The Interview
Columbia Pictures

Die Kritik, u.a. sogar von Präsident Obama, und Diskussionen um The Interview zeigen anscheinend Wirkung. Nachdem sich Sony und die Kinoketten gegenseitig die Schuld zuschoben und es gar keine Hoffnung mehr auf eine offizielle Veröffentlichung gab, ist nun wieder Bewegung in das Spiel eingekehrt. Sonys Anwalt David Boies war gestern zu Gast bei Meet The Press und gab dort bekannt, dass sich der Start von The Interview lediglich verzögert.

Sony only delayed this. Sony has been fighting to get this picture distributed. It will be distributed. How it’s going to be distributed, I don’t think anybody knows quite yet. But it’s going to be distributed.

Das ist neu, immerhin hatte man als Reaktion auf ein Angebot die Veröffentlichung komplett ausgeschlagen: Die Veröffentlichung von privaten Emails und Informationen hört auf, sofern The Interview nicht der Öffentlichkeit präsentiert wird. Auf dieses reizvolle Angebot einzugehen, ist für mich immer noch der hauptsächliche Grund für die Absage des Kinostarts von vor ein paar Tagen anzusehen.

Die Kinos können den Film nämlich ruhig auf Grund diffuser Ängste vor Anschlägen (oder auch der realen Gefahr durch Trittbrettfahrern) nicht zeigen. Denn dann kann Sony der immensen Publicity fest mit dem größten Video-on-Demand Einspielergebnis aller Zeiten rechnen. Das war angeblich auch ein Plan.

We have always had every desire to have the American public see this movie. There has not been one major VOD — video on demand distributor — one major e-commerce site that has stepped forward and said they are willing to distribute this movie for us. Again, we don’t have that direct interface with the American public so we need to go through an intermediary to do that.

Das halte ich jedoch für ziemlich unwahrscheinlich. Aber mal davon abgesehen, dass andere VOD Dienste wie Netflix womöglich ebenfalls Angst haben, sich Ärger ins Haus einzuladen, besitzt Sony selbst zwei Dienste, darunter Crackle – ein eher kränkelnder Dienst mit schwachem Angebot, dessen Highlight Jerry Seinfelds Kaffee-Comedian-Show sein dürfte. Das wäre jetzt die Chance für den VOD Dienst. The Interview via Crackle an die Öffentlichkeit zu bringen soll angeblich jetzt auch unbestätigten Gerüchten zufolge ein Plan sein, den Sony verfolgt.

Diese Idee wurde aber schnell von Sony dementiert, doch die Hoffnung bleibt bestehen: “Sony is still exploring options for distribution.” Alles andere wäre auch dumm. Nach der riesigen Berichtserstattung, Kritik und Sensibilisierung kann Sony den Film nicht ins Regal stellen und bei seinem Budget auch nicht einfach kostenlos in die Welt entlassen. Wenn alles gut geht, haben wir womöglich doch noch Mitte des Jahres unsere The Interview Blu-ray im Regal stehen und alles wird gut.

  • So ein Hin-und-her. Sony Pictures sollte sich vermutlich erst einmal intern klar werden, was sie nun wollen, bevor sie etwas an die Öffentlichkeit tragen. So sehr ich auch dafür bin den Film zu veröffentlichen, wirft das kein gutes Licht auf Sony.