Frankreich, 2012
Regie: Christian Vincent
Drehbuch: Etienne Comar, Philippe Rousselet
Darsteller: Catherine Frot, Jean d’Ormesson, Hippolyte Girardot
Länge: 95 Minuten
FSK: empfohlen ab 65 Jahre
Rating: ½☆☆☆☆

Selten hat ein solch harmloser Film mich so erzürnt! Wenn man nach 15 Minuten im Film noch kein Gefühl dafür hat, was für einen Ton man hier vorfinden soll, beschleicht mich ein schwummriges Gefühl. Wenn der titelgebende Präsident eine insgesamte Screentime von vielleicht 8 Minuten und erst nach gut 30 Minuten seinen ersten Auftritt hat, kann einiges nicht stimmen. ‘Die Köchin & der Präsident’ bricht so manche Drehbuchgesetze, die besonders stark auffallen, weil der Film absolut keine Geschichte zu erzählen hat und so lahm ist, wie kaum ein anderer Film in den letzten Jahren.

Catherine Frot spielt Hortense Laborie, eine Seelchen vom Lande, die gut kochen kann und sich von Niemandem etwas erzählen lässt. That’s it. You want more characterization? Uwe Boll soll ja auch Filme machen… Ist sie anfangs noch zögerlich, als ein Angebot der Präsidentenküche ankommt, weil demenzkranker Opa daheim und so, spielt das nach 5 Minuten keine Rolle mehr und wird nie wieder erwähnt. Nebenstränge werden aufgegeben oder halbherzig erzählt, wie die Rahmenstory eines australischen Reporterteams, das eine Dokumentation über Hortense 3 Jahre nach der Haupthandlung in der Antarktis machen will. Übrigens sehr lustig: Deutsche Synchronsprecher, die sich in französischen Filmen an australischen Akzenten versuchen.

Ach, habe ich erwähnt, dass der Film aus Frankreich ist? Falls nicht, keine Sorge. Der Film vergisst es nie und erwähnt es an jeder möglichen Ecke. Oh, alles ist so toll quirky und lustig und komisch. Und überhaupt, die Leute vom Land sind ja die wahrhaft guten Leute, da wo noch alles in Ordnung ist und die Menschen so gezeigt werden, wie sie wirklich sind. Diese Leute müssten mal in Paris aufräumen und den Leuten zeigen, wo der Hase lang läuft.

Aber zurück zum Hauptthema: Das ist nämlich Essen. Essen, Essen, Essen. Nichts anderes. Hortense kocht – und das einzige, was passieren kann, ist, dass es dem Präsidenten nicht mundet. That’s it. Nerve-wrecking stakes, people! Absolut nichts steht hier auf dem Spiel.

Statt Story gibt es hier hübsche Bilder von französischen Gerichten, bei deren detailreichen Beschreibungen Hobbyköchen der Bauch gepinselt wird, wenn sie Anleitungsschritte verstehen. Der Rest des Publikums schaut in die Röhre. Immerhin sieht das Essen nett photographiert aus, aber das war es auch schon. Statt Story gibt es hier “Food Porn – The Movie”, unterlegt mit der Titelmelodie von Die Sims. Und das im 5-Minuten-Rhythmus. Am Ende hört Hortense auf, weil ihr die Arbeit zu viel wird und sie lieber Trüffel in Neuseeland anbauen will. Das ist doch eine Geschichte, die erzählt werden will! Es gibt keinen wahren Konflikt. Nicht einen. Ja, die Köche in der Zentralküche sind neidisch, weil Hortense jetzt alleine für den Präsidenten kocht und ihm das so gut schmeckt, aber das ist doch keine Spannung. Genauso beschwert sich einmal ein Mitarbeiter über die Reisekosten von Hortense, die in ihre Heimat fährt um Steinpilze zu kaufen. Hortense ist verblüfft: Aber es waren doch Steinpilze! Die guten, wo aussehen wie Champagnerkorken!

Absolut nichts in diesem Film verlangt verfilmt zu werden. Kein kreativer Funke, nirgends. Weder im Bild, dem Schauspiel, der Regie oder der Geschichte. Nichts. Dies ist ein Film, der ohne die reiche Filmförderung Frankreichs nicht existieren würde oder es maximal auf einen Sonntagnachmittag in der ARD schaffen würde.

Doch das Problem geht tiefer: Wie so oft hat man hier wieder einen dieser Feel-Good-Filme versucht zu machen, von denen man in den letzten Jahren aus unserem Nachbarland überschwemmt wird.

Es ist die Sorte Filme, die niemandem etwas Böses will. Jeder ist willkommen, Kontroverse verabschiedet sich an der Tür, Herz und Humor gehen Hand in Hand. Somit kann man immer nur überhaupt Mittelmaß erreichen, wenn man nichts zu erzählen hat, sogar noch weniger.