World War Z: Letzte Gedanken

26 Jun, 2013 · Sascha · Featured,Film

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World War Z. World War Z. World War Z. World War Z. World War Z. Meine Freunde können es nicht mehr hören, meine Freundin nicht mehr und wohl auch mein Twitterfeed. Rants über Rants, viel Kopfschütteln und trotzdem lässt mich das nicht los. World War Z. Heute Abend, in ein paar Stunden, werd ich dann endlich Brad Pitts Marc Forsters Adaption von Max Brooks’ Zombiebibel lesen und wahrscheinlich unglaublich enttäuscht und zugleich überrascht sein. Ich bin mir ziemlich sicher, dass es trotz all dem Stress und den vielen Beschwerden kaum jemanden in der deutschen Blogosphäre gibt, der sich so auf den Film freut. Nicht umsonst war es mein Most Anticipated Film of 2013.

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Liebe auf den ersten Blick

Es war im März 2007 als ich in den letzten Stunden meines US-Ostküstenkurztrips am Times Square in den damals noch existierenden Virgin Megastore schlenderte. Da lag ein Buch, relativ weit unten, an der Ecke eines Pappregals. World War Z stand vorne drauf. Wofür sollte denn das Z stehen? Relativ schnell wurde klar: Zombies. Der finale Krieg. Der Mensch gegen den umherwandelnden Tod selbst. Und nicht nur irgendein Zombiebuch war es. Eine “Oral History”, also in Interviewform mit Überlebenden. Wait, what? Direkt gekauft und bereits ein ganzes Drittel auf dem Heimflug verschlungen bis ich mich stoppte, weil ich mir das ganze Vergnügen nicht auf einmal geben wollte.

Dabei ist World War Z nicht einmal ein gutes Buch. Es ist zumeist nicht wirklich gehaltvoll oder witzig geschrieben. Max Brooks nimmt, wie schon in seinem Zombie Survival Guide (an dessen Ende es ein jahrhundertelanges Prequel zu WWZ gibt), die Zombieapokalypse komplett ernst. Und das ist das Schöne daran. Brooks erzählt keine tiefe Charakteregeschichte, sondern sein Buch ist die Zombiebibel des “Was wäre, wenn?” und geht nahezu jedes einzelne Szenario durch, das man sich vorstellen kann. Zombiereinigung der kilometerlangen Katakomben unterhalb Paris? Jap. Hundestaffeln und ihre Betreuer, die sich um die Überbringung von Nachrichten und Materialien kümmern? Drin. Wären Burgen nicht total sichere Lager? Und was macht die Queen so? Max Brooks erzählt es uns. So eine Apokalypse würde doch sicherlich viele Leute im tertiären Sektor arbeitslos machen – wie würde die Regierung diese Menschen neu beschäftigen? Und. Und. Und.

Max Brooks erzählt die definitive Zombieapokalypse auf dem kleinstmöglichen, menschlichen Spektrum aus allen Winkeln. Es ist das Zombiebuch schlechthin. Die Zombiebibel.

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Eine Serie

Max Brooks World War Z ist unfilmbar. Das sollte direkt klar sein, wenn man sich die komplexe Narrative des Buches anschaut. Dazu fehlt ein Protagonist. Man hätte Max Brooks fiktionalen Erzähler ausbauen können – was man im Film schlussendlich tat -, aber als Interviewer wäre die Figur immer und immer wieder nur alle 15 Minuten aufgetaucht und wäre dann in den Hintergrund gerückt und hätte ab und an eine Zwischenfrage gestellt, die den Flashback kurz unterbrochen hätte. Das ist ein passiv-reaktionärer Progatonist. Das ist schlechtes Drehbuchschreiben. Das hätte nie funktioniert. Immerhin war sich der Film dessen bewusst. Nun ist Brad Pitt aber Gerry Lane, ein Held, der die laufende Apokalypse stoppen muss. Das ist ein Sprung von einem Extrem ins Nächste.

Was funktioniert hätte, wäre eine Serie. Aber Zombies im Fernsehen? Das wollte damals 2008 niemand sehen. Und dann kam The Walking Dead, dessen Macher sich übrigens immer bewusst war, dass er trotz vielen Angeboten aus Hollywood seiner Form des seriellen Erzählens nur im Fernsehen gerecht wird. HBO wird bestimmt auch ein Angebot erhalten haben und sich nun in den Hintern beißen.

Eine World War Z Serie hatte sich nur so angeboten. Das Buch erzählt die kleinen Geschichten menschlichen Überlebens. Mit wachsendem Erfolg und einem größeren Budget hätte man sich an die großen Momente des Romans wagen können. Den Hafen in Indien. Die Schlacht um Yonkers. Die ruppigen Endkämpfe auf den Steppen von Kansas.

Es ist eine wahre Schande. World War Z wäre die Zombieserie gewesen, die wir und das Buch verdient hätten.

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Produktionshölle

Der Titel Produktionshölle ist noch leicht untertrieben. Mehrere Wochen Reshoots, ein kompletter Rewrite des dritten Akts, kein richtiges Ende, und, und und. Man muss das nicht alles aufzählen, Variety hat den Job bereits ausführlich und außerordentlich gut getan. Dass all dieser Bad Buzz nichts heißen muss und die Filme am Ende trotzdem gut werden und Geld einspielen können, ist auch nicht unmöglich. Trotzdem leidet man als Fan des Buches natürlich. Es ist ein Zombiefilm mit Brad Pitt im globalen Stil. Was kann da schon so schwierig sein? Wenn man sich doch schon so von der Buchvorlage loslöste, dann hätte man – und hat man wohl auch – tun können, was für den Film richtig war.

Wie auch immer, World War Z scheint nun ein ganz ordentlicher Sommerblockbuster geworden zu sein. Forster ist ein außerordentlich guter Regisseur. Nur wieso macht er Blockbuster? Quantum of Solace bewies hinlänglich, dass dies nicht sein Metier ist. Und das ist okay. Seine anderen Filme bewiesen sein Talent. Vielleicht findet sich für das nun geplante Sequel eine passendere Kombination.

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Marketing

Davon sah man jedoch im Marketing relativ wenig. Über Monate hinweg bestand das Poster aus dem Titel auf schwarzem Untergrund. Wenn man nicht weiß, wofür das Z steht, hatte man keine Ahnung wovon der Film handelt. Ich würde behaupten, dass das finale Poster, auf dem Pitt Explosionen aus einem Helicopter betrachtet, dies ebenfalls nicht tut. Dazu ist der Film PG-13. Das bedeutet ohnehin, dass sich Zombiebisse in Grenzen halten würden. Selbst der finale Trailer zeigt nicht wirklich, was passiert. Ist denn da direkt klar, dass es sich um Zombies handelt? Ich glaube nicht. Der deutsche Trailer ist besonders schlecht geschnitten gegen Ende, sodass man nicht mal die Flugzeugexplosion richtig mitbekommt.

Da man noch tief in der Post-Produktion war als die ersten Teaser online gingen, sah man hauptsächlich etwas von der anfänglichen Evakuation aus Pittsburgh, die im Buch als “Große Panik” beschrieben wird. Viel zu sehen gab es jedoch nie. Geschweigedenn mal einen Zombie von Nahem. Ein frühes Video vom Dreh zeigte, dass die Zombies rennen und sich infizierte Menschen binnen Sekunden in Monster verwandeln. Max Brooks’ altes Zombiekonzept wurde komplett fallen gelassen.

Der größte Aufreger des Marketings jedoch waren die Fortbewegungen der Zombies. Die rennen nicht nur, sondern springen von Opfer zu Opfer und bewegen sich nun wie Ameisen in wellenförmigen Massen voran. Wer ist Romero?

Der größte Unterschied zum Buch ist wohl, dass der Film während der Apokalypse spielt. Gerry Lane muss nun eine Art Gegenmittel finden oder zumindest herausfinden, woher die Seuche kommt. Er fliegt irgendwohin – aber klar ist das alles nicht wirklich. Der Plot ist mir trotz meiner großen Aussetzung des Marketingmaterials höchst unbekannt. Das ist natürlich auf der einen Seite mal erfreulich, immerhin werden Trailer immer mehr zu kleinen Minimovies, die uns einen Überblick über den gesamten Film bieten. Auf der anderen Seite war der Bad Buzz durch die Produktionsprobleme in Verbindung mit dem eher mauen Trailer Grund genug, dass man einen Flop fürchten musste. Paramount jedoch konterte dies nicht mit massiven Schauwerten, sondern konzentrierte sich auf Pitt und die apokalyptische Atmosphäre. Im Nachhinein ein kluger Schachzug, weil er funktioniert hat. Riskant aber war es allemals. Ich bin mir nämlich immer noch nicht sicher, dass sich der Großteil der Kinogänger bewusst ist, dass es hier um einen Zombiefilm mit Pitt und globalem Fokus handelt. Wie kann man das so schlecht verkaufen?

Oft wird immer erwähnt, es handle sich um das Ende der Welt. Aber wieso? Warum? Sind dies Monster? Später wurde erwähnt: “Umso mehr wir schützen können, desto weniger müssen wir bekämpfen.” So langsam aber sicher wurde klar: Es geht um verwandelte Menschen. Aber dass niemand mal das Wort Zombie in den Mund nimmt, ist traurig. Oder eine Variation. Brooks liefert in seiner Vorlage etliche Beispiele, wie man “Zombie” in die Köpfe der Zuschauer/Leser bringen kann, ohne “Zombie” explizit zu sagen. Und überhaupt, es steht im Titel. Dass die Welten aus Zombiefilmen ohnehin so gut wie immer ohne Zombiekultur existieren sollen und man sich dem Konzept nicht bewusst ist, halte ich ohnehin für eines der  größten Paradoxons der Filmwelt.

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Reviews

Am Ende bleiben die ersten Reviews. Und die waren gemischt. Die erste Hälfte soll wirklich gut sein, Aronofsky nannte die ersten 20 Minuten die mit beängstigenden Szenen in den letzten Jahren, oder sowas. Wie auch immer, so schlecht wird der Film schon nicht sein. Oder? Er hat nichts mehr mit dem Buch zu tun. Sogar China ist als Ursprungsort der Seuche nicht mehr drin, weil der chinesische Markt immer wichtiger wird für Hollywood und man das Publikum dort nicht abturnen wollte.

Überraschenderweise wurde World War Z nun ein kleiner Hit. Keine riesigen Zahlen, aber Pitts bestes Opening Week überhaupt und Paramount arbeitet bereits am zweiten Teil. Wer weiß, vielleicht gibt es in ein paar Jahren doch meine HBO Miniserie. Da der Film nun die eigentliche Apokalypse begleitet, könnte eine Serie sich um die späteren Ereignisse und Max Brooks Reise um die Welt drehen. Das hätte einen tatsächlichen Mehrwert und könnte in diesem riesigen Gemenge tatsächlich die kleinen menschenlichen Schicksale beleuchten.

Die Hoffnung stirbt zuletzt.

  • Jill

    Ich bin sowas von gespannt auf diese Film und kann es kaum mehr erwarten ihn zu sehen! Brad Pitt in einem Zombiefilm! Sensationell!