Es gibt Sachen, auf die wartet man ein ganzes Jahr. Bei Internetvideos trifft das normalerweise nicht zu, denn da ist alles immer schwammig, überraschend, chaotisch und vielleicht bis auf wenige Ausnahmen für maximal 2 Tage interessant. Ein Video, das aber jedes Jahr als gesichert gilt, ist die Diskussionsrunde der Regisseure, die The Hollywood Reporter als Oscarkandidaten mutmaßt oder die sonderweitig aufgefallen sind. Dieses Jahr sind das Steve McQueen (12 Years A Slave), Paul Greengrass (Captain Phillips), David O. Russell (American Hustle), Ben Stiller (The Secret Life of Walter Mitty), Alfonso Cuarón (Gravity) und Lee Daniels (The Butler).

Das Video ist ein absolutes Must-Watch. Diese Runde ist mit zwei schwarzen Regisseuren, die beide auf ihre eigene Art und Weise die Geschichte von Afroamerikanern aufarbeiteten, und einem Schauspieler Ben Stiller, der für seinen neuen Film auch im Regiestuhl saß, wirklich etwas diversifizierter als in den letzten Jahren. Dafür gibt es aber immer wieder die gleichen Fragen, doch die Männer driften oft genug ab, sodass es interessant wird.

Nennenswerte Momente sind David O. Russells Erläuterung zu seiner turbulenten Karriere und dem Drehbuch zu einem Horrorfilm, das vielleicht Eli Roth adaptieren wird. Ob es einen Konflikt zwischen Fernsehen und Kino gibt? Die Regisseure diskutieren nicht nur darüber, sondern auch über Konflikte am Set oder kreative Differenzen und wie man für seinen Film einsteht. Weiterhin äußern sich alle zu ihrem beruflichen Werdegang, der sie an diesen Tisch führte. So war Stiller nie auf der Filmschule, Lee Daniels hatte nicht genug Geld um sie zu besuchen, Steve McQueen verließ sie vorzeitig, und Cuarón, sagt er selbst, war ein arroganter, progressiver Sack, der seine konversativen Profs nervte. Schöne Anekdoten, ein guter Jahrgang.