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Vor gut zwei Wochen tauchte einfach um Mitternacht das neue Album von Beyonce auf iTunes auf. Dazu kam ein Ankündigungstweet der Sängerin und das war es dann auch. Kein Marketing, keine Promoveranstaltungen, kein wochenlanger Hype. Einfach online stellen: Hier, da, kauft es, wenn ihr wollt. Die Aktion war ein riesiger Erfolg, auch weil man sich die Millionen, die sonst üblicherweise in die Vermarktung fließen, sparen konnte.

Im Scriptnotes Podcasts John August und Craig Mazin diskutierten die Drehbuchautoren, ob dieses Modell auch für Filme möglich ist. Schlussendlich konnten sich die Beiden nicht wirklich einigen, da es ziemlich schwierig für einen großen Regisseur sei, ein Projekt von der enormen Größe einer Filmproduktion geheim abzuhalten. Und das ganze Unternehmen noch mit Filmverleihen oder einem Kinostart zu planen, sei ja ohnehin fast verrückt. Wieso sollte man das tun? Kleinere Indieregisseure hätten da schon eher eine Chance von heute auf morgen einen Film auf VOD zu veröffentlichen, aber ihren Projekten fehlt sicherlich der notwendige Hype zum ganz großen Erfolg.

Ich fühlte mich gestern an diese Diskussion erinnert, weil nun endlich mein erhofftes (Der Start 2014 war nicht einmal sicher) Filmhighlight des Jahres angekündigt wurde und schon nächste Woche seine Premiere auf dem Sundance Filmfestival feiern wird: Richard Linklaters Boyhood, ein sich über 12 Jahre in der Produktion befindender Film über einen Jungen, seine Entwicklung und Beziehungen. Nun ist Boyhood keine perfekte Analogie zu Beyonces Albumrelease, immerhin war die Produktion seit Jahren bekannt, aber die Fertigstellung und schon baldige Premiere ist dennoch eine große Überraschung.

Interessanterweise passt Linklater auch schön zwischen diese Definition von Hollywood vs. Indie. Bereits letztes Jahr schaffte er es fast in völliger Geheimhaltung den dritten Teil seiner Before-Trilogie zu drehen. Es gab noch Gerüchte über die Verfassung des Drehbuchs und einen womöglichen Dreh in Griechenland, als der Film für das Sundance Filmfestival angekündigt wurde. Schön, dass diese Überraschungen funktionieren. Die offizielle Seite des Sundance Filmfestivals listet den Film für den 19. und 20 Januar, falls wer von euch dort zufällig sein sollte. Man weiß ja nie. Hier die Beschreibung:

Boyhood / U.S.A. (Director & Screenwriter: Richard Linklater) — Filmed over short periods from 2002 to 2013, Boyhood is a groundbreaking cinematic experience covering 12 years in the life of a family. At the center is Mason, who with his sister Samantha, are taken on an emotional and transcendent journey through the years, from childhood to adulthood. Cast: Patricia Arquette, Ethan Hawke, Ellar Coltrane, Lorelei Linklater.

Einen offiziellen Start gibt es nicht, aber Before Midnight hatte nach einer Premiere beim Sundance einen Start gegen Anfang des Sommers. Vielleicht haben wir ja schon wieder Glück und sehen den Film früher als erhofft.