bevorzugt im “Alleingang” in SciFi/SciFantasy Szenarien aus), trifft es mein Gefühl beim Ansehen des Trailers von BF1 ziemlich gut:
    Sicher ist es richtig, das der erste Weltkrieg als Leinwand für ein Spektakel genauso falsch oder richtig (oder besser keines von beiden) ist alles jedes andere (Vietnam, 2. WK, War on Terror usw,), trotzdem fühlt es sich merkwürdigerweise “falscher” an. Eventuell liegt es ja daran, dass über Schule und Literatur der Fokus zu sehr auf dem Paradigmenwechsel in der (europäischen) Kriegsführung harrte – oder vielleicht einfach nur, dass in der entscheidenden Formungsphase meines Daseins neben Schiller und Hesse vor allem die Bücher von Remarque und Barbusse eine vordringliche Rolle spielten…

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  • jan

    ich verstehe nicht den unterschied zu bf1942 oder bf:vietnam. alles historisch, alles “unsensibel” in actionfilm-manier dramatisiert. für mich fühlt sich ww1 nicht “falscher” an als die anderen spiele. ist es der detailgrad der abschreckt?

  • Vielleicht ist es tatsächlich der Detailgrad, das wäre ein guter Ansatz. Während die Grafik einen Schritt nach vorne ging, haben sich auch die Spiele weiter in die Zukunft verzogen. So ehrlich kann ich es dir auch nicht sagen. Es ist halt alles mehr affektiv und auf einer Gefühlsebene. Der Beitrag soll kein rationales, nachvollziehbares Thesenpapier sein. Eher so ein Mood-Piece.

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