riddick review

USA, UK 2013
Regie: David Twohy
Drehbuch: David Twohy
Darsteller: Vin Diesel, Katee Sackhoff, Karl Urban
Länge: 119 Minuten
Rating: ★★★☆☆

Es ist eigentlich ein kleines Wunder, dass ich die Blu-Ray vom nunmehr dritten Teil der Riddick-Reihe in meinen Händen halte. Man könnte meinen, dass Vin Diesel nicht nur einer der sympathischsten Kerle Hollywoods ist, sondern er mit seiner positiven Einstellung und Leidenschaft auch einen Film herbeigezaubert hat, der andersweitig nicht existieren würde.

Back To The Roots

Trotz den eher mäßig finanziellen Erfolgen der beiden Vorgänger, verlässt aber auch Riddick nicht gewohntes Terrain. Und so finden wir den durchtrainierten Furianer erneut auf einer feindschaftlichen Welt wieder, wo er sich zunächst gegen menschliche Widersacher behaupten muss bevor die Natur sein wahrer Gegner wird. Überraschenderweise wird jedoch ein enorm großer Bezug auf die vorherigen Teile genommen. Riddick befindet sich nun auf dem Thron der Necromonger, doch sein Glaube ist nicht fest genug und die Verräter wetzen bereits ihre Messer.

Vaako (überraschende Rückkehr: Karl Urban, dessen kurze Einbindung im Sequel hier nur als Hoffnung auf weitere Filme interpretiert werden kann) verspricht Riddick die Rückkehr zu seinem Heimatplaneten Furya. Doch sein früherer Widersacher betrügt Riddick und lässt ihn halb tot auf einem verlassenen Planeten zurück.  Sein späterer Jäger wird ihn ebenfalls an eine vorherige Begegnung mit dem Gesetz erinnern. Dabei sind die Verbindungen lose genug, dass auch Neuankömmlinge die Übersicht nicht verlieren, echte Fans aber die Bezüge mit Genuss verzehren können.

Cast Away in Space

Auf dem unbenannten Planeten muss sich Riddick erneut gegen allerhand Kreaturen behaupten. Größtenteils dialoglos brummt sich Diesel, der dieser Rolle sichtlich genießt und lebt, durch das außerirdische Gebiet, das echten Felsformationen in Mexiko nachempfunden wurde. Das gesamte Produktionsdesign ist überraschend qualitativ. Ein CGI-Hund, den Riddick rettet, durchfüttert und aufzieht, wird sein Kumpane und ist überzeugend animiert. Die Schlammdämonen, die sich in den feuchten Becken der Höhlen des ansonsten staubigen Planeten zurückgezogen haben, erweisen sich ebenfalls als kluge Mischung aus Requisiten und Computermonstern, die nicht nur technisch beeindrucken, sondern auch verängstigen.

Die Gefahr ist real und Riddick muss erkennen, dass er sich nach dem Verrat nur noch durch das auf ihn ausgesetzte Kopfgeld in Sicherheit bringen kann. Er aktiviert ein Signal und lässt die vermeintlichen Jäger auf den Planeten kommen, die ihre aussichtslose Situation schnell erkennen müssen. Nach einem kurzen Katz-und-Maus-Spiel erkennen beide Parteien aber, dass man nur gemeinsam überleben kann.

Never change a winning team

All dies ist sehr klug gestaltet, wenn auch nicht erheblich originär. Vieles erinnert an die filmischen Vorgänger, das konnte man ja bereits dem Trailer entnehmen. Die direkteste Verbindung ergibt sich in der familiären Verwandtschaft zwischen dem Anführer Johns und seinem Sohn aus dem ersten Teil. Er schwörte Rache und will Riddick für den vermeintlichen Mord an seinem Sohn vor Gericht bringen. Die restlichen Begleiter wollen ebenfalls ein Stück der beträchtlichen Summe erhalten, manche erwägen sogar eine Tötung, da sich das Kopfgeld für den Furianer dann verdoppeln würde. Dadurch ergeben sich voraussagbare Konflikte. Die Motivationen sind klar, die Charaktere gleichbleibend simpel.

Das ist wenig beeindruckend, schadet der Geschichte aber nicht, die schlussendlich eben nur ein Vehikel für mittelmäßige Materialschlachten und Riddick, und somit Diesel selbst, bleibt. Thematisch ist das natürlich eine Nullnummer, aber das Herzblut, das in diese Produktion geflossen ist, bleibt zu erkennen. Leider gipfelt das Finale im dritten Akt leider in einem eher leicht enttäuschenden Ende, das bereits an den ersten Teil erinnert. Riddick ist sowohl für den Regisseur und Drehbuchautor sowie seinen Star eine kurzweilige, aber ultimativ leere Trainungsübung, die nur die echten Fans vollends überzeugt.

divbar

Die Blu-Ray lässt angefangen bei der extrem coolen Covergestaltung bis hin zur Extended Edition für Fans von Diesel und seiner Figur keine Wünsche offen. Die Extras der Heimkinoveröffentlichung lassen sich ebenfalls sehen. Vom obligatorischen Trailer bis hin zu einem intensiven Blick hinter die Kulissen gibt es alles, was das Fanherz begehrt.

Weiterhin gibt es mehrere Featurettes über den Einfluss von Regisseur und Drehbuchautor David Twohy auf die Filmreihe, einen Blick auf die im Riddick-Universum benutze Technik und eine investigative Charakterstudie des (Anti-)Helden. Für Neulinge wird die Welt von Riddick äußerst klug eingeführt und für alle Fans der Serie gibt es den atmosphärischen und actionreichen Motion-Comic Blindsided zu erkunden, der die Vorgeschichte des Films erzählt und einen Bogen zu dem Prequel schlägt. Leider bohren diese Extras alle nur an der Oberfläche. Ihr Dienst gilt eher der Promotion als der Einsicht

Bemerkenswert am Extended Cut des Regisseurs ist das wesentlich längere Ende, das sich offensichtlich aus einer verhaltenen Erwartung gegenüber dem Kinolauf und einer Zuversicht der bisherigen DVD-Veröffentlichungsstrategie speist. Denn bereits schon das Sequel konnte seine Existenz hauptsächlich auf den DVD-Verkäufen begründen. Auch die vorliegende Produktion berief sich auf die Verkaufszahlen, musste daher aber ein kleineres Budget akzeptieren. Das zusätzliche Ende, dass im Extended Cut enthalten ist, soll wohl ebenfalls ein Fortleben des Franchises garantieren. Ob dies eine gute Idee ist, deutet es doch ein eher eine Rückkehr zu den Thematiken des eher verschmähten Chronicles an, darf bezweifelt werden. Die Fans werden basierend auf der sich verdichtenden Mythologie jedoch sicherlich erfreuen.

Ein paar Worte noch zum Sound. Durch räumliche Schwierigkeiten kam für mich ein 5.1 Surround System nie in Frage, weshalb ich mich nach Alternativen umsah und schlussendlich bei einer Soundbar landete. Riddick war nun der erste Film kurz nach meinem Kauf, der mich wirklich von der Anschaffung überzeugte. Gegen Ende des Jahres holt man als geplagter Nicht-Amerikaner die Indie- und verpassten Blockbusterveröffentlichungen über iTunes nach und spart dann schon deutlich an Qualität ein, wenn man nicht ein ordentliches Heimkino vor Ort hat. Dies änderte ich nun und mein erstes Erlebnis gipfelte im vorliegenden Film. Durch die Abwechslung von Isolation und apokalyptischer Überlebenskampf der Gruppe in Riddick ergeben sich kontrastreiche Klänge, die die Geschichte untermalen und meine Investition bestätigen. Trotz dem eher schmalen Budget ist der Sound Mix professionell, wie man es von einer leidenschaftlichen Produktion dieser Größtenordnung erwarten kann. Diesel und Twohy stecken jeden Dollar in den Film und man merkt es.

Riddick – Überleben ist seine Reiche (Amazon-Partnerlink) von Universal ist ab dem 14. Februar erhältlich. Mehr Infos zu den Heimkino Neuheiten der CES 2014 findet ihr unter diesem Blogpost und weitere Infos zu Heimkinosystemen bei Cashy oder Engadget.

  • Die Atmo fetzt irgendwie, da spürt man wirklich das Herzblut. Fühlt sich anfangs wie eine Art Conan in Space an. Diesel kann ich aber einfach nicht ernst nehmen. Vor allem mit der putzigen runden Sonnenbrille, ein kleiner aufgepumpter, grummeliger Space-Mops. Irgendwann im Verlaufe des Filmes verlor sich bei mir dann so ziemlich jegliches Interesse.

  • Conan in Space! Wieso habe ich daran nicht gedacht, das trifft es perfekt! Die Sonnenbrille stört mich nicht, aber der dritte Akt ist, wie du sagst, wirklich nicht berauschend.