Review: Game of Thrones S06E04

17 May, 2016 · Sascha · Fernsehen,Review

got604
HBO

Eine Wiedergeburt und ein Wiedersehen: Die starke 4. Folge der 6. Staffel von Game of Thrones führt Figuren zusammen und bringt den Plot schneller voran als erwartet. Das macht Mut auf eine rosige Zukunft. Aber hey, wir schauen immer noch Game of Thrones.

Endlich ist es geschehen. Fans der Show mussten sich rund 5 Jahre gedulden, Buchleser etwa vier mal so lange: Zwei Starks haben sich endlich wieder getroffen. Sansa, Podrick und Brienne haben sich Littlefingers Teleportationsmaschine geliehen und sind noch vor Jons Abreise auf der Schwarzen Festung angekommen. Es ist ein höchst emotionaler Moment, der keiner Worte bedarf. In einer Serie, die nie müde wird, ihre Figuren durch psychische und physische Qualen zu schicken und jede Woche Ramsey die Castliste verkürzen lässt, fühlt sich so ein Moment wertvoll an. Wir sollten ihn wertschätzen, denn schon in den abschließenden Szenen ziehen dunkle Wolken am Himmel Westeros auf, die nicht nur den Winter, sondern auch den Tod bringen werden.

Das Wiedersehen der Geschwister Stark in der 4. Staffel von Game of Thrones ist nicht das einzige Familientreffen in dieser Episode. Theon Greyjoy kehrt zurück auf die Iron Islands und trifft dort auf seine Schwester Yara Greyjoy, die ihm Thronsaal verweilt. Regisseur Daniel Sackheim kopiert Alan Taylors Inszenierung der Wiedervereinigung aus „The Night Lands“ in jeder Einstellung, was im Umkehrschluss jedoch durch die starke äußerliche Veränderung Theons nur noch mehr die vergangen Qualen betont. Obwohl er fast sein gesamtes Leben ein Gefangener war, erkennt Theon nun in Freiheit die feinen Unterschiede zwischen dem Hause Stark und Bolton. Ähnlich wie Jon hat ihn dieser Kampf gegen die Welt und Obrigkeit müde gemacht. Er kündigt seine Unterstützung für Yaras Wahl zur Königin des Salt Thrones an und überlässt seiner Schwester die Zukunft des Hauses Greyjoys. Dieses Thema durchzieht die gesamte Episode, wie auch schon durch die gesamte bisherige Staffel. Während bis auf wenige diabolische, gewiefte Männer viele männliche Figuren ihrer Motivation für Größeres beraubt wurden und kleinere Risiken suchen, ist es das weibliche Geschlecht, das die Führung übernimmt. Dies darf wohl als direkte Antwort auf die kritische Reaktion auf die 5. Staffel gewertet werden.

Ramsey schickt Jon einen Brief (eine Variation des berühmten Pink Letters aus “A Dance of Dragons”), in dem er die Auslieferung Sansas fordert; sonst werde die Armee der Boltons die Wildlinge töten, Ramsey Rickon umlegen, Sansa vergewaltigen lassen und Jon zwingen, dabei zusehen zu müssen. Große Worte, denen Taten folgen. Sansa, die zuvor Schwierigkeiten hatte, ihren müden Bruder für einen weiteren Kampf zu begeistern, gelingt es, die Dringlichkeit ihrer Situation zu unterstreichen. Dass Oshas Tod dabei als Plot Device genutzt wird, um erneut Ramseys cartoonhafte Boshaftigkeit und die Gefahr für Rickon zu betonen, kann daher verschmerzt werden. Immerhin scheint die von vielen Fantheorien erhoffte Bastardbowl, ein Kampf zwischen den beiden Bastarden des Nordens und ihren Armeen, dank Sansa eine Realität zu werden.

In King’s Landing ist es ebenfalls eine Schwester, die ihren Bruder zum Durchhalten ermutigen muss. Loras Tyrell erlitt neben den seelischen Schmerzen und endlosen Gebeten auch physische Schmerzen in Form von Folter. Er ist am Boden zerstört und kann selbst von seiner Schwester Margaery nicht ermuntert werden. Ihr wird jedoch nach einem Gespräch mit dem High Sparrow die Dringlichkeit ihrer Situation bewusst. Ähnlich wie Cersei soll sie bald ihre Sünden eingestehen und nackt durch die Stadt geschickt werden, so hat es der High Sparrow König Tommen mitgeteilt. Dieser wiederum offenbart dies seiner Mutter, die diese Information gewieft nutzt, um einen Fuß in die Tür des Small Councils zu bekommen. Olenna Tyrell, MVP einer jeden Sitzung in King’s Landing, ist angesichts dieser Gefahr auch gewillt, mit den Lannisters zusammenzuarbeiten. Wenn es hart auf hart kommt, zählt eben nur die Familie – immerhin teilen die adligen Häuser Westeros so nicht nur einen gemeinsamen Feind, sondern auch die gleiche Motivation („Fuck everyone else.“ – Jaime).

Es ist nur fraglich, inwiefern dies im Kampf gegen den Faith Militant helfen wird. Sollte der High Sparrow bei einem Angriff getötet werden, steigt er zum Märtyrer auf. Auch das Volk in King’s Landing hat seine Sympathie bei Cerseis Spaziergang durch die Eingeweide der Stadt klargestellt. Womöglich stünde dann eine noch größere Revolution bevor, die gerade bei dem Wintereinbruch gefährlich für das gesamte Königreich wird. Unterdrückung in Form von militärischer Gewalt gegen die eigenen Untertanen kann auf lange Sicht also keine Lösung sein. Dies ist sich auf Tyrion schon lange bewusst, weshalb er die Phantasien um die weiße Erlöserin in Slaver’s Bay entmystifiziert und zum Dialog mit den Sklaventreibern bittet. Tyrion verhandelt mit Terroristen, was er den anderen Idealisten untern Daenerys’ Gefolgschaft gegenüber schwer verkaufen kann. Aber Tyrion ist im Recht. Der Zweck heiligt die Mittel und momentan benötigt die Führung in Mereen Ruhe und Zeit, bis die Herrscherin zurückkehrt – und dieser Deal kann beides bewerkstelligen, auch wenn er der Mutter der Drachen wohl selbst missfallen wird.

Daenerys’ Familie war von Beginn an klein und ihren Bruder verlor sie bereits in der ersten Staffel. Obwohl zwei eifrige Männer sich auf einer lustigen Suche nach ihr fast verprügeln und ihr helfen wollen, ist es Danny am Ende selbst, die sich befreit und keinen Mann an ihrer Seite benötigt – oder ihn zum Durchhalten motivieren muss. Als sie die anderen Khals verbrennt und zur Königin aller Dothraki wird, rezitiert Game of Thrones das unvergessene Ende der ersten Staffel. Komponist Ramin Djawadi untermalt diese göttliche Szene mit dem gebührenden Pathos, aber auch dem glorreichen Drang einer Eroberin. Daenerys befindet sich jetzt wieder dort, wo sie anfing. Stärker, erfahrener, aber immer noch als Anführerin der Dothraki. Es wird Zeit, die Planspiele in Mereen hinter sich zu lassen, und endlich nach Westeros zu marschieren.

Einen Marsch von Truppen wird es ebenfalls gen Norden geben. Littlefinger kehrt endlich zurück und wickelt den gar nicht mehr so jungen Robin Arryn um seinen Finger. Petyr, als armer Junge aufgewachsen, genießt die Machtspiele, die ihm mit leichtesten Gesten gelingen. Er demonstriert Yohn Royce gegenüber, dass er sich nicht des jungen Robin entledigen muss, um die Soldaten des Tals zu kommandieren. Somit kann Baelish Sansa und den Starks zu Hilfe eilen, um sich nicht nur zu entschuldigen, sondern nach der Entmachtung der Boltons gemeinsam mit dem Norden als Lord des Tals die Krone zu stürzen – immerhin hat dies schon einmal funktioniert. Ein guter Plan, wenn Sansa ihm verzeihen und kooperieren kann. Es dürfte spannend werden.

Allgemein herrscht jedoch nicht nur große Anspannung in Westeros, sondern auch unter den Figuren, die nun wieder aufeinandertreffen. Neben den Familienvereinigung gibt es nämlich auch offene Anfeindungen. Brienne stellt gegenüber Davos eben nicht nur klar, dass sie Stannis exekutiert hat (womit nun wohl endgültig alle Hoffnungen auf eine glorreiche Rückkehr des ehrenhaften und rechtmäßigen Königs Westeros begraben werden müssen, RIP your grace), sondern dass sie auch nicht vergessen hat, dass Melisandre für den Tod ihres geliebten Renlys verantwortlich ist.

Gerade jetzt, wo die Führungskräfte des Norden geballt nahe der Mauer warten, den Norden zu befreien, sind diese Probleme natürlich hinderlich. Hoffen wir mal, dass Briennes Herz aufgeweicht werden kann. Tormund gibt sich zumindest alle Mühe, die zähe Kriegerin von ihren harten Aufgaben als Ritterin an der Seite von Sansa Stark abzulenken. Insgesamt gelingt es den Autoren David Benioff und D.B. Weiss in „Book of the Stranger“ wie kaum sonst die dramatische Steigerung der Bedrohungspotentiale aufzulockern. Jorah und Daarios Abenteuer nimmt Züge eines Indiana Jones-mäßigen Abenteuers an, Grandmaester Pycelle darf seine Figur in aller Ruhe Cersei vorspielen und Edd amüsiert sich über Tormunds Bemühen, nicht mehr mit Bären flirten zu müssen.

  • Kitempenphynupsel

    Gibt es Leute die, seit Shireens Tod, Stannis wiedesehen wollen?

    Ich hoffe viel mehr dass die Theorien um The Hounds Rückkeher irgendwie zutreffen.

    Wirds einen Podcast zu 3/4 von Season 6 geben?

  • Ja klar, als Podcasthörer wirst du natürlichauch wissen, dass ICH Stannis unbedingt wiedersehen möchte.

  • Flo Lieb

    Review gelesen (auch wenn das primär inhaltliche Nacherzählung war – was jedoch die meisten Serien-Reviews sind, zugegeben), bin nun aber nicht wirklich schlauer, wieso die Folge so stark war. Für mich hat sie sich nicht merklich von den vorherigen drei unterschieden (und keine davon besonders hervorgetan). Mir wird immer noch nicht klar, warum das nun eine so dermaßen gute Serie bzw. Folge – ist. Muss man vielleicht die Bücher zu gelesen haben – ich weiß es nicht.

    Wobei ich zustimmen würde, dass die Folge immerhin dahingehend bemerkenswert war, dass Sansa wohl mal eine Storyline kriegt, in der sie aktiv mitwirken darf, statt passiver Spielball und Opfer zu sein. Grundsätzlich scheint das aber eine Show, die ich selbst schlicht nicht begreife.

    P.S.: Müsste als Sohn (wenn auch Bastard) nicht Podrick der rechtmäßige König sein? Dachte immer Kinder hätten den Vorzug vor Brüdern/Geschwistern.

  • Ich schreibe ja für einen Auftraggeber. Moviepilot möchte Recaps.