‘Cloud Atlas’ Review

16 Jan, 2013 · Sascha · Film,Review

Deutschland 2012
Regie: Lana Wachowski, Tom Tykwer, Andy Wachowski
Drehbuch: Lana Wachowski, Tom Tykwer, Andy Wachowski
Darsteller: Tom Hanks, Halle Berry, Jim Broadbent, Hugo Weaving, Ben Wishaw, Jim Sturgess, Doona Bae
Länge: 172 Minuten
FSK: 12
Rating: ★★★★½

Manchmal gibt es solche Filme, die einem einfach gefallen und direkt ins Herz treffen und ich bin noch nicht zynisch genug um mir diese Erlebnisse abzuquatschen. So ist’s passiert bei Cloud Atlas, einem wichtigen Film mit Makeln. Aber wie könnte es auch anders sein, wenn man versucht 6 Geschichten gestreckt über 500 Jahre versucht zu erzählen? Natürlich sollte ‘Cloud Atlas’ zum Scheitern verurteilt sein, und manche Kritiker hätten das auch gerne so, aber dennoch klappt es und Tykwer sowie die Wachowskis schaffen schlittern vielleicht knapp am Meisterwerk vorbei, schufen aber dennoch einen Film über den in den kommenden Jahren noch reden wird.

Seitdem Peter Jackson den Herr der Ringe verfilmt hat, der als unfilmbar galt, fragt man sich heute in der Filmbranche nicht mehr ob, sondern nur noch wie. Doch die Buchvorlage ‘Cloud Atlas’ von David Mitchell wagt, was bisher so noch nie dagewesen war. Es werden Charaktere, Geschichte und Zeiten verknüpft ohne dass sie direkt miteinander zu tun haben oder aufeinander Einfluss nehmen. Oberflächlich gesehen ist der Film ein Puzzle, das man nicht so leicht verknüpfen kann, doch tief darunter verbirgt sich eine, wenn auch naive, wahre und immerwährende Botschaft, die die Zuschauer berührt.

First things first: Der Film sieht wunderschön aus. Zwar ist bis auf das postapokalyptische Hawaii keine einzige Teilgeschichte neu, doch visuell ist das alles erste Sahne und interessant inszeniert, sodass man auch über die narrativen Ähnlichkeiten zu Klassikern wie z.B. Soylent Green hinwegblickt. Das Ganze ist wirklich mehr als die Summe seiner Teile, da sie grundlegend zusammengehören und diese auf unteren Ebenen immer wieder angespielt werden, sowohl durch strukturelle Elemente als auch auf der musikalischer Ebene.

Ein ganz wichtiges Symbol, das bisher kaum beachtet wurde in der Auffassung des Films, ist die Tür. Der Schnitt des Films ist makellos und wie leichtfüßig man zwischen Szenen und Epochen wechselt ist beeindruckend. Oft funktioniert sie schlicht als Scharnier zwischen Szenen, aber ihre Bedeutung geht tiefer. Und all dies ist nur ein Symbol in einem Film, der die postmoderne Intertextualität lebt wie kein zweiter.

Natürlich sollte man die schauspielerischen Darbietungen besprechen, wenn z.B. Hanks bis zu sechs Rollen verkörpert. Auch wenn mit Makeup, das manchmal funktioniert und manchmal katastrophal ablenkt und befremdlich wirkt, viel getrickst wird, kann man nicht darüber hinwegtauschen, dass jeder Schauspieler bisweilen nur einen bis zwei wirklichen Hauptcharakter bzw. eine Hauptepoche hat.

Es ist interessant Schauspieler aus den anderen Epochen im Hintergrund zu sehen bzw. erst später zu bemerken, wer hinter der Maske steckte, aber auch zur grundlegenden Entwicklung trägt dies bei. Es sollen Seelen sein, die sich über die Zeit in neuen Körpern wieder finden und immer wieder erneut zwischen Gut und Böse entscheiden müssen. Bei manchen gelingt der Aufstieg, andere bleiben immer in der Dunkelheit verloren. Die zentrale Botschaft dabei: Nur gemeinsam überwinden wir unsere Unterschiede und können eine bessere Zukunft für alle erbauen.

Diese Botschaft ist so naiv und wahr, sie könnte von Disney stammen. Tief in uns drin wissen wir, das sie stimmig ist. Ich bin nicht zynisch genug den Wachowskis, Tykwer und Mitchell zu widersprechen.

For Alpay, never forget.