THE PHILOSOPHERS DVD Kritik

03 Mar, 2014 · Sascha · Film

The-Philosophers

USA 2013
Regie: John Huddles
Drehbuch: John Huddles
Darsteller: James D’Arcy, Bonnie Wright, Sophie Lowe
Länge: 93 Minuten
Film-Rating: ½☆☆☆☆
DVD-Rating: ★★★☆☆

Das Jahr ist gerade einmal 2 Monate jung und schon gibt es einen motivierten Bewerber für den schlechtesten Film des Jahres. Nein, philosophisch ist an John Huddles’ The Philosophers wirklich nichts. Dafür lässt sich jedoch viel Dummes an dem Film finden, der sich nicht einmal darum bemüht seinen Dilletantismus auch nur ansatzweise zu verbergen – und wenn doch, dann scheitert er an jeder Stelle. Aber immerhin funktioniert der Titel besser um die Prämisse der Geschichte zu verkaufen als der ehemalige, sinnlose Titel After The Dark. Das ist wahrscheinlich das einzig Positive, das man zum Film sagen kann.

Es gehört schon etwas Talent dazu, dass man aus einer netten Idee eine solche Katastrophe bauen kann, die allen voran am Drehbuch und dann an jeder weiteren kreativen Entscheidung scheitert ohne dabei jemals einen gewissen Charme zu entwickeln, der die Quälerei auf sonstige Art und Weise belohnen könnte.

In Jakarta (wieso auch immer hier) leben 20 vermeintlich hochintelligente Philosophiestudenten aus Großbritannien und sie besuchen alle die Klasse von Mr. Zimit. Es ist der letzte Tag der Vorlesungen und ihr Dozent will, bevor die Ferien beginnen, ein letztes Gedankenexperiment der besonderen Art durchführen, in dem die Schülerinnen und Schüler ihr angeeignetes Wissen anwenden. Also stellen sie sich gemeinsam exotische Orte vor und erhalten unterschiedliche Berufe wie Poet oder Ingeneur. Überall um sie herum explodieren dann nukleare Sprengköpfe und die Schüler müssen entscheiden, wen sie in den für 10 Menschen anlegten Sicherheitsbunker mitnehmen, und wen nicht.

So weit, so interessant. Was dann jedoch folgt, verstößt nicht nur gegen jede ethische Grundlage eines Lehrers, sondern ist vor allem filmisch so schlecht inszeniert und geschrieben, dass man nur den Kopf schütteln kann. Der englische Ausdruck “falls flat on its face right out the gate” passt perfekt.

So ist nämlich das Gedankenexperiment von John Huddles als geteilte und für uns sehbare alternative Realität dargestellt, in der die Schülerinnen und Schüler genau das tun, was sie wohl gerade im Unterricht besprechen. Nur sehen oder hören wir kein Voice-Over, keine Diskussionen, keine “Ich würde das dann wohl so machen”-Kommentare, keine Erklärungen oder Erläuterungen. Nein, die Situation wird in diesem Gedankenexperiment genau so dramatisch ausgespielt und erzählt, als würde sie wahrhaftig stattfinden.

Und genau das funktioniert schlicht dramatisch nicht, wenn der Zuschauer sich zu jeder Zeit bewusst ist, dass die Schüler in einem Raum sitzen. Echte Gefahr kommt dadurch nie auf, ihr Leben steht nie auf dem Spiel, was im starken Kontrast zu der Ernsthaftigkeit des gesamten Tons ist. Schlicht einmal wird die Situaton scherzhaft aufgelockert und das auch erst gegen Ende. Insbesondere Situationen wie das Leiden durch die Wartezeit oder den Hunger können schlicht nicht funktionieren. Wir sehen angeblich zum rationalen Denken erzogene Extremisten, die solche Sackgassen eigentlich non-chalant verbal beenden würden. Stattdessen wird all dies zum Leid der Nerven des Zuschauers theatralisch ausgespielt.

Doch es wird surrealer. In diesem Gedankenexperiment gehen die Schüler duschen, sie beschweren sich über den Mangel an Kondomen, sie spielen homosexuelle Rollen, welche plötzlich dann ihre tatsächliche reale sexuelle Orientierung beeinflussen, sie führen intime Unterhaltungen, wir sehen sie schlafen. Wieso gibt es Flashbacks in dem Gedankenexperiment? Wie kann der Lehrer eine Waffe im Gedankenexperiment verbergen? Wieso kämpfen zwei Personen im Gedankenexperiment? Wieso hören wir nie Einwände seitens der Schüler aus dem Klassenraum als Voice-Over? Wieso spielen zwischemenschliche Beziehungen aus dem wahren Leben in diesem Rollenspiel mit? Wieso gibt es keine festgesetzten Regeln? Wieso kann jeder plötzlich neue Regeln erfinden? Und neue Orte? Und Gedankenexperimente im Gedankenexperiment beginnen? Dass niemand das Drehbuch mal überdacht hat, wird spätestens jetzt klar.

The Philosophers ist eine dieser netten Ideen, die junge Drehbuchautoren mit einem Hang zur Science-Fiction haben und sich durch vermeintlich tiefe gesellschaftliche Fragestellungen profilieren wollen, ihre Idee aber nie wirklich überdenken. Der Film gleicht einem ersten Drehbuchentwurf – mit all den üblichen Fehlern, Logiklöchern und anderen charakteristischen Problemen. Und als wäre John Huddles nicht nur ein schlechter Drehbuchautor, kann er auch visuell absolut nichts von Wert festhalten. Ein Atompilz am Horizont hat visuelle Kraft und greift tiefsitzende Ängste auf. Der Film bedient sich hier frei bei der Angst der Post-9/11 Millenials, die sich der nuklearen Proliferation ausgesetzt fühlt. Doch wenn die Bomben lediglich zur Hintergrundmusik verblassen und keinen Einfluss besitzen, verlieren sie ihre bildliche Kraft.

Schauspielerisch ist diese Show ebenfalls eine Nullnummer. Insbesondere Bonnie Wright, bekannt als Ginny aus der Harry Potter Reihe, sollte sich nach einem neuen Beruf umsehen Wer sich die Namen dieser gesichterlosen Figuren merken kann, erfährt meinen tiefsten Respekt. Selbst den Namen des Lehrers, gespielt vom sonst großartigen James D’Arcy, musste ich googlen. Die Figuren erfahren keine Charaktersierung, sie sind ohne Bedeutung und damit dem Zuschauer egal. Vielmehr sollen sie Ideen aus der Philosophie widerspiegeln, was ungefähr so gut funktioniert wie die “Liebe ist…”-Sprüche aus der BILD-Zeitung. Spätestens wenn man dann Platos Höhlengleichnis nicht nur verkürzt, sondern falsch erläutert, hört der Spaß dann auf. Nur, weil man zwei Philosophen und Einstein zitieren kann, macht das den Film nicht philosophisch oder wertvoll oder gut.

Am ärgerlichsten nach alledem verbleibt dann aber jedoch das Ende – oder vielleicht das Fehlen eben jenes. Der Film hört quasi einfach auf, wenn John Huddles nicht mehr weiter weiß und lässt nicht nur eine unglaubliche Leere zurück, sondern vor allem eine deutliche Wut. Immerhin hat man sich durchgequält und am Ende wird man noch für dumm verkauft, ohne dass man einen Mehrwert hat. Eine absolute Katastrophe.

divbar

Im Unterschied zum mitgelieferten Film verdient die DVD-Veröffentlichung von Ascot Elite ein deutliches Lob. Die Box kommt mit einem hochwertigen Schuber, auf dem vorne das Filmposter in 3D abgebildet ist. Die DVD-Menüs sind aufwendig gestaltet und die Extras sind ebenfalls nett gestaltet und viele an der Zahl. So gibt es neben diversen Interviews ein Behind the Scenes Featurette für alle, die mehr von den Dreharbeiten erfahren wollen. Der letzte Drehtag insbesondere erhält eine audivisuelle und emotionale Betrachtung. Neben den obligatorischen und wirklich gut geschnittenen Trailern – immerhin wären meine Erwartungen ohne diese nicht so hoch gewesen – gibt es noch die “Brit Boys” zu bestaunen, was durchaus den Blick der Produzenten auf das Zielpublikum offenbart.