livebait
©AMC

“I’m never gonna let anything happen to you.”

Eine Serie muss ja schon etwas an sich haben, wenn sie trotz drei unbeschreiblich durchwachsenen Staffeln Fernsehunterhaltung am Genrerand Zuschauerrekord um Zuschauerrekord bricht und dies auf Jahre hinaus nicht abzuebben droht. Es liegt daran, dass der größte Anreiz der Serie nach wie vor das Setting selbst ist.

Ja, gewisse Charaktere konnten sich ins das Herz der Zuschauer spielen, aber wirklich spannend sind sie nicht. Wir haben immerhin nur Angst davor Daryl zu verlieren, weil wir insgeheim unterbewusst bereits wissen, dass er momentan nicht zu ersetzen ist. Und so bleibt die Apokalypse der einzige Ansporn Woche um Woche einzuschalten, denn man sieht ja sonst nirgends Zombies im Fernsehen.

Und weil sich Beständigkeit nur in den Beißern findet und sowohl hinter den Kulissen als auch auf dem Bildschirm viele Kreative oft kommen und schnell wieder gehen, ist es kein Wunder, dass man es offensichtlich nicht für zu viel erachtet, den Zuschauer zu einem Neustart zu zwingen. Dies klappte erstaunlich gut im Gefängnis, das nun einen ersten langatmigen Konflikt hinter sich brachte, aber nun wieder droht in ruhige Gefilde abzudriften.

Eingang: Der Governor. Problematisch gestaltet sich jedoch die Rückkehr des aus der Vorlage berüchtigten Antagonisten insofern, dass er nie das Charisma seiner Comic-Figur erlang. Weder den charmanten Anführer noch den Psychopathen wollte man ihm vollends abkaufen, vor allem auf Grund den unvorhersehbaren und unerklärlichen Stimmungsschwankungen, deren Auftreten sich häufte, wenn das Drehbuch es befahl. Bis man die Figur mit einer nicht zu rationalisierenden Aktion vollends zerstörte im Staffelfinale.

Und genau deshalb funktioniert diese durch und durch gute Episode leider unter dem Strich nicht. Die Figur trägt zu viele Altlasten herum, der Konflikt wird so internalisiert, dass er für den Zuschauer nicht greifbar wird, und genau deshalb kann der Govenor nicht wieder zu alter Form zurückkehren, geschweigedenn in dem erneut aufkeimenden Krieg gegen Ricks Gruppe die Höhen seiner Vorlage auch nur berühren. Schade.

divbar

René und ich haben unser Experiment aus der letzten Woche hinter uns gelassen und besprechen diese außerordentlich interessante Folge auf die gute, alte Art. Gegen Ende rutschen wir aus unerklärlichen Gründen in eine Diskussion um Frank Darabont, das Walking Dead Prequel und… How I Met Your Mother?

Shownotes

Frank Darabont Breaks His ‘Walking Dead’ Silence: „’I had to get over the emotional devastation of having some malevolent people tear asunder a brilliant family,’ he says“.
Spin-Off Wahnsinn: The Walking Dead Prequel, How I Met Your Dad & Better Call Saul
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  • toba

    Als ich die Episode gesehen habe, dachte ich, dass ihr 60 Minuten lang Verriss senden werdet, daher hat mich der Podcast etwas überrascht.

    Ich häng mich an der Story gar nicht so sehr auf, das war in der Tat stimmungsvoll und gar nicht so abwegig, selbst für den kaputten Charakter. Dass und wie sie am Ende das Haus verlassen, um ihr Heil wo auch immer zu suchen, war dann schon schwieriger zu verstehen. Nun gut.

    Aber die Art und Weise, wie die bedrohliche Endzeitwelt lächerlich gemacht wird, finde ich kritikwürdig. Die Zombies sind nur noch dann bedrohlich, wenn das Drehbuch gerade mal nach Zombiebedrohung schreit (die Sache am Ende mit dem Kind und so). Ansonsten kann man den Untoten ganz einfach mit einem Schritt zur Seite ausweichen oder mal eben im Freien ohne Nachtwache zelten (!!!). Die Apokalypse in der Serie ist eigentlich längst keine mehr, die können aus dem Gefängnis raus wann und wie sie wollen, man kann ohne weiteres Wochen lang zu Fuß durch die Gegend spazieren, nix passiert.

    Mal abgesehen von den Plot-Schwächen, halte ich das für fahrlässig. Die ganze Serie fällt in sich zusammen, wenn der Zuschauer die Bedrohung nicht mehr für voll nimmt.

  • Naja, das mit den Zombies sehe ich eigentlich genau so, aber es macht schon Sinn. Ein einzelner Zombie nach dem Romero-Mythos war noch nie gefährlich. Das ist ja irgendwo auch spannend, dass sie nur in der Gruppe wirklich bedrohlich werden, dann aber eben enorm. Und dann muss man halt betrachten, dass man nun seit Beginn von Staffel 3 versucht eben die anderen Menschen als die wahre Bedrohung zu zeigen, da der initiale Schockeffekt der Apokalypse abgeklungen ist. Die Leute, die draußen rumlaufen und sich den Zombies präsentieren, haben gelernt mit ihnen umzugehen und sie, sofern eine normale Anzahl vorhanden ist, zu managen. Ich bin gespannt, was sie tun werden, sofern das Gefängnis nicht mehr in der Show ist.

    Prinzipiell stimme ich dir zu, aber man muss da ein bisschen genauer differenzieren, denke ich.