Eine Zeitreise mit Richard Kelly

27 Nov, 2013 · Sascha · Film

Es ist wahrscheinlich bezeichnend für den aktuellen Zustand von Richard Kellys Karriere, dass ich keinen seiner Filme im Kino gesehen habe. Donnie Darko erreichte meinen DVD-Player Anfang der Nullerjahre durch seinen Kultstatus über den Schulhof, durch Southland Tales quälte ich mich nach einem Videothekbesuch und The Box sah ich aus ernsthaftem Interesse auf Blu-Ray, nachdem ihn keiner mit mir im Kino ansehen wollte. Das war noch zu dem Zeitpunkt als ich darauf etwas gab und nicht allein ins Kino ging. Wie sich die Zeiten ändern.

Nun war Richard Kelly zu Gast bei Scriptnotes, dem Drehbuchpodcast von John August und Craig Mazin. Dort sprach er lange und ausgiebig über seine Karriere, wie er es nach Hollywood schaffte, den langen Kampf um Donnie Darko und schließlich den Dreh des Films. Weiterhin geht es auch teilweise um seine anderen Filme, aber hauptsächlich übt sich Kelly in Selbsterkenntnis und -kritik.

Er sei ein scope creep. Jemand, der schnell den Überblick für das Wesentliche verliert und sich in die vielen kleinen Details am Rande verliebt. Ich denke, dass das definitiv zutrifft und in Southland Tales bereits seinen Höhepunkt fand. Ein Film, der zweifellos eine interessante Welt bietet, aber hoffnungslos in sich selbst verloren ist und den Zuschauer vergisst. Dass Studios beim Final Cut seiner nächsten Filme mehr Finger im Spiel haben würden, war da bereits zu erwarten. So war in The Box definitiv mehr drin als der fertige Film erahnen lässt. Insbesondere die Viral-Marketing-Strategie vor dem Filmstart versprach einen kosmischeren Anstrich à la Donnie Darko bevor der fertige Film dann eine relativ gerade Geschichte erzählte, an der merkbar viel herumgeschnitten wurde (angeblich fehlen ganze 45 Minuten). Eigentlich müssten all seine Filme Miniserien sein um seinen Ansatz befriedigend umzusetzen.

Und nun, vier Jahre nach seinem letzten Film, ist Kelly ohne aktuelles Projekt. Er schreibt und hat sich vorgenommen einen Film zu drehen, bei dem keine Szene mehr unter den Tisch fallen muss, aber prinzipiell ist er momentan, wenn man so will, arbeitslos. So kann es gehen. Das dürfte zum großen Teil aus freien Stücken sein, aber Kelly dürfte es in der Zukunft schwerer haben einen Film umzusetzen als noch vor zehn Jahren nach seinem Sleeper-Hit, der ihn bekannt machte. Wie es mit ihm weitergeht, darum geht es u.a. auch im Podcast und John sowie Craig geben ihm nützliche Tipps, die auch für Leute interessant sein dürften, die gerade probieren Teil der Filmwelt zu werden.

Scriptnotes, 118: Time Travel with Richard Kelly | MP3

  • DerBesserwisser

    Kann er nicht einfach zwei oder drei 08/15 Filme drehen, damit er ein bisschen Kohle und Aufmerksamkeit für seine richtigen Filmprojekte sammeln kann ? Kann ja später behaupten, er hätte da eine schlimme Drogenphase gehabt, und sowieso alles abgedreht, was nicht bei drei auf den Bäumen war.

  • Ich verfolge Kelly ja schon länger und nach diesem Interview bin ich erst recht der Annahme, dass er nicht etwas tun will, wo er nicht zu 100% dahinter steht. Wird halt ein harter, steiniger Weg, aber er hat ja bewiesen, dass er die Leute verzaubern kann und so ein Kulthit oft viele Türen öffen kann. Vielleicht steht ihm dann eher wieder ein kleineres Budget zur Verfügung, aber damit muss er dann leben.