Vereinigte Staaten, 2012
Regie: Bill Condon
Drehbuch: Melissa Rosenberg
Darsteller: Robert Pattinson, Kristen Stewart, Taylor Lautner
Länge: 115 Minuten
FSK: 12
Rating: ★☆☆☆☆

Ach, was wäre es leicht Twilight süffisant zu zerpflücken, dem Team dahinter Berechenheit und Leidenschaftslosigkeit vorzuwerfen oder dem Film schlicht die Existenzberechtigung abzusprechen. Immerhin gäbe es diesen Film nicht, wenn Warner Bros. nicht den schlauen Schritt getan hätte, ‘Harry Potter and the Deathly Hallows’ in zwei Teile zu teilen; und aus gutem Grund, immerhin hatte man eine lange und komplexe Geschichte zu erzählen. Aber das mache ich nicht. Ich bin müde. Diese Filme existieren und sind für eine ganz bestimmte Gruppe von Leuten gemacht worden, nämlich die Fans der Bücher und Filme. Wenn der künstlerische Funke nicht mehr Antrieb hinter einem Projekt verfällt, ist Kritik durchaus berechtigt. Aber bei dem vierten Sequel sollte das niemanden mehr überraschen.

Bella ist nach der Geburt ihrer Tochter Renesmee nun ein Vampir und Edward hilft ihr dabei sich daran zu gewöhnen. Ihre Tochter ist eine Mischung aus Mensch und Vampir und wächst daher unnatürlich schnell heran. Doch im Twilight-Mythos sind Vampirkinder auf Grund ihres ewigen Kindseins verboten und als jemand Renesmee beim Schweben beobachtet und fälschlicherweise von einem reinen Vampirkind ausgeht, stellt das natürlich eine Gefahr für die bestehende Herrschaft dar. Plot also: Vampirkönige wollen Bellas Tochter töten, obwohl die ja noch wächst und nicht ewig so bleibt.

Ja, gut. So ist das halt, wenn man eine ohnehin dünne Geschichte auf zwei Filme streckt: Es herrscht über 90 Minuten hinweg Langeweilie. Die Cullens bereisen die Welt um “Zeugen” zu finden, sodass man dem bösen Obervampir Aro (Michael Sheen, der kurz vor dem Finale einen ) sagen kann: Hey, ist alles nicht so. Spielt aber keine Rolle und es kommt wie es kommen muss zum großen Showdown. Und ganz ehrlich? Der Film hatte mich fast für eine Sekunde. Da kämpfen Vampire und Werwölfe gegeneinander und es geht echt zur Sache. Da sterben Leute, manche Charaktere opfern sich und als Kenner der bisherigen Filme ist man da überrascht, wie unerwartet hart die Geschichte mit ihren Charakteren umgeht. Ich würde ja fast so weit gehen diese Szenen als dramatisch zu bezeichnen, wenn es dann nicht doch den feighaftesten Twist in jüngster Erinnerung gäbe, der sogar M Night Shyamalans ‘The Happening’ vergessen lässt: Es war alles nur eine Vision.

Im letzten Teil treten die Spezialfähigkeiten der Vampire in den Vordergrund und unterhalten das Auge leicht mit einigen netten Effekten. Eine der Cullens, Alice, kann die Zukunft voraussehen und nun auch anderen die Zukunft zeigen. Sie zeigt also Aro: Hey, ihr verliert. Dann sagt er sich: Gut, gehen wa ma besser wieder. Das war’s. Es ist antiklimaktisch und zieht einem den Boden unter den Füßen weg. Deus Ex Machina, genau wie die Auflösung von Meyers’ Love-Triangle, wo sich der Werwolf Jacob auf Bellas Kind Renesmee “prägt”. Das ist so beschämend, dass sich alle hinter und vor der Kamera und sogar im Film darüber auslassen. Aber nein, es bedeutet nichts Sexuelles, zunächst sei nur da ein natürlicher Schutzinstinkt, der aber durchaus später zu einer Beziehung heranwächst, wie uns eine Vision am Ende der Geschichte zeigt. Creepy.

Jeder, bis auf die Fans, ist müde von diesem Unternehmen. Am meisten die beiden Hauptdarsteller, die nun Gott sei Dank ihr ja durchaus existerendes Talent anderweitig einsetzen werden. Technisch gesehen ist der Film Unterhaltung aus der Dose. Vom Make-Up angefangen, über die Kostüme oder die Schauplätze, es ist alles langweilig und lustlos gestaltet. So findet auch der finale Kampf nicht on location statt, sondern wird per Greenscreen eingespeist. Das sieht man in allen Einstellungen, welche ebenfalls lustlos sind. Leute stehen herum, werfen sich nichtssagende Blicke zu, die immer 1-2 Sekunden zu lange sind und allgemein wirken die meisten Szenen als ob man nach 1-2 Takes die Kameras wieder abgebaut hätte. Ist in der Kiste, reicht Leute. Ist abgefilmt. Regisseur, Produzenten, Cast und Crew haben sich wohl gefragt: Können wir damit durchkommen? Tun sie. Und sie werden dabei noch reich. Was will man ihnen vorwerfen außer einem schlechten Film?