Review: The Leftovers S01E05

30 Jul, 2014 · Sascha · Fernsehen,Review

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© HBO

Halbzeit in Mapleton. So langsam kriegt man ein gutes Gefühl für die Serie und was sie eigentlich plant und sagen will. Nach vier Folgen seelischer Tortur durch die Mitglieder der Guilty Remnant schlägt eine kleine Gruppe in der 5. Folge brutal zurück. Die Tat steht sinnbildlich für die Ausweitung des Sicherheitstaats und die Einschränkung der Religionsfreiheit. Hier ein Auszug, die gesamte Recap wie immer auf Moviepilot.

Stattdessen ist The Leftovers ein Allegorie der USA nach dem 11. September 2001 und wahrscheinlich nur durch die US-amerikanische Perspektive gänzlich zu verstehen. Wenn Flugzeuge in Hochhäuser fliegen, bleibt nicht mehr viel von den Opfern übrig. Sie verschwinden quasi von einem Moment auf den anderen. Die, die es direkt beobachten, verkraften es kaum. Für andere prägen sich die Geschichten und Bilder für immer ins Gedächtnis ein. Damals starben fast 3000 Menschen. Die Erde drehte sich weiter. Nicht genug, dass die Welt untergehen würde. Doch sie veränderte sich dramatisch. Kriege in weiter Ferne folgten, Schuldige wurden gesucht, andersartig scheinende Religionen wurden verurteilt und verfolgt, ihre Mitglieder verschwanden entweder so brutal wie die Jünger Waynes oder wie die Departed vom Erdboden – Endstation: Guantanamo. Die Ausweitung des Sicherheitsstaates erfolgt hier noch dramatischer, es geht nicht mehr um vermeintlich Extreme im Ausland, sondern um – wenn auch provokative – Bürger im eigenen Land.

Dieser Ansatz ist fruchtbarer als die Entschlüsselung des Mysteriums selbst. Lindelof und Perrotta zeigen uns, in welche Tiefen die Gesellschaft langsam, aber sicher und fast schon unbemerkt abrutschen kann, wenn wir es aus niederen Bedürfnissen wie einem Mehr an Sicherheit zulassen, dass sie Freiheit anderer eingeschränkt wird. Damit wird die Serie quasi bisher auf den Kopf gestellt. Die Mitglieder der GR sind weiterhin komplexe und oftmals unsympathische Menschen, doch der Zuschauer hat sie nicht zu verurteilen oder gutzuheißen. Ihre Existenz, solange friedlich und legal, muss gestattet sein. Deshalb hat Kevin wohl auch bisher so mit sich selbst und ihnen gestrauchelt, im Grunde aber stets beschützt. Nicht nur das Schicksal seiner Frau ist an den Ausgang der Geschichte des GR in Mapletons geknöpft, sondern auch das seiner Nation. Das spürt er tief innendrin. „The Leftovers“ ist vielleicht die thematisch aktuellste Serie der amerikanischen Gegenwart. Sie stellt die Frage, wie es weitergehen soll.

Moviepilot: Wir schauen The Leftovers – Staffel 1, Folge 5

  • Naja, man kann da jetzt Tiefe hineinprojizieren (ein Teil von mir geht damit d´accord und freut sich auf jede weitere Folge), andererseits guckt man sich eine Serie an, in der – seien wir mal ehrlich – sehr wenig passiert. Die Serie hat ein Erzähltempo wie ein ruhiger Seitenarm des Mississippi an einem heißen Tag im Sommer. Das Setting wurde im Piloten aufgespannt, seitdem glotzt man Kleinstadt-Bewohnern zu irgendwelche Kleinstadt-Dinge zu tun. Und dem Hauptprotagonisten, dessen Tätigkeit sich darin erschöpfen sich zu besaufen und seine Ray-Ban Aviator zu den unpassendsten Gelegenheiten zu tragen, nebst Gel-Frisur. Ja, da sind unterschwellig die Echos von Waco und 9/11 drin, aber das wurde auch schon öfters umgesetzt, meistens allerdings mit dem Holzhammer wie in Red State und Homeland als Verrohung des Individuums. Prädikat Kleinstadt-Mystery, im Unterschied zu “Under the Dome” aber irgendwie ansehbar. Conclusion: mal abwarten, sollte man jedenfalls weiterhin strengstens beobachten.

  • Dass nicht wirklich viel passiert ist, kann ich irgendwo nachvollziehen, aber ich glaube nicht, dass man die Entwicklung nicht immer nur am Plot abgleichen kann (oder sollte). Die Serie ist ja offensichtlich nicht an der Auflösung interessiert, will dazu aber nicht einmal groß mit ihrem Setting was machen – bisher. Ich denke, dass sich das noch ändern wird, aber primär geht es hier um ein Abbild einer Gesellschaft und die Schockstarre. Es gibt soviele Parallelen hier, die in den letzten Folgen allesamt äußerst subtil gestreut wurden. Und den Vergleich mit Homeland kann ich irgendwo erkennen, aber wie du sagst, geht es da a) mehr ums Individuum und b) um die aktivere Seite der Reaktion und die daraus resultierende Konsequenzen sowie Gefahren.

  • Frosch Futura

    Ahhh, ich liebe die Serie!