Das Schlimme am #GamerGate ist ja, dass diejenigen, die in Diskussionen meinen, dass es eigentlich gar kein Problem gibt, Anita Sarkeesian meist nur als Lügnerin oder wahlweise als Schlampe bezeichnen und dann auf Videos verlinken, die das beweisen sollen. Nicht einmal die Argumentation übernehmen sie selbst. Meinungen und Zahlen werden anstandslos übernommen, weil man ja ohnehin keine Zeit hat. Die Spiele warten nämlich. (Und bevor mir jetzt jemand in den Kommentaren vorwerfen will, das Gleiche zu tun: Ich weise auf meiner Internetseite auf etwas hin, ich befinde mich hier in keiner spezifischen Diskussion. Die wird aber noch wohl in Form eines Podcasts folgen.)

Letzte Woche erschien dann ein neues Video und nicht von einem irrationalen Atheisten oder zwei verrückten Neckbeards, sondern von einer Frau! Und Akademikerin ist sie auch noch! Und sie spricht sich gegen Anita aus! Der feuchte Traum aller Gegner des GamerGates. Video rumreichen, weil das beweist ja, dass Videospiele nicht sexistisch sind. Wer sich das Video jedoch einmal genauer angeschaut hat, wird schnell herausfinden, dass Frau Christina Hoff Sommers unsauber arbeitet und teilweise auch schlicht falsch liegt. Jonathan Mann widmet ihr seinen A Song A Day #2088 und singt seine Gegenrede. Großartig.

Nach dem Klick übrigens noch ein Video, das sich mal mit dem berühmten Thunderf00t auseinandersetzt und ihm seine angebliche Logik um die Ohren haut. (via)

  • Tom

    Bin sehr gespannt auf den Podcast (wirklich aus unschuldigem, offenen Interesse) und auf die nachfolgende (hoffentlich) offene Diskussion Deiner Punkte, Sascha. :)

  • Tiger

    Mein Gott. Ist diese ganze Diskussion nicht total überzogen und unnötig?
    In Indien werden haufenweise Frauen vergewaltigt und umgebracht aufgrund ihrer sozialen Stellung, aber alle scheinen sich lieber mit Stereotypen in Videospielen zu beschäftigen. Sollte diese Anstrengung nicht in etwas bedeutenderes gesteckt werden?
    Wenn man die Spiele anzüglich findet, soll man sie nicht spielen. Viele scheinen zu vergessen, dass Videospiele ein sehr großer Wirtschaftszweig geworden sind. Sie werden auf eine Zielgruppe abgestimmt. Die größtenteils lange Männer und Jungs waren. Ist es dann so überraschend, wenn diese dann Frauen(auch aufreizend) beinhalten? Auch die Männer werden teils überspitzt dargestellt. Außerdem werden doch immer mehr Spiele mit starken Frauen produziert. Warum nur ist das zu so einem großen Ding geworden?

  • DerBesserwisser

    ” Indien werden haufenweise Frauen vergewaltigt” Totschlagargument. Ich bin dafür, dass sich hier niemand mehr über Mord, Raub, Vergewaltigung, Diebstahl, Hartz IV, Filme/Bücher/etc, Kommentare anderer Leute, die sich über kultureelle Misstände echauffieren, etc. negativ äußerst, schließlich verhungern irgendwo Kinder, es gibt irgendwo Krieg, irgendwo, wird irgendwer unterdrückt, etc., etc., etc.
    “Wenn man die Spiele anzüglich findet, soll man sie nicht spielen”
    Totschlagargument Nr. 2. Spiele sind Teil der Kultur, und damit für eine gesellschaftliche Teilhabe mitunter essentiell. Mit dem selben Argument könnte man auch jegliche Kritik an Filmen, Büchern, Musik, etc. abschmetten, muss ja schließlich auch niemand kaufen.
    Das Spiele ein gewinnträchtiger Wirtschaftszeig geworden sind, ist kein Argument, sondern lediglich ein Grund, warum sich Darstellungen von Frauen und Männern, häufig auf Stereotype reduzieren: man will höhere Verkaufszahlen.
    Ich glaube es ist zu einem “großen Ding” geworden, weil es nunmal genug gab, die lieber im Schutze der Anonymität ihren Kleinkindfantasien bezüglich Frau Sarkeesian freien Lauf liessen, anstatt sich kritisch mit ihrer Argumentationsweise bzw. Kette auseinanderzusetzen. Wenn Sie, meiner Meinung nach, auch im Kern recht hat, argumentiert sie durchaus selektiv, und nicht immer ganz korrekt.

  • Tiger

    Ich habe mit mit meiner Aussage nicht verallgemeinert wollen. Die Stellung der Frau in einer Gesellschaft kann schon als feministisches Ziel angesehen werden. Ich sprach nicht vom gesamten Leid in dieser Welt. Ich finde es schon etwas schlimmer, wenn Frauen wie Dreck behandelt werden, als wenn man in einem Spiel nur als Mann spielen kann oder die Darstellungen fragwürdig sind. Das sind virtuelle Kleinigkeiten, die leicht behoben werden können. Hier draußen ist die wirkliche Welt. Wir sind zu verwöhnt mit unserer Gesellschaft. Beschäftigen uns am liebsten mit Populärkultur.(Ich exkludiere mich hier nicht) Man könnte einfach mehr machen und sich eher mit solchen dringlicheren Fragen auseinandersetzen.

    Seit wann sind Spiele essentiell um am gesellschaftlichen Leben teilhaben zu können? Es gibt wirklich sehr viele Menschen die damit absolut nichts am Hut haben und dennoch sozial aufblühen. Ist wirklich jedem selbst überlassen.
    Ich sehe Spiele als Teil meines Lebens, werde aber jeden Tag aufs neue negativ überrascht von Menschen die gaming zu unrecht abstempeln.
    Ich muss zugeben, Argument zwei kann ich nachvollziehen. Das ist wirklich ein “Totschlagargument”. Dennoch steckt etwas Wahres dahinter und ich glaube es gibt nicht wenige, die so handeln.
    Damit kann auch der Markt verändert werden. Wenn die Leute aufhören würden, bestimmte Spiele zu kaufen, würde sich auch etwas ändern. Es funktioniert aber momentan gut für die Firmen. Warum etwas ändern?

    Frau Sarkeesian lässt einen solchen Diskurs aber gar nicht zu. Ihre Kommentarfunktion ist ausgestellt. Man kann ihr weder zustimmen, noch widersprechen. Das ist Mist. Wenn man sich an so ein Projekt wagt, muss man auch mit den Widersachern zurechtkommen. Das gehört dazu. Sich aber dem völlig zu entziehen finde ich fragwürdig. Es gibt genügend Leute, die ihr zusprechen und auch das Wort für sie ergreifen. Das zeigte ihr Kickstarter. Wenn sie es macht, dann ganz oder gar nicht.

  • Du willst ‘ne Diskussion in YouTube-Kommentaren :D?

  • Tiger

    Warum nicht? So entsteht nur ein Brennpunkt auf ihrer Twitter-Seite. Ich finde nicht, dass eine Seite besser oder schlechter geeignet wäre. Trolls gibt es überall.

    Ich tue Spiele nicht als Kleinigkeit ab. Die Diskussion an sich hat schon ihre Daseinsberechtigung. Nur glaube ich, dass es dringlichere Situautionen gibt. Hier handelt es sich um eine Feinheit in einer “funktionierenden” Kultur. Nicht alle haben so viel Glück. Bei uns hat der Feminismus schon sehr viel erreicht. Die Aufgabe sollte es sein, das dies der weltweite Standard wird.

    Nein, das kann ich nicht leugnen, habe ich auch nie. In meinem Freundeskreis schätzt man die Kunst und Unterhaltung durch games sehr.

    “Gamer stempeln täglich genauso, wenn nicht sogar mehr ab.”

    Dann sollten wir aber zuerst an den Verbrauchern etwas ändern, nicht am Produkt. Es ist ja in diesem Falle die Ignoranz der Leute, die die Lage so prekär macht. Man muss sich dann wohl fragen, warum da so viel Hass entsteht. Warum fühlen sich Leute derart stark angegriffen von ihr? Es ändert doch nichts an ihren Lieblingsspielen. Ich bin jetzt wirklich kein Fan von Sarkeesian, aber ich akzeptiere ihre Meinung und wenn ich etwas zu ihr sagen würde, dann in angemessener Form. Man muss sich fast für die eigene Spielerzugehörigkeit schämen bei solchen Leuten.

  • DerBesserwisser

    “Man könnte einfach mehr machen und sich eher mit solchen dringlicheren Fragen auseinandersetzen.”
    Das eine schließt ja das andere nicht aus, man kann sich ja auch an dieser Diskussion beteiligen und gleichzeitig drängendere Problem angehen.
    Das Problem ist nur, dass du mit “es gibt wichtigeres” persönlich eine imaginäre Linie ziehst, die mit Sicherheit nicht jeder an der gleichen Stelle zieht, und die dir zu einem späteren Zeitpunkt oder in einem andere Kontext selbst auf die Füsse fallen kann.
    Wie wäre es mit einem kleinen Gedankenspiel: Das deutsche (privat) Fernsehen hat ja nun schon einige Wellen hinter sich (Talkshows, reality-shows, scripted reality usw), nun würde in nicht allzu ferner Zukunft ein Sender einen Vorstoss wagen mit einer Sendung in der nachweislich Obdachlose mit kleinen Spielen ihre Situation temporär aufbessern können, und an deren Ende sogar der “Hauptpreis”, eine Nacht in einem Luxuhotel winkt.
    Ich will damit beide Problematiken sicher nicht auf die selbe Stufe stellen, nur aufzeigen, wie problematisch das Ziehen derartiger Linien ist. Dürfte ich über diese Show meckern ? Nach deinem Kriterium nicht, da es Obdachlosen in Deutschland sicher besser geht, als Obdachlosen in Afrika, und es wahrlich wichtigeres gibt, als das ein Fernsehsender die Grenze des Anstandes im Fernsehebereich noch etwas weiter nach unten geschraubt hat.

    “Seit wann sind Spiele essentiell um am gesellschaftlichen Leben teilhaben zu können?”

    Nun ich habe dies selbst eingeschränkt: “mitunter”. Je nach gesellschaftlichem Kontext, in dem du dich bewegst ist dies aber einfach eine Notwendigkeit. Der Mensch hat einfach einen inhärenten Zwang sich einer Gruppe zugehörig fühlen zu wollen, und wird entsprechend versuchen sich deren Habitus zu Eigen zu machen Gerade Videospiele sind hierbei ein wichtiger Faktor, da sie den in den Köpfen von Kindern und Jugendlichen noch stark verankteren Eskapismus sehr gut bedienen.
    “Wenn die Leute aufhören würden, bestimmte Spiele zu kaufen, würde sich auch etwas ändern”. Wiederum muss das Eine das Andere nicht auschließen. Ich kaufe z.B. keine Spiele die mich dem Zwang einer Onlineaktivierung (Steam/Origin/etc,) unterwerfen, dennoch beteilige ich mich auch an Diskussionen zu dem Thema, und erkläre auch gerne (wenn es mir adäquat erscheint) meinen Unmut darüber, dass Spiel X nur über Steam erhältlich ist.

    “Frau Sarkeesian lässt einen solchen Diskurs aber gar nicht zu. Ihre Kommentarfunktion ist ausgestellt.”
    Prinzipiell gebe ich dir recht. Soweit mir bekannt, wurde die Kommentarfunktion aber erst gesperrt nachdem die ersten Anfeindungen und Drohungen eine gewisse Zeit hatten ihre Wirkung zu entfalten. Sicher muss man sich auch Kritik stellen, allerdings gestehe ich da jedem eine gewisse persönliche Grenze zu: Wenn Spiele veröffentlicht werden in denen man selbst verprügelt werden kann, oder Vergewaltigungsdrohungen auftauchen, kann ich schon nachvollziehen, dass man zu naheliegenden Mechanismen greift, um sich dagegen abzuschotten. Die Alternative wäre ja in diesem Fall, das eigene Projekt komplett einzustellen, und damit agressiven Gegnern zu zeigen, dass ihre Einschüchterungstaktik erfolg hatte.

  • DerBesserwisser

    Ich verstehe diese künstliche Gruppierung “Gamer” nicht. Ich spiele schon sehr lange und sehr gerne Videospiele, trotzdem fühle ich mich nicht einer übergeordneten Gruppe zugehörig. Ich lese auch geren Bücher und schaue auch gerne Filme, deswegen gehörige ich aber nicht zu den “Readers” oder “Watchers”.

  • Ich auch nicht. Mein Papa ist 57 und spielt Bomberman, es gibt “den Gamer” schon seit Jahrzehnten nicht mehr. Und trotzdem wird ihr vorgeworfen, dass sie kein richtiger Gamer sei und sich deshalb keine Meinung erlauben will. Aber ja, du hast das Identitätsproblem generell sehr gut zusammengefasst.