“I thought you were a cop, not a lawyer.” “Either way, I don’t pretend to be a governor.”

Die letztwöchige Folge ‘Clear’ funktionierte so wunderbar, weil sie komplett losgelöst von dem Kontext der gesamten Staffel stattfand. Nun sind wir wieder da, es gibt jede Menge Altlasten in Form von nervigen Charakteren und Storylines, deren Ausgang wir unweigerlich bereits seit Beginn der Staffel wissen. Doch ‘Arrow On The Doorpost’ ist bei weitem nicht so schlecht wie die Folgen zuvor, dennoch schmerzt es, das Potential der Serie eine Woche lang ausgespielt zu sehen und dann wieder in die alten Bahnen zurückzukehren.

Wir beginnen diese Woche mit einem stummen Cold Opening. Rick und Daryl sind auf einem Farmgelände. Sie sichern das Gelände um eine Scheune, schleichen zwischen Silos herum, während Hershel im Auto wartet.

Sie treffen auf den Governor, der ein Gespräch mit Rick haben wird – eingefädelt von Andrea. Es wird eine versteckte Pistole gezeigt. Normalerweise besagt Chekhov’s Gun, dass eine im ersten Akt eingeführte Pistole im dritten losgeht. Doch nichts passiert. Keine Offenbarung. Die Fronten sind gehärtet. Wir wissen, worauf es rausläuft; und die Figuren genauso.

Eine der Offenbarungen dieser Episode für mich: Hershels Tod wird verdammt schwierig zu schlucken sein. In vielerlei Hinsicht ist er zu der Stimme der Vernunft und zum Herz der Show herangewachsen und hat die Rolle von Comic-Dale übernommen. Im Finale werden seine Überlebenschancen relativ gering sein.

Doch wessen Chancen sind schon hoch, abgesehen von vielleicht Rick, denn die Autoren, wenn sie eines geschafft haben diese Staffel, haben die Schicksale aller Figuren so unvorhersehbar gemacht, dass wir jederzeit mit ihrem Tod rechnen können. Dies gilt insbesondere für Hershel, um den ich fürchtete, wenn er nur auf seinen Stumpf hinunterblickt und die Kamera ganz nah bei ihm ist und unsere Sicht eingrenzt.

Das Gleiche gilt für Maggie und Glenn, die aus einer Schicht Wache schieben lieber ein Schäferstündchen machen – ein fataler Fehler im Horrorgenre, wird die ultimative Sünde doch schnell bestraft – doch nicht hier; auch wenn in Verbindung mit Close Ups wieder mit der Erwartunge der Zuschauer gespielt wird. Immerhin wurde das diese Staffel geschafft.

Was jedoch verfehlt wurde, ist eine echte Alternative zu schaffen zu dem scheinbar unausweichlichen Endkampf. Immerhin die Illusion, dass der Governor tatsächlich nur Michonne will, hätte aufrecht erhalten werden können. Aber naja, wir sind es gewohnt, dass wir stets alles wissen und daher kaum Spannung aufkommt.

Es gibt immerhin ein paar nette menschliche Momente (Parallelen!) wie die Anbandelung der Fußsoldaten Daryl und Martinez, die beide eigentlich nicht viel trennt außer ihrer Allianzen, und Hershel und Milton haben als das personifizierte Gewissen ihrer jeweiligen Gruppe ein lustiges (“At least buy me a drink first!”) Gespräch. Milton ist ein Charakter mit Potential und es wäre zu wünschen, dass er die Staffel überlebt und sich Rick anschließt.

Wer jedoch einfach zu diesem Zeitpunkt nur noch zu sterben hat, ist Andrea. Hershel versucht es ihr durch die Blume zu sagen, dass der Governor der falsch Mann für sie ist, aber sie geht trotzdem wieder zurück mit ihm nach Woodbury. Ja, es wird zwar relativ klar gezeigt, dass Andrea diese unsichere Figur ist, die nicht mehr weiß, wo sie eigentlich hingehört, aber zu diesem Zeitpunkt weiß sie so viel creepiges Zeug über ihren Liebhaber, dass sie einfach nur verrückt sein muss, wenn sie bei ihm bleibt.

Und überhaupt, der Governor an sich: Riesiges Potential geht da jedes Mal den Bach runter. Die Autoren haben sich dazu entschieden, ihn gleichzeitig als vernünftigen Strategen und mordlüsternen Psychopathen erscheinen zu lassen. Das geht nicht. Es ist einfach traurig, wie mit dem ikonischsten Bösewicht des Comics umgegangen wird.

Der Endkampf war und ist unausweichlich, mehr lernten wir in dieser Folge nicht. Rick ist der starke Anführer in dieser Situation, den die Gruppe braucht, aber Hershel gegenüber gibt er sich grübelnd, wodurch seine Autorität wieder bröckelt. Durch die letzte Episode spätestens hat sich Michonne bewährt gemacht und ihren Platz in der Gruppe verdient, aber trotzdem ist sie keinen Carl oder Beth oder Maggie wert. Das ist die traurige Wahrheit. Aber Rick muss doch verstehen, dass mit dem Governor kein Kirschen essen möglich ist und er früher oder später auch nach ihm kommt. Ist Rick hier nur ein wenig in seinen Gedanken verloren oder überlegt er wirklich diese Möglichkeit durchzuziehen? Die Episode erzählst es uns nicht.

Drei Episoden noch, wobei das Finale wohl Kampf pur sein wird. Verbleiben uns zwei Episoden voller nerviger Diskussionen oder gibt es noch einige Überraschungen? Was denkt ihr?