Mal abgesehen davon, dass J.K. Rowling gerade mit ihrem Vermächtnis einen auf George Lucas macht und diese ganze Cursed Child-Geschichte auch nur dazu dient, eine Vorlage für den ohnehin unausweichlichen Legasequel-Film in 10 Jahren zu haben ohne aber ein Buch veröffentlichen zu müssen, finde ich diese revisionistische Art von Rowling bezüglich Hermine und ihrer Vergangenheit höchst befremdlich.

Natürlich soll sich dies nicht gegen die Besetzung von Noma Dumezweni, eine Schauspielerin mit schwarzer Hautfarbe, als Hermine Granger richten. Die Figur kann natürlich neu besetzt werden und in einer neuen Erzählung problemlos nun neu interpretiert werden. Das kann und muss so klar ausgesprochen werden, angesichts der widerlichen rassistischen Kommentare im Internet.

Die Art, wie Rowling gegen diese Leute online vorgeht, mag jedoch verwirren. Als wäre eine klare Fürsprache der Autorin des Stücks und Erfinderin der Figur nicht genug, geht sie einen Schritt weiter: Sie erklärt, dass die Hautfarbe Hermines nie offiziell kanonisch geregelt war. Die Idee der Beschwichtigung ist nobel. Nur stimmt es schlicht nicht.

Nach den Sommerferien kommt Hermine braungebrannt in Hogwarts an und im dritten Buch ist ihr Gesicht explizit als weiß (Harry Potter and the Prisoner of Azkaban, chapter 21 : “Hermione’s white face was sticking out from behind a tree.”) beschrieben. Das sind nur zwei von mehreren Textstellen aus den Büchern, die Hermine mit weißer Hautfarbe definieren. Auch auf das Marketing, wobei es hier weniger um den Text als solchen, sondern eher um Projektionen der Figur geht, zeigen Hermine als junge weiße Frau. Ebenso die vielzähligen Buchcover aus allen Ländern. Auch die Kapitelillustrationen kann man dazuzählen. Selbst Rowlings eigene Zeichnung aus dem Jahr 1999 zeigt Hermine mit weißer Hautfarbe neben ihren Freunden.

In “Harry Potter and the Cursed Child” wird Hermine nun aber von der preisgekrönten Schauspielerin Noma Dumezweni dargestellt. Das ist gut so. Dieses Casting zeigt nämlich, dass man auch mit dem vermeintlich heiligen Kanon einer Geschichte im Namen der Adaptation brechen kann. Wieso Rowling jedoch derart revisionistisch an diese Debatte herangeht, statt einfach auf den Wandel der Zeit zu verweisen, wird mir nicht bewusst. Vielleicht versucht sie im Lagerkampf der Onlinediskussion eher ihre liberale Fangemeinde in guter Absicht zu beschwichtigen, statt einfach zu sagen: “Hermine war weiß. Jetzt ist sie schwarz. Wenn man nicht rassistisch ist, schert das einen nicht.”

Rowling ist in den letzten Jahren verzweifelt bemüht, alles in ihren gefühlt drölftausend Seiten richtigzustellen, aber ihre eigene Aussage gibt den Gegnern Munition in Form von direkten Zitaten aus ihren Büchern und raubt dazu Dumezwenis Besetzung die Signifikanz, dass eben trotz diesen Textstellen auch eine schwarze Frau Hermine spielen kann. Das ist schade.