“Welcome to Woodbury.”

Vor etwas mehr als einem halben Jahr habe ich über eine Episodenidee des früheren Showrunners Frank Darabont berichtet, die einer Gruppe von Soldaten in ihrem Kampf um Atlanta begleitet hätte. Der Hauptdarsteller wäre Sam Witwer gewesen, ein relativ bekannter Schauspieler, der auch den Zombie im Panzer gespielt hat. Es wäre eine geniale Episode im Stile von Black Hawk Down geworden, nur mit Zombies. Doch sie wurde abgelehnt. Immerhin wären unsere Helden gar nicht vorgekommen. Das gefiel AMC gar nicht. Das ist schade, denn der Serie tut es verdammt gut sich mal abseits der Strecke umzugucken, wie uns “Walk With Me” beweist.

Wir steigen ein bei der noch immer kranken Andrea und Michonne, die ihre beiden Zombiefreunde immer noch angekettet hat. Ein Helicopter stürzt in der Nähe ab. Als sie die Absturzstelle begutachten wollen, kommen Männer und retten den Piloten, den Rest der Leichen töten sie. Die zwei Beißer im Gepäck machen Lärm und Michonne muss sie opfern. Doch das alles rettet sie nicht: Sie werden entdeckt – von Merle!

Die beiden werden nach Woodbury gebracht und dort vom Governor empfangen, der von David Morissey gespielt wird und seinem Comic-Ebenbild in keinster Weise ähnelt. Das ist okay, denn ich empfand diese Figur immer als Karikatur und Morissey bringt wesentlich mehr Tiefe zu der Rolle, die sie auch braucht. Dieser Governor ist nämlich ein Mann von Autorität, Kraft und Durchsetzungsvermögen. Ein, wie René es treffend ausdrückte, Staatsmann.

Und obwohl das Gefängnis, Rick und so weiter nicht in dieser Episode vorkommen, sind sie dennoch die ganze Zeit über in unseren Gedanken. Wenn dieser Typ in der gleichen Zeit Woodbury, wie wir es hier sehen, aus dem Boden gestampft hat, was sagt das dann über unseren Helden aus? Was macht Rick falsch? Ist Rick ein Waschlappen? Was Comicfans bereits wissen, wird in der Folge lange und spielerisch bis zum Ende herausgezögert: Der Governor ist ein Psychopath, der für seine Sicherheit seinen Verstand und seine Moral geopfert hat. Die zentrale Frage der Serie, wie weit man bereit ist zu gehen, wird hier in Form seiner Figur schaurig beantwortet und ich kann mir gut vorstellen, wie beängstigend das auf unwissende Zuschauer gewirkt haben muss.

Nebenbei kriegen wir auch Merle in der light Version vorgeschoben, einen Merle, der sich untergeordnet. Was das über den, der über ihm steht, aussagt, ist auch klar. Weiterhin gibt es eine nette Verbeugung vor Day of the Dead und wir kriegen Informationen über die Zombies, die auch verhungern – aber eben zu langsam. Dallas Roberts (aus Rubicon, einer schrecklich guten und kriminell unbekannten Serie) spielt einen Zombieforscher, der hart an der Karikatur vorbeischrammt. Ebenso Danai Gurira spielt ihre Michonne ein wenig zu hart. Klar, Comicfans wissen, dass zwischen Michonne und ihr Katana nichts kommt, aber die einseitigen, bösen Blicke haben spätestens in der zweiten Szene ihre Wirkung verloren. Hoffentlich kommt da bald mehr von ihr.

Insgesamt eine sehr gute Folge. Woodbury ist eingeführt, jetzt bleibt noch ein bisschen Gefängnisquatsch übrig und dann kommt es bestimmt in ein paar Folgen auch schon zur ersten Konfrontation. Die kriegen das dann wohl wirklich komplett in einer Staffel (16 Folgen) durch. Schade.

  • Ein bisschen Gefängsnisquatsch ist gut. Episode 4 war bisher die beste Abweichung vom Comic. Total überraschend. Bis zum letzten Moment dachte ich “no way..” Aber es kam wie es kam. Ich dachte die 2. wird schwer zu toppen. Aber #4 setzt noch einen drauf. Ich bin wirklich gespannt wie es weiter geht. Kirkman liefert hier großartige Arbeit, wenn er denn auch das Buch für die Serie schreibt. Das weiß ich garnicht.
    Jedenfalls freue ich mich auf die nächsten Folgen wenn der Govenor endlich sein wahres Gesicht zeigt.

  • Sascha

    Haha, nein. Ich werd dir morgen mit meiner Review auch sagen wieso du falsch liegst!

  • Darauf bin ich jetzt genauso gespannt wie auf die nächste Folge ;)

  • Sascha

    Ha! Welch Ehre ;D