Bo Burnham ist der erste richtige Onlinekünstler seiner Art. Das sage ich nicht nur, weil Bo seine Anfänge auf YouTube nahm und seinen dortigen Erfolg in die echte Welt übertragen konnte oder weil er sein ganzes Special einfach mal kostenlos auf YouTube stellt. Sondern weil Bo Burnham sich in seiner Varietätenshow nicht so wirklich einig ist, wer er ist und was er eigentlich tun will. Genau wie das Internet selbst.

Erst singt er, danach tanzt er albern herum, ist geschmacklos und zählt dann in einem langen und für einen 22-Jährigen sehr reifen Monolog die Probleme der Welt auf. Mal ist er melancholisch und “deep”, dann wiederum weist er daraufhin wie albern das eigentlich ist, weil wir ja ohnehin alle sterben. Seine Show ist durchgehend meta, kann als Kommentar zur Stand-Up Kultur gesehen werden und er nimmt den Kritikern bereits auf der Bühne die ersten Punkte aus der Hand. Aber das Wichtigste: Sie ist überaus lustig.

  • Dass er nie von Kleine-Jungen-Vagina-Witzchen loskommt, nervt auf die Dauer gewaltig und lässt ihn als tragische Figur wirken. Ansonsten fand ich die Show aber großartig, irre kreativ, überraschend und wirklich meta. Gerade für das Alter. Diese Schaffenskraft mit ein wenig mehr Reife…

  • Ich glaube, dass er das bewusst tut, weil es quasi “erwartet” wird. Ich sehe da mehr drin als ein Versagen davon wegzukommen, es ist vielmehr eine bewusste, ironische Zelebrierung dieser Kultur im Stand-Up.