Wolfgang M. Schmitt jun. hat sich am Wochenende in seiner Filmanalyse ausnahmsweise einmal nicht mit Filmen beschäftigt, sondern auf Wunsch seiner Zuschauer über Fernsehserien gesprochen und weshalb er diese ablehnt, nicht als Kunst und als reine Zeitverschwendung empfindet. In der neuen Ausgabe des PewCasts widme ich mich zusammen mit Miriam (@galbrush) und Sebastian (@smoitzheim) Schmitts Thesen.

Shownotes:
Die Filmanalyse-Analyse: Warum ich keine Bücher mag!
Rhein-Zeitung: Im Elfenbeinturm der schönen Künste
Intro: @laut-malerei
Outro: @HANSEMANN

Hier die Links zu MP3, Soundcloud und Podcast-Feeds:
MP3: pewcast012.mp3 (21 MB)
Soundcloud: PewCast 012: Warum wir Fernsehserien mögen
iTunes: PewCast
Podcast-Feed: http://feeds.feedburner.com/pewcast

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  • Pio

    Super Folge – kann das Gesagte nur unterschreiben! Den Link solltet ihr dem Kritiker bitte zuschicken, freue mich auf seine Antwort ;)

  • Paddyy

    Und ich dachte erst das wäre Sascha im Video, der ne Art überzeichnetes Intro zum (Video-)Podcast macht. Schade eigentlich…

  • Er hat die Serien, “die man gesehen haben muss” eingegeben und kam auf 1 Jahr? Eigenartige Definition von wichtigen Serien… Dazu sollte man dem Herrn den Unterschied zwischen series und Serial erklären. Eine Folge – oder auch nur einzelne Szenen – bei Breaking Bad oder Game of Thrones verpassen und du bist am Arsch.
    Ich kann gar nicht auf alles eingehen, jedenfalls ist Herr Junior sehr unterhaltsam in seinem gefährlichen Halbwissen, das in pseudo-feuilletonistischer Habe vorgetragen wird. Beste Basis für euren Pewcast! :) (auch wenn ich gestehen muss, dass ich den nicht ganz durchgehalten habe. Aber schön, dass ihr hier einen Gegenpart leistet!)

  • DerBesserwisser

    Warum genau hat das was der Herr da versucht möglichst “gebildet” von sich zu geben, irgend eine Relevanz für den Rest der Welt ?

  • Daniel Limberg

    Also ihr drei glänzt mit inkompetenz. Erstens, Mikrofonierung heißt das Zauberwort. Wenn ihr es nicht könnt dann lasst es sein. Zwwitens, ihr braucht nicht gleich zu Mistgabel und Fackel greifen. Wolfgang erwähnte mehrmals dass diese Serien ihren Reiz haben und durchwegs sehenswert sind. Die Krone setzt euer gestammel beim Thema Kunstform Film auf. Nochmal, wenn ihr keinen Plan habt dann lasst die Leute zu Wort kommen die Ahnung von der Materie haben.

  • Jazzno

    Das hat freilich etwas von drei Bewohnern der platonischen Höhle, die sich an den vor ihnen befindlichen Schatten abarbeiten …
    Schmitt geht es nicht um irgendeine vermeintliche dramaturgische Homogenität von Serien, nein, er hinterfragt das Format als solches. Selbstverständlich gibt es neben trivialen Serien auch einige, die überaus lohnenswert sind: Eine Staffel “The Wire” ist solchem Schund wie der “Transformers”-Reihe um Längen überlegen. Aber oftmals hat man als Zuschauer den Eindruck, die Gesamtlänge einer Staffel hänge von den Einschaltquoten ab und demtsprechend wären die Twists positioniert. Das Negativbeispiel schlechthin ist das von Euch erwähnte “Lost”, dessen Schlusssequenz von Fans der Reihe als lieblos und unoriginell empfunden wurde. Gleichzeitig wurde dadruch klar, dass die Produzenten es nicht von vorherein mit einer “edlen und abgeschlossenen Handlung” (Aristoteles, Poetik) zu tun hatten, stattdessen aber der Produktionsprozess die Handlung wesentlich mitbestimmt.
    In “Bates Motel” wird sich mehr einer Filmidee und deren Originalität bedient, denn konsequent fortgesetzt und/oder sinnvoll erweitert.
    Die These von >>Serienfiguren als Familienersatz<< stammt im Übrigen nicht von Schmitt, sondern aus Bradburys "Fahrenheit 451".
    Wenn Serienfans – und als solche bezeichnet Ihr Euch – sich persönlich angegriffen fühlen, weil ein junger, als arrogant empfundener Akademiker das Format dem des Kinofilms gegenüberstellt und als unterlegen bezeichnet, dann tun sie gut daran, sich zur Verteidigung ebenso Quellen zu bedienen wie es ihr bildungsbürgerlicher Vorredner tat, da ihren andernfalls die Überzeugungskraft abhanden geht.

  • “Schmitt geht es nicht um irgendeine vermeintliche dramaturgische
    Homogenität von Serien, nein, er hinterfragt das Format als solches.
    Selbstverständlich gibt es neben trivialen Serien auch einige, die
    überaus lohnenswert sind: […]”
    Das habe ich bzw. das haben wir auch so verstanden. Und wir haben selbst auch nichts anderes herausgestellt. Nur weil man ein Serienfan (wie wir) ist, muss man nicht jede Serie gut finden. Und so wie es Serie gibt, die “die Gesamtlänge einer Staffel […] von den Einschaltquote” abhängig machen, so gibt es vergleichsweise eine Vielzahl von Filmen, die doch genau dasselbe tun. Aber deswegen würde keiner von uns das Medium Film an sich kritisieren, vielleicht ein bestimmtes Genre oder einen Regisseur. Ich verstehe nicht, weshalb man denkt, der Film sei immer und ausschließlich an einer “edlen und abgeschlossenen Handlung” interessiert und Serienmacher seien allein auf das Geld aus.
    Dass die Theorie der Serienfigur als Familienersatz nicht von Schmitt stammt, war uns allen auch klar. Ich kenne diese These selbst von James Monaco. Liegt ja an sich auch nahe, wenn Familien-Sitcoms wie The Cosby Show oder Roseanne lange Zeit die Fernsehlandschaft beherrschten.
    Persönlich angegriffen gefühlt hat sich, das wage ich mal zu sagen, von uns auch keiner. Unsere Absicht war es nicht, Schmitt niederzumachen und uns mit unserer Meinung auf ein Podest zu stellen. Wir haben lediglich eine andere Meinung und habe diese in diesem Podcast ausgeführt.

  • Jazzno

    Gewiss kann man sagen, die Kinolandschaft sei genauso wie die Buchindustrie von Kitsch durchzogen. Aber vom ökonomischen Aspekt sämtlicher Güter zwischen Kinosaal und Fernsehsessel (und darüber hinaus) werden wir ohnehin nicht wegabstrahieren können, und sich daran aufzureiben dürfte weder in Ihrem noch in meinem Interesse sein.
    Dann bleibt nur auszuführen, wieso man sich 19 Stunden “Hannibal” antut, wenn man sich am Psychogramm des modernen Hollywood-Mörders auch in gut zwei Stunden abarbeiten kann. Damit ist gemeint, dass die zuschauerische Antizipation sich im FIlm weitaus schneller erschöpft und der verhältnismäßigen Kürze des Films gedankt, sich ein Nachdenken über denselben bzw. die soziokulturellen Zusammenhänge stellt sich ein. Genau hier greift das von mir erwähnte aristotelische Element eines (zum Beispiel) Dramas. Ja auch allgemein lässt sich sagen, die Erzählweise von Serien sei eine epische und zwar ausschließlich eine solche.
    Sie werden mir an dieser Stelle völlig zurecht entgegnen wollen, dass die vielen unsäglichen Fortsetzungen großer und weniger großer Kassenschlager seien nach demselben Muster gestrickt, weshalb ihre Absicht, eine geschlossene Handlung gleichsam einen einzigen aber erzählenswerten Gedanken, verschwände. Hierbei handelt es sich aber meiner Meinung nach um eine gängige, jedoch angesichts der filmischen Qualität von Hollywood-Proktionen gänzlich überflüssige Praxis der amerikanischen Filmstudios, nicht um die grundliegende Absicht eines Films.
    Ihren Punkt was die Einstiegsfreundlichkeit angeht, ist wunderbar nachzuvollziehen. Damit entkräften sie Schmitts und meine Behauptung: Eine gute Serie kann sehr wohl in nur einer Folge eine gute Geschichte erzählen und für sich stehend betrachtet werden (wie es z.B. bei “Star Trek” getan wird). Leider erklärt es nicht, wieso es überhaupt eine umfangreiches Format braucht, das eine interessante Geschichte zwischen unzähligen anderen wie eine Randnotiz erscheinen lassen kann. Die von Euch erwähnten verschiedenartigsten, mitunter filmischen Erzählstrukturen, mit denen eine Serie wie auffährt, ändern nichts daran, dass es keinen “Überbau” in Form einer mehrstaffeligen Reihe braucht. Es wirkt dadruch gestreckt, dass von Beginn bis zur Auflösung eine Unmenge an Zeit für sich in Anspruch genommen werden muss, die ein Film -nicht alle und auch gewiss nicht die meisten, aber einige- nicht benötigt. Gerade der Autorenfilm (Fellini, Wilder oder der vielbesungene Hitchcock) trägt die von mir geschilderten Züge einer abgeschlossenen Handlung dergestalt sich ein guter Gedanke offenbart.
    Verstehen sie mich nicht falsch: Mein Kommentar war mitnichten ein Angriff auf Ihre Geschmäcker. Es handelt sich bei Wolfgang Schmitt und seiner “Filmanalyse” jedoch um ein deutschlandweit einzigartiges Format. Gerade aufgrund seiner häufig von einem theoretischen Überbau begleiteten und teils harschen Kritiken wird er vom Mainstreampublikum (abhängig davon um welchen Film es sich handelt und ob seine Kritik negativ ausfällt) belächelt bis diffamiert. Solche Beiträge wie “Die Filmanalyse-Analyse: Warum ich keine Bücher mag!” sind daher nicht halb so witzig wie es die ursprüngliche Intention vermuten lässt und leisten keinen zählbaren Beitrag zu einer Diskussion, die es verdient über Schmitts Zielgruppe hinaus ausgeweitet zu werden.

  • Schmitt hat das Fass aufgemacht und Serien mit Filmen verglichen und pauschale Urteile gefällt. Das ist freilich Unfug und das muss man angreifen, grade und vor allem wenn er (und anscheinend seine Zuschauer) gerne vollverschwurbelt ihre Akademia vor sich hertragen.

    Serien sind strukturell völlig anders in die Kulturlandschaft eingebettet, woraus sich ganz unterschiedliche narrative Ansätze ergeben. Deshalb ist ein Vergleich völliger Quatsch.

    Und dazu muss man keine drölf Absätze oder irgendwelche gestelzten Videos mit bemühtem Intellektualismus vollquatschen. Pretentious Pricks.

  • Pingback: Kleinigkeiten - gegen Langeweile am 20.07.2014 [LangweileDich.net]()

  • Herbert Marshall

    Liebe Leute,

    diesen Beitrag schreibe ich, der sonst selten etwas im Internet postet, im Ansinnen, die lokale Debattenkultur vielleicht etwas zu erhöhen. Ich will die geschätzten Podcaster nicht angreifen sondern lediglich auf die Schwächen ihrer Ausführungen hinweisen.

    Vorweg:
    1. Wir brauchen im Internet mehr kulturkritische Resonanzen, weswegen ich es gut finde, wenn jemand Herrn Schmidts Videos aufgreift und kommentiert – so wie Ihr.

    2. Ich schaue selbst SEHR GERN Serien und halte sie teils für große Kunst und fand gerade DESHALB Herrn Schmitts Video interessant und für mich persönlich aufschlussreich. Ich will damit sagen: Ich bin auch manchmal der Meinung, dass Herr Schmitt sich teils auf sehr dünnem Eis bewegt, trotzdem ist seine Kritik meist virtuos und sagt überhaupt mehr über unsere Zeit aus, als über z.B. die Serien (die sind nur das „movens“ seiner gesellschaftlichen Analyse, um die es eigentlich geht – seht es einmal so…).

    Herr Schmidt hat einen Essay geschrieben und diesen in Form eines Videos gepostet. Einen “literatur”- und kulturkritischen Essay wie er in der Tradition etwa von Walter Benjamin steht. In so einem Essay werden steile Thesen formuliert, es ist keine wissenschaftliche Abhandlung, die sich durch Einzelfallanalysen absichern muss.

    Umso peinlicher ist es jetzt, wenn man sich
    1. dadurch persönlich angegriffen fühlt, weil man selber gern Serien schaut,
    2. sich zusammen über verschiedene Thesen (lachend) lustig macht, die man gar nicht richtig verstanden hat, weil
    3. man sich korinthenkackermäßig darüber her macht, dass das ja dann im Detail nicht stimmt, etwa bei Serie soundso, Staffel X, Folge Y…

    ergo man die Textsorte “kulturkritischer Essay” und deren Intentionen nicht verstanden hat.

    Herr Schmidt feuert 12 Minuten lang thematisch gebündelt ein Argument nach dem anderen ab – Ihr habt 44 Minuten nichts anderes anzubieten als:

    “Ja das kann man alles nicht so sagen.” (Was kann man heute schon wirklich mal sagen?)

    “Seine Meinung ist subjektiv” (Welch Erkenntnis, als ob er das nicht selbst vorweg sagen würde!)

    „Er hat einen Objektivitätsanspruch.“ (Nö, hat er nicht, aber ziemlich gute Argumente.)

    und vor allem implizit: “Unsere geliebten Serien sind geil, weil das halt so ist, und jeder der was anderes behauptet hat keine Ahnung!” (Typische unreflektierte Internet-Fan-Affirmations-„LIKE“-Kultur)

    Euer Problem: Ihr habt keine wirklich guten Gegenargumente. Nur halbherzige Entkräftungsversuche.

    Besonders peinlich sind dann Aussagen wie: “Wie immer entgleitet Herr Schmidt ab einem gewissen Zeitpunkt in die Theorie…” – Wo bitteschön ist den die Theorie, die IHR dagegenhalten könntet?! Ihr habt schlichtweg keine! Das einzige was Ihr anzubieten habt, ist internet-fan-common-sense. Das Abfeiern von Serien (oder Filmen) und seien sie auch noch so gut, birngt keine kritische Tiefe mit sich.

    Herr Schmidts Essay ist hingegen politisch. Es geht um eine Gesamtaussage. Den Aspekt mit der „Familie“ habt ihr z.B. meines Erachtens völlig missverstanden (bzw. nicht in seiner historisch-gesellschaftlichen Tragweite) und behauptet dann völlig zu Unrecht, Schmitt sei “familienpolitisch” konservativ.

    Die Relativierungen von euch sind größtenteils beliebiger Natur und damit gleichsam NULLAUSSAGEN. Ihr liefert darin den performativen Selbstwiderspruch: Schmitt sagt hier in 12einhalb knappen Minuten (virtuos) 100mal mehr aus als Ihr in „serienlangen“ 44 Minuten.

    Um es noch einmal zu wiederholen: Fühlt euch nicht PERSÖNLICH angegriffen! Weder von mir, noch von Schmitts „Analyse“. Herr Schmitt hat ein Niveau, das man nicht unterschätzen sollte. Ich unterschätze es keinesfalls, auch wenn ich NATÜRLICH nicht allem und jedem zustimme, und manchmal einiges sogar weit hergeholt finde. Aber er wird in dem was er tut immer besser! Das sollte man sich auch vornehmen:

    Formiert eure Argumente!

    Beschafft euch Theorie!

    Werdet besser!

  • seanrose

    film ist film. serie ist serie. roman ist roman. nicht durcheinanderbringen. wenn jemand wie miloš forman das kuckucksnest verfilmt, dann geht er da völlig anders dran, greift zu ganz anderen mitteln. da entsteht etwas ganz eigenes (etwas neues!) und das ist dann auch eine riesenchance für neue sichtweisen. (habe bewusst dieses beispiel gewählt weil beide versionen unbestritten grosse kunst sind) ich denke , dass schmitt das video auf 15 sekunden hätte runterbrechen können, aussage: ich persönlich interessiere mich nicht so sehr für serien wie für filme. gute nacht :)

  • Lu1ß

    Schmitt jun. hör sich selbst gern reden. Habe mir ein paar seiner Kritiken angeguckt, er hat als Kritik irgendwelcher Filme eigentlich nichts beizutragen, dass man nicht schon anders wo 100fach gehört oder gelesen hat. Er präsentiert sich selbst aber als den größen Analytiker, käut aber nur das wieder was er sich selbst angelesen hat. Blender und Wichtigtuer.

  • Lu1ß

    Schon lustig. Zum einen redet er von Kunst, dann legt er aber nur Eerzählökonomische Standards der Bewertung an. Gerade die Tatsache das Serien nicht so ökonomisch effektiv die Geschichte erzählen, sondern auch Nebenstränge verfolgen, macht sie zu einem künstlerisch ausgeprägteren Erzählmedium.