Abgesehen von ein paar Trailern habe ich noch nie sehr viel über Boardwalk Empire hier verfasst. Das lag jedoch nie an der Qualität der Serie oder mangelnder Begeisterung. Boardwalk Empire endete vor ein paar Wochen und das bestmögliche Kompliment, das ich Terence Winter, seiner Crew und dem Cast aussprechen kann, ist, dass die Serie es in jeder Folge schaffte, die Welt der 1920er Jahre wieder aufleben zu lassen. DieLiebe zum Detail, sei es bei den Sets, den Kostümen, den kontemporären Referenzen zu Musik oder Politik, der Auswahl des Castings, der Inszenierung, den pompösen Showeinlagen, den Subplots, den Einstellungen, war schier unendlich. Doch sobald die Zeitreisestunde dann aber beendet war, widmete ich mich wieder anderen Dingen. Boardwalk Empire war keine Serie, die mich fesselte.

Das lag auch daran, dass Boardwalk Empire spürbar keinen großen Gesamtplan hatte – was jedoch nie störte. Ja, man wollte das Leben von Nucky Thompson und seiner Familie (wie auch immer diese zu definieren ist, bleibt dem Zuschauer überlassen) abbilden, aber Nucky war oft nicht der überzeugendste Teil der Serie. Steve Buscemi spielte brilliant, besonders in der letzten Staffel, doch mit der Zeit wurden die eigens erschaffenen Nebenfiguren wie Richard Harrow oder Mickey Doyle interessanter. Und überhaupt: Nebenfiguren – nicht immer mit grandiosen Plots, dafür aber mitreißenden Momenten! Man war einfach dankbar, dass sie da sind und von so grandiosen Schauspielern wie Stephen Graham, Michael Shannon, Shea Whigham, Michael Kenneth Williams, Gretchen Mol, Michael Stuhlbarg, Anthony Laciura, Anatol Yusef, Vincent Piazza, Jeffrey Wright oder Bobby Cannavale (und, und, und!) zum Leben erweckt wurden.

Boardwalk Empire mag nicht ohne Fehler gewesen sein. Das Intro fand ich schon immer bescheuert. Den Frauenfiguren wurden erst späte Siege zugestanden – wenn überhaupt – und generell, historische Begebenheiten hin oder her, nicht viel Beachtung geschenkt. Aber dennoch wusste die Serie zu verzaubern und zu überzeugen. Kaum eine andere Serie bewegte sich bewusst so langsam voran, um ihren Figuren und Plots Zeit zum Atmen zu geben; nur um dann guns-blazing in den finalen Folgen einer Staffel die Köpfe rollen zu lassen. Überhaupt muss man die schnelle, kühle und vor allem direkte Art der Gewaltdarstellung der Serie loben. Ich werde die Serie sehr vermissen. Boardwalk Empire war ausgereifte Unterhaltung für Erwachsene und das gibt es nur noch selten.

Wem es ähnlich wie mir geht, der darf sich noch einmal die HBO-Dokumentation The Final Shot ansehen, in der Crew und Schauspieler fünf kreative Jahre Revue passieren lassen.