Calvin and Hobbes meet the real world

27 Feb, 2013 · Sascha · Comics

Letzte Woche hatte ich hier die wirklich tollen Remixe von Michael Den Beste, der Calvin und Hobbes in echte Photos shoppte. Jetzt musste ich bei René lesen, dass AMU Reprints, die Lizenzinhaber der Comics, das als Copyright-Verletzung sehen. Immerhin sind sie keine Kulturnazis und haben ihn in einem echt netten Brief darauf hingewiesen und gebeten, die Bilder runter zu nehmen. Ich habe die Bilder ebenfalls gelöscht, aber das Internet ist eben das Internet und die Bilder verschwinden natürlich nicht, weshalb man sie immer noch leicht über Google findet; oder eben bei René, der sie bei Flickr hochgeladen und außerdem ein paar schlaue Worte geschrieben hat, die ich gerne mit euch teilen würde:

Ist natürlich wiedermal einer dieser Fälle, in der Rechteverwerter oder Kulturschaffende denken, sie hätten tatsächlich Kontrolle über ihr Werk. Haben sie nicht und hatten sie nie. Kultur geht über die Schaffung einer Arbeit weit hinaus und besteht in großen Teilen in der Kopie und dem Remix, schon seit ein paar Jahrzehnten, ob nun meine Mutti olle Beatles-Bilder ausgeschnitten hat und in ein Heft klebte oder ich den Eddie von Iron Maiden abzeichnete. Diese Weiterverwertung von Kultur gab es schon immer und erst hier wird Kultur lebendig. Bis vor wenigen Jahren allerdings wahren die Rechteinhaber von diesem sehr viel größeren Bereich der Kultur abgeschirmt – das Netz macht genau diesen nun sichtbar, für alle.

Hier treffen zwei Einfluss-Sphären von Kultur aufeinander, die früher kaum Überschneidungspunkte hatten. Der kommerzielle Verwertungskette der Kultur war es völlig egal, ob ich mir einen Ordner voll mit Superhelden zusammencollagierte, zu einem Über-Comicremix, selbst wenn ich damit auf dem Schulhof rumrannte und angab. Illegal war das schon damals, aber das Gesetz just did not give a fuck. Netz bringt nun beides zusammen, Fan-Arbeiten und Remixe existieren im Internet egalitär neben dem Original und ein Nebeneffekt besteht darin, dass auch die juristische Rechtsdurchsetzung ebenso egalitär auf nahezu alles im Netz praktisch anwendbar wurde.

Ich bin der festen Überzeugung, dass der kommerzielle Kulturbetrieb ohne den brodelnden Sumpf aus Remixen und inoffizieller Weiterverarbeitung, sei es auf dem Schulhof oder eben im Netz, nicht existieren kann und letztlich steht hier jeder Kulturschaffende vor einer Entscheidung: Kann ich mit der unlizensierten, freien Weiterverarbeitung meiner Arbeiten leben und mache den Weg frei für eine Kultur, die genau so schon seit tausenden Jahren existiert? Oder stelle ich mich dem in den Weg, weil das Netz eine rigorose Durchsetzung meiner Rechte zulässt und arbeite damit tatsächlich genau gegen das an, was ich eigentlich zu verteidigen suche – nämmlich die Kultur selbst?

Ich persönlich muss da nicht lange nachdenken und habe meine Entscheidung schon lange getroffen. Und wenn Michael Den Beste, der Macher der Calvin & Hobbes-Remixe auf seinem Tumblr schreibt „I won’t be posting new ones to the web ever again“, dann weiß ich, dass alle bei diesem Stück hier verloren haben. Ihr, Ich, Michael und vor allem Calvin & Hobbes.

Ich stimme seiner Aussage vollkommen zu, wobei ich bei diesem Fall und Bill Waterson eben eine Ausnahme machen würde, wenn auch zähneknirschend. Waterson selbst hat verfügt, dass seine Schöpfung nur in Comicform und nirgend sonst existiert. Gut, hier geht es nicht um T-Shirts oder sonstige Fanartikel, sondern um eine liebevolle Homage von einem Fan (weshalb die Mail wohl auch so nett formuliert wurde), aber prinzipiell geht es in diesem Fall darum, den Willen des Schöpfers zu ehren. Es macht zwar immer noch keinen kulturtechnischen Sinn, aber es ist für Bill Waterson und dem sind wir alle irgendwo was schuldig.

Ansonsten hat René völlig recht und es zeigt, wie bitter nötig neue Gesetze wären. Immerhin kann Michael Den Beste jetzt auf Fanart hoffen, wodurch das Projekt nicht ganz sterben wird. Und außerdem ist dies das Internet; wenn wir etwas nicht sterben lassen wollen, dann tut es das nicht.