MICHAEL-ARNDT_STAR-WARS_EPISODE-VII_

Es ist jetzt genau ein Jahr vergangen, seitdem Disney Lucasfilm kaufte und eine ganze Galaxie von Geeks ins Träumen stürzte. Mit dem Abgang von Lucas war nun der Weg frei für andere talentierte Künstler, die die Saga wieder in die richtige Spur lenken sollten. Dann kam Michael Arndt. Und nach grob einem Jahr geht er jetzt. Regisseur JJ Abrams und Lawrence Kasdan werden ihn ersetzen. Lucasfilm Präsidentin und Produzentin von Episode VII Kathleen Kennedy begründet den Wechsel in einem offiziellen Statement folgendermaßen:

I am very excited about the story we have in place and thrilled to have Larry and J.J. working on the script. There are very few people who fundamentally understand the way a ‘Star Wars’ story works like Larry, and it is nothing short of incredible to have him even more deeply involved in its return to the big screen. J.J. of course is an incredible storyteller in his own right. Michael Arndt has done a terrific job bringing us to this point and we have an amazing filmmaking and design team in place already prepping for production.

Offensichtlich gibt es hier keine Gewinner und keine eindeutig richtige Linie. Auf der einen Seite war die Ankündigung von Arndt als Drehbuchautor vor rund einem Jahr extrem überraschend. Dass fast im gleichen Atemzug mit der Ankündigung des Deals ein Drehbuchautor vorgestellt wurde, war schon überraschend genug, aber dass ein dem Franchise komplett unverwandter Autor die Aufgabe übernimmt und bereits einen ersten Entwurf abgegeben hatte, klang phenomenal. Arndt hat bereits einen Oscar, hatte binnen ein paar Jahre einen außerordentlichen Namen und Rang erreicht und gab Dramaturgieseminare, in denen er Star Wars als Referenz für Campbells Heldenreise nahm. Er schien perfekt.

Dass es nun Probleme gibt, ist natürlich schon kurios. Probleme gab es zuvor und die Entstehungsgeschichten der anderen Drehbücher waren auch nicht immer ohne Fehler, aber diese Auswechslung macht mir schon Sorgen.

Die lange Annäherung von Abrams und Kennedy, sowie die Suche nach einem Regisseur, habe ich hier im Blog mitverfolgt und muss nicht mehr breit erklärt werden, aber es ist wichtig zu erwähnen, dass sich Abrams lange davor gedrückt hatte bis schließlich nur noch er übrig blieb. Fast schon mit knirschenden Zähnen übernahm er dann die Aufgabe. Lange wurden andere Gründe vermutet – nun könnte man sich fragen: Lag es eventuell am Drehbuch? Neben Arndt wurden Lawrence Kasdan und Simon Kinberg mit an Bord geholt um die Spin-Offs zu schreiben. Diese sind nun in eine weit entfernte Zukunft gerückt worden. Ein Release von Episode VII im Mai 2015 scheint derweil völlig unmöglich und 2016 klingt inzwischen als erheblich wahrscheinlicher, insbesondere da Kasdan und Abrams sich jetzt sicher die Zeit nehmen wollen, alles richtig hinzukriegen.

Aber es ist schon irgendwo tragisch. Wahrscheinlich werden wir erst in ein paar Jahren oder womöglich erst Jahrzehnten in einem Making Of Buch von J.W. Rinzlers Sohn die wahre Hintergrundgeschichte erfahren oder durch die WGA Credits herausfinden, wie sehr sich die Bücher überschneiden – oder eben nicht. Kennedys Meldung klingt schon sehr nach einem kompletten Neustart. Da fragt man sich doch: Wieso jetzt erst? Abrams hatte das Drehbuch wahrscheinlich vor knapp einem Jahr zum ersten Mal lesen dürfen. Wieso bemerkt man erst jetzt, dass dort etwas nicht funktioniert? Ist Arndts Drehbuch schon länger Geschichte und man hat die Meldung schlicht zurückgehalten? Fragen über Fragen. Und keine Antwort.

Aber die Tragik bleibt. Arndt war ein Fan. Eine junge, frische Stimme. Abrams hat zwar stets solide Filme abgeliefert, seine Bücher waren aber nie herausragend und stets von Problemen geplagt. Dazu gibt es das Horrorgerücht von Lucas’ Sohn, dass Abrams und sein Vater “kontinuierlich” in Kontakt stehen. Kasdan bekommt fälschlicherweise oft viel mehr Credit für Empire als ihm zusteht. Das Buch war doch schon zu großen Teilen fertig als dieser dazustoß und noch die Dialoge aufpolierte. Erst bei Return war er dann die bestimmende Kraft neben Lucas. Wobei ich nicht Kasdan niederschreiben möchte. Der Mann hat Großartiges geleistet und seine Impulse in den Indiana Jones Transcript sind legendär. Seine Filme ebenso. Aber das ist Jahre her.

Sein letzter guter Film war Wyatt Earp. Das ist 19 Jahre her. Danach kam dann Dreamcatcher, Dr. Mumford, dann lange nichts und zuletzt Darling Companion – Ein Hund fürs Leben. Klar, viele würden sagen: Niemand kennt neben Lucas Star Wars besser als Kasdan. Das mag sein. Aber all dies gibt doch irgendwo Anlass zur Sorge, nachdem der Relaunch vor einem Jahr so fabelhaft und nahtlos funktionierte. Das Filmbusiness funktioniert eben nicht so. Oder nur selten. Am Ende weiß man immer mehr und in der Zwischenzeit hilft nur Tee trinken und abwarten.

Trotzdem verlässt mich nicht das Gefühl, dass dies eine falsche Entscheidung war. Ich hoffe, ich liege falsch.

  • Jan

    Das sind tatsächlich Entwicklungen, die einem die Vorfreude auf die neuen STAR WARS-Filme nehmen. Sofern man sich denn wirklich über neue filmische Geschichten in der weit entfernten Galaxie freuen wollte und konnte.

    Mir wäre es wahrlich am liebsten, man würde die Geschichte einfach so stehen lassen, wie sie ist – zerstört wurde sie durch die neue Trilogie ohnehin genug.

    Das schöne ist natürlich, dass jedem am Ende frei steht, ob er sich die neuen Filme anschauen möchte oder es eben beim nostalgischen Blick auf die alte Trilogie belassen möchte.

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