metallicareview

USA 2013
Regie: Nimród Antal
Drehbuch: Nimród Antal, Metallica
Darsteller: Dane DeHaan, Metallica
Länge: 93 Minuten
Film-Rating: ★★★☆☆
Blu-Ray-Rating: ★★★★½

Dreißig Jahre Bandgeschichte, über 100 Millionen verkaufte Tonträger, jedes Konzert binnen Stunden ausverkauft. Ob die Musik den persönlichen Geschmack trifft oder nicht, die Geschichte um die Gründungsmitglieder James Hetfield und Lars Ulrich sowie ihre später hinzugestoßenen Kollegen Kirk Hammett und Robert Truijillo ist beeindruckend. Und zurecht gilt ihnen Aufmerksamkeit, wenn sie nun einen Film drehten, der bereits seit 1997 in verschiedenen Visionen und Ideen existierte.

Das Konzert der Konzerte

Wie zu erwarten ist der Film Inszenierung pur, wofür selbst das eigentliche Konzert zunächst in den Hintergrund gerät. In einem einnehmenden Long Take begleiten wir einen namenlosen Roadie, gespielt von Dane DeHaan, der sich hinter dem Konzert zu seiner Arbeitsstelle begibt und den Bandmitgliedern über den Weg läuft. Frontmann James Hetfield reist in einem Hotrod an, Lars Ulrich gibt sich als Organisator und Denker, während Robert Truijillo mit seiner Bass-Gitarre und einem Zimmer voller Verstärker das Fundament der Konzerthalle beben lässt.

Das ist alles dick aufgetragen, aber natürlich gewollte und perfektionierte Selbstdarstellung. Die Fans erwarten es gar nicht anders. Und deshalb funktioniert es.

Das Konzert selbst ist beeindruckend. Die Mitglieder betreten die eigens für die Konzerte im kanadischen Vancouver und Edmonton gebaute, x-förmige Bühne, die 18 Meter Breite und 61 Meter Länge eine enorme Größe erreicht. Stets wissen die vier Bandmitglieder der Arena in allen Richtungen Beachtung zu schenken, während die Regie das Spiel großartig einfängt.

Die Kameras sind immer nahe dran. Die Kamerafahrten mit den Kränen sind imposant ausgeführt. Das Konzert bestand aus einer Auswahl der erfolgreichsten Lieder der Band und den Lieblingsliedern der Fans:

The Ecstasy of Gold
Creeping Death
For Whom the Bell Tolls
Fuel
Ride the Lightning
ONe
The Memory Remains
Cyanide
… And Justice for All
Master of Puppets
Battery
Nothing Else Matters
Enter Sandman
Hit the Lights
Orion

Fetischisierung des Aufstands

Eingebettet in diesen Rahmen des Konzertes ist die Handlung um den Roadie gespielt von Dane DeHaan, der leider kein einziges Wort sagen darf. Das ist schade, wird doch ein großes Potential dieses grandiosen Schauspielers verworfen. Doch DeHaans Mimik ist ausreichend und ohnehin alles, was wir für Nimród Antals willentliche Video-Clip-Ästhetik benötigen.

Der Roadie wird auf die Suche nach einem MacGuffin geschickt (Die Auflösung des Rätsels bleibt der Film schuldig. Wahrscheinlich fiel diese Entscheidung bewusst, so könne jeder Fans selbst seine Wünsche und Ideen projizieren. Auf normale Zuschauer wirkt dies eher frustrierend.) Kurz zuvor schmeißt er eine Pille und von nun an entwickelt sich seine Reise durch die Häuserschluchten der Innenstadt zu einem Ritt durch die Apokalypse. Nach einem Unfall findet er sich zwischen den Fronten von Polizisten und gewaltbereiten Demonstranten wieder und muss fortan um sein Leben fürchten.

Die Umstände werden absurder und übernatürlicher mit jedem Mal, wenn der Film den Blick vom Konzert löst. Und all dies, so schick es auch aussieht, hat weder einen tieferen Sinn, noch eine versteckte Symbolik. Stattdessen offenbart der Film unbewusst die Leere der gesungenen Phrasen sowie die Rhetorik und Inszenierung der Heavy-Metal-Szene. Demonstranten gegen die Polizei – und schon weiß der geneigte Zuschauer natürlich auf welcher Seite er stehen soll. Der Aufstand, hier sogar durch die Apokalypse intensiviert und ins Extreme gezogen, wird schlicht zur eigenen Bestärkung fetischisiert.

Dennoch bleibt ein Film, der mich als apathischen Kenner der Band dazu animiert Luftgitarren rauszukramen, hauptsächlich für das Konzert zu loben. Für gewöhnlich kann ich nämlich nicht einmal genug Willen aufbringen, mich dieser Welt zu nähern. Und genau das ist sie nämlich, die Heavy Metal Szene: Eine zeitlich losgelöste Blase abseits der vermeintlichen Konformität des Alltags, in der viele Anhänger, wenn auch nur für kurz, Befreieung finden. Am Ende platzt sie für den Roadie und die Leute, die nach Hause in die zerstörte Außenwelt wieder hinausziehen müssen. Daran ist per se nichts Schlimmes zu finden, sofern man durch die Inszenierung hindurchsieht- und nicht nur beim Konzert zuschaut.

divbar

Die Blu-Ray selbst ist äußerst hübsch gestaltet und kommt in einer schwarzen Box, die in einem Schuber aufbewahrt werden kann. Das Cover ist ähnlich wie das Poster frei von Gesichtern oder Bildern der Band, es wurde sich auf das ästhetisch Wesentliche konzentriert, was erfreulich ist und auch Nicht-Fans ansprechen kann.

Die vorliegende Version wurde leider nicht in 3D angesehen, aber man erkennt die Intention an vielerlei Orten und die native 3D IMAX Produktion sieht auch auf dem kleinen Bildschirm beeindruckend aus. Bild und Ton sind bei einer Produktion dieser Art natürlich noch mehr von Bedeutung. Der Ton ist fantastisch abgemischt.

Auch bei den Extras wird nicht gespart und alles für die Fans gegeben. Neben der obligatorischen Einbindung des Teasers und des Trailers zum Film werden Metallica-Freunde mit einem ausführlichen Making of begrüßt. Es gibt Aufnahmen während der Tonmischung, ein Behind the Scenes Mitschnitt und ein Musikclip für “Master of Puppets”. Von besonderem Interesse ist die audivisuelle Festivalbegleitung: So sehen wir Highlight vom Orion Festival Tent und ein Q&A mit Metallica, Regisseur Nimród Antal und Hauptdarsteller Dane DeHaan.

Metallica Through The Never ist ab sofort erhältlich. (Amazon-Partnerlink)