“Little Ass Kicker.”

Nach der Explosion letzte Woche war nichts anderes als eine Aftershow-Folge zu erwarten und genau das erhalten wir. Rick schnappt sich eine Axt, dreht durch und beantwortet am Ende der Episode einen – gasp – Telefonanruf. Der Rest der Gruppe sucht nach Milchpuder für die kleine Judith (oder wie auch immer man sich hier einigen wird) und in Woodbury verlässt Michonne Andrea, die lieber dort bleiben möchte, sich das jedoch schnell anders überlegt, als sie die Zombiefestspiele des Governors erlebt.

Wie bereits in der letzten Review gesagt: The Walking Dead muss um etwas gehen. Was wir hier haben, ist größtenteils belanglos. Es muss kein tiefer soziopolitischer Kommentar um den Status der amerikanischen Gesellschaft zu Beginn des 21. Jahrhunderts sein, aber ein wenig mehr Substanz schadet nicht.

Solange die Charaktere reden und keine direkte Gefahr vorhanden ist, gibt es meist Probleme. Ein bisschen mehr Humor dürfte auch nicht schaden (“Dinner!”). Wie auch immer, mehr davon. Mehr menschliche Momente. Michonne hat, wie befürchtet, immer noch keinen wirklichen Charakter. Sie ist einfach die coole schwarze Kickasssamuraitante, die alle mit ihren großen Augen misstrauisch anblickt, weil sie vermutlich eine stramme Zeit hinter sich hat. Sofern wir das aber als Zuschauer nicht sehen, existiert das praktisch nicht. Was wir an Charakter haben, sehen wir in der Szene – und das ist eben nichts außer bösen Blicken und Badass-Samurai-Action. Das reicht nicht.

Der Konflikt zwischen Michonne und Andrea ist immerhin ganz interessant. Es wäre hier interessant ein bisschen Vorgeschichte zu haben, sodass wir verstehen können, wieso Michonne so misstrauisch ist. Immerhin war ihr Misstrauen gerechnetfertigt: Andrea will am liebsten abhauen, als sie erfährt, dass die Woodbury-Leute Mitglieder ihrer Gruppe in einer Arena voller angeketteter Zombies zur Unterhaltung kämpfen lassen. Es ist ein netter Kommentar, ein guter Anfang. Die Leute brauchen Unterhaltung, doch in dieser Form? Gibt es nicht schon genug Gewalt? Interessante Idee, die hoffentlich in der nächsten Folge weiter diskutiert wird.

Die Gruppe im Gefängnis musste schnell reagieren. Das Baby hat Hunger und noch einen Todesfall halten die Leute nicht mehr aus. Schön zu sehen, wie eng die Leute inzwischen sind, durch welche Scheiße sie gemeinsam gegangen sind und wie sehr sie das zusammengeschweißt hat. Auch wenn wir nicht viel Ahnung haben, wer diese Leute eigentlich sind, haben wir ein Verständnis dafür, was sie als Gruppe stark macht.

Doch die Dialoge handeln immer noch nur davon wie schlimm doch alles in der letzten Folge war und welches Elend sie erleiden. Das ist realistisch, aber in den ganzen Monaten reden die Leute doch auch mal über was anderes, oder? Ich will mal menschliche Momente. Einen netten Moment gibt es immerhin draußen zwischen Glenn und Hershel. Glenn ist dort Gräber am Schaufeln – auch eins für Carol, die wir für tot halten sollen. Yeah, don’t think so.

Ricks Amoklauf im Knast endet auch interessant: Am Ende findet er nicht einmal mehr Loris Körper, der wohl von einem Zombie komplett gefressen wurde. Die Serie lässt ihren Charakteren auch keinen einzigen Hoffnungsschimmer. Nicht einmal verabschieden kann der arme Kerl sich von seiner toten Frau. Doch dazu hat er auch jetzt keine Zeit: Das Telefon klingelt. WTF!? Rick hebt ab, Stille…”Hallo?”. Fans der Comics wissen, wer sich dahinter befindet und wir dürfen gespannt sein, ob sich das auf dem Bildschirm genauso effektvoll vollzieht wie im Comic, aber wir wollen das Mysterium für unsere Fernsehfans in den Kommentaren bewahren, hmkay?

  • Danke fürs Nicht-Spoilern :D Ich fand die Folge auch eher zäh und hoffe, der Anruf am Ende bringt wieder ein bisschen Abwechslung rein.

  • Sascha

    Wird er, versprochen ;)

  • (Ich finde übrigens Daryls Poncho grandios, nur mal nebenbei.)

  • Sascha

    Deshalb ist da ein Bild davon ;) Badassponcho!