Die Reviewentwürfe sammeln sich seit teilweise Monaten und nun wird mal durchgefegt für den Herbst. Daher hier ein paar lose Gedanken zu ein paar Filmen.

Troll Hunter

Wie erfrischend es doch ist, wenn das Found Footage mal nicht für eine billige Horrorproduktion benutzt wird. Das bewies Josh Trank letztes Jahr mit Chronicle und Troll Hunter ist ein weiteres Beispiel dafür. Trolle sind real und eine kleine Filmcrew schließt sich einem Trolljäger an. Dieser arbeitet für die Regierung und versucht die Trolle in ihrem natürlichen Lebensraum zu behalten. Die drei Filmleute wandern als mit dem Typen umher. Wirkt alles ein wenig zu episodisch für mich, aber dafür ist das Finale sehr beeindruckend, auch wenn das Ende sehr frustrierend ist. Ansonsten erfindet der Film das Rad nicht neu und verharrt stets in den Genrekonventionen, eingeegent von Wackelcam, keuchenden Figuren und unpassenden Einstellungsspielchen. Aber dafür funktioniert das Worldbuilding inklusive Trollregeln, Trollrüstungen und mehr so fulminant, dass das alles nicht stört. Die Trolle an sich sind so unverbraucht und alles wirkt so frisch, dass man großartig unterhalten wird.

Rating: ★★★★☆

its_a_disaster

Stell dir vor du bist endlich wieder in einer Beziehung und deine Freundin will dich ihren Freunden vorstellen. Diese sind jedoch alle viel zu sehr mit ihren eigenen Problemen und interpersonellen Konflikten beschäftigt, dass du gar nicht so auffällst und den Tag eigentlich genießen könntest. Wenn da nicht so ein Arschloch wäre, das in der Nähe sogenannte dirty bombs hochgejagt hätte. Nun kannst du nicht fliehen und musst den letzten Tag deines Lebens mit diesen nervigen Leuten verbringen.

Meines Wissens existieren nun mit It’s A Disaster und Right At Your Door zwei No-Budget Filme über dirty bombs, die die Figuren in ihren Häusern einschließen. It’s A Disaster mit Right At Your Door zu vergleichen wäre jedoch nicht fair, denn die Filme bewohnen zwei völlig unterschiedliche Genre. It’s A Disaster versucht nicht wirklich die Folgen dieser Katastrophen zu erkunden und ist daran gar nicht interessiert. Es ist leider nur ein MacGuffin um uns einer Gruppe von Leuten vorzustellen, die selbst eine tickende Zeitbombe ist. Die Terroristen liefern nur einen Grund zur Explosion.

Der gesamte Film spielt in einer Location, dem Haus, und lediglich die Dialoge dienen zu Unterhaltung. Echte Spannung kommt zur keiner Zeit auf. Solange man nicht zu viel erwartet, wird man dank cleveren und witzigen Dialogen unterhalten, die einen aber nie laut auflachen lassen. Dazu kommt, dass der Film trotz seiner ohnehin kurzen Laufzeit im dritten Akt unglaublich gezogen wird. Dafür ist die letzte Szene jedoch wahnsinnig lustig und unterstreicht den offenen Ansatz mit den Themen des Films wie Vertrauen und Liebe.

Rating: ★★★☆☆

Jiro Review

Jiro Dreams of Sushi ist die beste Dokumentation der letzten Jahre. In einer kongenialen Mischung aus Food Porn und Familiendrama erzählt Regisseur David Gelb die Geschichte um das Restaurant von Masuhiro Yamamoto. Musuhiro stammt aus ärmlichen Verhältnissen, von seinem Vater kennt er nur Geschichten und trotz diesen Umständen schaffte er es mit seinem Restaurant an die Spitze Japans und erhielt als erster und bisher einziger Sushikoch die Drei-Sterne-Auszeichnung von Michelin. Makroaufnahmen von Sushi lenken ab und an gewollt aber, können aber nie wirklich das interne Zerwürfnis der Familie überschatten. Jiros ältester Sohn, der oft als eigentlich besserer Koch und wahrer Meister hinter dem Erfolg angedeutet wird, kann aus Familienehre nie den Vater zum Aufhören bitten. Das wäre ohnehin das Todesurteil für den 92-Jährigen, der seit Anbeginn nur für Sushi und seine Restaurant lebte. Sein anderer Sohn konnte derweil beim Vater lernen, aber sich später abspalten und sein eigenes Restaurant eröffnen. Trotz des massiven und finanziellen Erfolgs ist eine unterschwellige Tragik immer zu verspüren. Jiro Dreams of Sushi ist daher eine großartige und unterhaltende Meditation über Perfektionismus und Erfolg, aber auch über Tradition und Loyalität und die Frage, wie man im Leben das Glück im Beruf finden kann.

Rating: ★★★★★

Now-You-See-Me-First-Trailer

Louis Leterriers Now You See Me stellt uns in charmanter und verspielter Weise vier sympathische Magier, Straßentrickser und Mentalisten vor. Nur um sie dann in den Hintergrund zur rücken als sie alle von einer mysteriösen fünften Figur kontaktiert werden, die ihr Leben verändern soll. Ein Jahr später sind die Vier ein gefeiertes Bühnenteam in Las Vegas und leben ihren Traum in Saus und Braus. Bei einem Coup lassen sie scheinbar einen französischen Touristen nach Paris teleportieren und dort eine Bank ausrauben. Das FBI schaltet sich ein und es entwickelt sich ein kurzweiliges Katz-und-Maus-Spiel.

In Nebenrollen tragen Michael Caine und Morgan Freeman einen Stellvertreterkrieg aus. Hier versucht ein TV-Reporter über den Manager an Geheimnisse zu gelangen. All dies ist relativ unspanennd und trägt nicht viel zu eigenen Jagd bei. Die Charaktere bleiben derweil stets flach, über die anfänglichen fünf Minuten Charakterisierung lernen wir unsere Helden nie genauer kennen. Stattdessen dürfen sie clevere, aber auch schnell ermüdende One-Liner rausplappern, die das Publikum an Ocean’s Eleven erinnern sollen.

Am ärgerlichsten, und deshalb auch diese niedrige Wertung, ist dann aber der Twist. (Spoiler folgen jetzt.) Was eine ganz nette Ensembleunterhaltung hätte sein können, wird plötzlich durch einen unvorhersehbaren Twist zu einem Racheakt einer Person. Der Twist kommt deshalb so ungesehen, weil er absolut keinen Sinn macht. Der von Mark Ruffalo großartig gespielte Polizist stellt sich als Magier heraus, der sich für den Tod seines Vaters rächen möchte – dazu hat er dann Jahre gewartet, in denen er sowohl zum meisterhaften Magier als auch Polizisten wurde, der dann dank seinen neuen Komplizen endlich die Chance sieht seinen Plan durchzuziehen. Alles davor spielt keine Rolle mehr, jedes Bild dient jetzt nur noch diesem pseudodramatischen Racheakt, der sich fernab menschlicher Logik abspielt.

Rating: ★★☆☆☆

Man-of-steel-Christ-pose

Geht ganz schnell: Man of Steel ist kein Superman-Film. David Goyer, Nolans Einflüsse und Snyder sind viel mehr mit der interessanten, aber unmenschlichen First-Contact-Idee beschäftigt. Dazwischen geht Clark Kent einfach verloren. Wir sehen in zusammengeschusterten Rückblenden seine schwierige Kindheit, während er hier und da Menschen rettet. Noch fehlt ihm die Richtung, er ist Jesus ohne seinen Sinn. Die Parallelen (Kent ist 33 im Film) und symbolschwangeren Bilder Snyders werden einem so sehr eingetrichtert, dass man das Kopfweh bekommt. Bis auf Jor-El, bei dessen überlangem Intro man ästhetisch alles an die Wand warf und abwartete, was kleben bleibt, sind die meisten Nebenfiguren trotz beeindruckender Besetzung marginalisiert worden und funktionieren entweder nur als Plot Device (Lois), emotionaler Beeinflussung (Perry White & Crew) oder Charaktersierung von Clark (Pa Kent). Besonders schwach bleibt dabei Kevin Kostners Pa Kent, der eigentlich in den Trailern noch ein kleines Highlight vermuten ließ.

Besonders ärgerlich wird es dann aber im letzten Akt in dem Superman gegen ein CGI-Tentakel-Monster abseits unseres Interesses kämpfen muss, während Metropolis gerade zerstört wird. Holy 9/11 images, Batman! Da fallen Häuser reihenweise um und wir sehen wie Menschen in die Luft gesogen werden und dann mit fürchterlicher Kraft gen Boden geschmettert werden. Darauf wird selbstverständlich wie schon bei Star Trek Into Darkness nicht eingegangen. Wie im wahren Leben werden wir mit den Bildern bombadiert, ohne dass man einen Diskurs zur Verarbeitung eröffnen kann. Aber nach dem Kampf in Smallville, bei dem man sich eigentlich bereits satt gesehen hatte, musste dank Hollywood-Blockbuster-Logik wohl ein noch größeres Finale im dritten Akt alles toppen, aber das geht dann doch irgendwann zu weit und wirkt überfordernd und abschreckend. Und dann lässt Goyer Superman im finalen Kampf mit Zod ganz Metropolis zum Spielplatz werden, während Hundertausende im Sterben liegen. Dann muss Superman plötzlich Zod töten (!), weil sonst vier Menschen sterben. Inklusive Lois schafft es Superman somit 5 Leute zu retten. Goyer und DC haben sich dort ein Loch gegraben und es wird spannend sein, ob und wie sie dort herausklettern können.

Rating: ★★☆☆☆

pgbnr

Es wird im Filmjahr 2013 schwer werden einen Film zu finden, der langatmiger, uninteressanter, grotesker ist und dabei so wenig zu sagen hat wie Michael Bays Pain & Gain. Selbt die nahe dem absurden Finale einblendete Schrift, dass sich dies immer noch um eine wahre Geschichte handelt, kann das Desinteresse nicht überwinden. Was Bay hier bei der wahren Geschichte um Daniel Lugo und seine Mittäter vorfindet, ist ein unterhaltsamer Thriller mit Humor dunkelster Art mit einer Maximallänge von gut 90 Minuten. Stattdessen bläst Bay die Story unnötigerweise auf 130 Minuten auf, sodass die Story-Fetzen nur noch mit einem penetranten Voice-Over ALLER Figuren zusammengehalten werden kann, die uns stets erzählen, wie unfair die Welt doch ist, weil sie nicht im Mittelpunkt stehen. Verständlich, dass Bay Interesse für die Geschichte aufbringen konnte. Wahlberg und Freunde machen alle ihren Job ganz gut, lassen aber teilweise auch spüren, dass sie nicht so recht wissen, wo der Film tonal gerade zu finden ist. Zwischen seinen Transformers-Blockbustern wollte Bay einen kleinen Film machen. Herausgekommen ist ein überladener, überlanger Film, der selbst beim US Publikum floppte. Zu recht.

Rating: ★½☆☆☆

  • Uii, klingt ja alles nicht so doll aber Gott sei Dank gibts Jiro Dreams of Sushi! Auf den freue ich mich sehr.

  • Sascha

    Kommt der hier noch raus?

  • Wenn man sich mal näher mit dem Mindset eines Bodybuilders beschäftigt, hat, dann macht der ganze innere Monolog in “Pain and Gain” glaube ich viel mehr Sinn. Trotzdem gebe ich dir Recht: in 90 Minuten wäre die Geschichte wesentlich besser erzählt.

  • Sascha

    Mich stört der innere Monolog an sich überhaupt nicht. Mark Wahlberg macht seine Rolle gut und es macht großen Spaß, aber dann hören die Voice-Over nicht auf und dann kriegt nich nur The Rock und der andere noch einen, sondern auch dieses Blondchen. Da wars dann für mich vorbei.

  • Ich würde zwar nicht zustimmen, dass JIRO “die beste Dokumentation der letzten Jahre” ist, sehr schön fand ich ihn dennoch. PAIN & GAIN fand ich derweil nicht ganz so schlimm und spielt – glücklicherweise – in einer ganz anderen Liga als die TRANSFORMERS-Vehikel. MAN OF STEEL kann ich dagegen so abnicken.

  • Sascha

    Okay, ich habe da ein wenig übertrieben. Hype, eben. Aber definitiv Top 5 für mich.

  • Da kann ich dir auch BILL CUNNINGHAM NEW YORK nahe legen, empfand ich als ähnlich anrühriges Porträt eines älteren Mannes und seiner Passion für den Job.

  • Friedrich

    Ich schaue mir zwar oft die Bewertungen der Filme vorher an, schau mir aber auch gerne mal welche mit schlechten Bewertungen an und lass mich dann überraschen. Oft hat mir der Film trotzdem gefallen obwohl das viele nicht so gesehen haben.

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