Wolfang M. Schmitt setzt sich der aktuellen Ausgabe von Die Filanalyse mit den hiesigen Programmkinos und der Filmkultur Deutschlands auseinander. Er beschreibt darin sehr gut meine Suche nach guter Filmkultur hier am Rande Deutschlands, die mich in den letzten Woche erneut häufiger über die Grenze des Landes hinweg nach Luxemburg führte. Dort laufen nämlich Gia Coppolas Palo Alto oder Jonathan Glazers Under The Skin im Kino. Ein sehr treffender und wichtiger Beitrag:

Das Politische wie das Ästhetische wird als Bedrohung wahrgenommen. Das Wellness-Kino setzt die Politik der ‚Neuen Mitte‘ auf der Leinwand um. Lieber frönt man einer kulinarischen Kultur der Unterforderung, als sich noch Kritik oder gar Kunst auszusetzen. Die Kinobetreiber, die eher Therapeuten gleichkommen, die ihren Patienten/Zuschauern ein Sedativum nach dem anderen verschreiben, machen fröhlich bei dieser Verflachung mit, sie verdienen gut daran und schreiben sich weiterhin ‚Arthaus‘ auf die Fahnen, wenn auch nur die Kuschel-Version gemeint ist. Das ist ein großes Unglück, da es keineswegs weniger großartige Filme gibt. Das Problem ist, daß man diese Filme fast nur noch auf Festivals zu sehen bekommt oder auf die DVD-Veröffentlichung hoffen kann.

Dazu passend zwei äußerst passende Artikel von Rajko Burchardt:
Ziemlich beste Freunde, ziemlich großer Mist
In der Gewalt des Wohlfühlkinos

  • Stimme in vielen Punkten zu auch wenn das mir das hier etwas zu sehr von oben herab vorgetragen wird.
    Leider sind die meisten Filmproduzenten zu ängstlich. In Deutschland werden ja quasi nur noch Komödien mit großen Namen (Schweiger/Schweighöfer) oder Kinderfilme (Adaptationen/Sequels) produziert. Hauptsache man geht auf Nummer sicher…Naja und die Kinopreise tun ihr übriges. Ich guck mir meistens nur noch visuell starke Filme (meistens Blockbuster) auf der großen Leinwand an.
    Den Rest halt zu Hause. Die Heimkinos werden ja auch immer besser.
    Ich weiß noch als ich in Granada studiert habe und dort Filme 3 EUR gekostet haben. Da hab ich mir die skurrilsten Sachen angeschaut. Und die Kinos waren immer voll.

  • In Deutschland werden auch jedes Jahr viele großartige Filme produziert. Es scheitert jedoch oft an der Vermittelung dieser Tatsache, wie dein Post beispielhaft klarstellt.

  • guy

    Find das Video ganz gut. Er weißt auf die Problematik der Filmauswahl der “Programmkinos” und den fehlenden Anspruch bei einem Großteil seines Publikums hin. Ziemlich beste Freunde wäre also ein Film, der “fälschlicherweise” als Programmkino bezeichnet wird und es sogar darüber hinaus noch in die großen Kinoketten geschafft hat. Ob der Film nun ziemlich großer Mist ist, ist ja erstmal egal oder? Hätte ja auch ein guter Film und dennoch kein Programmkino sein können.

  • Naja. Das Video fängt gut an, wird dann aber immer schlechter. Herr Schmitt scheint Leute ja schnell für ihre veganen Schnittchen und den regionalen Rotwein zu verurteilen, würde sich aber wohl eine oberflächliche Verurteilung seinerseits hinsichtlich des Anzugs und des Whiskyglases vor der pretentiösen Buchwand verbitten. Diese Verallgemeinerung ist mir eh zuwider. Dass ist doch, als würde man Leute bitten, mehr Weltliteratur zu lesen und dafür weniger Comics. Man kann doch beides lesen. Und genauso sehe ich das mit Filmen. Ich bin auch für eine bessere Auswahl an Programmkinos, muss mich aber nicht über Feel-Good-Filme stellen, die ich zuweilen sehr gerne schaue. Zudem lässt diese oberflächliche und sehr subjektive Kritik völlig außer Acht, warum sich Menschen aktuell nach gerade diesen Simply-Your-Life-Filmen sehnen und warum diese Sehnsucht daher auch durchaus ihre Berechtigung hat.

  • Es handelt sich aber nicht um eine Entweder-Oder Situation, sondern um einen Ausgleich beim Angebot.

  • DAS kann ich ja sofort unterschreiben. Ich arbeite mich vielleicht einfach gerne an Snob-Polemik ab. :P