DRECKSAU DVD Kritik

03 Mar, 2014 · Sascha · Film,Review

Drecksau Review

Großbritannien 2013
Regie: Jon S. Baird
Drehbuch: Jon S. Baird
Darsteller: James McAvoy, Jamie Bell, Jim Broadbent
Länge: 94 Minuten
Rating: ★★★½☆

In den USA geht gerade nichts an HBOs Hit-Serie True Detective vorbei. Es ist zweifellos das Serienhighlight des Jahres. Ganz ähnlich wie in der Serie geht es in Jon. S. Bairds Film Filth um einen Polizeibeamten, der ebenfalls ein “wahrer Detektiv” ist. Die Betonung muss hier auf dem Unterschied zu dem Konzept des moralisch “guten” Detektiven zu den Figuren liegen, die wir sehen wollen. Unsere Kultur hat es seit den Zeiten von Humphrey Bogart für verständlich angesehen, dass Detektive wie in The Maltese Falcon, The Big Heat oder The Big Sleep erst wirklich dann gut zu bewertende Arbeit leisten, wenn sie zum wahren Detektiv werden und die Grenzen der Legalität überschreiten um ihren Fall zu lösen. Der Zweck heiligt alle Mittel.

An dem Zweck ist Bruce Robertson aber gar nicht interessiert, ihm sind die Mittel viel wichtiger. Er blüht durch diese erst richtig auf, wenn er sie alle verschlingt. Kokain, Alkohol, Seitensprüngen, Polizeigewalt oder der Blowjob einer Minderjährigen – all das ist für ihn erst der Start in den Tag. Gegen jede Logik und zur Freude des Zuschauers gelingt Bruce der Aufstieg in den Rängen der Polizeibeamten und die Eroberung sämtlicher Frauen.

Als ein japanischer Austauschstudent von einer Gruppe Jugendlicher zu Tode geprügelt wird, wittert Bruce seine große Chance. Endlich kann er einen Fall lösen, befördert werden und damit seine Ex-Frau so beeindrucken, dass sie zu ihm zurückkehrt. Doch die Aufklärung des Mordes steht gar nicht im Fokus dieses Films, noch ist es unbedingt im Sinne von Bruce. Vielmehr konzentriert sich dieser lose Plot auf die Eleminierung seiner Konkurrenz und auf McAvoys teuflischen und manisch-depressiven Bruce. Dabei werden die Nebenfiguren zu Karikaturen degradiert, was aber im Sinne des Filmes ist. Ohnehin: Dies ist Bruces Show und McAvoys Film, der ihn zu jeder Zeit grandios bestimmt. Noch nie war er präsenter.

Und dank Regisseur Jon S. Baird gelingt diese Talfahrt in den gestörten Geist unseres Antihelden. Ständig läuft dieses explosive Experiment mit all seinen Halluzinationen und sprunghaften Szenenwechsel Gefahr aus den Fugen zu geraten, doch das straffe Drehbuch navigiert stets souverän durch diese Gewässer. Matthew Jensens Cinematographie unterstützt die Narrative durch die ausgewaschenen Farbpaletten exzellent. Das durch die Fenster des bewölkten Schottlands hereinströmende, omnipräsente Licht ist kalt und grell, was den Effekt der beständigen Katerstimmung unterstützt.

James McAvoy ist fantastisch und es ist ohne Frage die beste Rolle und Darbietung in seiner bisherigen Karriere. Das Make-Up Department hat es geschafft den Schauspieler nicht nur krank aussehen zu lassen, doch es bleibt McAvoy überlassen seinen Detektiv wahrhaftig krank zu spielen. Eine Aufgabe, die ihm mit Bravour gelingt. McAvoys natürlicher schottischer Akzent, seine expressive Mimik, seine ambivalenten Gewaltausbrüche und sein nicht zu unterschätzender Charme kreieren eine Figur, wie es sie im letzten Jahrzehnt nicht mehr wirklich gegeben hat. Filth erreicht eine gewisse Zeitlosigkeit, wie man sich das von einer Adaption eines Irvine Welsh (Trainspotting) Buches wünscht.

Filth ist ein erfrischend kurzweiliger Film mit einem grandiosen Hauptdarsteller. Diese schwarze Komödie weiß sich stets auf skurrile und surreale Weise charmeant in die tiefdunklen Herzen der Zuschauer zu spielen. Auch wenn gewisse Stellen lose wirken und manche Figuren nicht vollends überzeugen, kann das Gesamtpaket überzeugen.

divbar

Über die DVD-Veröffentlichung kann man sich nicht beschweren. An Bild und Ton ist nichts zu beanstanden. Die Extras sind nett gestaltet. Neben dem Trailer gibt es ein Featurette, B-Roll Footage und ein Hand voll Interviews, aber das war es dann bereits. Als Cover hat man sich das Poster mit McAvoy auf einem Schwein ausgesucht, statt der von mir präferierten Koks-Karriereleister, die ein wenig besser zum Plot passt. Aber ein Polizist auf einem Schwein ist schlussendlich das besser vermarktbare Cover.