‘Argo’ Review

12 Dec, 2012 · Sascha · Film,Review

Vereinigte Staaten 2012
Regie: Ben Affleck
Drehbuch: Chris Terrio
Darsteller: Ben Affleck, Bryan Cranston, Alan Arkin, John Goodman
Länge: 120 Minuten
Rating: ★★★½☆

“Argo fuck yourself!”

Ben Affleck hat sich wirklich gemacht. Trotz früher Erfolge drohte seine Karriere anfang der Jahrtausendwende durch Pfeifen wie ‘Dare Devil’ oder ‘Pearl Harbor’ in die Mittelmäßigkeit abzurutschen. Doch Affleck zog sich zurück, machte kritisch erfolgreiche Ausflüge in die Regie mit ‘Gone Baby Gone’ und bewies mit ‘The Town’, dass er keine Eintagsfliege ist. ‘Argo’ ist zweifellos Afflecks beste Regieleistung bis dato, was zwar den Film zu einem unterhaltsamen Thriller und berechtigten Oscarkandidaten macht, aber auch dunkle Einblicke in die amerikanische Psyche offenbart.

Iran, 1979, Revolution. Die US-Botschaft wird gestürmt, Diplomate werden zu Geiseln, sechs Mitarbeiter können entkommen und verstecken sich im Haus des kanadischen Botschafters. Ben Affleck spielt einen CIA-Agenten, der auf Extraktionsmissionen spezialisiert ist, eine falsche Hollywoodfirma aufzieht und den Iraner vorgaukelt, einen Science Fiction Film drehen zu wollen, um so die sechs Landsleute zu befreien. Soweit der Plan.

Als Politikstudent und jemand, der ein wenig Ahnung von Iran und seiner Geschichte im vergangenen Jahrhundert hat, war ich natürlich sehr interessant Ben Afflecks neuen Film zu sehen. Und meine Erwartungen wurden vollends erfüllt. ‘Argo’ ist ein typischer Politthriller der alten Schule mit guten Darbietungen (insbesondere Arkin und Goodman als Hollywoodleute) und Spannung bis zur letzten Minuten. Doch bei allem gebührenden Lob blieb ein bitterer Beigeschmack übrig, der, umso mehr ich über den Film nachdenke, auffälliger wird.

Da ist Affleck doch ein ansonsten ausgesprochen progressiv-liberaler Mensch, der sich abseits der Schauspielerei politisch engagiert, und trotzdem ist Argo voller Hurrapatriotismus und Xenophobie. Die Iraner werden meist als schreiende, wütende Monster wahrgenommen, die den Amerikaner an den Leib wollen. Untertitel werden nicht angezeigt und die Hintergründe für diese Wut werden auch nicht tiefer ergründet. Man geht den einfachen Weg des Stereotyps, was besonders bitter ist, weil Affleck es besser weiß.

Eine Szene sticht besonders heraus, als die “Filmcrew” sich mit iranischen Offiziellen den Marktplatz als möglichen Drehort sichten will. Es kommt zu einem Missverständnis und ein Iraner brüllt eine zaghafte, junge Amerikanerin an. Es kommt zur Massenbildung. Afflecks Bilder sind dunkel, die verwinkelten Gassen des Marktes unheimlich und die Kamera nah an den Personen. Die Iraner werden schlicht als “die Anderen” zum Antagonist stilisiert, ohne zu erklären, wieso diese Menschen so wütend sind. Die Opulenz und Folter des Schahs werden erwähnt, aber nie wird darauf eingegangen, weshalb jetzt religiös-fundamentelle Iraner an der Macht sind oder wie die Menschen unter dem Schah litten.

Affleck selektiert und zeigt uns wütende, radikal-islamische Revolutionsmitglieder. Es ist wohl typisch, dass den Amerikanern in ihrer Kunst, dem Comic, die Vorgeschichte des Irans zu Beginn des Films erklärt wird. Im Comic ist die Welt nämlich noch in Ordnung, es gibt klare Linien. Sie sind die Helden, die Iraner die Bösen, komplexer kann oder vielleicht darf der Film auch nicht sein. Im Abspann zeigt uns Affleck Echtaufnahmen der Geiselnahme und Befreiung, die Bildern aus dem Film gegenübergestellt werden. Die detailgetreue Umsetzung der Kostüme und Sets ist respektabel, wäre aber wohl besser im Drehbuch aufgehoben gewesen.